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in 2009 witii funding from
University of Toronto
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NARREN, GAUKLER UND VOLKSLIEBLINGE
HERAUSGEGEBEN VON ALBERT WESSELSKI
VIERTER BAND: DER HODSCHA NASREDDIN II
H)
vsisuev,
DER HODSCHA
NASREDDIN
Türkische, arabische, berberische,
maltesische, sizilianische , kalabrische,
kroatische, serbische und griechische
Märlein und Schwanke
Gesammelt und herausgegeben von
Albert Wesselski
IL Band
Alexander Duncker Verlag
Weimar MCMXI
Alle Rechte vorbehalten.
PN
ZI
Inhalt des 11. Bandes
Seite
II, Arabische Überlieferungen ........ 1
1. Aus dem Nawadir el chodscha nasr ed-din
effendi dschoha 3
2. Aus der von Mardrus besorgten Ausgabe von
Tausend und einer Nacht 19
3. Volkserzählungen aus Tripolis und Tunis . . 25
III, Berberische Überlieferungen 49
IV, Maltesische Überlieferungen 91
V. Sizilianische Überlieferungen 101
VI, Kalabrische Überlieferungen 115
VII, Kroatische Überlieferungen 131
VIII, Serbische Überlieferungen 139
IX, Griechische Überlieferungen 159
Anmerkungen literatur- und stoffgeschichtlichen In-
halts 179
Tür hüten 182
Verscheuchung von Dieben , . . 183, 211 und 215
Vertauschung eines Toten gegen einen Hammel , 183
Regen eßbarer Dinge 184, 195 und 204
Prangerritt der Ehebrecherin 135
Esel (Kalb) an der Stelle des Ehebrechers , , . 187
Nur miteinander verkaufen 188
„Wenn der Berg nicht zum Propheten kommen
will" usw 190
Zoll auf verschiedene Gebrechen 194
Die drei Dummen (Braut und ihre Eltern) , , . 194
Heller in fremdes Geld gev/orfen 197
Unibosmärchen 197, 199 und 201
Brandmarkung 198
Der Schuldner stellt sich tot 199
Goldmistende Tiere 201
Verschleuderung wertvoller Dinge durch einen
Dummkopf 201
Seltsame Teilung 202
Aristoteles und die Königin 203
Mitbieten eines falschen Käufers 204
Verkauf an einen Vogel (einen Baum, eine
Statue usw.) 204
Fleischverkauf an Hunde 206 und 211
VII
Seite
Die Königstochter lachen gemacht 206
Der Schakal (Fuchs) hat zehn Listen 207
Anbauen von Salz, Geld, Kuhschwänzen usw. . . 209
Nur an Leute verkaufen, die wenig reden , . . 211
Fleischverkauf an Fliegen 211
Verkehrte Ansprache oder Begrüßung .... 213
Herauslockung eines Tieres 213
Mehrfache Ausnützung eines Leichnams .... 214
Heilung durch Lachen 214
Bestreichung der Erde mit Butter 215
Unkenntnis vom Wesen des Kindsschädels . . . 215
Entweder ..... oder . . . .! 217
Ist das Ernst oder Spaß? 219
Lügenschnurren 219 und 220
Zwecklosigkeit der Strafe nach dem Vergehn . . 231
Anhang 235
Für die Nachkommen pflanzen 235
Drei Fragen (Kaiser und Abt) 238
Prediger mit der Eselsstimme 243
Traumbrot 243
Asinus vulgi 244
Dit de perdriz 245
Einen Esel reden (lesen) lehren 247
Einem Esel das Essen abgewöhnen 249
Index 255
VIII
IL
Arabische Überlieferungen
N a s r e d d i n , II. 1
1. Aus dem Nawadir el chodscha nasr
ed-din effendi dschoha
v-
MAn fragte Nasreddin: „Kannst du rechnen?" 339.
„Freilich," antwortete er; „darüber gibts
keinen Zweifel." „Wie würdest du also vier
Dirhem unter drei Personen gleichmäßig ver-
teilen?" „Zweien von ihnen gäbe ich jedem zwei
Dirhem, der dritte bekäme nichts und müßte
warten, bis noch zwei Dirhem dawären; dann
nähme er diese und so hätten alle drei gleich
viel."
NAsreddin, der Pfirsiche in der Tasche hatte, 340.
kam bei etlichen Leuten vorbei und sagte
zu ihnen: „Wer es errät, was ich in der Tasche
habe, bekommt den größten Pfirsich." Sie ant-
worteten ihm; „Es sind Pfirsiche." Er sagte:
„Ja, wer hat euch denn das gesagt? das muß ein
rechter Hurensohn sein."
Eines Tages ging Nasreddin mit einer Flasche 341.
zum Bache, um Wasser zu holen; sie fiel
ihm aus der Hand und sank unter. Da setzte er
sich am Ufer nieder. Ein Freund von ihm kam
vorbei und sagte: ,,Was sitzst du da, Dschoha?"
„Eine meinige Flasche ist ertrunken; ich
warte, bis sie aufquillt und an die Oberfläche
kommt."
Eines Tages brachte Nasreddin Korn in die 342.
Mühle; dort begann er dann das Korn aus
den Körben der andern Leute zu nehmen und es in
den seinigen zu tun. Endlich sagte der Müller zu
ihm: „Was machst du da?" „Ich bin ein Narr."
„Warum nimmst du dann nicht das Korn aus
deinem Korbe und tust es in die der andern?"
„Ich bin ein einfacher Narr; täte ich das, was du
sagst, wäre ich ein doppelter Narr,"
Der Müller begann zu lachen und ließ ihn
laufen.
343. T\As Maultier Nasreddin Dschohas nahm ein-
J-^ mal einen andern Weg, als er gewollt hätte.
Einer seiner Freunde, der ihm begegnete, fragte
ihn: „Wohin, Dschoha?" „Wohin mein Maul-
tier will."
344. T^Schoha brachte eines Tages einen löcherigen
JL^ Kessel auf den Markt, um ihn zu verkaufen;
aber man sagte ihm: ,,Er hat ein Loch, er ist
nichts wert." Er antwortete: „Bei Gott, das ist
nicht wahr, er hat kein Loch; meine Mutter hatte
Baumwolle drinnen, und er hat nicht geronnen."
345. "T^lnmal ging die Mutter Si Dschohas zu einer
C^ Lustbarkeit und sagte zu ihm: „Hüte die
Tür," Da setzte er sich nieder, mit dem Rücken
an die Tür gelehnt. Als es ihm dann langweilig
wurde, stand er auf und ging weg, trug aber
dabei die Tür auf dem Kopfe, Einer seiner
Freunde sah ihn und sagte: ,,Was soll das
heißen?" Er antwortete: „Meine Mutter hat mir
gesagt, ich soll die Tür hüten."
346. "C^Ines Tages knackte Dschoha eine Mandel auf
Ca und der Kern entschlüpfte ihm; da sagte er:
,,Wie wunderbar! alles flieht vor dem Tode,
sogar die unvernünftigen Wesen."
Einmal ging Dschoha in den Vorraum seines 347.
Hauses hinaus und fand dort einen Er-
mordeten. Er warf ihn in den Brunnen und
.sagte es seinem Vater. Der nahm den Leichnam
wieder heraus und begrub ihn; dann erwürgte
er einen Hammel und warf ihn in den Brunnen.
Die Verwandten des Toten durchliefen alle
Straßen und fragten um den Leichnam; Dschoha
begegnete ihnen und sagte zu ihnen; „Bei uns ist
ein Ermordeter; kommt nachsehn, ob es euer
Mann ist." Sie gingen zu ihm und ließen ihn in
den Brunnen steigen; als er den Hammel sah,
rief er zu ihnen hinauf: „Hat euer Mann Hörner
gehabt?"
DSchoha hatte drei Pfund Fleisch gekauft und 348,
sagte zu seiner Frau; „Koch uns ein wenig
Fleisch," Sie kochte es, aß es aber mit ihrem
Geliebten. Dschoha kam heim und fragte: „Wo
ist das Fleisch?" Die Frau antwortete: „Ich war
in der Küche beschäftigt; unterdessen hat es die
Katze gefressen."
Dschoha stand auf, nahm die Katze und wog
sie; da hatte sie gerade drei Pfund. Und er
schrie: „Du Metze, wenn das die Katze ist, wo
ist das Fleisch? und wenn das das Fleisch ist,
wo ist die Katze?"
DSchoha gab seiner Frau drei Dirhem und 349.
sagte zu ihr; „Kauf dafür Fleisch, laß es
aber nicht wieder die Katze fressen wie neulich."
Sie ging es kaufen und traf einen von ihren Lieb-
habern; den nahm sie mit sich nach Hause. Die
Nachbarn sahen das und führten beide vor den
Richter. Der Richter befahl, die Frau auf einen
Bullen zu setzen und sie also durch die Stadt zu
führen. Als Dschoha die Zeit lang wurde, ging
er sie suchen; da sah er sie in dieser Verfassung
und sagte zu ihr: „Du Metze, was heißt das?"
Sie antwortete: „Nun, nun, was denn? Geh
nur nach Hause; ich habe nur noch den Markt
der Essenzenverkäufer und der Tuchhändler,
dann gehe ich das Fleisch kaufen und komme
heim."
350. T^^^ Frau Dschohas pflegte in der Nacht weg-
J--/ zulaufen und sich mit ihrem Geliebten zu
treffen; deswegen wurde Dschoha von seinen
Nachbarn gehänselt. Da hielt er sich einmal wach,
bis sie wegging; dann stand er auf, verschloß die
Tür und setzte sich dahinter. Als die Frau zurück-
kam, fand sie die Tür versperrt. Sie begann ihn
zu bitten, er möge sich ihrer erbarmen, aber er
beschimpfte sie. Als sie jede Hoffnung auf einen
günstigen Ausgang aufgegeben hatte, sagte sie zu
ihm: „Wenn du mir nicht öffnest, springe ich in
den Brunnen," Dann nahm sie einen großen
Stein und warf ihn hinein. Voll Reue lief er
hinaus, um zu sehn, was es gebe. Augenblicklich
schlüpfte die Frau ins Haus und verschloß die
Tür. Er gab sich alle Mühe, sie zur Nachgiebig-
keit zu bestimmen, aber sie hörte nicht auf, ihn
zu beschimpfen und zu ihm zu sagen: „Da hat
mans, wie du dich aufführst; die ganze Nacht
steckst du bei den Trunkenbolden." So gelang
es ihr denn, ihn vor den Nachbarn mit Schande
zu bedecken.
8
Einer, der die Frau Dschohas liebte, sagte eines 351.
Tages zu seinem Diener, einem bartlosen und
wohlgewachsenen Knaben: „Geh zu ihr und sag
ihr, daß ich sie bald besuchen werde." Der Knabe
ging hin. Sie konnte sich nicht enthalten, ihn
zu umarmen und ihn an ihre Brust zu drücken^
bis sie schließlich ihre Gelüste stillte. Der Herr
des Knaben fand, daß der zu lange ausblieb; er
machte sich also selber auf den Weg zum Hause
Dschohas. Als ihn die Frau kommen hörte, ver-
barg sie den Knaben unter dem Bette, und ihn
empfing sie wie gewöhnlich. In diesem Augen-
blicke klopfte Dschoha an die Tür. Da sagte sie
zu ihrem Geliebten: „Steh auf, lauf mit blankem
Schwerte in den Hof und stoße Schmähungen
gegen mich aus." Er tat es. Dschoha trat ein
und fragte seine Frau: „Was will der Mensch?"
„Ach, Mann," sagte sie, „das ist unser Nachbar:
sein Diener ist ihm entlaufen und hat sich zu uns
geflüchtet; er wollte auf ihn los, um ihn zu töten,
aber ich habe ihn unter das Bett gesteckt."
Dschoha sagte zu dem Knaben: „Komm nur
hervor, mein Kind, und bete zu Gott für diese
ehrsame Frau, die dir diesen großen Dienst ge-
leistet hat; Gott möge ihn ihr lohnen."
Die Frau Dschohas ging mitten in der Nacht 352.
weg. Es begegnete ihr einer und der sagte
zu ihr: „Du gehst um diese Stunde aus?" „Das
kümmert mich nichts," antwortete sie: „treffe ich
einen Mann, so ist das das, was ich suche; be-
gegnet mir ein Teufel, so werde ich ihm ge-
horchen."
9
353. "h/^An sagte zu Dschoha: „Nun bist du alt ge-
jyi. worden und weißt von der ganzen Über-
lieferung nichts auswendig." Er antwortete:
„Niemand von euch hat von Ikrimah das sagen
hören, was ich von ihm gehört habe," „Sag es
uns." „Ich habe gehört, wie Ikrimah nach ihn
Abbas\ der es von dem Propheten hatte, folgen-
des verkündete: ,Es gibt zwei Eigenschaften, die
bei niemand sonst als bei den Gläubigen vereint
sind/ Aber Ikrimah hat die eine vergessen ge-
habt und ich habe die andere vergessen,"
354. "T^Schoha war gerade beim Essen, als ein Bettler
J_^ vor seiner Tür stehn blieb und sagte:
„Muselmanen, Brüder!" Dschoha sagte: „Es soll
keine Verwandtschaft unter ihnen gelten und sie
sollen sich nicht aneinander mit Bitten wenden,* "
Der Bettler antwortete: „Hab Mitleid mit mir!"
Dschoha sagte: „Eher brauchte ich dein Mitleid."
Der Bettler: „Höre mich doch an!" Dschoha:
„Ich hätte dich angehört, wenn du dich an einen
Lebenden gewandt hättest." Der Bettler: „Wie
weitschweifig sind deine Worte, und wie trüge-
risch deine Handlungen! Möge Gott deine Hoff-
nungen zu Schanden machen!"
355. "T^Schoha brachte seiner Frau ein Stück Fleisch
A-/ und fragte sie: „Was kann man daraus
machen?" Sie antwortete: „Mit gutem Fleische
^ Abdallah ibn Abbas, der Vetter Mohammeds, von
dem angeblich ein Korankommentar herrühren soll.
^ Ist der 103, Vers der 23, Sure des Korans, die vom
jüngsten Gerichte handelt.
10
lassen sich alle möglichen guten Sachen kochen."
„Gut," sagte Dschoha, „koch mir alle möglichen
guten Sachen,"
DSchoha hatte einen Kamelhengst bestiegen; 356.
auf dem Wege warf ihn der ab und ent-
wich. Dschoha verfolgte ihn, bis er ihn schließ-
lich in einer Stadt einholte; und er sagte zu den
Einwohnern der Stadt: „Habt ihr den Schuft gc-
sehn, der mich hat umbringen wollen? Bringt
den Metzger her, damit er den Verfluchten
schlachte." Der Metzger schlachtete das Kamel
und Dschoha verteilte das Fleisch an die Ein-
wohner der Stadt.
Einer lud Dschoha zu Tische und sagte zu 357.
seiner Sklavin: „Bereite uns Feigen." Aber
sie vergaß es und er ebenso. Später sagte er zu
Dschoha; „Lies uns einen Abschnitt aus dem
Koran." Dschoha willigte ein und begann: „Im
Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen!
Bei dem Ölbaume und dem Berge Sinai . . . ." ^
Der Gastgeber sagte: „Wo bleibt die Feige?"
Dschoha antwortete: „Die habt ihr, du und deine
Sklavin, seit Anbruch der Nacht vergessen."
DSchoha heiratete eine Frau, die schielte. Um 358.
die Essensstunde brachte er zwei Brote; sie
sah vier. Dann brachte er eine Schüssel mit
Speise; sie sah zwei und sagte zu ihm: ,,Was sollen
^ Vers 1 und 2 der 95, Sure „Die Feige"; eigentlich
sollten sie lauten; „Bei der Feige und dem Ölbaume und
dem Berge Sinai."
11
wir mit zwei Schüsseln machen? eine ist genug."
Er sagte bei sich; ,,Was für eine ausgezeichnete
Frau, die alles doppelt sieht!" Als er sich dann
mit ihr zu Tische setzte, warf sie ihm die Schüssel
an den Kopf und sagte: „Bin ich denn eine Dirne,
daß du einen andern Mann zu mir führst?"
„Liebste," sagte Dschoha, „bitte, sieh alles
doppelt, nur deinen Mann nicht!"
359. "TV Schoha war bei einem großen Herrn zu Tische
±J und es gab Nugat, Da fragte ihn einer:
„Was ist das?" Er antwortete: „Ich weiß es
nicht; aber ich habe sagen hören, das Bad sei
eines der köstlichsten irdischen Dinge, und so
denke ich, daß das ein Bad ist."
360. T^ Schoha sah auf dem Tische eines Geizigen
J-^ ein Huhn, das niemand anrührte; man hatte
es zugleich mit dem Kuskussu ^ gebracht und
nach dem Essen wurde es wieder zurückgetragen.
Da sagte er: „Bei Gott, dieses Huhn hat nach
seinem Tode ein längers Dasein als zu seinen
Lebzeiten,"
361. "TV Schoha aß bei einem großen Herrn; es gab
J-y eine Fleischpastete und die verschlang er
mit vollem Munde. Einer sagte zu ihm:
„Dschoha, iß nicht zu viel; wer sich daran über-
nimmt, muß sterben." Er hielt einen Augenblick
inne, dann klatschte er seine fünf Finger zu-
* Ein mit Hammelfett und Weizenmehl hergestellter
Brei.
12
sammen und sagte: „Nehmt euch meiner Familie
an; ich befehle sie euch."
DSchoha traf einen Christen, der in der christ- 362.
liehen Fastenzeit Fleisch aß; da setzte er
sich zu ihm, um an seinem Mahle teilzunehmen.
Der Christ sagte zu ihm: „Dschoha, das Fleisch
von Tieren, die wir geschlachtet haben, ist euch
Muselmanen nicht erlaubt." Dschoha antwortete:
„Ich bin unter den Muselmanen das, was du unter
den Christen bist."
Die Frau Dschohas erzählt: Mein Geliebter 363.
hatte Lust nach einer Schüssel gedünstetes
Fleisch, und ich verlangte die Sachen dazu von
meinem Manne. Als alles nötige bereit war,
kochte ich das Gericht und aß es mit meinem
Geliebten und tat eine Gurke in den Topf. Mein
Mann kam heim und ich setzte ihm diese vor;
er kostete sie und sagte: „Das schmeckt ja wie
eine Gurke." Ich stellte sie noch einmal zu,
bis sie eingetrocknet war. Er aß sie und ging
weg. Mein Geliebter kam zum zweiten Male,
aber er war noch kaum recht eingetreten, als
ihn mein Mann ertappte; er packte ihn und
steckte ihn in eine Truhe und verschloß sie.
Dann ging er meine Verwandten holen. Sofort,
als er draußen war, machte ich mich an das
Schloß, öffnete es und ließ meinen Geliebten
heraus. Unser Nachbar hatte einen Esel; den
nahm ich und steckte ihn in die Truhe. Da trat
auch schon mein Mann mit meinem Vater und
meinem Bruder ein. Sie öffneten die Truhe und
fanden einen Esel. Und sie sagten zu Dschoha;
13
„Bist du närrisch?" Er sah mich an und sagte:
,, Dirne! du hast eine Gurke in Fleisch verwan-
delt; kein Wunder, daß du einen Menschen in
einen Esel verwandelst."
364. T^^^ Frau Dschohas erzählt weiter: Eines Tages
JLx kam mein Mann nach Hause und mein Ge-
liebter war da; ich versteckte ihn im Keller,
Mein Mann brachte dreißig Eieräpfel mit und
legte sie in den Keller. Mein Geliebter aß einen.
Dann ging mein Mann die Äpfel zählen; mein Ge-
liebter gab sie ihm einzeln, und er bildete sich ein,
es sei seine eigene Hand, die sie ihm von innen
reichte. Als er fand, daß einer fehlte, ging er
hinein; da traf er meinen Geliebten. Er fragte ihn:
,,Wer bist du?" Und mein Geliebter antwortete:
,,Ich bin ein Eierapfel." Nun sagte mein Mann zu
mir: „Schau, was für ein Spitzbube der Händler
ist! er hat mir den da für einen Apfel zugezählt,
und dabei habe ich zu ihm gesagt: »Welcher ists
denn, wenn nicht der da, der den Korb so schwer
macht?' " Dann führte er ihn zu dem Apfel-
händler und sagte zu ihm: „Hast du denn keine
Furcht vor Gott? wie kannst du mir den zu den
Äpfeln zuwägen?" Der Händler, der ein Schalk
war, nahm meinen Geliebten beim Ohre und sagte
zu ihm: „Wie oft habe ich dir schon gesagt: ,Bleib
bei den Rüben und komme nicht immer unter die
Eieräpfel!' " Dann gab er meinem Manne an
seiner statt einen Eierapfel.
365. T^Schoha erhielt von seinem Vater einen
iy Dirhem, um dafür einen Hammelkopf zu
kaufen. Er kaufte ihn, aß aber alles Fleisch
14
herunter und brachte seinem Vater den nackten
Schädel. Der Vater sagte: ,, Schuft, was ist das?"
„Ein Hammelkopf." „Wo sind die Ohren?" „Er
war taub." „Und die Zunge?" „Er war stumm."
„Und das Fleisch am Kopfe?" „Er war kahl."
Einer lud eines Tages Dschoha ein, um ihn zu 366.
hänseln, und als Dschoha zu Tische kam, war
nur ein Brot da; Dschoha stand auf und lief eiligst
weg. Der andere sagte: ,, Wohin denn, Dschoha?"
Dschoha antwortete: „Ich werde am Opfertage
wiederkommen; vielleicht gibts dann bei dir
Fleisch."
DSchoha war gerade dabei, ein Huhn mit Brot 367.
zu essen, als einer bei ihm vorbeikam; der
sagte zu ihm: „Gib mir ein Stückchen." Aber
Dschoha sagte: „Bei Gott, Bruder, das Huhn ge-
hört nicht mir; es gehört meiner Frau und sie hat
es mir gegeben, damit ich es esse."
DSchoha fragte einen Geizhals: ,, Warum lädst 368.
du mich nicht ein?" „Weil du große Bissen
nimmst und sie gierig verschlingst; während du
den einen ißt, bereitest du dir schon den andern
vor." „Aber Bruder," entgegnete Dschoha, „möch-
test du denn, daß ich jedesmal zv/ischen zwei
Bissen zwei Kniebeugungen machte?"
Eines Tages sagte Dschoha zu seiner Frau, als 369.
er mit ihr aß: ,, Nichts könnte lieblicher sein
als diese Speise, wenn sie nur nicht so knapp
wäre." „Wieso denn knapp?" sagte sie; „wir
sind doch allein, du und ich." „Mir wäre es am
15
liebsten," sagte er, ,,wenn nur der Topf und ich
dawären, und sonst niemand."
yiO, T^Schohas Esel hatte sich verlaufen; da schwur
±J Dschoha, ihn, wenn er ihn finden werde, für
einen Dinar zu verkaufen. Als er ihn aber ge-
funden hatte, nahm er eine Katze, setzte sie dem
Esel auf den Hals und führte beide Tiere auf den
Markt und schrie; „Wer will einen Esel um einen
Dinar und eine Katze um hundert Dinar? eines
ohne das andere verkaufe ich aber nicht."
yjl' "pines Tages war Dschoha in dem neugebauten
JCtf Hause eines Freundes; er setzte sich einen
Augenblick nieder, bekam aber nichts zu essen.
Da stand er auf und begann das Haus von einer
Ecke zur andern mit seinem Fuße auszumessen.
Der Eigentümer sagte: ,,Was machst du da,
Dschoha?" „Ich will mir ein Haus bauen lassen
wie dieses da; ein Haus, wo nichts zu trinken
und nichts zu essen ist, muß ja leicht zu bauen
sein,"
372. Tr\Schoha wollte für heilig gelten. Er wurde
J-y gefragt: „Wo sind deine Wunder?" und er
sagte: „Ich werde einem Baume, gleichgültig
welchem, befehlen, zu mir zu kommen, und er
wird mir gehorchen." „Sag es dem Palmbaum
da." ,,Komm," sagte Dschoha; aber der Palm-
baum rührte sich nicht, auch nicht, als er ihn drei-
mal angerufen hatte. Nun stand Dschoha auf;
man fragte ihn: „Wohin, Dschoha?" Er sagte:
„Die Propheten Gottes und die Heiligen kennen
weder Hochmut, noch Verblendung; da der Palm-
16
bäum nicht zu mir kommt, werde ich zum Palm-
baum gehn."
Eines Tages stieg Dschoha auf das Minaret der 373.
Moschee und rief zum Gebete; und er ver-
wunderte sich über seine Stimme, Alsbald stieg
er hinunter und begann hastig davonzulaufen.
Man fragte ihn: „Wohin, Dschoha?" Und er
antwortete: „Ich will wissen, bis wohin meine
Stimme reicht,"
Eines Tages ging der Hodscha mit einem seiner 374,
Freunde auf die Jagd. Sie sahen einen Wolf,
und den wollten sie fangen; sie verfolgten ihn, bis
er sich unter einen Felsen verkroch. Der Gesell
Dschohas steckte seinen Kopf hinein, um ihn zu
packen, aber der Wolf riß ihm ihn ab, Dschoha
wartete länger als eine Stunde; als er schließlich
sah, daß sich sein Gesell nicht wieder erhob, zog
er ihn heraus, und da sah er, daß er keinen Kopf
hatte. Er fragte sich, ob er einen gehabt habe
oder nicht; dann ging er in die Stadt und fragte
die Frau seines Freundes: „Hat dein Mann, als
er heute weggegangen ist, seinen Kopf bei sich
gehabt oder nicht?"
Eines Tages trug Dschoha einen Sack Korn in 375.
die Mühle, Auf dem Wege dachte er, wie
schön es wäre, wenn Gott das Korn in sei-
nem Sacke in Gold verwandeln möchte, und
schließlich glaubte er, daß sein Wunsch erhört
sei. Er streckte die Hand aus, um zu sehn, ob es
Gold geworden sei oder nicht, aber der Sack legte
Nasreddin, II. 2 17
sich um. Da wandte er den Blick gen Himmel
und sagte: „Herr, du hast mich betrogen,"
yi6. T?Iner lud Dschoha ein in der Absicht, ihn zu
■ ^ hänseln; er brachte Rosinen in einer zu-
gedeckten Schüssel, worein er auch Mistkäfer ge-
tan hatte. Als der Deckel abgenommen wurde,
liefen die Käfer davon; aber Dschoha machte sich
daran, sie aufzulesen und zu essen,. Der Haus-
herr fragte ihn: ,,Was tust du denn?" Und
Dschoha antwortete: „Ich fange vorerst die Aus-
reißer; die Rosinen rühren sich ja nicht von der
Stelle."
18
2. Aus der von Mcirdrus besorgten Ausgabe
von Tausend und einer Nacht
IN den Jahrbüchern der alten Weisen, o König 377 .
der Zeit, und in den Schriften der Gelehrten
wird erzählt und durch die Überlieferung ist auf
uns gekommen, daß in der Stadt Kairo, diesem
Sitze des Frohsinns und des Geistes, ein Mann
gewesen ist, der wie ein Dummkopf aussah, aber
unter dem Äußern eines ungewöhnlichen Narren
einen unvergleichlichen Kern von Verschlagen-
heit, Scharfsinn, Witz und Weisheit verbarg, ganz
zu geschweigen, daß er sicherlich der vergnüg-
lichste, unterrichtetste und geistreichste Mensch
seiner Zeit war; mit seinem Namen hieß er
Dschoha, und von Beruf war er nichts, gar nichts,
wenn er auch gelegentlich in den Moscheen das
Predigeramt ausübte.
Eines Tages sagten nun seine Freunde zu ihm:
„Schämst du dich denn nicht, Dschoha, daß du
dein Leben im Müßiggange verbringst und deine
Hände samt den zehn Fingern zu nichts anderm
brauchst, als um sie voll zum Munde zu führen?
Und denkst du nicht, daß es die höchste Zeit
wäre, dein Luderleben aufzugeben und dich den
Sitten aller Welt zu fügen?"
Dschoha antwortete darauf nichts. Aber eines
Tages fing er einen großen, schönen Storch mit
herrlichen Flügeln, die ihn hoch in den Himmel
trugen, mit einem wunderbaren Schnabel, dem
Schrecken der Vögel, und mit zwei Lilienstengeln
als Beinen. Und nachdem er ihn gefangen hatte,
stieg er mit denen, die ihm Vorwürfe gemacht
hatten, auf das Dach seines Hauses, und dort
schnitt er dem Storche mit einem Messer die herr-
lichen Federn der Flügel und den wunderbaren
langen Schnabel und die hübschen, so zierlichen
21
Beine ab, stieß ihn mit dem Fuße hinaus und
sagte: „Fliege! fliege!"
Entrüstet schrien ihn seine Freunde an: „Daß
dich Allah verfluche, Dschoha! Warum diese
Verrücktheit?"
Und er antwortete ihnen: „Dieser Storch hat
mich geärgert und hat meine Augen verdrossen,
weil er nicht so war wie die andern Vögel; jetzt
aber habe ich ihn den andern ähnlich gemacht."
378. T TNd einmal kam sein Nachbar zu Dschoha,
LJ um ihn zu einem Mahle einzuladen, und
sagte zu ihm: ,,Komm zu mir essen, Dschoha."
Und Dschoha nahm die Einladung an. Und als
sie alle beide vor dem Eßbrette saßen, wurde
ihnen eine Henne aufgetragen. Und Dschoha gab
es nach mehrern Kauversuchen auf, sich mit
dieser Henne zu befassen, die eine alte war unter
den allerältesten Hennen, und deren Fleisch zäh
war wie Leder; und er begnügte sich, ein wenig
von der Suppe, worin sie gekocht war, zu sich
zu nehmen. Dann stand er auf, nahm die Henne,
stellte sie in die Richtung nach Mekka und
schickte sich an, sein Gebet über ihr zu sprechen.
Und sein Wirt sagte betreten zu ihm: ,,Was
v/illst du, Ungläubiger? Seit wann beten die
Muselmanen über den Hühnern?"
Und Dschoha antwortete: ,,Du täuschest dich,
Oheim. Diese Henne, über der ich beten will,
ist keine Henne: sie hat nur die Gestalt einer
Henne; denn in Wirklichkeit ist sie eine alte
heilige Frau, die in eine Henne verwandelt
worden ist, oder ein verehrungswürdiger frommer
22
Mönch! denn sie war im Feuer, und das Feuer
hat sie verschont."
Ein andermal war Dschoha mit einer Karawane 379.
ausgezogen und der Mundvorrat war gar
spärlich und der Hunger der Reisenden war be-
trächtlich; und er wurde von seinem Magen so
gepeinigt, daß er gern das Futter der Kamele
verschlungen hätte. Als sie sich nun beim ersten
Halt alle niedergesetzt hatten, um zu essen, zeigte
Dschoha so viel Zurückhaltung und Bescheiden-
heit, daß sich seine Gefährten nicht genug wun-
dern konnten. Sie drangen in ihn, das Brot und
das harte Ei, das ihm zukam, zu nehmen, aber er
antwortete: „Nein, bei Allah! eßt nur und seid
zufrieden; ich wäre nicht imstande, ein ganzes
Brot und ein Ei aufzuessen. Nehmt nur jeder
euer Brot und euer Ei; mir gebt dann, wenn es
euch beliebt, jeder die Hälfte von seinem Brot
und seinem Ei: mehr verträgt mein Magen nicht,
der ziemlich schwach ist."
Ein andermal, an einem sehr heißen Tage, hatte 380.
sich Dschoha in der ärgsten Sonnenglut auf
den Weg gelegt und hielt seinen Freudenstifter
entblößt in der Hand. Da kam einer vorbei, und
der sagte zu ihm: „Schande über dich, Dschoha!
was machst du da?"
Und Dschoha antwortete: „Schweige, Mann,
und geh mir aus meinem Winde! siehst du nicht,
daß ich meinen Kleinen Luft schöpfen lasse zu
seiner Erfrischung?"
23
3. Volks erzählungen aus Tripolis und
Tunis
Einmal kam ein Mann zu Dschuha und sprach 381.
zu ihm: „Ich habe eine Kuh und möchte sie
verkaufen, aber niemand will sie mir abkaufen."
Dschuha antwortete: „Ich werde den Verkauf be-
sorgen. Bring sie morgen auf den Markt; da will
ich sie an den Mann bringen." Dschuha ging zu
seiner Mutter und erzählte es ihr, und sie sagte
zu ihm: „Weißt du auch, mein Sohn, wie du die
Kuh teuer verkaufen kannst?" ..Sag mirs."
,,Sag: (Das ist eine sehr schöne Kuh; sie ist noch
jung, ist aber schon im sechsten Monate träch-
tig.' " ,, Schön," antwortete Dschuha.
Am nächsten Morgen brachte ihm der Mann
die Kuh; Dschuha trieb sie auf den Markt und be-
gann sie auszurufen. Man fragte ihn: ,, Dschuha,
ist das eine gute Kuh?" Er antwortete: „Eine
sehr gute; ich weiß, daß sie sehr gut ist." ,, Wieso
weißt du das?" „Sie ist noch jung und ist schon
trächtig im sechsten Monate." ,,Ja dann ist sie
gut." Dschuha verkaufte sie in der Tat sehr
teuer. Dann ging er nach Hause.
Nun hatte er eine junge Tochter, und um die
warben eben Leute, als er nach Hause kam. Und
ihre Mutter sagte zu den Leuten: „Da kommt ihr
Vater. Bittet ihn um sie; er wird sie euch schon
geben." ,,Was wollt ihr?" fragte Dschuha. „Wir
wollen deine Tochter haben." Er sagte: „Ja die
ist gut: ihr Verstand ist gut entwickelt, ihre Augen
sind hübsch, ihre Augenbrauen sind zierlich, ihr
Haar ist schön genug, und überdies ist sie im
sechsten Monate schwanger." Die Leute be-
gannen zu lachen, wandten sich zur Tür und
gingen weg.
Nun sagte die Frau zu Dschuha: „Schämst du
27
dich nicht?" ,, Warum denn?" „Wie kannst du
zu Leuten, die um deine Tochter werben kommen,
sagen, sie sei im sechsten Monate schwanger?"
,,Nun, bei der Kuh war es doch heute gut, die gar
nichts wert war. Niemand hat sie mir abnehmen
wollen, bis ich den Leuten gesagt habe, sie sei im
sechsten Monate trächtig; da haben sie sie sofort
genommen. Na, und wenn einer etwas kaufen
will, ists da besser, er erhält ein Ding oder gleich
zwei !
Dschuha ging nun weg von seiner Frau. Auf
der Straße kam er wieder mit den Leuten zu-
sammen, die bei ihm um seine Tochter geworben
hatten, und die sagten zu ihm: ,,Wie hast du uns
nur sagen können, deine Tochter sei eine Jung-
frau, und dann behaupten, sie sei im sechsten
Monate schwanger?" Dschuha antwortete: ,,Das
will ich euch erklären. Wenn du zum Beispiel
reisest und irgendwohin willst, ist es da besser,
wenn du in neun Stunden hinkommst oder in
drei?" ,, Natürlich ist es in drei Stunden besser."
,,Nun, das trifft auch bei meiner Tochter zu; ist es
besser, wenn sie ihrem Gatten in drei Monaten
ein Kind schenken kann, oder wenn das erst in
neun Monaten möglich ist?" Da lachten die
Leute und gingen weg.
382. T^Schuha kam einst zu König Jachja; der
J--/ mochte ihn gut leiden und sagte zu ihm:
,, Verlange, was du willst," Dschuha antwortete:
,,Wer Jachja heißt, soll mir einen Piaster geben,
wer am frühen Morgen ausgeht, desgleichen, wer
auf seine Frau hört, desgleichen, ebenso wer
einen langen Bart hat, und schließlich wer grindig
28
ist." Der König befahl: „Fertigt ihm die Gewäh-
rung seiner Bitte schriftlich aus," Dschuha nahm
den Bescheid und ging.
Eines Tages ging er früh ums Morgengrauen
zu einem Stadttore und setzte sich dort nieder.
Da kam ein Beduine vorbei, der Brennreisig in die
Stadt bringen wollte, Dschuha hielt ihn an und
sagte zu ihm: ,,Gib mir einen Piaster," Der
Beduine fragte: „Warum?" Dschuha antwortete:
„Weil du am frühen Morgen ausgehst," Der
Beduine blickte auf und sagte: „Hätte ich nicht
auf meine Frau gehört, wäre ich nicht früh auf-
gestanden." Da sagte Dschuha: ,, Jetzt mußt du
mir zwei Piaster geben," Der Beduine wurde
zornig und sagte: „Weg! laß mich in Ruh; sonst
kannst du den Stock da von der Hand Hadsch
Jachjas zu kosten bekommen!" Da sagte
Dschuha: „Jetzt machts drei Piaster," Sie be-
gannen zu streiten: der eine sagte: ,,Gib her," und
der andere: ,,Ich gebe dir nichts," bis sie sich zu
prügeln anfingen. Da wurde der Bart des
Beduinen sichtbar, und Dschuha sah, daß er lang
war; da sagte er: ,,Vier Piaster," Sie prügelten
sich weiter, und da wurde auch der Kopf des
Beduinen bloß; Dschuha sah, daß er grindig war,
und so sagte er sofort: „Fünf Piaster," Der Streit
wurde immer heftiger und schließlich wurden sie
vor den Sultan geführt.
Der Sultan antwortete: ,,Was soll das heißen,
Dschuha?" Dschuha antwortete: ,,Hier ist der
treffliche Bescheid, den du mir gegeben hast. Bei
diesem Manne habe ich die fünf Eigenschaften
getroffen, die in dem Bescheide verzeichnet sind:
er heißt Jach ja, geht am frühen Morgen aus, hört
29
auf den Rat seiner Frau, hat einen langen Bart
und ist grindig." Der Sultan sagte zu dem
Beduinen; ,,Geh nur ruhig nach Hause; du bist
ein armer Mann und bist hergekommen, um dir
etwas zu verdienen, und Dschuha hat dich ab-
gehalten." Und er gab ihm ein Geschenk und
sagte: ,,Geh jetzt." Dschuha sah König Jachja
an und sagte: „Es mangelt doch einem jeden, der
Jachja heißt, am Verstände." Darüber erboste
sich König Jachja und ereiferte sich immer mehr;
endlich rief er: „Bei Gott, wenn du mir niemand
ausfindig machst, der Jachja heißt und dem es
am Verstände mangelt, so lasse ich dir den Kopf
abschlagen." Dschuha antwortete: ,,Gib mir hun-
dert Piaster und gewähre mir neun Tage Frist."
Der König ließ ihm das Geld geben und gewährte
ihm die gewünschte Frist, erklärte aber nochmals:
„Wenn du mir nicht binnen neun Tagen einen
Menschen, wie beschrieben, bringst, so lasse ich
dir den Kopf abschlagen."
Dschuha verließ den Palast und ging auf den
Schaf markt; dort kaufte er einen hübschen
Hammel. Den trieb er in den Basar der Gewürz-
krämer. Er fragte einen Mann: „Ist vielleicht in
dem Basar da ein Mann, der Jachja heißt?" Der
Mann sagte: „Der in dem Laden dort heißt
Jachja." Dschuha ging zu dem ihm bezeichneten
und sagte zu ihm: „Friede sei über dir!" Der
Gewürzkrämer antwortete: ,,Über dir sei der
Friede," und bewillkommnete Dschuha. Der
sagte: „Du heißt Jachja?" Der Krämer ant-
wortete; „Jawohl." Dschuha sagte; „Ich habe
dir ein Geschenk gebracht." Der Krämer fragte:
„Von wem denn?" Dschuha antwortete; „Diesen
30
Hammel hat dir der Erzengel Gabriel geschickt."
Der Alte freute sich und rief: „Lob sei Gott, der
sich meiner erinnert und mir durch den Engel
Gabriel einen Hammel geschickt hat/ " Dschuha
sagte ihm noch: ,,Ich warne dich aber vor einem:
dieser Hammel erzählt alles weiter, was er zu
hören und zu sehn bekommt; er ist ein Plauderer."
Der alte Jach ja nahm den Hammel mit nach
Hause und band ihn in der Küche an.
Nun hatte der Alte einen Sohn, der eben ge-
heiratet hatte. Die junge Frau mußte auf einmal
auf den Abtritt geim, und dort ließ sie einen
fahren; ach, da sah sie, daß der Hammel her-
guckte. Sie schämte sich heftig und sprach bei
sich: ,,Der sagt es jetzt meinem Manne und stellt
mich vor ihm bloß." Drum sagte sie zu dem
Hammel: „Bitte, sag nichts." „Bäh, bäh," „Ver-
sprich mir, daß du nichts sagen wirst." „Määh."
Da zog sie ihr Leibchen aus und bat den Hammel:
„Nimm es, aber sage meinem Manne nichts."
Und so zog sie sich ein Kleidungsstück nach dem
andern aus, um es dem Hammel hinzugeben, bis
sie splitternackt auf dem Abtritte dasaß. Ihre
Mutter vermißte sie und fand sie endlich auf dem
Abtritte; da sie sah, daß sie nackt und bloß war,
fragte sie sie: „Dir fehlt doch nichts?" „Ach,
Mütterchen, ich habe einen streichen lassen, und
der Hammel hat es gehört, und ich ängstige mich,
daß ers weitererzählt; und er will mir nichts ver-
^ Die folgende Episode ist in der deutschen Über-
tragung der Tunisischen Märchen nicht enthalten; Herr
Prof, Dr, Stumme war so liebenswürdig, meiner Bitte um
eine Übersetzung nachzukommen, wofür ihm auch an
dieser Stelle herzlichst gedankt sei.
31
sprechen." Da zog sich die Alte auch aus und saß
schließlich auch nackt auf dem Abtritte. Die
Mutter des jungen Gatten vermißte die beiden
und ging ihnen nach; und sie sagte zu ihnen:
,, Warum sitzt ihr denn nackt und bloß da?" Die
Mutter der jungen Frau begann: „Mein Töch-
terchen hat einen streichen lassen, und wir haben
Angst, der Hammel erzählts ihrem Manne," Da
zog sich die Mutter des jungen Gatten auch aus
und gab auch alle ihre Kleider dem Hammel und
sagte zu ihm: ,,Mein Söhnchen, bitte, sags nicht
weiter."
So standen die Dinge, als der alte Jachja sein
Haus betrat. Er rief hinein: ,,Chaddidscha!
Fatima!", aber niemand antwortete ihm. Da
suchte er das ganze Haus ab, bis er auf den Ab-
tritt kam und die drei Frauen sah; er fragte sie:
,,Was ists mit euch?" Sie schwiegen; denn sie
schämten sich. Er sagte: „Sagt es mir nur."
Nun sagten sie: „Die junge Frau hat früher einen
streichen lassen, und wir haben uns geängstigt,
daß es der Hammel ihrem Manne erzählen
werde." Da begann sich der alte Jachja auch
zu entkleiden: er gab dem Hammel Turban, Rock
und Kaftan und saß schließlich nackt wie die
drei Frauen auf dem Abtritte-
Endlich kam der junge Ehemann, der Sohn
des alten Jachja, heim; er fand das Haus öde
und leer. Er rief: „Mutter! Frau!", aber niemand
antwortete ihm. Als er dann vom Abtritte her
ein Geräusch hörte, ging er hin, und dort fand er
die ganze Gesellschaft nackt: Vater, Mutter, Frau
und Schwiegermutter. „Gottes Wunder!" sagte
er; ,,was ist denn los mit euch?" Sie schwiegen
32
und schlugen ihre Augen zu Boden; dann trat
sein Vater vor und sagte zu ihm: „Deine junge
Frau, mein Sohn, hat einen fahren lassen, und
wir hatten Angst, der Hammel könnte es dir er-
zählen."
Lassen wir jetzt diese Leute und ihre Sachen
und wenden wir uns wieder zu Dschuha. Was
tat also Dschuha? Dschuha hielt sich eine Woche
lang fern vom alten Jachja; dann aber ging er
wieder in seinen Laden. Der Alte bewillkommnete
ihn freudig und sagte: „Sei gegrüßt!" Dschuha
sagte: „Komm her! ich will dir etwas anver-
trauen, was ein Geheimnis zwischen uns bleiben
soll." Jachja sagte: „Sag es," Dschuha sagte:
„Ich bin der Engel Asrael und heute Nacht wird
mich Gott zu dir senden, um deinen Geist zu
holen." Jachja sagte: „Freund, was habe ich
denn verbrochen?" Dschuha antwortete: „Du
magst etwas verbrochen haben oder nicht: wer
vor seinem Ende steht, muß den Fuß lang-
strecken. Geh hin und nimm von allen deinen
Angehörigen, Verwandten und Bekannten Ab-
schied." Der alte Jachja erwiderte: „Ich will
aber nicht sterben." Dschuha sagte: „Was soll
das heißen? Das Geschenk ist dir recht, aber
vom Sterben willst du nichts hören? Nimm nur
dein Leichentuch und geh nach Hause. Ich werde
gegen Abend zu dir kommen und zwar mit zwei
andern Engeln, nämlich Michael und Gabriel."
Damit verließ er den alten Jachja. Der dachte
nun: „Heute Nacht muß ich also sterben." Dann
nahm er sein Leichentuch und ging nach Hause.
Er wusch sich und betete zwei Abschnitte; und
zu den seinigen sagte er: „Niemand soll das Haus
Nasreddin, IL 3 33
verlassen," Hierauf ging er zu seinen Freunden
und Verwandten und sagte zu ihnen: ,, Verzeiht
mir alles schlechte." Sie fragten ihn: „Was ists
mit dir?" und er antwortete: „Heute Nacht muß
ich sterben." Der eine sagte: „Jachja ist verrückt
geworden", der andere: „Vielleicht hat er seinen
Tod vorausgesehn." Dann ging Jachja wieder
nach Hause, Seine Frau und seine Schwieger-
tochter kamen ihm entgegen und sagten zu ihm:
„Sei gegrüßt!"; er aber entgegnete: „Weder ge-
grüßt, noch sonst etwas. Verzeihet mir alles;
denn heute Nacht muß ich sterben."
Dschuha ging wieder zum Könige und sagte
zu ihm: „Nun habe ich einen ausfindig gemacht,
der Jachja heißt wie du und dem es am Ver-
stände fehlt," Er brachte zwei Kapuzenmäntel
und der König und der Wesir zogen sie an; er tat
das gleiche. Und um die Zeit des Abendgebetes
ging er mit ihnen zu dem alten Jachja; sie fanden
die Haustür offen. Als sie eintraten, flohen die
weiblichen Familienmitglieder, indem sie riefen:
„Das ist der König Tod; er will vielleicht auch
uns töten," Die drei traten ein und sagten zum
alten Jachja: „Friede sei über dir," Er ant-
wortete ihnen mit matter Stimme: „Über euch sei
der Friede," Nun befahl ihm Dschuha: „Lege
dich hin und strecke dich lang," Jachja legte
sich hin und streckte sich lang, Dschuha befahl
ihm weiter: „Sag dein Glaubensbekenntnis."
Dann begann er den Alten von unten an zu
quetschen und zu zwicken: mit dem Beine fing
er an und zwar mit der großen Zehe; dann kam
er ihm an den Bauch, an die Brust und schließ-
lich an den Hals. Als er ihm tüchtig an den
34
Hals griff, wurde Jach ja ohnmächtig- Drauf
deckte ihm Dschuha das Gesicht zu und sagte
zum Sultan und zum Vesir; ,,Laßt uns wieder
gehn." Und als er das Haus verließ, sagte er zu
den Angehörigen des alten Jachja; ,,Wer sich
muckst oder gar schreit, dessen Geist hole ich,"
Zum Sultan aber und zum Wesir sagte er: ,, Morgen
sollt ihr mit mir dem Begräbnisse beiwohnen."
Am nächsten Morgen ging der Sohn des alten
Jachja aus und holte die Sänger und die Bahre.
Man wusch den Alten und hüllte ihn in das
Leichentuch, legte ihn, ohnmächtig, wie er noch
immer war, auf die Bahre und zog zum Fried-
hofe. Unter den Leuten, die dem Begräbnisse
beiwohnten, waren der Sultan und der Wesir und
auch Dschuha. Dem begegnete ein altes Weib
und er sagte zu ihr: ,,Komm her; da ist ein Gold-
stück. Geh an die Bahre, tritt zu den Trägern
und sage zu ihnen, was ich dir sagen werde."
Und er sagte ihr, was sie zu sagen haben werde.
Sie trat auf die Träger zu und sagte zu ihnen
nach dem Wortlaute Dschuhas: „Wer ist der
Tote?" Man antwortete ihr: „Der alte Jachja
vom Basar der Gewürzkrämer," Sie sagte:
,,Gott sei ihm nicht gnädig! Ich habe bei ihm,
als ich meine Tochter verheiraten wollte, ein
Pfündchen Ambra gekauft; da hat er mich um
vier Unzen betrogen," Als das der alte Jachja
hörte, richtete er sich auf der Bahre auf und rief:
„Ich bin ein Betrüger, du schlechtes Weib? Mich
kennt man als einen Dieb?" Da warfen die
Träger die Bahre zu Boden und entflohen; alle
Leute aber begannen zu lachen und der Sultan
und der Wesir stimmten mit ein. Nun wandte
3* 35
sich Dschuha an den Sultan und sagte zu ihm:
„Habe ich dir nicht gesagt, daß es jedem, der
Jachja heißt, am Verstände fehlt?" Der Sultan
antwortete: ,,Ich verzeihe dir; verlange von mir,
was du willst."
3S3. "TV Schuha pflegte mit seiner Mutter unter einem
J-y Tuche zu schlafen, und allmorgendlich, wann
der Muezzin auf das Minaret stieg, um zum Ge-
bete zu rufen, stand seine Mutter auf und nahm
das Tuch um, so daß Dschuha in der Kälte bloß
liegen mußte. Eines Tages sprach er bei sich:
,, Dieser Muezzin ist doch ein nichtswürdiger
Mensch; jede Nacht stört er mich," Er ging zu
ihm hinauf aufs Minaret; und während der
Muezzin zum Gebete rief, erschlug er ihn. Und
er schnitt ihm den Kopf ab und warf ihn in den
Brunnen seines Hauses, Dann ging er zu seiner
Mutter und sagte zu ihr: ,, Jetzt habe ich dir
glücklich Ruhe vor dem Muezzin verschafft; ich
habe ihn getötet und ihm den Kopf abgeschnitten,"
Die Mutter fragte ihn: „Wo ist denn der Kopf?"
Dschuha antwortete: „Ich habe ihn in unsern
Brunnen geworfen," Nun sagte die Mutter:
,,Geh jetzt hinein und leg dich schlafen; sonst
wird man kommen und dich festnehmen,"
Dschuha ging ins Zimmer und legte sich schlafen
und die Mutter deckte ihn zu,
Sie schlachtete ein Hämmelchen, das sie hatte,
und warf den Kopf in den Brunnen; das Netz
und den Magen nahm sie her und machte Würste
daraus. Die kochte sie, ging damit zu Dschuha
und warf sie auf den Boden; dann sagte sie zu
ihm: „Steh auf, Dschuha, es hat Würste ge-
36
regnet." Dschuha erhob sich, las die Würste auf
und aß sie. Hierauf ging er aus; er fand die
Moschee voller Menschen und die fragten ein-
ander: „Was ist das? der Muezzin hat keinen
Kopf; wer hat ihn getötet?" Dschuha sagte zu
ihnen: „Ich habe ihn getötet." Sie fragten ihn:
„Wo ist sein Kopf?" Er sagte: „Den habe ich in •
unsern Brunnen geworfen." Nun hieß es: „Wir
müssen zu Dschuha gehn, damit wir sehn, ob das
wahr oder gelogen ist," Man ließ Dschuha in den
Brunnen hinab, damit er den Kopf des Muezzins
heraufhole. Als er nun im Wasser herumtastete,
kamen ihm die Hörner des Hammels in die Hand;
da sah er hinauf und rief denen oben zu: ,,Hat
euer Muezzin Hörner gehabt oder nicht?" Sie
sagten: „Was soll das heißen? Wann hast du ihn
übrigens getötet?" Dschuha antwortete: „In der
Nacht, wo es Würste geregnet hat." Da sahen
sich die Leute an und sagten: ,,Ach, das ist ja
der verrückte Dschuha!"
DSchuha hatte einen Oheim von Vaters Seite, 384.
und in dessen Frau war er verliebt und sie
gewährte ihm auch ihre Gunst; da verstieß sie
der Oheim und nahm eine andere Frau und die
warnte er mit den Worten: „Dschuha ist ein
Taugenichts; hüte dich ja, daß er dir zu nahe
kommt und du ihm irgendeine Gunst gewährst."
Dschuha war der Schafhirt seines Oheims; und
wenn er abends heimkam und die Frau anzureden
versuchte, so wies sie ihn allemal schnöde ab.
Als er aber einmal die Schafe weidete, kam er
zu einem unterirdischen Gewölbe; dahinein trieb
er die Schafherde, und den Eingang verrammelte
37
er. Er ging zu seinem Onkel und sagte zu ihm:
„Die Schafe sind weg." Sein Oheim, der Ärmste,
machte sich auf und suchte mit seiner Frau die
Schafe; die waren in dem Gewölbe. Als die
Suchenden dort in die Nähe kamen, begann auf
einmal Dschuha für sich zu sprechen. Sein Oheim
sagte: ,,Was redest und sprichst du da?" Dschuha
antwortete: ,,Die Vögel sprechen mit mir," Der
Oheim fragte weiter: ,,Was sagen sie dir denn?"
Dschuha antwortete: ,,Was mir die Vögel sagen,
kann ich dir nicht wiedersagen; es schickt sich
nicht." Der Oheim dachte eine Weile nach; dann
sagte er: ,,Sag es mir; es tut weiter nichts."
Dschuha antwortete: ,,Die Vögel haben zu mir
gesagt: ,Wenn du die Frau deines Oheims wirst
küssen, wirst du die Schafe finden müssen.' " Da
sagte der Oheim: ,,Also, Dschuha, ich soll die
Schafe finden, wenn ich dir meine Frau über-
lasse?" Dschuha antwortete: ,,Ja, bei Gott.
Wahrhaftig," Nun sagte der Oheim: „Wohlan
denn, nimm sie dort ins Gebüsch und küsse dich
satt an ihr." Dschuha nahm sie ins Gebüsch und
küßte sich satt an ihr. Dann kam er aus dem
Gebüsche hervor und begann wieder ein Selbst-
gespräch. Der Oheim fragte ihn: ,,Was hat dir
der Vogel jetzt gesagt?" ,,Er hat mir gesagt, wo
die Schafherde ist, nämlich dort in dem unter-
irdischen Gewölbe," Der Oheim fragte ihn
wieder: ,, Wirklich? oder lügst du mir etwas vor?"
Bald waren sie bei dem Gewölbe und Dschuha
öffnete es und ließ die Schafe heraus; und er
sagte: ,,Nun, Oheim, da haben wir also die Schafe
wiedergefunden." Als sie dann zu Hause waren,
sagte Dschuhas Oheim zu seiner Frau: „Dieser
38
Dschuha ist ein Taugenichts; er verspottet uns
und macht sich über uns lustig." Und damit
jagte er Dschuha weg,
DSchuha hatte einen kleinen Esel, Den ent- 385.
deckten etliche lose Buben und nahmen ihn
weg; und als sie ihn gestohlen und verkauft
hatten, kamen sie wieder zu Dschuha und sagten
zu ihm: „Dschuha, dein Esel ist Kadi geworden."
Dschuha antwortete: ,, Wahrhaftig?" Sie be-
teuerten es: ,,Wir haben ein Buch vor uns hin-
gelegt und zu lesen begonnen, und da hat er uns
zugehört," Dschuha nahm einen Futtersack und
ging damit zum Kadi. Der Kadi sprach gerade
Recht; da hielt ihm Dschuha den Futtersack hin
und sagte zu ihm: ,,Komm, friß Gerste; du bist
doch ein Esel," Der Kadi blickte auf und sagte:
„Was soll das heißen? du machst mich zu einem
Esel, verfluchter Junge? Greift ihn und ver-
abreicht ihm zweihundert Hiebe," Dschuha er-
hielt also von den Dienern die Hiebe; aber er
schrie: „Ach, ich werde dir keine Gerste und kein
Stroh mehr geben; wann ich aber wieder frei bin,
werde ich dirs schon zeigen." Der Kadi blickte
auf und sagte: ,,Der Mensch ist verrückt; was
war dein Esel wert, mein Junge?" Dschuha ant-
wortete: „Hundert Piaster." Der Kadi befahl:
,,Gebt ihm hundert Piaster und jagt ihn weg,"
Aber Dschuha begann wieder: „Wenn du nun
nicht mein Esel bist, wo ist denn dann mein
Esel?" Der Kadi fragte ihn: „Was war es mit
deinem Esel?" Dschuha sagte: „Ich suchte ihn,
konnte ihn aber nicht finden. Da sind mir etliche
Leute begegnet und die haben zu mir gesagt:
39
.Dein Esel ist Kadi geworden,' Da bin ich zu dir
gekommen und du hast mir zu dem nötigen ver-
holfen. Drum bist du wirklich ein Kadi und kein
Esel." Der Kadi ließ die Leute holen, die diese
Geschichte angestiftet hatten; man brachte sie
und der Kadi befahl: „Gebt jedem zweihundert
Hiebe," Und dann sagte er zu ihnen: ,,Ihr müßt
Dschuha seinen Esel wieder verschaffen,"
386. T^Schuhas Familie hatte als Nachbarn in der
J-</ Gasse sehr angesehne Leute, und in dem
Nachbarhause war eine Frau, die einen Ein-
äugigen zum Liebhaber hatte; den sah Dschuha
täglich das Haus betreten. Was tat-nun Dschuha?
Er kaufte sich eine ganz magere Ziege und die
schlachtete er; dann versammelte er die Hunde
des Stadtviertels um sich und schnitt ihnen das
Fleisch der Ziege zurecht und gab es ihnen zu
fressen. So kam auch ein einäugiger Hund dazu.
Die andern Hunde hatte er schon alle satt ge-
macht und sie waren wieder weggelaufen; nun
nahm er den einäugigen Hund her, der darauf
wartete, daß er ihm zu fressen gebe: er jagte ihn
in die enge Gasse hinein und schlug auf ihn los,
bis schließlich der Hund in das Haus floh, wo
die Frau mit ihrem einäugigen Liebhaber war.
Der Hund lief also in die Tür und verkroch sich
im Hausflur. Dschuha trat nun auch ins Haus,
ging in den Hausflur und rief: „Hinaus mit dir,
Einäugiger! Du frißt die Sachen der Leute und
nimmst Reißaus und versteckst dich bei Fremden
im Hausflur." Die Frau hörte das, die Ärmste,
kam von innen heraus und fragte: ,,Was gibts mit
dem Einäugigen?" Dschuha antwortete: „Ich
40
habe ihn mit eigenem Auge hineingehn sehn; er
ist ein Hund und Hundesohn." Da sagte die
Frau bittend: ,,Da sind hundert Piaster; geh aber
weg: du verursachst mir einen Lärm vor der
Haustür," Dschuha handelte mit ihr um den
Betrag, bis sie ihm schließlich fünfhundert gab.
Als er dann das Geld in der Hand hatte, sagte
er zu ihr: „Dort im Hausflur steckt der Hund;
jag mir ihn heraus." Da blickte sie hin und sah
den Hund, und sie sah, daß er einäugig war wie
ihr Geliebter; und sie rief: ,,Ach, dieser nichts-
nutzige Dschuha hat mich angeführt!" Damit
jagte sie den Hund hinaus und Dschuha ging mit
ihm weg.
DSchuha pflegte die Kühe seiner Verwandten 387.
von Mutterseite auf die Weide zu treiben;
ihm selber gehörte von der Herde nur ein Kalb.
Die Kühe waren alle mager, Dschuhas Kalb hin-
gegen fett; als er nun einmal auf das Kalb nicht
achtgab, ersahen seine Verwandten die Gelegen-
heit und schlachteten es. Sie waren gerade dabei,
es zu verzehren, als Dschuha heimkam; da sagten
sie einfach zu ihm: „Dein Kalb hat uns so ge-
fallen, daß wir es geschlachtet haben; jetzt essen
wir es," Dschuha bat sie und sagte: „Gebt mir
wenigstens die Haut." Sie gaben sie ihm. Er ging
damit weg und bot sie im Basar zum Verkaufe
aus. Den ganzen Tag bot er sie aus; schließlich
verkaufte er sie um einen Heller. Er überlegte und
sagte sich: „Was tu ich mit dem Heller?" Dann
machte er ein Loch in den Heller, zog einen
Faden durch und wickelte sich den Faden um
den Finger und machte sich auf den Weg nach
41
Hause. Da sah er vor sich zwei Männer auf der
Straße; die hatten einen Kasten voll Goldstücke
gefunden und w^aren eben dabei, sie mit einem
Maße zu messen und sie zu teilen, Dschuha
schlich sich von hinten an sie heran und warf
seinen Heller mitten unter die Goldstücke; und
er sagte zu ihnen; „Seid gegrüßt!" Sie fragten
ihn: „Was ists mit dir?" Er antwortete: „Und
was ists mit euch? Teilt ihr das Geld anderer
Leute?" Sie antworteten: „Diesen Schatz hat
uns Gott geschenkt; wir haben ihn regelrecht
durch Zauberei gehoben," Dschuha aber sagte:
„Der Schatz gehört mir." Sie fragten: „Wieso
denn?" Dschuha antwortete: „Ich habe ihn ge-
kennzeichnet, und zwar mit einem Heller, durch
den ein roter Faden gezogen ist." Sie suchten
nach und fanden den Heller wirklich; nun sagten
sie zu Dschuha: „Du hast recht; da müssen wir
ihn unter uns drei teilen." Dschuha aber er-
widerte: ,,Nein; nehmt ihr eine Hälfte, und ich
will die andere nehmen," Und er nahm die
Hälfte von den Goldstücken, und die andern
nahmen die Hälfte. Er steckte sein Geld in den
Bausch seines Burnus und ging heim.
388. "TVSchuha ging zu seinen Verwandten und
J--/ öffnete seinen Burnus; da erstaunten sie und
fragten ihn: „Woher hast du das viele Geld?"
Er antwortete: „Wißt ihr das nicht? das ist ja
das Geld für die Kalbshaut." Sie sagten: „Da
wollen wir doch auch unsere Kühe schlachten
und die Häute verkaufen," Dschuha sagte:
„Schlachtet sie nur; ihr werdet reich daran wer-
den." Sie schlachteten also ihre Kühe und zogen
42
ihnen die Häute ab. Dschuha hatte ihnen aber
noch geraten: ,,Laßt die Häute stinkend werden;
salzt sie nicht ein," Als nun diese Bauern ihre
Kühe geschlachtet, das Fleisch verzehrt und auch
die Hunde damit gefüttert hatten, ließen sie die
Häute liegen, bis sie zu stinken begannen. Nach
drei oder vier Tagen sah Dschuha nach, und da
fand er, daß aus den stinkenden Häuten Würmer
herauskrochen; er ging wieder zu seinen Ver-
wandten und sagte zu ihnen: „Nehmt jetzt die
Häute und verkauft sie." Sie gingen in den
Basar und boten die Häute aus. Es kamen die
Schuster und sahen sich die Häute an, und sie
sahen, daß Würmer herauskrochen und daß sie
entsetzlich stanken. Da sagten sie untereinander:
,,Sie wollen uns zum besten haben!" Damit
nahmen sie die unglückseligen Verkäufer her und
versetzten ihnen Faustschläge; und sie schrien:
„Nehmt euer Aas wieder und werft es weg!" Die
Verwandten Dschuhas zogen ab und entwichen;
und sie sagten: „Wenn wir Dschuha nicht heute
Nacht töten, so macht er uns noch ganz arm."
Sie gingen zu Dschuha, nahmen ihn fest und 389.
banden ihn und sagten zu ihm: „Du hast uns
also arm gemacht." Dschuha sah sie an und
sagte zu ihnen; „Ihr habt es also geglaubt, daß
man stinkende Kuhhäute kauft? Ich habe euch
ja nur zum besten gehabt." Sie nahmen ihn also
fest, fesselten ihn und steckten ihn in einen Sack;
den banden sie zu und wollten also Dschuha ins
Meer werfen. Als sie ans Ufer kamen, sahen sie
einen Schafhirten auf der Weide; nun sagten sie
untereinander: ,,Wir wollen den Sack einstweilen
43
niederlegen und bei dem Hirten Milch trinken."
Sie gingen zu dem Hirten und fragten ihn: „Hast
du einen Trunk Milch?" Er gab ihnen Milch in
einem Schlauche und sie tranken sie. Dann
setzten sie sich zu dem Hirten, den Kopf auf die
Ellbogen gestützt; sie begannen schläfrig zu wer-
den und schließlich übermannte sie der Schlaf.
Der Hirt ließ sie ruhig schlafen und ging seine
Schafe zurücktreiben; dabei sah er den zugebun-
denen Sack und er stieß mit seinem Stabe daran,
Dschuha sagte im Sacke: „Laß mich in Frieden."
Der Hirt erschrak und sagte: „Ist das ein Mensch
oder ein Geist? Was ists mit dir in dem Sacke
da?" Dschuha antwortete: „Man will mich zu
meinem Meister bringen, der mich unterrichten
soll; und wen mein Meister unterrichtet, der sieht
das Schicksalsbuch, das Gott verwahrt." Da sagte
der Hirt: „Ach, ich möchte gern an deiner statt
hingehn." Dschuha sagte: ,,Nein, damit bin ich
nicht einverstanden." Er stellte sich abgeneigt,
obwohl er es gar zu gern gehabt hätte, wenn der
andere seine Stelle eingenommen hätte. Aber
der Hirt ließ nicht ab, Dschuha um diese Gunst
zu bitten, bis Dschuha endlich nachgab und sagte:
,,Gut denn; binde den Sack auf, damit ich heraus
kann." Der Hirt machte den Sack auf und
Dschuha kroch heraus; dann befahl er dem
Hirten: „Zieh deine Kleider aus," Er zog die
Kleider des Hirten an und gab ihm die seinigen
und die zog der Hirt alsbald an; dann steckte er
ihn in den Sack und band den zu. Dann trieb
er die Schafe vor sich her, und kehrte so ins Dorf
zurück; vorher hatte er aber noch dem Hirten
eingeschärft: „Wenn man dich fortträgt, so ver-
44
halte dich still; denn wenn du sprichst, wird man
dich in die Tiefe des Meeres werfen," Dschuhas
Verwandte standen nach einiger Zeit, als Dschuha
schon mit seiner Herde weit weg war, vom Schlafe
auf, nahmen den Sack und warfen ihn ins Meer;
dann sagten sie untereinander: „Jetzt sind wir
ihn los." Nun gingen sie heim, aber auf einem
kürzern Wege als Dschuha, der erst in der Nacht
ins Dorf kam. Alle Frauen im Dorfe waren
frohen Muts und riefen: „Dschuha ist tot! wir
sind ihn los!" Aber nach Sonnenuntergang, da
kommt auf einmal Dschuha mit einer Schafherde
ins Dorf! und die Frauen riefen: „Da ist ja
Dschuha wieder! er lebt ja noch und ist gar noch
nicht tot! und ihr habt gesagt: ,Wir haben
Dschuha ins Meer geworfen, wir sind ihn los!' "
NUn wurde Dschuha gefragt: „Woher hast du 390.
denn die Schafherde?" Und Dschuha ant-
wortete: „Die habe ich aus dem Meere herauf-
gebracht: das Meer hängt am Himmel, und unterm
Meere weiden die Schafe." Sie sagten: „Rate
uns, Dschuha, wie wir es anstellen sollen."
Dschuha sagte: „Bindet euere Kinder, fesselt
sie, wie ihr mich gefesselt habt, steckt sie in Säcke
und werft sie ins Meer; dann werden auch sie
gegen Sonnenuntergang Schafe bringen wie ich,"
Da nahm ein jeder sein Kind und steckte es in
einen Sack; und sie trugen die Kinder zum Meere
und warfen sie hinein. Nun war in dem Dorfe
auch eine Witwe; die wandte sich an Dschuha
und sagte zu ihm: „Ich habe keine Kinder."
Dschuha sagte: „Nimm deinen Hund und wirf ihn
den Kindern nach; er wird dir schon gegen
45
Sonnenuntergang Schafe bringen," Die Witwe
warf den Hund ins Meer; aber er schwamm natür-
lich wieder heraus, Dschuha saß versteckt auf
der Spitze eines Hügels, besah sich die Sache
und lachte für sich und rief dem Hunde zu;
„Bring nur deiner Herrin schöne Hammel und
Lämmer!" Der Hund schwamm aber immer
wieder zurück ans Ufer zu seiner Herrin, ohne
Schafe oder sonst etwas mitzubringen. Da rief
die Frau Dschuha herbei und sagte: ,,Mein Hund
da hat mir keine Schafe gebracht," Dschuha ant-
wortete: ,,Weil er nicht untergetaucht ist; hätte
er getaucht, so hätte er dir welche gebracht. Die
andern werden, weil sie untergetaucht sind, gegen
Abend Schafe bringen; binde ihm doch einen
Stein an den Hals, damit er ordentlich unter-
taucht," Als die Sonne unterging und die Kinder
noch nicht kamen, sahen sich die Leute an und
sagten zu ihm: ,, Dschuha, die Kinder sind nicht
gekommen," Dschuha antwortete; ,,Bis die
Dunkelheit einbricht," Es wurde dunkel, aber
die Kinder kamen nicht wieder. Die Leute wur-
den unruhig und sagten zu Dschuha: ,,Die Kinder
sind noch immer nicht gekommen," Dschuha
sagte: ,,Ja, habt ihr denn wirklich geglaubt, daß
es in der See Schafe gibt? an euern Kindern
haben sich heute die Fische gütlich getan," Da
begannen sie über ihre Kinder zu wehklagen und
zu weinen; dann aber nahmen sie Dschuha fest,
fesselten ihn und sagten: ,,Für den gibt es nur
das eine, daß wir ihn in die gefährliche Einöde
bringen und an eine Olive binden, damit ein Löwe
kommt und ihn frißt,"
46
Sie nahmen Dschuha und brachten ihn in die 391.
Einöde; sie banden ihn nahe der Straße an
eine Olive und verließen ihn. So an den Baum ge-
fesselt, sah er einen Reiter kommen, einen Kaid,
der beim Bei in Tunis gewesen w^ar. Der Reiter
kam heran und sagte; ,, Friede sei über dir."
Dschuha antwortete, als wäre er gar nicht geneigt
gewesen, zu sprechen: „Über dir sei der Friede."
Der Reiter fragte ihn: ,, Warum bist du gefesselt?"
Dschuha antwortete: ,,Geh, laß mich in Ruh!
was fragst du mich?" Der Greis sagte: ,,Ist denn
Fragen ein Verbrechen oder etwas unrechtes?"
Dschuha antwortete: ,,Du wirst mich sicher
wieder zu dem machen, was ich früher war,"
Der Greis fragte ihn: ,,Was warst du denn
früher?" Dschuha antwortete: ,,Ich war früher
hundert Jahre alt: da man mich aber gefesselt
und an den Baum Sidi Abd Elkaders gebunden
hat, bin ich zu einem Dreißigjährigen geworden;
denn jeder alte Mann, den man an diesen Baum
fesselt und der sich still und stumm verhält, wird
wieder jung," Da sagte der Greis: ,, Freund, bei
Gott, ist das so?" Dschuha antwortete: ,,Bei
Gott," Nun bat ihn der Greis: „Laß mich an
deinen Platz", und schließlich sagte Dschuha:
„So binde mich denn los." Der Greis band
Dschuha los und der befahl ihm: ,,Leg deine
Kleider ab; den ich kann dir nur das Hemd auf
dem Leibe lassen," Der Greis zog seine Sachen
aus und legte die Burnusse ab, die Seidenschale
und das Turbantuch; und Dschuha zog, nachdem
er ihn an seiner statt an die Olive gebunden hatte,
seine Kleider an und bestieg seine Stute und ritt
hinein ins Dorf. Nichts ahnend saßen die Leute
47
da, als auf einmal Dschuha herangesprengt kam
auf einer schönen Stute und in kostbaren Klei-
dern; sie fragten ihn: „Dschuha, woher hast du
die Stute?" Er antwortete: „In der Schlucht dort
laufen überall Pferde umher," Sie sagten zu ihm:
„Bei Gott, du lügst, du Taugenichts! wen hast du
wieder zum besten gehabt?"
48
IIL
Berberische Überiieferungen
Nasreddin, II. 4
DSchuha hatte einen Esel; den fütterte er, bis 392.
er hübsch dick wurde. Seine Stadtviertels-
genossen sagten zu ihm: , .Verkauf uns den Esel."
,,Der ist zu teuer für euch," antwortete Dschuha.
Sie sagten: ,,Sage uns du, wie hoch sein Preis
sein soll; wir werden ihn dir schon bezahlen."
Dschuha antwortete: ,,Ich werde es nicht sagen;
aber wir wollen ihn auf den Eselsmarkt bringen,
und für das, was er dort gilt, verkaufe ich ihn
euch." „Gut," sagten sie. Am nächsten Morgen
ging er mit dem Esel früh auf den Markt, stopfte
ihm den Hintern mit Goldstücken voll und über-
gab ihn dem Ausrufer.
Die, die den Esel kaufen wollten, kamen
herbei und musterten ihn, ob er ihnen wohl ge-
falle und sie auf ihn bieten sollten. Der Ausrufer
bestieg ihn und ließ ihn lustig galoppieren, und
der Esel lief hurtig dahin und blies seinen Wind,
während ihm die Goldstücke aus dem Hintern
fielen. Die Leute, die zusahen, hoben die Gold-
stücke auf und begannen einander zuzuraunen:
,,Der Esel Dschuhas mistet Gold." So kam es, daß
auch die, die ihn eigentlich nicht hatten kaufen
wollen, darauf loszubieten begannen. Man über-
bot sich gegenseitig, bis der Esel auf zehntausend
Franken kam. Da verkaufte ihn Dschuha und
nahm das Geld in Empfang. Er trat zu dem, der
den Esel gekauft hatte, und sagte zu ihm: „Ich
habe dir etwas verkauft, das der verkörperte
Reichtum ist," Der Käufer antwortete: ,,Sage
mir, worin sein Futter besteht," Dschuha ant-
wortete: ,,Du mußt ihm genügend Gerste und
Gras geben und ihn auch täglich zweimal trän-
ken; und wenn du ihn in den Stall schließt, so
4* 51
laß ihn dort nicht so ohne weiteres; wenn du
vielmehr willst, daß er gehörig viele Goldstücke
zur Welt befördert, so bring ihn auf deinem
eigenen Lager unter, decke ein Moskitonetz über
ihn und feßle ihm die Füße, damit ihm bis Tages-
anbruch nichts vom Lager heruntergleitet. Mit
Tagesanbruch aber geh zu seinem Lager; da wirst
du zwei Körbe voll Goldstücke finden,"
Der Käufer des Esels wachte die ganze Nacht
in froher Hoffnung, daß es Tag werde. Früh ging
er zum Zimmer und öffnete es; und freudig
sprach er bei sich: ,, Heute werde ich durch
Dschuhas Esel ein reicher Mann." Er hob das
Netz auf, und nun fand er, daß der Esel zwei
ganze Körbe Mist ins Bett gemacht hatte, wäh-
rend sein Urin auf dem Boden unter dem Bette
eine lustige Pfütze bildet. Er warf den Esel vom
Bette herunter und begann den Mist zu durch-
v/ühlen, fand aber auch nicht ein Goldstück, Nun
ging er mit dem Esel zu Dschuha und sagte zu ihm:
,,Ich habe mit dem Esel alles so gemacht, wie du
mir gesagt hast, habe aber nicht entdeckt, daß
er mir etwas andres verschafft hätte als zwei
Körbe Mist; und das Bett hat er mir in einen
netten Zustand versetzt. Und nicht ein einziges
Goldstück habe ich gefunden," Dschuha ant-
wortete: „Wie? Habe ich dir denn gesagt, du
solltest ihn in dein Bett legen?" Der Käufer ant-
wortete: ,,In mein Bett habe ich ihn genommen,
weil ich Angst hatte, die Nachbarn könnten mir
die Goldstücke stehlen, die er misten werde;
deshalb habe ich ihn in das Bett gelegt," Dschuha
antwortete: ,, Darum hat er dir auch keine Gold-
stücke gemistet. Deine Gesinnung gegen die
52
Nachbarn war nicht edel; darum hat dir Gott
nichts schenken wollen." Nun sagte der Mann:
„Gib mir mein Geld zurück und nimm deinen
Esel," Dschuha antwortete: „Nein, ich gebe dir
nichts zurück; du hast den Esel auf dem Basar
gekauft, wo Recht und Gesetz gilt."
Darauf sagte der Käufer: „Wohlan, wir wollen
zum Richter gehn." Dschuha antwortete: „Ich
gehe nicht mit dir; verklage nur erst den Esel,
und ich werde dann schon kommen," Der Mann
ging hin und verklagte Dschuha; dann nahm er
einen Schergen mit zu Dschuha. Sie kamen zu
ihm und der Scherge sagte: ,,Steh auf, der Richter
läßt dich rufen." ,,Gut," antwortete Dschuha und
ging mit ihm. Als er und sein Gegner vor den
Richter traten, gebot ihnen der, zu sprechen. Der
Käufer begann: ,,Ich habe von Dschuha einen
Esel gekauft, der Goldstücke misten sollte. Als
ich ihn kaufte, fragte ich Dschuha: ,Was gibt du
ihm zu fressen?' Er antwortete mir: ,Gib ihm
genügend Gerste und Gras und tränke ihn zwei-
mal des Tages. Laß ihn auch in dein Bett steigen
und feßle ihm die Füße, damit du am Morgen
neben ihm findest, was er setzen soll.' Ich tat
so, wie er mich geheißen hatte. Am Morgen ging
ich zum Esel, fand aber dort nichts als einen
Haufen Mistbatzen." Da sagte der Richter zu
ihm: ,,Du bist verrückt; gibt es denn auf der Welt
einen Esel, der Goldstücke mistet? Dschuha ist
ganz in seinem Rechte; dir jedoch fehlt es am
Verstände."
Nun wurde der Mann sehr zornig. Er ging
mit seinem Esel heim und prügelte ihn zu
Tode.
53
393. "C*Inst sagten Männer zu Schaha, daß er hei-
Cd raten solle; er antwortete ihnen, er werde
nicht heiraten, bis der Fluß eine Frau bringe.
Sie sagten: „Wie wäre es möglich, daß der Fluß
eine Frau brächte?" Schaha antwortet kurz: „So
sage ich euch,"
Als dann eine Zeit verstrichen war, sah
Schaha eines Tages am Stadttore eine Frau aus
der Fremde; er fragte sie: ,,Wer bist du?" Sie
antwortete ihm: „Ich bin aus dem und dem
Lande." „Wohin gehst du?" ,,In diese Stadt."
„Was willst du da tun?" „Ich will dableiben,"
Er fragte weiter: ,,Hast du Kinder?" Sie ant-
wortete: ,,Ich habe eines geboren, aber es ist ge-
storben, als es noch ganz klein war." Er sagte:
„Ich fürchte, daß mir seine Krankheit Schaden
bringen wird." Sie antwortete: ,,Aber wie sollte
dir denn die Krankheit, woran der Knabe ge-
storben ist, als er noch klein war, Schaden bringen
können?" Er sagte zu ihr: „Liebst du mich?
willst du, daß ich dich heirate?" Sie antwortete:
„Ich liebe dich."
Darauf gingen sie in die Stadt, um sich von
einem Priester trauen zu lassen, und nachdem sie
geheiratet hatten, blieb er daheim bis zur Regen-
zeit, Als dann alle Leute hinausgingen, um das
Feld zu bestellen, ging auch er zur Arbeit; dabei
fand er einen Schatz, einen Topf voll Gold,
Diesen Topf grub er aus; für einen Teil des
Goldes kaufte er Weizen, Datteln und Butter,
und den Rest versteckte er in einem alten Wasser-
schlauche.
Darauf lebte er mit seiner Frau bis zu der
Zeit, wo die Pilger kamen. Von diesen kam ein
54
armer zu seiner Frau und bat sie um einen alten
Schlauch, um darin Wasser aufzubewahren. Sie
sagte, sie habe keinen, aber eine Nachbarin
machte sie darauf aufmerksam, daß im obern
Teile des Hauses ein alter Schlauch sei. Nun
stieg sie hinauf, holte ihn und gab ihn dem
Armen. Der sagte: ,,Gott möge dich noch in
deinen Kindern segnen." Sie antwortete: ,,Ich
habe keine; ich habe nur eines geboren, und das
ist gestorben, als es noch klein war." Er sagte:
,,Möge Gott mit ihm Erbarmen haben,"
Eines Tages stieg Schaha, der in der Stadt ge-
blieben war, in den obern Teil des Hauses, um
den alten Schlauch mit dem Golde zu suchen; der
war aber nicht da. Er fragte seine Frau, wo der
Schlauch sei, der oben gewesen sei, und sie sagte:
„Ein armer Mann ist zu mir gekommen und hat
ihn verlangt. Er hat Gott um Barmherzigkeit für
mein Kind angefleht, und ich bin hinaufgestiegen,
habe ihn geholt und habe ihn ihm gegeben."
Schaha sagte: ,,Habe ich es dir nicht gesagt ge-
habt, daß mir die Krankheit deines Kindes, ob-
wohl es tot ist, Schaden bringen werde? Und du
hast mir erwidert; ,Wie soll dir die Krank-
heit des verstorbenen Kindes Schaden bringen
können?' "
Schaha ging weg und kaufte einen großen
schönen Schlauch; damit ging er in den Straßen
umher und fragte: „Wer tauscht einen neuen
Schlauch gegen einen alten um?" Da sagte ein
Armer zu ihm; ,,Nimm meinen alten Schlauch
und gib mir den neuen," Und er gab ihm den,
der das Gold enthielt. Schaha nahm den
55
Schlauch, wo das Gold war, von dem der Arme
nichts wußte.
Dann ging Schaha nach Hause und schied sich
von seiner Frau.
394. "rpines Tages ging Si Dscheha auf den Markt,
C^ um einen Esel zu kaufen. Ihm begegnete
einer und der sagte zu ihm: „Wohin, Si Dscheha?"
„Auf den Markt, einen Esel kaufen." Der Mann
erwiderte: ,,Sag: ,So Gott will', Si Dscheha."
Dscheha antwortete: „Warum sollte ich sagen:
,So Gott will'? ich habe Geld bei mir und auf dem
Markte sind Esel," Damit ging er weiter.
Als er auf dem Markte angelangt war, kam
ein Mann daher; der benützte einen Augenblick
der Unaufmerksamkeit Dschehas und stahl ihm
sein Geld. Si Dscheha machte sich auf den
Heimweg, ohne einen Esel gekauft zu haben.
Der besagte Freund begegnete ihm wieder und
sagte zu ihm: „Was hast du gekauft, Si Dscheha?"
Dscheha antwortete: „Mein Geld ist mir ge-
stohlen worden, so Gott will; dein Vater sei ver-
flucht, so Gott will."
395. 'C'Ines Tages ging Si Dscheha zu einem andern
JZtf essen, und der setzte ihm ein gebratenes
Zicklein vor, Dscheha packte das Zicklein und
begann es zu verschlingen wie ein Wolf. Da
sagte sein Wirt: „Weshalb hast du denn eine
solche Wut auf das Zicklein? seine Mutter hat
dich wohl einmal mit den Hörnern gestoßen?"
„Und du," versetzte Dscheha, ,,du bist so mit-
leidig mit ihm, als ob seine Mutter deine Amme
gewesen wäre."
56
SEine Freunde hatten gehört, daß er krank sei, 396.
und kamen ihn besuchen. Er lag im Bettc-
Sie schwatzten alles mögliche und ließen ihn
nicht schlafen. Da stand er auf, nahm sein
Kissen und sagte zu ihnen: „Ihr könnt jetzt gehn;
ich bin gesund: Gott selber ists, der mich gesund
gemacht hat."
Eines Tages kam er bei etlichen Leuten vorbei, 397.
die gerade beim Essen waren. Er sagte zu
ihnen: ,,Das Heil sei mit euch, ihr Geizigen!"
Sie antworteten: ,,Bei Gott, wir sind nicht
geizig."
,,Ach Herrgott," schrie Dscheha, ,,gib, daß sie
nicht lügen; gib, daß ich es bin, der gelogen hat."
SI Dscheha kochte Fleisch und es kamen zwei 398.
Freunde zu ihm. Der eine nahm ein Stück
Fleisch und sagte: „Dieses Fleisch braucht Salz."
Der andere nahm auch ein Stück und sagte:
„Dieses Fleisch braucht Essig."
Si Dscheha packte alles, was noch übrig war,
und sagte: ,,Der Topf da braucht Fleisch."
Einmal trieben Dscheha und zwei Freunde von 399.
ihm zwei Schafe und einen Hammel heim,
die sie auf dem Markte gekauft hatten. Als sie
zu Hause angelangt waren, sagten seine Freunde
zu ihm: „Si Dscheha, wie teilen wir sie?"
,,lhr zwei", antwortete Dscheha, „nehmt das
eine Schaf; ich und der Hammel nehmen das
andere."
57
400. IT Ines Tages verkaufte Dscheha sein Haus, und
Ct er sagte zu dem Käufer: „Freund, das Haus
habe ich dir verkauft; den Nagel aber, der in der
Wand steckt, habe ich dir nicht verkauft. Daß
du mir nicht morgen sagst: ,Du hast mir auch
den Nagel verkauft.' Ich habe ihn dir nicht ver-
kauft; ich habe dir nichts verkauft als das
Haus."
„Es ist gut," antwortete der Käufer. „Ich
habe dir das Haus abgekauft; den Nagel, der in
der Mauer steckt, habe ich dir nicht abgekauft."
Der Käufer dachte: Der Nagel ist mir gleich-
gültig. Ich habe das Haus gekauft; an dem Nagel
liegt wenig.
Si Dscheha suchte seine Mutter auf und sagte
zu ihr: „Mutter, wie lange leiden wir schon
Hunger! Heute habe ich das Haus verkauft."
„Was?" sagte sie, „du hast das Haus ver-
kauft? wo wollen wir wohnen? Außer Hunger
zu leiden, werden wir jetzt auch noch unter
freiem Himmel schlafen müssen."
„Hab keine Angst , Mutter ," antwortete
Dscheha, „Ich habe ihm das Haus verkauft, habe
mir aber einen Nagel vorbehalten, den ich in die
Wand geschlagen habe; den habe ich ihm nicht
verkauft. Und mit diesem Nagel will ich ihm das
Haus wieder abnehmen. Wir sterben vor Hunger;
darum habe ich mir diese List ausgedacht, damit
uns der Käufer Geld gibt und wir essen können.
Was das Haus betrifft, so wird er bald draußen
sein."
„Was?" sagte sie; „du hast ihm das Haus ver-
kauft und sagst, daß er wieder herausgehn wird?
Wie sollte er denn wieder herausgehn, wo er dir
58
doch sicherlich das Geld vor Zeugen gegeben
hat?'*
„Sei nur ruhig," antwortete Dscheha. „Ich
werde schon einen Plan aushecken, damit er
herausgehn muß."
Und sie sagte: „Tu, was du willst."
Si Dscheha ging Tierhäute kaufen; die trug er
hin und hing sie an den Nagel. Auch Därme
hängte er hin. Und da die Häute und Därme dort
blieben, begannen sie nach einem oder zwei Tagen
zu stinken. Dscheha kam hin, ließ sie aber, wie
sie waren.
Der, der das Haus gekauft hatte, kam zu ihm
und sagte: „Was ist das für ein Handel, Si
Dscheha? Du hast Häute und Därme gebracht
und sie im Hause aufgehängt! Sie stinken. Wie
kann ich denn da wohnen?"
„Freund/' antwortete Dscheha, „ich habe dir
nur das Haus verkauft, nicht wahr? Den Nagel
habe ich mir behalten, und ich habe dir gesagt,
daß ich ihn dir nicht verkaufe. Du hast jetzt
nichts mehr zu sagen."
Nun sagte der Käufer zu ihm: ,,Geh in dein
Haus. Ich verlasse es. Ich lasse dir das Geld
und das Haus. Ich kann nicht länger drinnen
wohnen. Es ist ein fürchterlicher Gestank, und
das Haus selber ist vergiftet."
„Gut," sagte Dscheha; „wenn du ausziehen
willst, so zieh. Das Geld, das habe ich aus-
gegeben, und du bekommst keinen Heller zurück."
„Ich schenke dir das Haus und das Geld,"
sagte der Käufer.
Si Dscheha verließ ihn und zog wieder in sein
59
Haus; und der andere machte sich auf die Suche
nach einer neuen Wohnung.
401. O I Dscheha ging im Felde und hatte Hunger.
O Da sah er einen Araber, der aß. In der Mei-
nung, daß ihn der einladen werde, mitzuessen,
ging er hin; aber er wurde keineswegs eingeladen,
sondern der Araber fragte ihn nur: „Woher bist
du, Bruder?"
„Aus deinem Dorfe," antwortete Dscheha.
„Dann bringst du uns gute Nachrichten,"
„Ich bringe dir alle guten Nachrichten, die du
willst."
„Hast du Nachrichten von unserm Dorfe?"
„Ja."
„Hast du Nachrichten von 0mm Othman?" —
Das war die Frau des Arabers. —
„Oh," sagte Dscheha, ,,sie wiegt sich wie ein
Pfau."
„Und wie geht's meinem Sohne Othman?"
„Gewöhnlich spielt er Ball mit seinen Kame-
raden,"
,,Wie geht es dem Kamel?"
,,Das wird bald zerplatzen, so feist ist es."
„Und was ists mit unserm Hunde Titu?"
„Er ist sehr scharf, und das will etwas heißen.
Die Diebe fürchten ihn, so daß der Pferch vor
ihnen sicher ist."
,,Und unser Haus, wie steht es damit?"
„Es ist wie eine Festung,"
Nun schwieg der Araber. Er aß, ohne Si
Dscheha einzuladen, und der stand auf, um weg-
zugehn. Der Araber fragte ihn: „Wohin,
Bruder?"
60
„Ins Dorf," antwortete Dscheha. „Seid Titus
Tod wimmelts dort von Dieben."
„Titu ist tot?"
„Ja."
„Woran ist er gestorben?"
„Er hat von dem Fleische des Kamels zu viel
gefressen, und daran ist er gestorben."
„Das Kamel ist also auch tot?"
„Ja."
„Woran ist es gestorben?"
„Es ist über das Grab 0mm Othmans ge-
stolpert."
„0mm Othman ist gestorben?"
„Ja."
„Woran?"
„An dem Kummer über den Tod Othmans."
„Othman ist gestorben?"
„Ja."
„Wieso?"
„Das Haus hat ihn erschlagen, als es ein-
stürzte."
Bei diesen Worten sprang der Araber wie ein
Narr auf und lief in der Richtung seines Dorfes
davon, sein Essen im Stiche lassend. Si Dscheha
aß alles, was noch da war.
DEr Kaid von Dschehas Stamm liebte die 402.
Frauen leidenschaftlich, und Dscheha, der
ihn oft besuchte, machte ihm Vorstellungen.
„Wie kannst du denn," sagte er zu ihm, „du, ein
Kaid, gar so in die Frauen vernarrt sein? Nimm
doch ein wenig Vernunft an. Fürchte den Herrn.
Es ist eine Schande für dich." Diese Worte
61
drangen dem Kaid bis auf den Grund seines
Herzens.
Nun hatte der Kaid eine Magd, die eine Frau
von großer Schönheit war, und die sagte zu ihm,
als sie seine Niedergeschlagenheit bemerkte:
„Was drückt dich, Herr?"
Der Kaid antwortete: „Dscheha hat mir das-
unddas gesagt."
„Sonst nichts?" sagte sie. „Nun, gib mir die
Erlaubnis zu ihm zu gehn. Du bleibst noch eine
Weile hier, und kommst dann unversehens zu
Dscheha nach. Du wirst schauen, was ich tun
werde, und wirst dich wundern, in was für einer
Verfassung du ihn finden wirst."
,,Geh," sagte der Kaid zu ihr, und sie ging.
Sie kam zu Dscheha und setzte sich mit ihm in
seinem Hause nieder. Als Dscheha sie sah,
wurde er sterblich verliebt in sie. Er rückte
näher zu ihr, aber sie schlug ihn zurück; er ver-
folgte sie, und wohin immer sie sich setzte, er kam
zu ihr. „Bleib auf deinem Platze, Si Dscheha,"
sagte sie zu ihm, „und komm mir nicht zu nahe.
Wenn du aber herankommen willst, so laß mich
auf dir reiten; du wirst mit mir auf dem Rücken
auf allen vieren gehn."
„Komm," sagte Dscheha, und sie legte ihm
einen Sattel auf und einen Zaum an und setzte
sich rittlings auf ihn; er begann auf allen vieren
zu kriechen.
Unversehens kam der Kaid, und der sagte zu
ihm: „Si Dscheha, mir hast du verboten, die
Frauen zu lieben, und du, sieh nur, in was für
einer Verfassung du bist!"
„Herr," antwortete Si Dscheha, „ich hatte
62
Angst, dich zu einem solchen Esel werden zu
sehn, wie ich einer bin."
Der Kaid begann zu lachen und machte ihm
ein Geschenk.
ES war ein Jude, der täglich also zum Herrgott 403.
betete: ,,0 mein Gott, zeige dich mir"; und
er betete unter einem Baume. Eines Tages hörte
ihn Dscheha, als er lustwandelte. Am nächsten
Tage ging er hin und war noch vor dem Juden
dort; er stieg auf den Baum und verbarg sich im
Laube. Der Jude kam und betete wie gewöhn-
lich. Si Dscheha rief ihn an und sagte: „O mein
Anbeter, nimm hundert Dinar und gib sie der
Frau Dschehas. Dann komm sofort hieher zurück,
und du wirst mich sehn."
Als der Jude diese Worte hörte, war er auf
dem Gipfel der Freude. Er ging nach Hause,
holte hundert Goldstücke und gab sie der Frau
Dschehas, Dann kam er zum Baume zurück und
sagte: „O mein Gott, ich habe getan, was du mir
gesagt hast." Si Dscheha warf ihm einen Strick
zu, indem er sagte: ,, Fasse diesen Strick und du
wirst zu mir emporsteigen." Der Jude ergriff
den Strick und Si Dscheha zog ihn herauf; als
er ihn aber einigermaßen in der Höhe hatte, ließ
er den Strick los. Der Jude fiel herunter und
schlug sich ein Loch in den Kopf. ,,0 mein
Gott," sagte er, „du bist unersättlich! Du nimmst
mein Geld und schlägst mir überdies ein Loch in
den Kopf!"
MAn wußte sich keinen Rat mehr, um Dscheha 404.
sein Schmarotzerhandwerk zu legen. Als
nun eines Tages die vornehmen Leute zu einem
63
Manne essen gingen, der einen Festschmaus vor-
bereitet hatte, schloß sich ihnen Dscheha an; da
sagten sie untereinander: ,,Was machen wir nur
mit Si Dscheha?" Und einige sagten: „Wann die
Schüsseln aufgetragen werden, wollen wir zu ihm
sagen: ,Si Dscheha, in deinem Dorfe brennt es',
damit er nichts ißt. Unsere Worte werden ihn
so beschäftigen, daß er nichts ißt,"
Als die Speise kam, sagten sie zu ihm: „Si
Dscheha, in deinem Dorfe brennt es."
„Unser Haus ist davor bewahrt geblieben?"
fragte Dscheha,
Während sie sich darauf beschränkten, zu
sprechen, aß Dscheha, Sie sagten: „Das Feuer
ist schon bei deinem Hause,"
„Nun, mich hat es noch nicht erreicht."
,, Jetzt hat es deine Kleider erfaßt,"
„Mein Kopf brennt noch nicht, nicht wahr?"
antwortete Dscheha, „Meine Füße mag es ver-
schlingen, wenn es mir nur den Kopf in Ruhe
läßt,"
Und er aß immerzu. Als dann die andern
desgleichen tun wollten, stellte es sich heraus, daß
Dscheha alles aufgegessen hatte; und sie sagten
untereinander: „Si Dscheha hat uns zum besten
gehabt."
405. O I Dscheha kaufte auf dem Markte eine Ziege
O um zehn Duro, Er trieb sie heim, schlachtete
sie und häutete sie. „Diese Ziege kostet uns viel
Geld," sagte er zu seiner Mutter, und sie er-
widerte: „Was willst du tun, mein Sohn?"
„Für den Augenblick das Fleisch kochen;
späterhin werden wir sehn, was zu tun ist. Am
64
nächsten Markttage werde ich die Haut auf den
Markt bringen; du wirst hingehn und sie in der
Hand halten. Ich werde immer um dich herum
sein, und du wirst tun, als ob du mich nicht
kenntest; ebenso werde ich tun, als ob ich dich
nicht kennte. Ich werde um die Haut handeln,
und welchen Preis immer ich dir biete, weigerst
du dich, sie mir zu verkaufen. Ich werde sie
spannenweise messen. Du sagst zu mir: ,Ich ver-
kaufe sie nicht.' Ich werde dir zwanzig, dreißig,
vierzig, fünfzig Duro bis zu hundert Duro bieten.
Unter den Fremden, die dazukommen werden,
wird einer sein, der dir mehr bieten wird, und
dem verkaufst du sie. Gib acht jetzt! Merk dir
wohl, wie ich dich empfehlen will!"
Sie machten sich auf den Weg und kamen auf
den Markt. Si Dscheha ging abseits, und seine
Mutter hielt die Ziegenhaut. Si Dscheha kam
und sagte zu ihr: ,,Wie viel hat man dir für die
Haut da geboten?" Und auf ihre Antwort: „Zehn
Duro" begann er sie spannenweise zu messen.
Alle Welt sammelte sich um sie. „Die Haut, die
du da mißt," sagte einer zu ihm, „wozu kann sie
dir dienen?"
,,Sie wird gut zu verwenden sein," antwortete
Dscheha; ,,sie gibt eine große Trommel oder eine
kleine,"
Er zog sich zurück, kam aber einen Augen-
blick später wieder, ging wieder zu seiner Mutter
und sagte zu ihr: ,,Nun, altes Frauchen, was ists
mit der Haut?"
„Mein Sohn," antwortete die Alte, ,,man hat
mir zwanzig Duro gegeben,"
, »Verkaufst du sie um fünfzig?"
Nasreddin, II. 5 65
„Nein."
Si Dscheha maß die Haut noch einmal und
ging weg. Die Leute liefen zusammen und sagten
einander: ,,Si Dscheha ist verrückt. Wie geht es
zu, daß er, der sonst so durchtrieben ist, sich so
täuschen läßt?"
Dscheha kam zurück und sagte zu seiner
Mutter: ,, Mutter, wie viel hat man dir für die
Haut geboten?"
,,Sie ist noch auf fünfzig Duro, mein Sohn."
„Ich will sie messen, ob sie zu meinem Zwecke
taugt oder nicht." Er maß sie, und als er damit
fertig war, sagte er zu seiner Mutter: ,,Wenn du
sie verkaufen willst, so gebe ich dir hundert
Duro."
„Ich verkaufe sie nicht," antwortete sie, und
Dscheha entfernte sich und beobachtete sie von
weitem.
Ein Mann, der auf den Markt gekommen war,
kam und sagte zu der Mutter Dschehas: ,, Altes
Frauchen, verkaufe sie mir. Ich gebe dir um
zehn Duro mehr als der Mann,"
,,Gib das Geld her, bevor er kommt; er könnte
mir sonst Vorwürfe machen, daß ich einem andern
den Vorzug gegeben habe."
Er gab der Alten das Geld, und die machte
sich auf den Heimweg und Si Dscheha gesellte
sich zu ihr; sie gingen, bis sie dorthin kamen, wo
sie wohnten, und dort blieben sie.
Die Alte hatte aber dem Käufer der Haut ge-
sagt: ,, Diese Haut ist gar kostbar; lege sie in die
Sonne: sie wird trocknen, und du wirst sehn, was
für einen Nutzen du finden wirst."
Er breitete also die Haut an der Sonne aus.
66
Zwei oder drei Tage darauf ging er nachsehn und
fand sie vollständig ausgetrocknet. Er nahm sie
zwischen die Hände und rieb sie; da zerfiel sie.
Nun ging er die Frau suchen, die sie ihm ver-
kauft hatte. Er traf die Mutter Dschehas und
sagte zu ihr; „Altes Frauchen, bist du nicht die,
die mir die Haut verkauft hat?"
„Sag so etwas nicht noch einmal," sagte die
Alte, „Ich, Häute verkaufen! ich bin die Mutter
Si Dschehas,"
,, Schon recht," sagte der Mann; ,,sieh nur
selber, wer mich betrogen haben kann, wenn du
es nicht bist."
„Mein Sohn," erwiderte die Alte, ,,das habe
ich nie getan."
Der Mann ging heim, ohne sie erkannt zu
haben. Die Ziegenhaut verblieb ihm und er warf
sie den Hunden hin.
Eines Tages sagte die Mutter zu Si Dscheha: 406.
„Ich gehe Holz machen." Er bildete sich
ein, das sei wahr; sie ging aber irgendwohin,
setzte sich nieder und legte einen Fuß über den
andern. Dscheha kam und sah, daß sie die Füße
übereinander geschlagen hatte.
Am nächsten Tage sagte sie zu ihm: ,,Sohn,
das Barfußgehn bringt mich um; kaufe mir doch
Schuhe."
Dscheha holte Baumwolle und machte ihr
daraus Schuhe; „da, Mutter," sagte er, „da sind
deine Schuhe."
„Aber," sagte sie, „wie lange werden die denn
halten?"
„Mutter," antwortete Dscheha, „wenn du
ö* 67
l
immer so viel gehst wie gestern, werden sie
halten, bis du stirbst."
407. A Ls Si Dscheha noch klein war, war er ein
X*. wenig dumm und unwissend; erst als er ein
wenig größer war, erwachte sein Geist,
Eines Tages, es war der Tag, wo sein Vater
starb, war er allein auf der Welt; er hatte
niemand mehr als seine Mutter, Nun nahm er
einmal einen Ochsen, um ihn zu verkaufen. Auf
dem Wege traf er eine Eule, und er sagte zu ihr:
„Kaufst du meinen Ochsen?"
Die Eule schrie: ,,Imiaruf."
„Gibst du mir fünfzehn Realen?" fuhr Dscheha
fort,
„Imiaruf," wiederholte die Eule.
,,Du gibst mir zwanzig?"
„Imiaruf,"
,,Du gibst mir fünfundzwanzig?"
„Imiaruf,"
„Da hast du deinen Ochsen," Und er fügte
bei: „Und das Geld?"
,, Imiaruf,"
„Beim nächsten Markte?"
,, Imiaruf," sang die Eule.
„Gut; da ist der Ochse, Das Geld werde ich
am nächsten Markttage holen."
„Imiaruf,"
Dscheha ließ den Ochsen dort und ging. Als
er daheim angelangt war, sagte seine Mutter zu
ihm: ,,Und der Ochse, mein Sohn?"
„Den habe ich verkauft," antwortete er; „um
fünfundzwanzig Realen. Was das Geld betrifft,
so warte ich darauf bis zum nächsten Markte."
68
Als der nächste Markttag gekommen war,
ging er an den Ort, wo er den Ochsen gelassen
hatte; dort traf er die Eule und die sang wie am
ersten Tage. ,,Und das Geld?" sagte er.
,,Imiaruf."
„Heute will ich mein Geld haben."
,,Imiaruf,"
Dscheha ging auf sie zu, indem er sagte: „Ich
muß heute mein Geld haben." Die Eule flog
gegen ein altes Gemäuer hin; Dscheha folgte ihr
und sagte: ,,Du mußt mir mein Geld geben."
,,Imiaruf," schrie die Eule.
Dscheha verfolgte sie immer weiter, bis er sie
in dem Gemäuer vor sich hatte. Sie entwischte
ihm wieder; aber Dscheha fand in dem Gemäuer
einen Schatz.
„Du glaubst," sagte er nun zu der Eule, „daß
ich ein Dieb bin wie du? ich, ich stehle nicht; ich
werde nur nehmen, was mir gebührt." Und er
zählte seine fünfundzwanzig Realen ab und
steckte sie zu sich; dann ging er heim.
Als er zu Hause angelangt war, sagte er zu
seiner Mutter: , .Mutter, das ist das Geld von
dem, dem ich den Ochsen verkauft habe." Und
er fügte bei: ,,Ich selber habe mit meinen eigenen
Händen die fünfundzwanzig Realen aus dem
Schatze genommen."
„Mein Sohn," sagte die Mutter, „gehn wir
zu ihm."
„Mutter, wenn du willst, so gehn wir hin; ich
fürchte aber, daß du ihn bestehlen wirst."
„Pfui, mein Sohn! Deinem Freunde, zu dem
wir als Gäste kommen, dem werde ich etwas
stehlen!"
69
„Also gut; komm, gehn wir,"
In aller Eile kochte sie nun Bohnen und Eier
und buk Kuchen, Als sie dann das Dörfchen
verließen, warf sie die Bohnen über Dscheha; er
las sie auf und sagte: „Mutter, es regnet Bohnen,"
„Lies sie auf, mein Sohn." Dscheha las sie
auf und aß sie. Seine Mutter ging immer weiter;
und als sie an dem bewußten Orte angekommen
waren, sagte sie zu ihm: ,,Nun, mein Sohn; wo ist
das Haus deines Freundes?"
„Da," antwortete Dscheha.
„Zeig es mir doch."
,,Nun hier."
„Das da?"
„Komm, ich werde es dir zeigen,"
Als er sie hingeführt hatte und sie den Schatz
sah, warf sie Kuchen in die Höhe, so daß sie auf
Dscheha niederfielen; und er sagte: ,, Ach, Mutter,
es regnet Kuchen," Er begann sie aufzulesen
und sie zu essen. Seine Mutter bemächtigte sich
des Schatzes und er sagte zu ihr: ,,Hüte dich,
Mutter, etwas zu nehmen,"
,,Ich nehme nichts, mein Sohn." Aber sie hob
den Schatz und wickelte ihn in ein großes Baum-
wolltuch, um ihn wegzutragen; und zu Dscheha
sagte sie: „Komm, mein Kind, gehn wir."
Sie gingen. Als sie ins Dörfchen kamen, warf
sie die Eier über ihn. ,, Mutter," sagte er, „es
regnet Eier," Er las sie auf und aß sie, und sie
kamen nach Hause.
An diesem Abende ging Dscheha dorthin, wo
die Leute zusammenkamen, und sagte zu ihnen:
,, Heute haben meine Mutter und ich einen Schatz
heimgetragen."
70
Sie fragten ihn; „Wann?"
„Wir sind weggegangen," antwortete Dscheha,
„als es Bohnen regnete. Als dann der Kuchen-
regen gekommen ist, sind wir bei dem Schatze
eingetroffen, den meine Mutter weggetragen hat.
Ins Dorf sind wir zurückgekommen in dem
Augenblicke, wo es Eier regnete,"
,,Bah," sagten sie untereinander, ,,der Junge
ist ein Tölpel; nehmt seine Worte doch nicht
ernst."
Warum hatte nun die Mutter Dschehas die
Bohnen und die Eier gesotten und die Kuchen
gebacken? Weil sie nicht zweifelte, daß der
Dummkopf von ihrem Sohne alles ausplaudern
v/erde; darum hat sie ihm die Bohnen und die
Eier gesotten und die Kuchen gebacken. Sie
hatte es sich an den Fingern abgezählt, daß
Dscheha, wenn er den andern sagen werde: ,,Wir
haben einen Schatz heimgebracht", beifügen
werde: ,,als es Bohnen und dann Kuchen und
dann Eier regnete"; und sie wußte, daß also
niemand seine Worte ernst nehmen werde.
SI Dscheha konnte kein Pferd besteigen, aber 408,
ein guter Fußgänger war er. Eines Tages
ließ ihn nun der Kaid des Dorfes rufen und sagte
zu ihm: ,,Si Dscheha, du mußt mir diesen Brief
zum Bei von Algier bringen; steig auf mein Pferd
und spute dich,"
Das Pferd des Kaids war aber ein hitziges
Tier, das niemand besteigen konnte außer seinem
Herrn. Si Dscheha, der das wußte, zog sich mit
einem einzigen Worte aus dem Handel; er fragte:
„Ist es eilig, Herr Kaid?"
71
„Sehr eilig," antwortete der Kaid.
„Dann", sagte Dscheha, „geh ich zu Fuß; ich
werde so viel schneller dort sein, als wenn ich
zu Pferde stiege."
Alle schüttelten sich vor Lachen, als sie ihn
so reden hörten. Der Kaid, der Si Dscheha nur
einen Streich hatte spielen wollen, sagte: „Bleib
da; du wirst mit mir essen."
409. O I Dscheha hatte einen Feind, der ein Eier-
O händler war. Den traf er eines Tages, als
er auf den Markt ging; er trat auf ihn zu und
sagte: „Du hast da wirklich schöne Eier."
„Laß den Spott," sagte der Händler. „Willst
du welche kaufen, so kauf; wenn nicht, so geh
deines Weges."
Dscheha kaufte zwei Eier und steckte ge-
schickt in jedes ein Goldstück, Dann sagte er
zu seinem Feinde: „Höre; ich will jetzt Frieden
machen mit dir, und darum will ich dir einen
guten Rat geben."
„Wir werden sehn," sagte der Händler;
„sprich."
Nun sagte ihm Dscheha ins Ohr: „Verkaufe
diese Eier nicht; alle enthalten sie Goldstücke!"
„Pack dich," schrie der Händler; „du lügst."
„Ich lüge?" sagte Dscheha; „also gut: sieh
her." Und er schlug vor ihm die zwei Eier auf,
die er gekauft hatte. Der Händler stand ganz
verdutzt da, als er die zwei Goldstücke sah, die
zum Vorscheine kamen. Dscheha las sie auf,
schob sie in seine Tasche und ging heim.
Alsbald nahm der Händler seine Eier und
schlug sie alle ohne Ausnahme auf. Goldstücke
12
aber fand er nicht ein einziges, und er schrie:
„Gott verderbe die Augen Si Dschehas, so wie
ich alle meine Eier verdorben habe!"
SI Dscheha hatte in einem Hause, das auch 410,
der Eigentümer bewohnte, eine Kammer ge-
mietet. Er bezahlte nie die Miete und lärmte die
ganze Nacht in seiner Kammer. Der Eigentümer,
der dieses Lärms halber nicht schlafen konnte,
sagte eines Tages zu ihm: ,, Warum verübst du
allnächtlich einen solchen Lärm in deiner
Kammer?"
„Mein Sohn," antwortete Dscheha, ,, ich richte
Schlangen ab, um sie den Aissawa ^ zu ver-
kaufen."
,,Du züchtest Schlangen in meinem Hause?"
schrie der Eigentümer. „Gut also; du kannst
jetzt ziehen. Die Miete schenke ich dir, aber
räume das Haus noch heute."
„Das ists ja, was ich wollte," dachte Dscheha.
„Auf diese Weise brauche ich keine Miete zu
zahlen."
Eines Tages war Si Dscheha bei seiner Mutter 411.
zu Hause geblieben. Da sie nichts zu essen
hatten, sagte er zu ihr: „Warte, ich hole etwas
zu essen."
Er ging zu den Schülern, die er alle bei-
^ Die Aissawa sind nach Basset eine in ganz Nord-
afrika weit verbreitete religiöse Bruderschaft nach Art der
Fakire, die sich ebenso wie diese durch Tänze und wilde
Bewegungen eine gewisse körperliche Unempfindlichkeit
aneignen; sie essen Glas und Skorpione, lassen sich von
giftigen Schlangen beißen, lecken glühendes Eisen, ver-
schlucken Kiesel usw.
73
sammen fand, und sagte zu ihnen; „Kommt, ihr
sollt heute bei mir essen," Er war nämlich ihr
Mitschüler, war aber an diesem Morgen nicht zur
Schule gegangen. Als er ihnen nun sagte:
, »Kommt heute zu mir essen", antworteten sie:
,,Si Dscheha, du bist arm."
Er antwortete: ,,Das ist Brauch bei uns: wenn
ein Schüler den ganzen Koran auswendig kann,
muß er seinen Mitschülern zu essen geben."
„Gut ists," sagten sie, „Geh und richte das
Mahl her; wir werden kommen,"
„Steht auf und kommt mit," sagte Dscheha;
„das Mahl ist schon kalt,"
Sie standen auf und gingen mit ihm. Als sie
in seinem Hause angelangt waren, ließ er sie in
eine Kammer treten. Dann nahm er ihre Schuhe,
die sie an der Tür gelassen hatten, und steckte
sie in einen Sack; hierauf ging er zu den Schülern
zurück und sagte zu ihnen: „Wartet ein bißchen;
ich komme sofort wieder," Er ging aber weg und
nahm den Sack mit ihren Schuhen mit; er kam
zu einem Garkoch,
„Gib mir etwas um zwei Franken," sagte er
zu ihm, ,,und nimm dafür dies Paar Schuhe."
Dann ging er zu einem Fleischer und hielt
ihm dieselbe Rede, dann zu dem Kuskussu-
verkäufer; und als er so alle Schuhe der Schüler
verteilt hatte, ging er, mit köstlichen Mund-
vorräten beladen, nach Hause- Sofort nach seiner
Heimkehr setzte er alles den Schülern vor, und sie
ließen es sich trefflich schmecken. Dann erhoben
sie sich, um in ihre Schule zu gehn. Als sie ihre
Schuhe suchten, sagte Dscheha zu ihnen: ,, Kommt
mit mir; ich habe sie versteckt."
74
Sie gingen mit ihm. Einen führte er zum Gar-
koch und sagte zu ihm: „Gib ihm zwei Franken;
er wird dir deine Schuhe geben," So zeigte er
schließlich allen, wo er ihre Schuhe verpfändet
hatte, und die armen Schüler gaben Geld her,
um sie wiederzubekommen. Er blieb bei seiner
Mutter; und von den Speisen hatten sie noch
zwei Tage zu essen.
ALs sein Vater starb, trug ihn Dscheha auf 412.
den Markt und beerdigte ihn dort; aber
einen Fuß des Toten ließ er außerhalb der Erde,
Die Leute sagten zu ihm: ,,Was, Si Dscheha? du
läßt den Fuß deines Vaters außerhalb der Erde?
was ist das für ein Begräbnis?"
„Nun," antwortete er, ,, jedermann weiß, wie
er seinen Vater zu begraben hat. Dieser Platz
ist das Grab meines Vaters, nicht wahr? Wenn
ich also auf den Markt komme, werde ich meinen
Esel an den Fuß meines Vaters binden, und
niemand wird mir etwas sagen dürfen,"
Eines Tages ging Dscheha auf den Markt; er
band seinen Esel an den Fuß seines Vaters und
ging dann einen Fleischhandel anfangen. Er
kaufte einen magern Ochsen, tötete ihn, deckte
ihn ab, zerstückelte ihn und legte die Fleisch-
stücke auf einen großen Stein. Alle andern
Fleischer töteten fette Tiere. Sie verkauften und
gingen weg; Dscheha blieb zurück. Alle, die bei
ihm vorbeikamen, spien aus und setzten ihren
Weg fort.
Als es Abend wurde, war er allein noch da.
Die Hunde umgaben ihn und er sagte zu ihnen:
,, Wollt ihr es kaufen?"
75
Sie begannen alle zu knurren, Dscheha
wandte sich zu dem größten im Rudel: ,,Wenn
du für sie bürgst, so verkaufe ich ihnen meinen
Ochsen." Der Hund knurrte. ,,Ich weiß,"
sagte Dscheha, ,,daß du mir für mein Geld gut
bist", und überließ den Hunden das Feld. Sic
fraßen das Fleisch des Ochsen und Dscheha ging.
Am nächsten Markttage kam er wieder und
ging sofort zum Grabe seines Vaters. Er sah,
daß dort einer sein Maultier angebunden hatte;
er fragte: „Wer ist das, der sein Maultier hier
angebunden hat?"
Der Herr des Maultiers erhob sich und ant-
wortete: ,,Ich bins."
„Was?" sagte Dscheha. „Das ist das Grab
meines Vaters. Ich habe seinen Fuß heraußen
gelassen, damit alle Welt weiß, daß der Platz
mein ist; denn man sieht sehr wohl, daß das
das Grab meines Vaters ist, und alle, die her-
kommen, sollten sich sagen; ,Der Platz gehört
Si Dscheha.' Hier hat niemand etwas zu suchen."
Der Eigentümer des Maultiers sagte zu ihm:
„Ich habe nicht gewußt, Freund, daß das der
Fuß deines Vaters ist; ich habe ihn für ein Stück
Holz gehalten."
Dscheha antwortete: „Von heute an gib acht,
nicht wieder hieher zu kommen."
Von diesem Tage an wurde der Platz Eigen-
tum Dschehas.
413. A Ls der Eigentümer des Maultiers und
J^L Dscheha auseinander gegangen waren, be-
gann Dscheha den Hund zu suchen, der die Bürg-
schaft für die andern Hunde übernommen hatte.
76
Als er ihn gefunden hatte, sagte er zu ihm: „Jetzt
will ich mein Geld von dir haben," Der Hund
riß aus, aber Dscheha verfolgte ihn, indem er
sagte; „Die Flucht wird dir nichts nützen,"
Er hatte die Absicht, mit diesen Hunden eine
gewisse List ins Werk zu setzen; er hatte nämlich
sagen hören, die Tochter des Sultans habe seit
dem Tage ihrer Geburt weder gelacht, noch ge-
sprochen, und hatte sagen hören, der Sultan habe
gesagt: „Ich werde meine Tochter dem geben,
der sie zum sprechen bringt,"
Dscheha ging einen Strick kaufen, und den
knüpfte er an einen Baum. Dann lief er, um die
Hunde zusammenzufangen. Alle, deren er hab-
haft werden konnte, band er an diesen Strick;
und als er sie alle angebunden hatte, ging er mit
einem Stocke auf sie los, wobei er in einem fort
sagte: ,,Gebt mir mein Geld,"
Das Haus des Sultans war gegenüber von dem
Baume, woran er die Hunde gebunden hatte, und
die Tochter des Sultans betrachtete das Schau-
spiel von ihrem Fenster aus. Dscheha verfolgte
die Hunde ununterbrochen; wenn er von der
einen Seite her auf sie eindrang, retteten sie sich
auf die andere, und wenn er sie verfolgte, liefen
sie in einer andern Richtung,
Darob begann die Tochter des Sultans zu
lachen. Das hörte die Negerin und ging zum
Sultan und sagte: ,,Herr, meine Gebieterin lacht,"
Hastig lief der Sultan hin, und als er bei seiner
Tochter war, fragte er sie: ,, Tochter, warum
lachst du? Zeit deines Lebens hast du noch
nicht gelacht. Heute hat Gott dein Herz er-
schlossen."
77
„Vater," antwortete sie, ,,du siehst, was der
Mann dort mit den Hunden treibt; das ist der
einzige Grund, daß ich lache,"
Der Sultan sagte zu seinem Sklaven: ,,Geh zu
dem Manne dort, der die Hunde gefangen hat,
und sag ihm; , Wohlan, schenke den Hunden die
Freiheit; der Sultan sagt dir: komm,' " Der
Neger ging. Als er bei Dscheha war, wiederholte
er ihm die Worte des Sultans.
„Ich werde sie nicht freilassen," erklärte
Dscheha; „ich habe ihnen auf dem letzten Markt
einen Ochsen verkauft, und heute haben sie sich
geweigert, mich zu bezahlen,"
,,Komm doch zum Sultan, Narr, der du bist,"
sagte wieder der Neger, ,,Er wird dich, so Gott
will, reich machen. Er selber hat mir gesagt:
,Sag ihm, er soll kommen und die Hunde laufen
lassen; ich will ihn bezahlen.' "
Dscheha ließ die Hunde laufen, sagte aber zu
dem Neger: ,, Vielleicht hast du mich zum besten,
und dann habe ichs."
Dscheha ging also mit ihm, und als er vor dem
Sultan stand, sagte dieser zu ihm: ,,Was hast du
mit den Hunden gehabt?"
,,Am letzten Markte", antwortete Dscheha,
„habe ich ihnen einen ganzen Ochsen verkauft,
und sie haben ihn gefressen. Heute habe ich zu
ihnen gesagt: ,Gebt mir mein Geld,' Sie haben
sich geweigert. Dann habe ich sie gefangen,"
„Wie viel forderst du?"
,, Zwanzig Duro,"
,,Komm," sagte der Sultan und ließ Dscheha
in ein Zimmer treten, Dscheha sah, daß es voll
Gold war,
78
„Also," sagte der Herrscher, „nimm dir, was
du willst."
,,Das ist es nicht, was ich will," sagte Dscheha.
„Laß mich nur gehn und meine Schuldner wieder
fangen."
Die Tochter des Sultans war dabei; da sie zu
lachen begann, sagte Dscheha zu ihr: „Du hast
recht, dich über mich lustig zu machen; denn
nachdem ich alle beisammen gehabt habe, die mir
Geld schuldig sind, bin ich von euch zum Narren
gehalten worden. Dein Vater hat den Schwur
vergessen, den er deinetwegen geschworen hat.
Laß mich jetzt wenigstens gehn, um meine Wider-
sacher zu verfolgen."
Da der Sultan gesehn hatte, daß Dscheha ein
sehr schmutziger Mensch war, hatte er nicht vom
Anfang an zu ihm sagen wollen: „Ich gebe dir
meine Tochter"; indem aber Dscheha das Wort
Schwur aussprach, rief er dem Sultan die Sache
ins Gedächtnis, und nun sagte dieser: „Wohlan,
so heirate meine Tochter."
,,Ich werde sie nicht heiraten," antwortete
Dscheha, und das zu dem Zwecke, für einen ge-
wichtigen Mann angesehn zu werden,
„Warum willst du sie nicht heiraten?"
,,Weil ich, wenn ihr mich auch jetzt sehr
schmutzig seht, immerhin der Sohn eines Sultans
bin; gebt acht, daß ihr euch nicht in mir täuscht."
,,Das ist gerade das," sagte der Sultan, ,,was
auch mein Wunsch war; es war mir darum zu
tun, daß meine Tochter einen Sultanssohn und
nicht irgendeinen schmutzigen Bauer heirate."
Er gab ihm seine Tochter und Dscheha
heiratete sie. Und der Sultan sagte zu ihm:
79
„Nun, mein Schwiegersohn, wirst du bei mir
wohnen oder in deinem Hause?"
,,Bei dir will ich nicht wohnen," antwortete
Dscheha; ,,ich habe ein Haus,"
,,Also, da ist deine Frau, nimm sie; nimm
auch alles Geld, alle Kamele, alle Pferde und
alle Maultiere, die du willst,"
Dscheha führte seine Frau weg und nahm
überdies diese unendlichen Reichtümer mit.
414. TTVScheha führte also seine Frau heim; aber als
J-X sie ankam, gefiel ihr das Haus gar nicht,
weil sie es voller Schmutz fand, ,,Was?" sagte
sie sich; ,, dieser Mensch hat mich zum besten
gehabt. Er hat mir gesagt: ,Ich bin ein Sultans-
sohn, ich bin aus einem großen Hause'; jetzt sieht
man, wie schlecht es mit seinem Hause bestellt
ist." Aber sie verschloß diese Gedanken in
ihrem Herzen und wollte sie niemand kundtun.
Es kam das Fest heran, und sie sah Dscheha
zur Arbeit gehn, obwohl alle Welt dem Feste zu
Ehren feierte. „Si Dscheha," sagte sie zu ihm,
„was tust du? alle Welt feiert des Festes halber,
und du gehst arbeiten! Hast du mir nicht seiner-
zeit gesagt: ,Mein Vater ist Sultan', und wieder:
,Ich habe ein schönes Haus, ich bin aus einem
großen Hause'?"
„Meine Liebe," antwortete Dscheha, ,,es ist
wahr, ich habe das gesagt, und ich habe nicht
gelogen; ich will jetzt nur eine kleine Arbeit ver-
richten."
„Kein Mensch verrichtet in der Festzeit eine
Arbeit, weder eine kleine, noch eine große; man
arbeitet an den andern Tagen genug."
80
„Das ist wahr, meine Liebe. Aber wenn mich
die Dorfleute feiern sehn, feiern sie; sehn sie
mich zur Arbeit gehn, gehn auch sie. Ich, ich
bin wohl in der Lage, nichts zu tun; mir wird es
an nichts mangeln. Daß ich öffentlich so tue,
geschieht nur, damit nicht die Kinder des Volkes
unaufhörlich im Hunger leben."
Ein andermal sagte sie zu ihm; ,,Si Dscheha,
wie ist nur das Kleid, das du trägst, zuge-
schnitten? warum kleidest du dich nicht wie die
Sultanssöhne?"
„Meine Liebe," antwortete er, „auf schöne
Kleider gebe ich nichts der Leute halber; sie
machen alles, was ich mache: gehe ich ihnen im
Müßiggang voran, so arbeiten sie auch nichts
mehr; gebe ich ihnen ein Beispiel mit schönen
Kleidern, so werden auch sie sich, wenn sie ein
paar Groschen haben, solche kaufen, und die
ganze Familie wird Hunger leiden."
„Wieso ist es möglich gewesen, Si Dscheha,
daß du mir gesagt hast: ,Ich bin Sultan'? Ich
sehe dich doch niemals das Herrscheramt aus-
üben. Niemand im Volke nennt dich Sultan oder
Sultanssohn. Du hast mich belogen; du bist
sicherlich nichts sonst als ein Bettler und legst
dir die Eigenschaft eines Sultans fälschlich bei."
,,Ich frage dich," antwortete Dscheha, ,,was
deine Absicht ist. Hast du die Absicht, hier zu
bleiben, so mach nicht die Närrin und bleib in
deinem Hause. Wenn du merkst, daß du den
Verstand verloren hast und meiner vielleicht
überdrüssig bist, so geh wieder heim zu deinem
Vater. Ich liebe keine Leute, die sich, obwohl
von geringem Stande, doch besser dünken als die
Nasreddin, II. Q gj
andern. Ich für meine Person bin der Sultan
meiner Brüder, und es ist mir unmöglich, jemand
unrecht zu tun, wer immer es sei."
„Ich glaube es nicht eher, daß du Sultan bist,
als bis du den Muezzin getötet hast, der mich
jeden Morgen so zeitlich früh weckt."
,, Morgen werde ich ihn töten," sagte Dscheha.
„Ich werde dir seinen Kopf bringen, und du wirst
so erkennen, ob ich ein Sultan bin oder ein Be-
trüger."
415. A M nächsten Morgen ließ Dscheha den
J'\. Muezzin bis auf die Spitze des Minarets
steigen; dann ging er ihm nach und schlug ihm
den Kopf ab. Den gab er seiner Frau mit den
Worten: ,,Da hast du den Kopf des Menschen,
der dich alle Morgen früh geweckt hat."
Und sie sagte: „Nun sehe ich, daß du Sultan
bist."
Dscheha ging einen Hammel kaufen, und den
kehlte er ab. Den Kopf des Muezzins warf er in
den Brunnen; den Kopf des Hammels, den er
getötet hatte, versteckte er und legte ihn unter
eine große Holzschüssel.
Gegen Mittag begannen die Leute den Muezzin
zu suchen, konnten ihn aber nicht finden. Endlich
stiegen sie aufs Minaret, und dort fanden sie ihn
tot mit abgeschlagenem Kopfe. Und sie sagten:
„Wer hat unsern Muezzin getötet?" Einer nahm
das Wort und sagte; „Si Dscheha habe ich heute
zeitlich früh hier heraufsteigen sehn; der hat
ihn vielleicht getötet."
Sie gingen zu Si Dscheha und sagten zu ihm:
„Si Dscheha, hast du den Muezzin getötet?"
82
„Nein," antwortete er, „Was hat er mir ge-
tan, daß ich ihn hätte töten sollen? Seht nach,
wer mit ihm auf schlechtem Fuße gestanden ist;
der hat ihn auch getötet. Ich war es nicht."
„Der Mann, der dich hat aufs Minaret steigen
sehn, hat gesagt, du hast ihn getötet. Du belügst
uns. Wir wollen dein Haus durchsuchen, ob wir
nicht seinen Kopf finden."
,, Kommt und sucht," sagte Dscheha.
Sie traten ein und begannen zu suchen; sie
stöberten das ganze Haus durch, fanden aber
nichts. Da fiel einem die große Holzschüssel auf,
die verkehrt dalag, und er ging hin, und hob sie
auf; und er fand darunter den Hammelkopf. Nun
sagte er zu seinen Gesellen: ,,An dieser Stelle,
die uns verdächtig war, finde ich einen Hammel -
köpf. Es ist also wahrscheinlich, daß es nicht
Dscheha war, der den Muezzin getötet hat."
Darauf gingen sie alle nach Hause, und
Dscheha war gerettet.
DScheha traf im Walde einen Schakal und zu 416.
dem sagte er: „Du Schakal, wie bist du
denn eigentlich geartet? Du tust Tag und Nacht
nichts andres, als im Walde herumzulaufen.
Komm, geh mit mir nach Hause, und wir werden
miteinander wohnen; was ich esse, wirst du essen,
und wenn ich nichts tue, wirst du nicht mehr tun."
,,Gott hat mich erschaffen," antwortete der
Schakal, „damit ich im Busche herumlaufe, und
es ist mir unmöglich, in einem Hause zu ver-
weilen."
„Meine Absicht ist," erwiderte Dscheha, ,,dir
gutes zu tun."
6* 83
„Du bist listig," sagte der Schakal; „aber
wenn du eine List hast, so habe ich ihrer zehn.
Darum wird es dir nie gelingen, mich zu foppen,"
„Mein lieber Freund, ich habe auch nicht eine
einzige List; du bist eben mißtrauisch. Ich will
nur, daß du mit mir nach Hause essen und
trinken kommst. Das ist besser, als so durch
den Wald zu schweifen, ausgesetzt den Dörnern,
der Kälte und dem Hunger,"
,,Ich wiederhole dir," sagte der Schakal, ,,daß
du ein großer Schurke bist; ich bin es auch. Wir
werden also niemals zusammenkommen."
,,Und warum nicht?" sagte Dscheha; „sind
wir nicht Brüder? Ich bin von Mitleid für dich
bewegt gewesen; sonst hätte ich nicht so mit dir
gesprochen,"
„Ich habe es dir gesagt und ich wiederhole es
dir, daß ich nicht mitgehn werde; sobald du aber
darauf bestehst, gut, so gehe ich mit,"
Der Schakal begleitete also Dscheha. Und als
sie dann zu Hause angelangt waren, sagte er:
„Ins Haus gehe ich nicht; ich werde vor der Tür
schlafen,"
„Warum willst du nicht im Hause schlafen?"
fragte ihn Dscheha; „da heraußen ist es ja kalt."
„Ich will hier bleiben; ich bin an die Kälte
gewöhnt. Ins Haus gehe ich nicht,"
„Meinetwegen," sagte Dscheha; „bleib also
da."
Der Schakal hielt sich nun gewöhnlich draußen
auf und Dscheha im Hause. Zu Mittag brachte
ihm Dscheha das Mittagessen, am Abende das
Nachtmahl. Schließlich mußte aber Dscheha ein-
mal weggehn, und da gab er seiner Frau folgende
84
Aufträge und sagte zu ihr: ,,Gib acht; laß deinen
Sohn nicht heraus." Er wußte, daß man vor dem
Schakal auf der Hut sein mußte. Dann entfernte
er sich, und seine Frau ging ihren gewöhnlichen
Beschäftigungen nach. Der kleine Knabe trat vor
die Tür. Als ihn der Schakal sah, stürzte er sich
auf ihn und fraß ihn. Dann leckte er alles Blut
auf und ließ nichts übrig, was ihn hätte verraten
können.
Die Mutter des Knaben kam heraus, um ihn
zu suchen. Als sie ihn nicht fand, ging sie zum
Schakal und sagte zu ihm: „Hast du vielleicht
mein Kind gefressen?"
„Das ist sehr gut," sagte der Schakal; „so also
steht es? Warum hat mich denn dein Mann her-
gebracht? Vielleicht deswegen, damit ich mich
heute über dein Gezeter ärgern soll?"
Dscheha, der in diesem Augenblicke zurück-
kam, blieb auf der Straße stehn; als er seine Frau
weinen hörte, lief er herbei und sagte: „Was
hast du?"
„Der Schakal, den du hergebracht hast, hat
deinen Sohn gefressen."
Der Schakal tat, als ob er zornig wäre, und
sagte zu Dscheha: „Ich habe es dir am ersten
Tage gesagt: laß mich, ich gehe nicht her. Dann
hast du mich aber gezwungen zu kommen. Jetzt
segne dich Gott! So also handeln Freunde an
ihren Freunden? Laß mich augenblicklich gchn."
„Bleib nur," sagte Dscheha, ,,und mache dir
nichts aus den Reden einer Frau."
Er ging zu seiner Frau und sagte zu ihr:
„Schweig, sage ich dir, damit er bleibt und nicht
geht. Daß er meinen Sohn gefressen hat, be-
85
zweifle ich nicht; vorderhand aber wollen wir ihn
dabehalten, damit ich ihn töte, ihn, der mein Kind
gefressen hat."
Der Schakal erriet alles. Si Dscheha dachte
bei sich, daß er auf den Schakal, nachdem er ihn
habe einschlafen lassen, losgehn und ihn abkehlen
werde; aber der Schakal, der voraussah, was ihm
geschehn sollte, ließ seine Wirte einschlafen,
sprang über die Mauer und suchte das Weite.
Si Dscheha und seine Frau standen auf und er
ging an den Ort des Schakals; aber er fand, daß
der Schakal nicht mehr dawar. Er kehrte zu
seiner Frau zurück und sagte zu ihr: ,,Du bist
schuld daran, daß er gegangen ist. Hättest du
nicht mit ihm gesprochen, so hätte er sich nicht
geflüchtet und wir hätten ihn getötet; nach dem
Auftritte aber, den du ihm gemacht hast, hat er
fortgehn müssen."
417. A Ls Dscheha alt wurde, ließ sein Gesicht nach,
x^ und er sah nicht mehr so gut wie in seinen
jungen Jahren: einst hatte er ein Rebhuhn oder
einen Hasen auf fünfhundert Schritt gesehn und
mit jedem Pfeil, den er abschoß, sein Ziel ge-
troffen; jetzt aber zitterten seine Hände und er
sah nicht mehr so gut. Als seine Freunde diese
Zeichen des Greisenalters bemerkten, machten
sie sich lustig über ihn. Um ihnen nun den Mund
zu stopfen, dachte er sich eine List aus, die wir
erzählen wollen.
Er kaufte einen jungen Hund, den er Packan
nannte, und richtete ihn auf jede Jagd ab; und
er lehrte ihn alles bringen, was er ihm angab.
Oft versteckte er am Morgen einen toten Hasen
86
im Gebirge; er zeigte dem Hunde den Ort, wo er
ihn hinlegte, und ging mit ihm zurück nach Hause.
Gegen Mittag sagte er dann dem Hunde: „Such."
Packan lief ins Gebirge und kam im Nu mit dem
Hasen im Maule zurück. Schließlich war der
Hund ausgezeichnet abgerichtet, Dscheha wartete
den Tag des großen Festes ab, um die Dorfleutc
zu verblüffen.
An diesem Tage legte er am Morgen einen
toten Hasen neben einen Baum, der mehr als
fünfhundert Schritt vom Dorfe entfernt war, und
zeigte ihn seinem Hunde. Zu Mittag lud er seine
Nachbarn ein, den Kaffee vor seiner Tür zu
nehmen. Es kamen Leute von allen Seiten, und
es war eine große Menge da, als sich Si Dscheha
plötzlich erhob und schrie: ,,He, Freunde! seht
ihr dort unten den Hasen neben dem Baume?"
Alle machte große Augen und blickten an-
gestrengt hin; da sie nichts sahen, sagten sie zu
Dscheha: ,,Du bist ein Narr; wieso könntest du
denn einen Hasen auf diese Entfernung sehn?"
„Ich begreife," antwortete Dscheha, „daß ihr
ihn mit euerm schwachen Gesichte nicht be-
merken könnt; aber ich sehe ihn." Dann wandte
er sich an seine Frau: „Bring mir meinen Bogen
und meine Pfeile. Ich will einmal diesen jungen
Leuten zeigen, daß weder mein Auge, noch mein
Arm schwach geworden ist,^' Er nahm einen
Pfeil und schoß ihn ins Blaue ab. „Ich habe ihn
getroffen!" schrie er. Und zu seinem Hunde:
„Lauf, Packan, und bring den Hasen; heute
Abend wollen wir ihn essen." Der Hund sprang
auf und lief davon. Einen Augenblick später kam
er zurück, im Maule einen bluttriefenden Hasen,
87
Alle Welt war verdutzt. Von nun an machte
man sich nicht mehr über Si Dscheha lustig,
der das Stückchen noch drei- oder viermal auf-
führte. Ausnahmslos v^^aren alle überzeugt, daß
Dschehas Schießfertigkeit und Sehschärfe ver-
blüffend waren. Und von diesem Tage an ehrte
ihn das Volk noch mehr als früher.
418. TPiScheha hatte einen Freund, und das war der
JL^ einzige Mensch auf der Welt, zu dem er ein
volles Vertrauen hatte; er aß und trank sehr
häufig bei ihm. Allen andern Menschen miß-
traute er.
Eines Tages kam nun sein Freund und sagte
zu ihm: ,,Komm mit mir spazieren gehn."
„Mein Freund," antwortete Dscheha, „ich bin
nicht frei. Da du jedoch selber gekommen bist,
so lasse ich meine Geschäfte und begleite dich.
Wäre ein anderer zu mir gekommen, und hätte er
mir alle Güter der Erde gegeben, ich hätte ihn
nicht begleitet. Da aber du es bist, so kann ich
dich nicht also verabschieden."
Er ging und begleitete seinen Freund, und der
sagte, als sie bei seinem Hause waren: „Komm
mit hinein, Si Dscheha."
,,Mein Freund," sagte Dscheha, ,,das sind die
Gemächer der Frauen; zu den Frauen uns zu
setzen, schickt sich nicht, Gehn wir lieber in ein
Zimmer, wo wir allein sind."
Nun hatte dieser Freund für Si Dscheha in
den Frauengemächern eine Grube gegraben;
Dscheha wußte davon nichts. Als Dscheha ge-
antwortet hatte: „Gehn wir zwei ganz allein ins
Zimmer," sagte der andere zu ihm: „Warum
88
sollen wir uns nicht im Hause einrichten? es ist
leer. Das Zimmer ist klein, und nicht einmal ein
einzelner Mann hätte genug Platz, sich zu
setzen."
,,Gut," sagte Dscheha, ,,gehn wir, wohin du
willst,"
Dieser Freund, auf den Dscheha so viel Ver-
trauen setzte, hatte ihn verraten und Geld von
Leuten genommen, denen Dscheha geschadet
hatte.
Er führte also Dscheha ins Haus, Dscheha
versah sich keineswegs von diesem Manne, daß
er ihn töten würde, da er sein vertrauter Freund
war; darum eben kam ihm der Gedanke nicht,
als er ins Haus trat. Der Freund hatte über die
Grube eine Matte gespannt und darüber noch
einen Teppich gebreitet.
Als Dscheha beim Eintritte den Teppich sah,
dachte er, das sei eine Aufmerksamkeit, die ihm
sein Freund erweise; er ging vorwärts, um auf dem
Teppich Platz zu nehmen, und fiel in die Grube.
Augenblicklich lief der Verräter zu denen, die
ihm Geld gegeben und zu ihm gesagt hatten: „Du
wirst Si Dscheha töten; denn er hat uns viel ge-
schädigt." An diesem Tage kam er nun ihnen
sagen: „Ich habe Si Dscheha getötet."
„Wir gehn mit dir," sagten sie, ,,um zu sehn,
wie du ihn getötet hast." Und sie gingen mit ihm.
Im Hause angelangt, beugten sie sich über die
Grube und sahen auf ihrem Grunde Si Dscheha.
„Si Dscheha," sagten sie zu ihm, „hast du es nun
satt, alles nur nach deinem Kopfe machen zu
wollen? Jetzt, nicht wahr, wirst du uns keinen
Schaden mehr zufügen,"
89
„Wahrhaftig," sagte Dscheha, „ihr seid es
nicht, die meinen Untergang herbeigeführt haben;
mein Freund ist es, mit dem ich oft Brot und
Salz gegessen habe; sooft er mit mir aß, sooft aß
ich mit ihm. Bis jetzt habe ich ihm nie etwas
böses getan; er hat es mir zuerst getan, Gott Lob!"
Die Männer kehrten sich zu dem, der ihn also
in die Grube gestürzt hatte, und sagten zu ihm:
„Er ist nicht tot. Es ist möglich, daß er wieder
herauskommt. Ist er lücht der schlaueste von
allen Menschen? Er wird die Wände unter-
graben, bis so viel Erde herunterfällt, daß er
heraufkommen kann; dann wird er uns alle töten,
dich so wie uns."
„Da ist eine Flinte," sagte der Mann; „einer
von euch soll auf ihn schießen." Er gab ihnen
die Flinte.
Der eine trat vor, um zu schießen, aber Si
Dscheha stieß einen mächtigen Schrei wider ihn
aus. Von Schrecken gepackt, fiel der Mann zu
Dscheha in die Grube und fiel sich zu Tode, Die
Flinte ging von selber los und die Kugel durch-
bohrte Si Dscheha.
Der Freund dessen, der, als er auf Dscheha
feuern wollte, in die Grube gefallen war, sagte
nun zu dem Manne, der Dscheha hinuntergestürzt
hatte; „Dscheha, ists nicht wahr, hat einen Streich
geführt und den einen von uns getroffen." ^
Der Verräter blieb daheim und der andere
ging nach Hause; Si Dscheha und sein Gesell
lagen beide tot auf dem Grunde der Grube.
1 Das heißt, daß der Verräter keinen Anspruch auf
den Lohn hat.
90
IV.
Maltesische Überlieferungen
ALs die Mutter Dschahans eines Tages krank 419.
war, befahl ihm der Arzt, etwas Urin von
ihr aufzuheben; am nächsten Tage werde er
kommen und den Urin untersuchen. Der Arzt
kam auch, und Dschahan beeilte sich, ihm das
Gefäß zu zeigen. Der Arzt wunderte sich, es bis
zum Rande voll zu finden, aber Dschahan er-
klärte ihm die Sache, indem er sagte: „Meiner
ist auch dabei; der meinige ist oben,"
DSchahan war einmal mit einer Henne in der 420.
Hand auf dem Wege zu seinem Herrn, um
sie ihm zu schenken; aber etliche Räuber rissen
sie ihm aus der Hand und entflohen. Dschahan
nahm sich vor, sich zu rächen. Nachdem er den
Ort, wo sie wohnten, ausfindig gemacht hatte,
ging er, als Mädchen verkleidet, hin, und es ge-
lang ihm, in ihrem Hause als Magd Aufnahme
zu finden.
Als nun die Räuber eines Tages ausgegangen
waren, stieg er auf das flache Dach, stellte dort
eine Strohpuppe auf, die ihm ähnlich war, be-
strich die Stufen der Stiege, die zum Dache
führte, bis hinunter mit Seife, belud sich mit einer
Menge kostbarer Dinge, die die Räuber besaßen,
verließ das Haus, schloß die Tür ab und lief
heim.
Nachdem die Räuber bei ihrer Rückkehr ver-
gebens gerufen hatten, daß ihnen geöffnet werden
solle, traten sie die Tür ein und stürzten blind-
lings die Stiege hinauf, entschlossen, sich an der
frechen Dirne zu rächen, die noch immer auf
dem Dache stand, als ob sie sich über sie lustig
machen wollte; aber sie glitten allesamt aus und
93
fielen einer auf den andern, und so war die Rache
Dschahans erfüllt/
421. Th*^ ^^^ einmal ein Junge, der Dschahan hieß,
XZrf und der sagte zu seiner Mutter: „Gib mir
einen Centime," Sie antwortete: „Wozu?" „Da-
mit ich mir Bohnen kaufe." „Bohnen haben
Schalen," „Dann werde ich mir Nüsse kaufen."
„Die haben auch Schalen." „Dann werde ich mir
Erbsen kaufen." „Gut," sagte die Mutter und
gab ihrem Dschahan drei Centimes; und er ging
hin und kaufte sich Erbsen.
Nun aß er darauf los, bis er nur noch eine
Erbse hatte. Diese gab er, da er noch keine
Messe gehört hatte, einer Frau und bat sie: ,,Heb
sie mir auf; ich will zur Messe gehn." Die Frau
antwortete: „Leg sie nur auf den Sims," Aber
ein Huhn fraß die Erbse, und als Dschahan
zurückkam und sagte: ,,Ich komme um die
Erbse", antwortete die Frau: ,, Deine Erbse hat
die Henne gefressen." Da begann Dschahan zu
schreien: ,, Entweder die Erbse oder die Henne!"
Und die Frau sagte: „Nimm die Henne", und gab
sie ihm.
Wieder hörte Dschahan zur Messe läuten; er
sah eine alte Großmutter, die spann, und zu der
sagte er: „Großmutter, erlaube, daß ich die
Henne dalasse; ich werde sie bald wieder ab-
holen." Als dann die Messe zu Ende war, wollte
er sie abholen, aber die Frau sagte zu ihm: „Geh
1 Die Übersetzung der Nrn, 419 und 420 ist wort-
wörtlich; leider bringt das Original nur diese Inhalts-
angaben,
94
dorthin zu den Truthühnern; dort ist sie,"
Dschahan schrie: „Aber sie ist ja tot! Die Trut-
henne hat sie getötet!" Und weiter schrie er:
„Entweder die Henne oder die Truthenne!" Da
gab ihm die alte Frau die Truthenne,
Wieder hörte Dschahan zur Messe läuten; er
sah unter einer Haustür eine Frau, und zu der
sagte er: „Darf ich die Truthenne dalassen?"
Die Frau antwortete: „Geh und laß sie bei den
Schweinen." Als er dann von der Messe zurück-
kam, wollte er die Truthenne wieder haben, aber
die Frau sagte zu ihm: „Die Sau hat sie dir ge-
tötet." Da begann er zu schreien: „Mir ist alles
einerlei! entweder die Truthenne oder die Sau!"
Und die Frau gab ihm die Sau.
Wieder hörte Dschahan zur Messe läuten,
und als er eine Frau unter ihrer Haustür sah,
sagte er zu ihr: „Darf ich die Sau für einen
Augenblick dalassen?" Die Frau sagte: „Steck
sie zur Stute." Als er dann von der Messe
zurückkam und zu der Frau sagte: ,,Gib mir
meine Sau", antwortete sie ihm: „Die hat die
Stute getötet." Da sagte Dschahan: „Das ist mir
einerlei! entweder die Sau oder die Stute!" Und
die Frau sagte zu ihm: „Nimm dir die Stute,"
Dschahan ging zu einer andern Frau und bat
sie: „Laß mich die Stute dalassen." Die Frau
sagte: ,,Ja; laß sie da." Nun mistete die Stute
auf den Boden; die Frau hatte aber eine junge
Tochter und die sagte zu ihr: „Was hast du denn
da hereingebracht?", und begann mit ihr zu
zanken, weil sie den Boden eben gewaschen hatte.
Und da sie ihn so beschmutzt sah, nahm sie eine
Stange und begann die Stute zu prügeln, bis sie
95
tot war. Da kam Dschahan um seine Stute und
fragte: „Wo ist sie?" Die Frau antwortete: ,,Das
Mädchen hat sie getötet," Und die Frau schenkte
ihm die Tochter und Dschahan steckte sie in
einen Sack und ging damit weg.
Wieder hörte er zur Messe läuten; er sah eine
alte Großmutter und zu der sagte er: „Erlaube
mir, daß ich den Sack für ein wenig dalasse."
Die Alte antwortete: ,,Leg ihn auf den Sims da",
und Dschahan legte ihn hin. Da aber die Alte
sah, daß sich der Sack bewegte, öffnete sie ihn;
und sie fand das Mädchen darinnen. Sie nahm
es und versteckte es, und den Sack füllte sie mit
Scherben. Und damit ist die Geschichte aus.
422. *r\Schahan wollte einmal Matrose werden;
±J darum ging er auf ein Schiff. Der Kapitän
sprach zu ihm: ,, Dschahan, was kannst du
leisten?" „Herr Kapitän, ich kann von unten
nach oben steigen und von oben nach unten,"
Da sagte der Kapitän; ,,Gut; klettere den Mast-
baum hinauf." „Nein, Herr Kapitän; der ist mir
zu hoch. Ich kann nicht hinaufsteigen; aber ich
werde dir zeigen, wie man etwas im Hinunter-
steigen leistet. Laß mir einen Kessel Suppe
holen." Man brachte den Kessel, und Dschahan,
der ein Vielfraß war, aß alles auf. Als der Boden
des Kessels sichtbar wurde, rief er: ,,Seht ihrs
nun? Auch das Hinuntersteigen — mit dem
Löffel — ist eine Leistung."
423. T^Schahan hatte schon öfters darüber nach-
JL/ gedacht, wo wohl die Schweine wüchsen,
und auf welchen Bäumen. Und gar zu gern hätte
96
er so einen mit kleinen Schweinchen behangenen
Baum gesehn; vielleicht könnte er dann auch ein
kleines Zweiglein erhaschen, das, in die Erde ge-
steckt, mit der Zeit zu einem großen Schweinchen-
baum wachsen würde. Aber nie gelang es ihm,
einen solchen Baum zu sehn, und darum ersann
er ein andres Mittel. Er fragte einen alten Mann:
„Großvater, was tut ihr mit dem geschlachteten
Schweine?" „Junge, wir salzen es ein und tun
das Fleisch in einen Kübel," „Ach, dann macht
ihr es also wie mit den Oleanderbäumen?" „Du
Lamm, sei so gut und laß mich in Ruhe; ich muß
arbeiten." Dschahan entfernte sich und dachte:
,,Also, wie mit den Oleanderbäumen muß es ge-
macht werden, um die Schweine fortzupflanzen;
ich werde mir einen solchen Schweinebaum-
setzling verschaffen."
Hierauf lief er heim, und da seine Mutter auf
dem Felde arbeitete, so war er ganz ungestört:
er ging in den Stall, nahm das alte fette Schwein
heraus, schlachtete es, rieb es mit Salz ein,
steckte es in einen alten Kübel, tat Erde darüber
und stellte ihn in den Hof, Dschahans Mutter kam
alsbald nach Hause; da sie das Trier vermißte, so
fragte sie Dschahan nach seinem Verbleibe. Er er-
widerte: „Mutter, hab keine Sorge; diesmal habe
ich sicher nichts unrechtes getan. Für das eine
Schwein wirst du eine Unmenge von kleinen
Schweinchen erhalten. Die kannst du dann ver-
kaufen; und einen Teil von ihnen ziehst du auf,
und wir werden fürderhin keinen Mangel an
Schweinefleisch haben." Da gab sich die Mutter
zufrieden und forschte nicht v/eiter nach.
Aber es vergingen Tage, Wochen, Monate,
Nasreddin, II. 7 97
und das Schwein im Kübel wollte keine Schöß-
linge treiben. Es zeigten sich noch immer keine
grünen Spitzen, Der arme Dschahan wurde
immer betrübter, umsomehr als die Mutter täg-
lich nach dem alten Schwein und den ver-
sprochenen Ferkelchen fragte. Als sie endlich
die volle Wahrheit darüber wissen wollte, was
mit dem alten Schweine geschehn sei, da rief
Dschahan verzweifelt aus: ,,Das dumme Schwein
will keine Schößlinge treiben," ,,Was? Schöß-
linge treiben?" ,,Es will nicht keimen und keinen
Schweinebaum sprossen lassen, von dem wir
Ferkelchen pflücken könnten! Mein Gott, schon
seit vier Monaten liegt das dumme Tier im
Oleanderkübel; vielleicht war es nicht genug ein-
gesalzen," Da begriff die Mutter. Tobend und
fluchend zerrte sie den armen Dschahan hin, wo
der Kübel stand, und hieß ihn die Erde heraus-
nehmen. Aber kaum entfernte Dschahan die
oberen Erdschollen, als sich ein unausstehlicher
Geruch bemerkbar machte: das Schwein war in
Fäulnis übergegangen und stank wie Pestilenz.
Daß der arme Dschahan diesmal mehr Prügel
erhielt als gewöhnlich, brauchen wir nicht erst
zu sagen.
424, T\^® Mutter Dschahans hatte ein mageres
JL/ Schweinchen; Dschahan aber hatte großen
Appetit auf Schweinfleisch und fragte beständig:
„Mutter, wann schlachten wir denn eigentlich
das Tier, das Borsten hat und grunzt?" Da ant-
wortete die Mutter immer: ,, Sobald ihm das Fett
vom Hintern tropft." Da aber Dschahan dies nie
sah, ärgerte er sich über das faule Tier; er ging
98
hin, kaufte Fett und bestrich das Schwein in einer
Weise, daß das Fett hinten abtropfen mußte. Als
er diese Arbeit verrichtet hatte, lief er hin zur
Mutter und teilte ihr mit, daß das Fett anfange,
hinten am Schweinchen abzutropfen. Die Mutter
überzeugte sich davon und schlachtete das Tier.
Dschahan fragte jetzt: „Mutter, wie wird das
Fleisch nun zubereitet?" Die Mutter antwortete:
,,Im Acker stehen Kohlköpfe: auf jeden Kohlkopf
eine Schnitte Fleisch," Als nun Dschahan einmal
allein im Hause war, nahm er den Steintopf, in
dem das Fleisch eingesalzen lag, und trug ihn
hinaus auf den Krautacker. Dort steckte er in
jeden Kohlkopf eine Schnitte Fleisch und sah zu,
wie die Hunde, Katzen und Feldmäuse davon
fraßen. Den nächsten Tag wollte die Mutter von
dem Schweinefleische kochen, konnte aber den
Topf nicht finden. Als sie nun Dschahan be-
fragte, antwortete dieser: ,,Ach, du hättest nur
sehen sollen, wie sich die Hunde, die Katzen und
die Mäuse satt gefressen haben! kein Schnittchen
ist übrig geblieben; und jeder Krautkopf hat seine
Fleischschnitte gehabt! Wie sie herumrasten,
diese Fresser, wenn sie einander herumbissen!"
Da rief die Mutter: „Also bist du wirklich ein
Dschahan! Und darum müssen alle Leute sagen:
,Dumm ist Dschahan, ein Esel ist er, Verstand hat
er keinen, ein Tropf ist er!' "
DSchahan fuhr einst mit seinem Gemüsekarren 425.
zur Stadt. Auf dem Wege sah er vor sich
einen Herrn, der keine Anstalten machte, ihm
auszuweichen. Dschahan rief etliche Male laut:
„Geh aus dem Wege!"; aber der Herr rührte sich
7* 99
nicht, und Dschahan konnte nicht mit seinem Ge-
fährte ausweichen, da der Weg abschüssig und
schmal war. Drum warf Dschahans Karren den
Herrn um, und so kam es, daß Dschahan eines
Tages zum Gerichte vorgeladen wurde. Dort
antwortete er nun auf keine Frage der Richter,
und diese sagten zu dem Kläger: „Der An-
geklagte ist ja stumm; gegen einen Stummen gehn
wir nicht vor." Doch der Ankläger entgegnete:
,,Das ist doch wohl eine Finte dieses boshaften
Menschen, da ich ganz genau weiß, daß er
sprechen kann. Er rief mir ja damals, bevor er
mich überfuhr, zu: »Geh aus dem Wege!' und
nicht nur einmal, sondern mehrere Male." Aber
da stand der Richter auf und schrie den Kläger
an: ,,Was suchst du uns dann auf? wir haben
andere Sachen zu tun, als Leuten wie dir zu
helfen! Warum bist du nicht ausgewichen, als er
dich angerufen hat? Jetzt mußt du die Gerichts-
kosten bezahlen." Dschahan aber ging straflos
heim.
100
V.
Sizilianische Überlieferungen
i
Es wird erzählt, daß einmal eine Mutter war, 426.
die einen Sohn hatte, Giufä mit Namen, und
sie war sehr arm; dieser Giufä war ein Tölpel und
ein fauler Lümmel und ein Schelm. Seine Mutter
hatte etwas Leinwand und da sagte sie zu Giufä:
,,Wir nehmen etwas Leinwand, und du gehst sie
in einem weit entfernten Dorfe verkaufen; sie
darf aber nur an Leute verkauft werden, die
wenig reden." Giufä warf sich die Leinwand über
die Schulter und ging sie verkaufen.
In einem Dorfe angelangt , begann er zu
schreien: ,,Wer will die Leinwand?" Die Leute
riefen ihn und fingen viel zu reden an; der eine
meinte, sie sei zu grob, der andere, zu teuer.
Giufä meinte, sie redeten zu viel, und wollte sie
ihnen nicht geben. Wie er nun dahin und dorthin
ging, kam er in einen Hof; dort war kein Mensch,
aber eine gipserne Statue sah er, und zu der sagte
er: „Wollt Ihr die Leinwand kaufen?" Die
Statue sagte kein Wort, und so sah er, daß sie
wenig redete. „Da muß ich die Leinwand also
Euch verkaufen, weil Ihr wenig redet." Er nahm
die Leinwand und hängte ihr sie um: , .Morgen
komme ich dann um das Geld." Und damit
ging er.
Als es tagte, ging er um das Geld; die Lein-
wand war nicht mehr da, und er sagte: „Gib mir
das Geld für die Leinwand." Die Statue ant-
wortete nichts. ,,Da du mir das Geld nicht geben
willst, werde ich dir zeigen, wer ich bin." Er
holte sich ein Beil und schlug auf die Statue los,
bis sie zusammenstürzte; und in ihrem Bauche
fand er einen Krug voll Geld. Er steckte das
Geld in den Sack und ging heim zu seiner Mutter;
103
angekommen, sagte er zu ihr: „Ich habe die Lein-
wand einem verkauft, der nichts redete, und am
Abende hat er mir kein Geld gegeben; da bin ich
am Morgen mit einem Beile hingegangen und
habe ihn erschlagen und zur Erde geworfen, und
da hat er mir dieses Geld gegeben." Die Mutter,
die eine kluge Frau war, sagte zu ihm: ,,Sag nie-
mand etwas; das Geld wollen wir langsam ver-
zehren."
i21. L|^In andermal sagte die Mutter zu ihm: „Giufa,
JZrf ich habe da ein Stück Leinwand, das muß ich
färben lassen; geh damit zum Färber vmd laß es
ihm dort, er soll es dunkelgrün färben." Giufa
warf die Leinwand über die Schulter und ging.
Unterwegs sah er eine schöne, große Eidechse;
da er sah, daß sie grün war, sagte er: ,, Meine
Mutter schickt mich und sie will diese Leinwand
gefärbt haben," Und dabei legte er sie nieder.
„Morgen komme ich sie holen."
Als er heimkam und seine Mutter die Ge-
schichte hörte, begann sie sich die Haare auszu-
raufen und zu jammern: ,,Du elender Kerl! was
für einen Schaden machst du mir! Lauf, und
schau, ob sie noch dort ist!" Giufa ging zurück,
aber die Leinwand war verschwunden.
^28. Ti/r An erzählt, daß Giufa eines Morgens Kräu-
-L'^jL ter sammeln gegangen ist, und dabei hat
ihn die Nacht im Freien überrascht; wie er so
dahinschritt, war da der Mond, und der war um-
wölkt und kam zum Vorschein und verschwand
v/ieder. Giufa setzte sich auf einen Felsen und
schaute zu, wie der Mond kam und ging; und
104
wann er kam, sagte er: ,,Komm! komm!" und
wann er ging: „Geh! geh!" Und er hörte nicht
auf, zu sagen: ,,Komm! komm! Geh! geh!"
Nun waren unten am Wege zwei Diebe, die
ein Kalb häuteten, das sie gestohlen hatten. Da
die sagen hörten: ,,Komm! Geh!", befiel sie die
Angst, daß die Häscher kämen; sie nahmen Reiß-
aus und ließen das Fleisch liegen. Als Giufä die
zwei Diebe laufen sah, ging er nachsehn, was es
gebe, und da fand er das gehäutete Kalb; er nahm
das Messer, schnitt tüchtig Fleisch herunter,
füllte damit seinen Sack und ging. Zu Hause an-
gekommen, sagte er: „Mutter, macht auf!" Seine
Mutter sagte zu ihm: „Warum kommst du so
spät in der Nacht?" „Ich bin in der Nacht ge-
kommen, weil ich Fleisch gebracht habe, und das
müßt Ihr morgen alles verkaufen; das Geld wird
mir trefflich zustatten kommen." Seine Mutter
sagte zu ihm: „Morgen gehst du wieder hinaus,
und ich verkaufe das Fleisch." Als es Tag ge-
worden war, ging Giufä hinaus, und seine Mutter
verkaufte das ganze Fleisch.
Am Abende kam Giufä und sagte zu ihr:
„Mutter, habt Ihr das Fleisch verkauft?" „Ja,
ich habe es den Fliegen auf Kredit verkauft."
„Und wann sollen sie Euch das Geld geben?"
,,Wann sie es haben." Es vergingen acht Tage
und die Fliegen brachten kein Geld; da machte
sich Giufä auf und ging zum Richter und sagte zu
ihm: „Herr Richter, ich will Gerechtigkeit haben;
ich habe das Fleisch den Fliegen auf Kredit ver-
kauft, und sie sind mich nicht bezahlen ge-
kommen," Der Richter sagte zu ihm: „Ich gebe
dir den Spruch, daß du jede, die du nur siehst,
105
töten darfst." Just in diesem Augenblicke setzte
sich eine Fliege auf des Richters Kopf; Giufä
schlug mit der Faust auf sie los und zertrümmerte
dem Richter den Schädel,
429. T 7"0n der Arbeit wollte Giufä nichts wissen,
V aber essen, trinken und nichtstun gefiel ihm.
Er aß, und dann ging er weg und trieb sich hier
und dort herum. Seine Mutter war darüber
ärgerlich, und immer sagte sie zu ihm: ,, Giufä,
was für ein Lebenswandel ist das? Du machst ja
keine Anstalt, ein Handwerk zu ergreifen: du
ißt, du lebst, und was aus dir wird, das ist die
Frage . , , , Jetzt dulde ich das aber nicht mehr:
entweder du gehst dir dein Brot verdienen, oder
ich werfe dich auf die Straße,"
Nun ging Giufä einmal in die Cassarustraße^),
um sich Kleider zu verschaffen. Bei dem einen
Händler nahm er das eine, das andere bei dem
andern, bis er ganz neu gekleidet war, sogar auch
mit einer schönen roten Mütze — damals gingen
alle mit Mützen; jetzt geht der schäbigste Hand-
werker mit einem Seidenhut oder wenigstens mit
einem Filzhut. Aber Giufä bezahlte die Sachen
nicht, weil er kein Geld hatte; er sagte: „Borg
mir; dieser Tage komme ich zahlen," Und so
sagte er allen Händlern,
Als er sich ordentlich herausstaffiert hatte,
sagte er: ,,Nun also, jetzt wären wir so weit; jetzt
^ Gemeint ist der jetzige Corso Vittorio Emanuele in
Palermo, der im Volksmunde Via Cassaru oder Cassero
heißt, und zwar nach dem arabischen al kassar, d. i. die
Burg,
106
kann meine Mutter nicht mehr sagen, ich sei ein
Taugenichts! Aber wie soll ich es mit der Be-
zahlung der Händler machen? .... Ich werde
mich tot stellen, und wir werden sehn, wie es
ausgeht . . ." Er warf sich aufs Bett: ,,Ich sterbe!
ich sterbe! .... Ich bin gestorben!" Und er
kreuzte die Hände und streckte die Beine. ,,Sohn,
Sohn! was für ein Unglück!" Seine Mutter raufte
sich vor Schmerz die Haare aus. ,,Wie ist denn
das Unglück geschehn? 0 mein Sohn!" Als die
Leute diesen Lärm hörten, liefen sie herbei, und
alle bemitleideten die arme Mutter. Die Kunde
verbreitete sich, und die Kaufleute kamen nach-
sehn, und die sagten, als sie ihn tot sahen: , .Armer
Giufä! Er war mir — sagen wir — sechs Tari
schuldig, weil ich ihm ein Paar Schuhe verkauft
habe .... Aber ich schenke sie ihm!" Und alle
gingen und schenkten ihm ihre Guthaben, so daß
Giufä aller seiner Schulden ledig war. Der von
der roten Mütze jedoch hatte, ich weiß nicht, was
für einen Ärger; er sagte: „Ich aber lasse ihm die
Mütze nicht." Er ging hin und fand die Mütze
nagelneu auf seinem Kopfe, Und was hat er
getan? Am Abende, als die Leichenknechte
Giufä nahmen und ihn in die Kirche trugen, um
ihn dann zu begraben, ging er hinterdrein und
ging, ohne von jemand bemerkt zu werden, in die
Kirche. Nach einer Weile, es mochte so gegen
Mitternacht gewesen sein, schlichen etliche Diebe
in die Kirche; sie kamen, um einen Sack Geld zu
teilen, den sie gestohlen hatten. Giufä rührte sich
nicht von seiner Bahre, und der von der Mütze
verbarg sich hinter einer Tür und wagte kaum zu
atmen. Die Diebe leerten das Geld auf einen
107
Tisch, so daß er ganz voll wurde von Gold und
Silber — denn zu jener Zeit lief das Silber wie
das Wasser — und machten so viel Häufchen, wie
sie Leute waren. Ein Dutzend Tari blieb über,
und nun wußten sie nicht, wer es sich nehmen
sollte. ,,Um einen Streit zu vermeiden," sagte
einer, „wollen wir es so machen: da ist ein Toter,
und auf den wollen wir schießen, und wer ihn auf
den Mund trifft, soll die zwölf Tari haben," Alle
billigten diesen Vorschlag: ,,Sehr gut! sehr gut!"';
und schon hatten sie sich vorbereitet, um auf
Giufä zu schießen. Als das Giufa sah, erhob er
sich auf der Bahre und stieß ein Gebrüll aus:
„Auf, ihr Toten, allesamt!" Was brauchte es bei
den Dieben mehr? Sie ließen alles im Stich,
und hilf mir, heiliger Reißaus, sie laufen noch
immer. Als sich Giufä allein sah, stand er auf
und eilte, um sich der Häufchen zu bemächtigen.
Da kam aber auch schon der von der Mütze her-
vor, der sich, ohne sich zu mucksen, verkrochen
gehabt hatte, und lief zu dem Tische hin, um das
Geld zu packen. Genug: auf jeden kam die
Hälfte und sie teilten das Geld, Ein Fünfgrani-
stück blieb übrig; Giufä rief: „Das nehme ich
mir!" „Nein, der Fünfer gehört mir," ,,Mir ge-
hört er." ,,Pack dich, das ist nichts für dich; die
fünf Grani sind mein." Giufä erwischte eine
Stange und stellte sich, um sie dem von der Mütze
um den Schädel zu schlagen; er sagte: ,,Her mit
den fünf Grani! die fünf Grani will ich!" In
diesem Augenblicke kamen die Räuber zurück,
um zu sehn, was die Toten machten; denn es
däuchte sie allzu schmerzlich, das ganze Geld
einzubüßen. Sie stellten sich hinter die Kirchen-
108
tür, und da hörten sie diesen Wortwechsel und
mächtigen Lärm wegen der fünf Grani. Sie sag-
ten: „Dummköpfe! fünf Grani kommen auf einen,
und dazu reicht das Geld nicht aus. Wer weiß,
wie viel Tote aus dem Grabe gekommen sind!"
Damit nahmen sie die Beine in die Hand und ent-
flohen.
Giufä nahm die fünf Grani, lud sich seinen
Geldsack auf und ging nach Hause.
Glufa hörte einmal am Morgen, als es däm- 430,
merte und er im Bette lag, die Pfeife blasen,
und da fragte er seine Mutter: „Mutter, wer ist
denn der, der vorbeigeht?" Seine Mutter sagte
zu ihm: ,,Das ist der Morgensänger." Dieser
Morgensänger kam allmorgendlich vorbei. Eines
Morgens stand nun Giufä auf und ging und tötete
den Morgensänger, der ein Mann war, der die
Pfeife blies; dann ging er zu seiner Mutter und
sagte zu ihr: , .Mutter, den Morgensänger habe ich
getötet," Seine Mutter, die begriff, daß er den
Mann getötet hatte, der die Pfeife geblasen hatte,
nahm den Toten, trug ihn ins Haus und warf ihn
in den Brunnen, der gerade ohne Wasser war.
Als Giufä den Mann tötete, war er von einem
beobachtet worden, und der ging hin und erzählte
es dessen Verwandten; alsbald machten sich die
auf und führten bei Gericht Klage, daß Giufä den
Morgensänger getötet habe.
Der Mutter Giufäs, die klug war, fiel es ein,
daß sie einen Hammel hatte; den tötete sie und
warf ihn in den Brunnen, Das Gericht kam zu
Giufä, um den Totschlag zu bewähren, und die
Verwandten des Toten kamen allesamt mit. Der
109
Richter sagte zu Giufä: „Wohin hast du den
Toten gebracht?" Giufä antwortete in seiner
Dummheit: ,,In den Brunnen habe ich ihn ge-
worfen," Sie banden Giufä an einen Strick und
ließen ihn in den Brunnen hinab; auf dem Boden
angekommen, machte er sich ans Suchen, Er
stieß und tappte auf Wolle, und da sagte er zu
den Söhnen des Toten: „Hatte dein Vater
Wolle?" „Mein Vater hatte keine Wolle," „Der
da hat Wolle; es ist dein Vater nicht." Dann traf
er auf den Schwanz: ,, Hatte dein Vater einen
Schwanz?" ,,Mein Vater hatte keinen Schwanz,"
„Dann ist das nicht dein Vater," Dann fand er,
daß der im Brunnen vier Füße hatte, und sagte:
„Wie viel Füße hatte dein Vater?" ,,Mein Vater
hatte zwei Füße," Giufä antwortete: „Der da hat
vier Füße; er ist dein Vater nicht." Dann tastete
er an den Kopf: , .Hatte dein Vater Hörner?"
Die Söhne antworteten: ,,Mein Vater hatte keine
Hörner." Giufä antwortete: ,,Der da hat Hörner;
er ist dein Vater nicht." Der Richter antwortete:
„Giufä, ob mit den Hörnern, ob mit der Wolle,
bring ihn herauf," Sie zogen Giufä herauf und er
hatte den Hammel auf der Schulter; das Gericht
sah, daß es wirklich ein Hammel war, und sprach
Giufä frei.
431. "T^^^ Mutter Giufäs hatte ein kleines Mädchen,
J--/ und das hütete sie wie ihren Augapfel. Als
sie nun eines Tages zur Messe gehn mußte, sagte
sie zu ihrem Sohne: ,, Giufä, schau, ich gehe zur
Messe: die Kleine schläft; koch ihr den Griesbrei
und gib ihn ihr zu essen." Giufä kochte einen
großen Topf Griesbrei, und als der gekocht war,
110
nahm er einen großen Löffel voll und stopfte ihn
der Kleinen in den Mund. Das Kind fing mäch-
tig zu schreien an, weil es sich arg verbrannt
hatte, und nach zwei Tagen starb es, da der Mund
brandig wurde- Die Mutter wußte sich keinen
Rat mehr mit diesem Sohne; sie nahm einen Stock
und verprügelte ihn tüchtig.
DA Giufä ein halber Tölpel war, tat ihm nie- 432.
mand etwas zuliebe, wie ihn einzuladen oder
ihm einen Bissen zukommen zu lassen. Einmal
kam er in ein Pächterhaus, wo er etwas zu er-
halten hoffte. Aber als ihn die Pächtersleute so
zerlumpt sahen, so fehlte wenig und sie hätten die
Hunde auf ihn gehetzt; und sie behandelten ihn
so, daß er mehr krumm als gerade von dannen
ging. Seine Mutter begriff die Sache und besorgte
ihm schöne Hosen, ein Paar Strümpfe und eine
Samtweste. Nun ging Giufä als Bauer gekleidet
in dasselbe Pächterhaus; da hättet ihr Ehren-
bezeigungen sehn können! Sie luden ihn zu
Tische und überhäuften ihn alle mit Aufmerksam-
keiten, Obwohl aber Giufä sonst nicht bis fünf
zählen konnte, war er doch schlau genug, sich mit
einer Hand den Wanst zu füllen und mit der
andern das, was übrig blieb, in die Taschen zu
stecken; und sooft er etwas einsteckte, sagte er:
,,Eßt nur, meine lieben Kleider; ihr seid es ja,
die eingeladen worden sind,"
ES war einmal ein gewisser Giufä; zu dem 433.
sagte seine Mutter, als sie zur Messe ging:
,, Giufä, schau, ich gehe jetzt zur Messe: schau,
da ist die Henne, die muß die Eier ausbrüten;
111
nimm sie, füttere sie mit dem Mansch und setze
sie dann wieder auf die Eier, damit sie nicht kalt
werden." Giufä bereitete also den Mansch aus
Brot und Wein, nahm die Henne und fütterte sie,
und fütterte sie auf die Weise, daß er ihr den
Mansch mit dem Finger hineinstopfte; und dabei
erstickte er sie und sie verendete. Als er sah,
daß es mit ihr aus war, sagte er: „Wie soll ich es
denn nun anstellen, daß die Eier nicht kalt wer-
den? jetzt setze ich mich selber drauf." Er zog
sich Hosen und Hemd aus und setzte sich auf die
Eier. Als dann seine Mutter heimkam, rief sie:
„Giufä! Giufä!" Giufä antwortete: „Gluck,
gluck, ich kann nicht kommen; ich bin jetzt die
Henne und sitze auf den Eiern." Seine Mutter
schrie: ,,Du Nichtsnutz, du Nichtsnutz! du hast
mir ja alle Eier zerdrückt," Giufä stand auf,
und die Eier waren ein Brei.
434. Ij^S war einmal ein großer Herr, und der hatte
IZtf einen seltsamen Einfall, Er sagte zur Win-
terszeit zu einem armen Teufel: ,,Wenn du dich
getraust, es eine Nacht lang, so wie du aus dem
Leibe deiner Mutter gekommen bist, am Ufer des
Meeres auszuhalten, so gebe ich dir, wenn du am
Morgen noch lebst, hundert Unzen; bist du am
Morgen tot, so hast du die Wette verloren,"
Dieserhalb wurden Wachen aufgestellt: „Gebt
acht auf den da!"
In der Nacht fuhr nun ein Schiff vorüber. Der
arme Wicht, der am Strande war, streckte die
Hände aus, als ob er sich hätte an dem Lichte des
Schiffes wärmen wollen. Der Morgen brach an,
und die Wächter meldeten dem Herrn: „Herr, er
112
hat die ganze Nacht nackt verbracht; um Mitter-
nacht aber kam in einer Entfernung von hundert
Meilen im Meere ein Schiff mit dem Lichte vorbei,
und daran hat er sich gewärmt," Da sagte der
Herr zu dem, mit dem er gewettet hatte: „Ihr
habt verloren; Ihr habt Euch gewärmt, und damit
habt Ihr die Wette verloren,"
Der, der die Wette verloren hatte, ging zu
Giucä, Giucä sagte: ,, Warum weinst du denn?"
Er antwortete: ,, Heute Nacht bin ich demunddem
auf seinen seltsamen Einfall eingegangen; und
weil ich, als ein Schiff vorübergefahren ist, mit
den Händen so gemacht habe, sagte er, ich hätte
mich gewärmt. Wie wäre das möglich? . . , Und
jetzt habe ich die Wette verloren," Giucä ant-
wortete: „Hab keine Angst; bin ja ich da! Aber
sag mir, teilen wir das Geld, wenn ich dir den
Sieg verschaffe?" „Ja," Nun versah sich Giucä
mit einem Sack Kohlen und einem Hammel und
zündete die Kohlen an dem einen Ende von Tra-
pani bei den Kapuzinern an; dann nahm er einen
Rost und stellte ihn in der Richtung über das
Kloster bei der Loggia auf. Er nahm den Hammel
und legte ihn auf den Rost, und das Feuer hatte
er bei den Kapuzinern; und also begann er den
Hammel ohne Feuer zu braten. Alle Leute, die
dieses törichte Treiben sahen, den Hammel bei
der Loggia und das Feuer bei den Kapuzinern,
fragten ihn, was er tue; und Giucä sagte zu ihnen;
,,Ich brate diesen Hammel,"
Da kam auf einmal auch der von der Wette
vorbei, und der sagte: „Was tust du, Giucä?"
„Ich brate diesen Hammel," ,, Ja wo ist denn das
Feuer?" ,,Bei den Kapuzinern." „Was soll das
Nasreddin, II. 8 113
heißen? wie dumm!" „Verrückt freilich und
dumm," sagte Giucä; „wie hat sich aber dann der
da an dem Lichte des Schiffes wärmen können,
das doch hundert Meilen entfernt war? Wie man
den Hammel hier nicht braten kann, so hat sich
auch der da dort nicht wärmen können,"
Und nun erzählte Giucä den Leuten die ganze
Geschichte, und der Herr mußte die Wette be-
zahlen.
114
VL
Kalabrischc Überlieferungen
Es war also einmal ein gewisser Hiohä. Der 435.
Vater und die Mutter wollten ihm gut: sie
hielten ihn für etwas ganz besonders; aber Hiohä
war ein Dummkopf. Was hat er nicht alles ge-
tan, dieser Hiohä!
Einmal schickten ihn der Vater und die
Mutter, die sehr arm waren, Kutteln waschen,
„Gib acht," sagte die Mutter, als er wegging, „gib
acht, daß du sie dort wäschst, wo viel Wasser ist,"
Nun begann Hiohä zu wandern. Er wan-
derte und wanderte, sah einen Bach und machte
nicht halt. Er wanderte und wanderte, sah einen
Fluß und machte noch immer nicht halt. Erratet
ihr, wo er halt gemacht hat? Er ist bis ans Meer
gegangen. Dort begann er die Kutteln zu
waschen und abzureiben. Nachdem er sie eine
Stunde abgerieben und gewaschen hatte, wußte
er nicht, ob sie gut gewaschen seien.
Wen hätte er fragen sollen? Wen hätte er
nur fragen sollen? Er sah in der Ferne ein Schiff
mit Seeleuten drinnen. Da begann er zu pfeifen
und mit den Händen Zeichen zu machen. Als die
Seeleute diese Bewegungen sahen, kamen sie,
weil sie nicht wußten, was es gebe, mit dem
Schiffe zum Ufer. „Was willst du?" sagten sie
zu ihm, und Hiohä sagte zu ihnen: „Sind diese
Kutteln gut gewaschen oder nicht?"
,,Der Teufel soll dich holen!" begannen die
Seeleute; „der und jener soll dich holen! Und
wegen so etwas hast du uns gerufen? Der Teufel
soll dich holen!" Und damit gaben sie ihm eine
Tracht Prügel, wirklich eine ordentliche Tracht.
Nun begann Hiohä zu weinen und sagte: „Was
habe ich euch getan, daß ihr mich schlagt? Wie
117
I
hätte ich denn sagen sollen, als ich das Schiff
gesehn habe?"
„Du hättest sagen sollen," sagten die Seeleute
zu ihm: ,, Guten Wind! Guten Wind!"
Und so machte sich Hiohä davon,
436. i^ Ines Tages sagte Juvadi zur Mutter: ,,Geh du
Jl^ aufs Feld arbeiten; ich bleibe zu Hause."
Und die Mutter antwortete: „Verrichte du alles;
ich gehe aufs Feld, Laß die Katze nicht zu den
Speisen, bring das Bett in Ordnung, gib acht auf
die Gluckhenne und geh zum Flusse und besorge
die Wäsche." Juvadi antwortete: „Ja, ja,
Mutter."
Und so ging sie aufs Feld, Aber anstatt das
Bett in Ordnung zu bringen, riß es Juvadi aus-
einander, nahm Polster und Strohsäcke und warf
sie mitten ins Haus; und er füllte eine Schwinge
mit Mist und beutelte ihn im Hause aus. Dann
sagte er: „Ich bin hungrig," Und er nahm und
aß alle Speisen; hierauf nahm er einen Kessel
und sott die Gluckhenne samt den Küchlein und
aß sie. Dann tat er die Wäsche in einen Trag-
korb und ging damit zum Flusse; er warf sie ins
Wasser und ging.
Wie er so dahinging, traf er einen Esel, und
den packte er beim Schwanz; der Esel schlug
aus und verletzte ihn am Bein, Unter bitter-
lichen Tränen ging Juvadi nach Hause; er ver-
schloß die Tür und setzte sich auf den Herd,
Am Abende kam die Mutter heim und rief an
der Tür: „Juva', mach mir auf," Er antwortete:
„Nein," „Ist dir etwas geschehn?" „Ja." „Und
was ist dir denn geschehn?" „Die Katze hat die
118
Speisen gefressen," „Das macht weiter nichts;
wir kaufen andere. Mach mir auf, Juva'."
„Nein." „Warum denn? ist dir noch etwas ge-
schehn?" „Ja." „Und was denn?" „Die Gluck-
henne und die Küchlein sind weg." „Das macht
weiter nichts; mach mir nur auf." „Nein," „Und
warum denn nicht? ist dir noch etwas geschehn?"
„Ja." „Und was ist dir denn geschehn?" „Ich
bin zum Flusse waschen gegangen, und das
Wasser hat die Wäsche weggeschwemmt." „Ach
das macht weiter nichts; öffne mir." „Nein."
„Was ist dir denn geschehn?" „Ein Esel hat
mich am Beine verletzt."
Nun erbrach die Mutter die Tür, und da fand
sie das ganze Haus verwüstet. Sie wäre bald
vor Schreck gestorben; aber dann nahm sie einen
Stock, prügelte Juvadi tüchtig durch und jagte
ihn aus dem Hause."
JUvadi sagte zur Mutter: „Ich gehe auf den 431.
Markt." Die Mutter antwortete: „Kaufe
einen Farren." Sie gab ihm das Geld und Juvadi
ging auf den Markt. Er kaufte einen schönen
Farren und ging mit ihm nach Hause. Er kam
bei den Mönchen vorbei und traf sie auf der
Straße; kaum hatten sie ihn gesehn, so sagten
sie: ,,Juva', wo bist du gewesen?" Und Juvadi
antwortete: ,,Ich bin auf dem Markte gewesen und
habe einen Farren gekauft." Die Mönche ant-
worteten einer nach dem andern: ,,Ist es ein
Farre oder ein Bock?" ,,Es ist ein Farre." Es
kam ein anderer Mönch dazu: ,,Juva', was ist
das?" „Es ist ein Farre," „Ist es ein Farre oder
ein Bock?" „Es ist ein Farre und kein Bock;
119
ich habe ihn mit zwanzig Dukaten bezahlt." Der
Guardian sagte: „Willst du ihn mir verkaufen?
ich gebe dir zehn Dukaten." „Wenn es ein Bock
ist, so nehmt ihn." So gab ihm der Guardian
zehn Dukaten und er ging nach Hause. Die
Mutter sagte: „Was hast du gemacht?" „Ich
habe das gemacht: Ich habe einen schönen Farren
gekauft, bin bei den Mönchen vorbeigekommen
und sie haben mir gesagt, es sei ein Bock; sie
haben mir ihn abgekauft und mir zehn Dukaten
gegeben." Die Mutter nahm einen Stock, prügelte
Juvadi durch und sagte: ,,Der Teufel soll dich
holen! du hast dich also von den Mönchen be-
schwatzen lassen?"
Nun verkleidete sich Juvadi als Frau, mit
einem Rosenkranze in der Hand, und ging in die
Kapuzinerkirche und blieb dort. Als es Nacht
geworden war, kam der Sakristan und sagte:
,,Geh jetzt; ich muß die Kirche schließen." Er
antwortete: ,,Laß mich aus Barmherzigkeit da
schlafen." ,,Ich gehe es dem Guardian sagen,"
Er ging und der Guardian sagte: ,,Ja, ja, laß sie
da schlafen." Als es Mitternacht geworden war,
ging er sachte, sachte in die Zelle des Guardians,
stellte sich vor das Bett, zog einen Knüttel, den
er unter dem Kleide verborgen hatte, hervor und
begann den Guardian zu verprügeln, indem er
sagte; ,,Ist es ein Farre oder ein Bock? ha? ist
es ein Farre oder ein Bock? ha?" Und dabei
schlug er tüchtig zu, bis der Guardian halbtot
dalag; dann ging er. Am Morgen kamen die
Mönche und da fanden sie den Guardian tot-
elend. Alsbald liefen sie um Ärzte, um zu sehn,
was es sei.
120
Juvadi ging nach Hause, kleidete sich als
Arzt und ging weg, um vor den Kapuzinern
herumzuschlendern. Ein Laienbruder kam heraus
und sagte zu ihm; ,,Wer ist Euere Herrlichkeit?"
Juvadi antwortete: ,,Ich bin ein fremder Arzt;
ist hier jemand krank?" Der Mönch ging augen-
blicklich hinein, es seinen Brüdern sagen, und die
ließen ihn hereinkommen. Als er drinnen war
und seinen Kranken betrachtet hatte, sagte er:
„Der hat Schläge bekommen."
Nun schickte er alle Mönche, die dort waren,
hinaus; der eine ging Kaffee machen, der andere
Heilmittel holen. Als Juvadi ganz allein war,
zog er den Knüttel unter dem Oberkleide hervor
und begann den Guardian zu prügeln und sagte:
„Ist es ein Farre oder ein Bock? ha? ist es ein
Farre oder ein Bock? ha?" Und er ließ nicht
eher von dem Guardian ab, als bis der schier tot
war. Dann entwich er. Als die Mönche zurück-
kehrten und den Guardian in diesem Zustande
sahen, begannen sie zu jammern und fragten ihn:
„Wer hat dich geschlagen?" Der Guardian ant-
wortete: „Der, der hier war." Die Mönche
sagten: „Wir wollen ihn suchen gehn."
Und so setzten sie den Guardian auf einen
Sessel und machten sich an die Verfolgung
Juvadis. Der sah sie von v/eitem; da sagte er
zu einem Manne, der mit dem Karste arbeitete:
„Guter Mann, schau wie viel Leute dich prügeln
kommen." Der erschrak, warf den Karst weg
und entfloh; nun nahm Juvadi den Karst und be-
gann zu ackern. Die Mönche holten den andern
ein und prügelten ihn weidlich durch; und der
arme Teufel schrie: „Warum schlagt ihr mich?
121
438.
ich habe euch doch nichts getan." Juvadi lachte
von weitem, warf den Karst weg und ging nach
Hause und sagte: ,,Nun habe ich mich für meinen
Farren bezahlt gemacht,"
ES war Fastnacht, Juvadis Mutter schlachtete
einen Hahn und kochte ihn mit Makkaroni;
als Juvadi kam, aßen sie ihn. Nach dem Essen
sagte Juvadi zur Mutter: ,, Mutter, wie heißt das,
was wir gegessen haben?" Die Mutter ant-
wortete: „Das war ein Morgensänger,"
Nun hörte Juvadi einen Mann, der auf der
Straße sang; er ging hin, tötete ihn und brachte
ihn der Mutter. Die Mutter begann zu schreien:
„Du Tölpel, das war ein Mensch und kein
Morgensänger." Juvadi sagte: „Macht nichts,
Mutter; ich stecke ihn in einen Sack und gehe
ihn in eine Schlucht werfen."
Auf dem Wege begegnete er einem Manne,
der auch einen Sack trug, und zu dem sagte er:
„Freund, was trägst du da in dem Sacke?" Der
antv/ortete: ,,Ein Schwein," Juvadi sagte:
„Wollen wir tauschen?" Der Unglückselige
sagte: „Ja", und sie tauschten, Juvadi ging zu
seiner Mutter nach Hause und sagte zu ihr:
..Mutter, bring einen Kessel, damit wir das
Schwein abbrühen. Schließ die Tür; ich muß
einen Botengang machen." Und er ging zu dem,
dem er den Sack mit dem Toten gegeben hatte,
und sagte zu ihm: „Was hast du getan? jetzt
gehe ich zum Richter und zeige dich an," Der
andere sagte unter Tränen: ,,Sag nichts; ich gebe
dir fünfzig Dukaten," So nahm Juvadi den Toten
und die fünfzig Dukaten. Dann ging er zu der
122
Tür der Mönche, stellte den Toten auf die Füße
und läutete an; der Sakristan öffnete die Tür von
innen und der Tode fiel nieder. Der Sakristan
sagte: „Steh auf! steh auf! was ist dir geschehn?"
Juvadi kam hervor und sagte: ,,So also werden
die Leute umgebracht?" Der Sakristan sagte:
„Sag nichts; ich gebe dir fünfzig Dukaten." Und
Juvadi: „Wenn du willst, daß ich nichts sage,
mußt du mir fünfzig Dukaten, eine Mönchskutte
und den Toten geben." Juvadi nahm den Toten,
zog ihm die Kutte an, steckte ihm eine Pfeife in
den Mund, setzte ihn auf den Abtritt der Mönche
und kauerte sich nieder. Es kam der Guardian,
um ein Bedürfnis zu verrichten; da fand er den,
der dort saß, und er sagte: „Steh auf; ich muß ein
Bedürfnis verrichten," Dann packte er ihn und
stieß ihn, und der fiel nieder. Der arme Guardian
sagte: „Auf! auf! was habe ich dir denn getan?"
Juvadi kam hervor und sagte: „So also werden
die Leute umgebracht? jetzt gehe ich zum Richter
und sag ihms," Erschrocken sagte der Guardian:
„Sei barmherzig und sag nichts; ich gebe dir
hundert Dukaten, und wir begraben ihn," Juvadi
nahm die hundert Dukaten und sie legten den
Toten ins Grab. Dann ging Juvadi voll Fröhlich-
keit mit den zweihundert Dukaten nach Hause
und sagte zur Mutter: „Mutter, wie viel hat mir
der Morgensänger eingebracht! Jetzt bin ich
reich geworden!"
Eines Tages ging Juvadi um Reisig, und da fand 439.
er einen Eichenast mit Eicheln dran; den
nahm er auf die Arme und trug ihn mit viel Acht-
123
I
samkeit weg. Als er nahe beim Orte war, setzte
er sich darauf wie auf ein Pferd und zog ihn so
weiter. An einem Fenster des Königs stand die
kleine Prinzessin, und die begann aus vollem
Halse zu lachen. Juvadi sah sie an und sagte:
,,Du sollst schwanger sein von mir." Alsbald
wurde sie schwanger, und nach neun Monaten
gebar sie ein Mädchen. Der König war darüber
so aufgebracht, daß er den Rat zusammenrief und
sagte: „Ratet mir, was ich mit der machen soll,
von der diese Schande kommt; ich kann es gar
nicht glauben, was sie sagen," Der Rat ant-
wortete: „Lassen wir alle Männer des Reiches
kommen, und da werden wir sehn, wen es Babba
ruft." Da befahl der König, daß sich alle Männer
in seinem Hause einfänden. So kamen seine
Barone, Fürsten, Ritter, Bürger und Bauern; aber
das Kind rief niemand Babba, Nur Juvadi, der
nicht kommen wollte, war übrig geblieben; aber
der König zwang ihn, zu kommen. Kaum hatte
ihn das Kind gesehn, als es sich auch schon in
seine Arme warf und ihn Babba nannte. Nun
rief der König den Rat von neuem zusammen und
sagte: ,,Was für eine Strafe soll die erhalten, von
der diese Schande kommt?" Sie antworteten;
,, Schließen wir sie in ein Faß und rollen wir es
einen Abhang hinunter." So ließen sie ein Faß
machen und die Königin legte einen Sack mit
Feigen und Rosinen hinein; und sie schlössen die
Prinzessin, ihre Tochter und Juvadi hinein und
gingen es von einem Abhänge hinunterstürzen.
Als es rollte, sagte Juvadi: „Laß mich heraus,
laß mich heraus; ich gebe dir Feigen und
Rosinen." Und er warf Händevoll Feigen und
124
Rosinen aus dem Fasse. Das blieb in einer Ebene
stehn; Juvadi zerbrach es und sie gingen heraus.
In der Nähe war eine Hexe, die lachte so
heftig, daß ihr eine Halsgeschwulst, die sie hatte,
verging. Darüber ganz glücklich, sagte sie zu
Juvadi: ,,Was willst du? ich kann alles und tue
dir gutes." Juvadi antwortete: „Schaff mir ein
Haus; denn wir haben keine Wohnung." Die
Hexe nahm eine Gerte, machte einen Kreis
rundum und sagte: ,,Hier soll ein Palast werden
mit aller Bequemlichkeit der Welt." So wurde
dort ein schöner Palast und Juvadi ging ganz
vergnügt mit der Prinzessin und der Tochter
hinein. Und die Prinzessin sagte zu Juvadi:
„Du mußt noch behext werden, damit dir deine
Dummheit ausgetrieben wird."
Eines Morgens hatte die Prinzessin Juvadi 440,
verloren; sie schrie in allen Gemächern und
fand ihn endlich an einem Fenster. Dort pustete
er mit dem Munde und machte Bu, bu . . . bu, bu
. . . bu. Sie schrie: „Was machst du da?" Juvadi
antwortete: „Ich puste auf die Fliegen und
Wespen da, damit sie nicht hereinkommen; sie
könnten uns beißen und wir müßten sterben."
JUvadi war wieder einmal verloren und die 441,
Prinzessin konnte ihn nicht finden. Am Tage
darauf fand sie ihn, wie er mit einem Kuh-
schwanze in der Hand in die Luft starrte und
Bu, bu . . , bu, bu . , . bu, bu pustete. Sie sagte:
„Juva', was machst du da?" Und Juvadi lachte
aus vollem Halse: „Ich habe ein Wildschwein ge-
tötet, und dann ist ein Wind gekommen und hat
125
mich in die Höhe gehoben; ich habe mich aber so
kräftig gewehrt, daß mir beim Hinundherreißen
der Schwanz in der Hand geblieben ist,"
442. Ij^In andermal sagte Juvadi: „Ich gehe in den
C^ Hühnerstall, Eier holen." Er ging, nahm ein
Messer, tötete alle Hühner und hängte sie ringsum
an die Wände, Sie gingen ihn suchen, fanden
den Schaden und schrien: ,, Warum hast du das
getan?" Und Juvadi: ,,Ich bin ein Metzger ge-
worden. Was wollt ihr?"
Die Prinzessin nahm einen Stock und prügelte
Juvadi weidlich durch; dann jagte sie ihn wegen
all dieser dummen Streiche aus dem Hause.
443. TUvadi hatte ein Gärtchen, und dort war ein
%j einzelner Kirschbaum, Er pflegte ihn mit
aller Sorgfalt, aber der Baum trug nicht eine
einzige Kirsche. Eines Tages verlor Juvadi die
Geduld und sagte: „Jetzt will ich diesen ver-
maledeiten Baum fällen, der nichts trägt." Er
fällte den Kirschbaum und machte ein Kreuz
daraus; das pflanzte er in das Gärtchen. Er
glaubte, wenn er zu Jesus Christus beten werde,
werde ihm der alle Gnaden erweisen; aber er
mochte heute beten oder morgen oder über-
morgen, eine Gnade sah er niemals. Da packte
er erbost das Kreuz, warf es zur Erde, daß es
in tausend Stücke zersprang, und sagte: ,,Dich
kenne ich schon, wie du noch ein Kirschbaum
warst,"
444. A^ An erzählt, daß Juvadi eines schönen Tages
iy\. einen Gevatter besuchen gegangen ist. Der
Gevatter, dessen Weib gerade Brot bereitete,
126
sagte zu ihm: „Willkommen, Juva'; bleib bei uns
und hilf uns das Brot bereiten," Während die
Frau in der Küche war, um das Essen zu kochen,
ging Juvadi nachsehn, ob der Teig aufgegangen
sei; er kam in eine Kammer, deren Wände überall
Ritzen hatten, durch die der Wind einundausging,
und sagte: „Da machen sie Brot und das Haus
ist voller Löcher; aber ich will das in Ordnung
bringen." Er nahm den Teig und besserte alle
Wände aus, indem er alle Löcher verschmierte.
Als die Gevatterin diesen Schaden sah, begann
sie zu schreien: ,,Um Gotteswillen, um Gottes-
willen! was tust du? wenn mein Mann kommt,
bringt er mich um," Juvadi sagte ganz entrüstet:
,, Statt mir zu danken, weil das Haus löchrig war,
gibst du mir böse Worte." Und er entwich.
Einmal ging Juvadi eine Gevatterin besuchen. 445.
Als sie ihn sah, sagte sie vergnügt: „Will-
kommen, Gevatter; es wird mir eine Freude sein,
wenn du heute Morgen bei mir bleibst. Gib mir
acht auf das Kindchen, das ich niedergelegt habe,
und ich verrichte indessen die häusliche Arbeit."
Juvadi nahm das Kind; da er sah, daß sein Kopf
ganz weich war, nahm er eine Nadel und stach
hinein, so daß das Gehirn heraustrat. Und er
sagte: ,, Madonna mia! da hat das Kind ein Ge-
schwür und niemand denkt daran." Als die
Mutter das Kind tot sah, war sie ganz weg vor
Schmerz und schrie: ,,Mein . . , Kind . . . mein . . .
Kind, ich habe dich einem Tölpel anvertraut,"
Juvadi sagte: ,,Für mein gutes Werk erhalte ich
einen schlechten Lohn." Und er ging.
127
446. 'C'Ines Tages ging Juvadi hinaus, stieg auf einen
*^ Felsen, begann zu pissen und sagte zu den
einzelnen Bächlein: ,,Du gehst dorthin, du dahin,
du gehst rechts und du gehst links." Eine Bande
von Räubern, die unter dem Felsen waren und
viel Silbergeld teilten, hörten ihn so reden; sie
glaubten, die Häscher seien da, und entflohen.
Juvadi stieg hinab, nahm alles Silber und kehrte,
mit Geld beladen, heim.
447. "T^lnes Tages ging Juvadi mit seinem Esel um
Cd Holz. Er saß auf einer Eiche und schnitt
gerade an einem Aste, als ein Mann vorbeikam
und zu ihm sagte: „Juva', paß auf, du fällst
herunter, wenn der Ast bricht." Juvadi ant-
wortete: ,, Kümmere dich nicht darum; ich sterbe
noch nicht." Aber als er das sagte, fiel er auch
schon herunter, und es fehlte wenig, so wäre er
tot gewesen. Nun sagte er zu dem Manne:
,, Guter Mann, wann werde ich denn sterben?"
„Wann dein Esel drei Fürze tut," Juvadi glaubte
es und vergaß es keineswegs. Er mußte eine An-
höhe ersteigen, und der Esel, der zu schwer be-
laden war, ließ einen Furz, „Oh, jetzt geht es
böse," sagte Juvadi, „nun muß ich bald sterben,"
Er ging weiter und hörte wieder, wie der Esel
einen Furz ließ, und er zitterte noch mehr vor
Angst. Als er dann den letzten hörte, wurde er
ohnmächtig und fiel wie ein Toter zu Boden; und
er blieb auf dem Wege liegen. Der Esel, der den
Weg, wer weiß, wie oft gemacht hatte, ging mit
dem Holze, aber ohne Juvadi, nach Hause. Als
die Mutter den Esel ohne den Sohn kommen sah,
erschrak sie und ging weg, um zu sehn, was ihm
128
geschehn sei; sie fand Juvadi mit dem Gesichte
nach oben auf dem Wege liegen. Und sie holte
den Geistlichen, einen Bruder mit dem Kreuze,
den Sakristan mit dem Weihwasser und vier
Männer mit der Bahre. Sie luden ihn auf; aber
sie klagten, weil er sehr schwer war, und setzten
ihn alle zehn Schritte nieder. Als sie an eine
Stelle des Weges gekommen waren, hob Juvadi
den Kopf und schrie: ,, Dorthin geht," Die, die
ihn trugen, warfen ihn vor Angst, weil sie ihn tot
glaubten, zu Boden, und der arme Juvadi zer-
schlug sich den Kopf und starb nun wirklich.
Nasreddin, 11.
129
VIL
Kroatische Überlieferungen
Einmal war Nasreddin schwer krank und lag 448.
still und hilflos da. Seine Frau, die bei ihm
saß, weinte, und das machte ihn unruhig. Da
kam ihm ein Einfall, und er sagte zu ihr mit
schwacher Stimme: „0 weh, o weh! Hör auf zu
weinen; zieh dich schön an, nimm deine besten
Sachen und deinen ganzen Schmuck und mach
dich so hübsch, wie du kannst."
„Ach Effendi," sagte sie und begann noch
mehr zu weinen, ,,wie könnte ich das, wo du so
krank bist?"
„Wenn du mich liebst," bat der Hodscha,
„dann tust du, was ich dir gesagt habe."
Nun wurde in ihr die weibliche Neugier rege.
„Nein," sagte sie entschieden; ,,ich werde es nicht
früher tun, als bis du mir gesagt hast, warum du
es von mir verlangst."
,,Ich möchte es dir ja sagen, aber ich fürchte,
du wirst dich dann über mich ärgern."
,,Nein, wahrhaftig nein," Und zum Beweise
schwor sie ihm, daß sie alles machen werde, wann
sie den Grund gehört haben werde.
Und der Hodscha sagte: ,, Denkst du denn
nicht auch, liebes Weib, daß Asrael, wenn er um
meine Seele kommen und dich so schön gekleidet
und geschmückt sehn wird, lieber dich mitnehmen
wird als mich?"
In diesem Augenblicke hörte die Frau zu
weinen auf.
DEr Hodscha saß vor seinem Hause und 449.
rauchte. Da kam sein nächster Nachbar imd
sagte nach dem gewöhnlichen Gruße: „Aber
133
Hodscha, warum brällt denn dein Esel schon seit
dem frühen Morgen?"
„Warum fragst du mich? frag ihn."
450. "C'Inmal ging der Hodscha Nasreddin spazieren;
Ca ein junger Zigeuner lief ihm nach und
bettelte, er solle ihm etwas schenken. Dem
Hodscha, der die Zigeuner haßte, fiels nicht ein,
sich umzudrehn, geschweige denn ihm etwas zu
geben. Plötzlich schrie der Zigeuner aus vollem
Halse: „Schenk mir etwas, Herr, sonst werde ich
etwas tun, was ich noch nie getan habe!"
Nasreddin drehte sich um, warf ihm einen
Para zu und fragte ihn, was er zu tun beabsichtigt
hätte. Darauf antwortete der Zigeuner: „Ja,
Herr, hättest du mir nichts geschenkt, so hätte
ich arbeiten müssen, und das habe ich noch nie
getan."
451. T^Inmal kam wieder sein nächster Nachbar
JÜä zum Hodscha und fragte ihn, warum er
seinen Hund habe die ganze Nacht bellen lassen,
so daß er und die Seinigen im Schlafe gestört
worden seien.
Nasreddin, der wohl zugehört hatte, lachte
und antwortete: „Ich glaube, du wirst doch nicht
von mir verlangen wollen, daß ich bellen soll."
452. A Ls Nasreddin einmal besonders gut aufgelegt
^jL war, erzählte er in einer Gesellschaft, daß
er, als er in Stambul gewesen sei und in dem
Garten des Sultans, dort Bienen gesehn habe, so
groß wie Schafe.
134
Da fragte ihn einer von den Zuhörern: „Wie
groß waren denn dann die Bienenstöcke?"
Nasreddin antwortete: „Gerade so groß wie
bei uns."
„Wie konnten denn da die Bienen hinein und
heraus?"
„Ich bin gerade dazu gekommen, als sie hinein
wollten; als sie mich aber bemerkt haben, sind sie
erschrocken und weggeflogen. Deshalb kann ich
euch nicht recht sagen, wie sie es anstellen, um
hineinzukommen,"
NAsreddin ging einmal in den Garten, legte 453.
sich unter einen alten Birnbaum und schlief
ein. Unterdessen kam ein Freund von ihm mit
der Nachricht, daß seine Mutter gestorben sei.
Nasreddins Sohn führte den Freund in den
Garten, weckte den Vater und sagte zu ihm:
„Vater, steh auf; Mujkan ^ Djehaic ist gekommen
und hat die Nachricht gebracht, daß deine Mutter
gestorben ist."
„0, o," sagte der Hodscha, „das ist ein
bitterer Schmerz; und wie bitter wird er erst
morgen sein, wenn ich aufwache!"
Damit drehte er sich auf die andere Seite und
schlief weiter.
Auf einem Spaziergange erzählten einander 454.
zwei Schüler Nasreddins merkwürdige Ge-
schichten und suchten sich gegenseitig durch
Lügen zu übertrumpfen. Unter anderm sagte der
eine; „Als ich einmal in Stambul war, habe ich
1 Mustafa.
135
einen Kohlkopf gesehn, unter dem sich drei-
hundert Leute verstecken konnten."
Darauf antwortete ihm der andere: ,,Aber
Bruder, das ist gar nichts gegen das, was ich in
Athen gesehn habe, als ich dort war. Dort habe
ich nämlich einen großen Kessel gesehn, an dem
schmiedeten dreihundert Leute, und die standen
so weit von einander, daß einer den andern nicht
hören konnte,"
Nun sagte der erste: ,,Wozu soll denn so ein
großer Kessel dienen?"
,,Aber Bruderherz, wie kannst du nur so
dumm fragen? um den großen Kohlkopf zu
kochen, den du gesehn hast,"
455 "pines Abends zankten sich Nasreddin und
Xltf seine Frau, und er sagte zu ihr: ,,Ich war
wahrhaftig blind, als ich dich mit deiner Häßlich-
keit genommen habe," Deswegen schimpfte sie
ihn zusammen, was sie nur konnte, und sagte
schließlich zu ihm: ,,Die Eule hat auch an der
Lerche etwas auszusetzen gehabt! Wie kannst
du mir sagen, daß ich häßlich sei, wo du doch
weit und breit der häßlichste Kerl bist!"
Das war für den stolzen Nasreddin zu viel,
und er beschloß, ein Mittel zu suchen, um schöner
zu werden. Nachdem er überall herumgefragt
hatte, wandte er auch einige Salben und Pulver
an, aber sein Ziel konnte er nicht erreichen.
Nun kamen eines Tages etliche Zigeunerinnen
zu ihm, und die sagten ihm, sie würden ihn in
ein paar Stunden so jung und schön machen, daß
ihn jedermann bewundern werde. Voller Freude
machte er die Sache mit ihnen ab.
136
Am nächsten Morgen stand er früh auf und
schickte sein ganzes Gesinde aufs Feld und seine
Frau zu ihrer Mutter; dann setzte er sich vors
Haus, um die Zigeunerinnen zu erwarten. Um
neun Uhr kamen sie, Sie gingen um ihn herum
und besprachen ihn und redeten ihm ein, er werde
noch an diesem Tage schön wie die Sonne wer-
den, nur müsse er ihre Anordnungen befolgen.
Er ließ sich täuschen und holte ein Faß, das sie
ihm gezeigt hatten, und stellte es mitten ins
Zimmer; sie befahlen ihm, unter dieses Faß zu
kriechen, worauf sie ihn damit bedecken und
dann herumgehn und ihn besprechen würden.
Als er ihnen gehorcht hatte und unter dem
Fasse war, legten sie noch einige schwere Steine
darauf; dann begannen sie, herumzugehn und
dabei zu murmeln. Während aber einige um das
Faß herumgingen und ihre Besprechungen vor-
nahmen, machten die andern die Kisten und
Kasten auf und nahmen alles, was sie wollten,
im Zimmer sowohl, als auch in der Küche; und
dann schlichen sie alle leise hinaus und liefen
davon.
Als es nun völlig still geworden war, rief
Nasreddin, sie sollten das Faß aufheben und ihn
herauslassen; aber vergebens: es meldete sich
niemand. Und seine ganze Stärke nutzte ihm
nichts; er mußte warten, bis jemand nach Hause
kommen werde. Erst in der Dämmerung kamen
die Frau und die andern heim, und sie hatten
eine schwere Mühe, daß sie die Steine vom Fasse
herunterbekamen; und sie erstaunten, wie gründ-
lich das Haus durchstöbert und ausgeplündert
worden war. Nasreddin war, als er aus seinem
137
Kerker befreit wurde, schier ohnmächtig, weil er
nicht Luft genug gehabt und den ganzen Tag
nichts gegessen hatte.
Im Gesichte war er, wie er gewesen war, und
die schönsten Sachen waren gestohlen und weg-
getragen, und von den Zigeunerinnen war keine
Spur und kein Laut. Jetzt sah er ein, daß er
samt seiner Schlauheit der Gefoppte war.
138
VIII.
Serbische Überlieferungen
Die Frau Nasreddins bekam einmal einen An- 456.
fall von Schüttelfrost, und da bat sie ihn,
einen Arzt zu holen; er sprang sofort auf und
ging. Als er aber schon im Flur war, rief ihm
die Frau aus dem Fenster zu; ,,Es ist nicht mehr
notwendig, den Arzt zu rufen; ich bin nicht mehr
krank,"
Der Hodscha ging jedoch trotzdem zu dem
Arzte und sagte zu ihm: „Meine Frau ist krank
geworden und hat mich gebeten, einen Arzt zu
holen. Als ich dann schon im Flur war, hat sie
mir zugerufen, daß sie keines Arztes mehr be-
darf. Ich bin aber trotzdem gekommen, um dir
zu sagen, daß du nicht mehr zu kommen
brauchst."
ALs die Frau des Hodschas Nasreddin ge- 457.
storben war, konnte man ihm keine Trauer
anmerken. Nach einiger Zeit verendete ihm aber
ein Pferd, und das machte ihn so traurig, daß er
längere Zeit nicht aus dem Hause ging.
Da kamen die Leute zu ihm und fragten ihn,
warum ihm um das Pferd mehr leid sei, als um
die Frau, und er antwortete ihnen; „Als mir die
Frau gestorben ist, sind die Nachbarn gekommen
und haben mir Trost zugesprochen: ,Freund,
mach dir nichts daraus, daß deine Frau tot ist;
wir werden dir eine bessere und schönere finden',
und was weiß ich noch. Seit mir aber mein
Pferd fehlt, ist noch niemand gekommen, der mir
gesagt hätte, er werde mir ein bessers Pferd
verschaffen. Drum ist mir um mein Pferd mehr
leid als um meine Frau."
141
458. "pines Tages wurde der Hodscha Nasreddin
Ca auf dem Wege von Räubern angefallen; sie
nahmen ihm sein Pferd, seine Kleider imd sein
Geld und dann begannen sie ihn zu schlagen.
„Warum schlagt ihr mich?" fragte sie Nasr-
eddin; „ich habe wohl zu wenig Geld bei mir,
oder ihr habt etwa zu lange auf mich warten
müssen?"
459. Tpinmal fiel Nasreddin in eine Kotlache imd
±lä bemühte sich vergebens herauszukommen.
Schließlich sprach er bei sich: „Ich werde da nie
herauskommen können, wenn ich mich nicht bei
den Haaren packe und mich herausziehe."
460. "C* Ines Nachts wurde Nasreddin von seiner Frau
Xlä aus dem tiefsten Schlafe geweckt, imd sie
sagte zu ihm: „Das Kind weint schon seit einer
Stunde. Wiege es ein wenig; eine Hälfte des
Kindes gehört doch dir."
„Meine Hälfte soll weiter weinen," antwortete
Nasreddin; „wiege du nur deine Hälfte." Damit
kehrte er sich zur Wand und schlief ein.
461. "KT Asr eddin begegnete einmal einem Freunde,
IN den er schon lange nicht gesehn hatte, und
der fragte ihn im Gespräche: „Wie gehts dir denn
jetzt?"
Nasreddin antwortete: „Nun, ganz gut; mein
ganzes Geld steckt in Getreide, was ich an Ge-
treide habe, steckt in Mehl, was ich an Mehl
habe, steckt in Brot, und was ich an Brot habe,
ist alles in meinem Bauche."
142
ALs der Hodscha Nasreddin eines Tages in 462.
der Moschee auf die Kanzel stieg, richtete
einer, in der Meinung, der Hodscha werde ant-
worten können, eine Frage an ihn; aber Nasreddin
antwortete ihm, daß er es nicht wisse. Darauf
sagte der Fragesteller: „Wenn du das nicht
weißt, warum bist du dann so hoch hinauf-
gestiegen?"
Und Nasreddin gab ihm zur Antwort: „Ich
bin so hoch hinaufgestiegen nach dem Maße
dessen, was ich weiß; sollte ich aber nach dem
hinaufsteigen, was ich nicht weiß, dann, Bruder,
würde ich bis in den Himmel kommen."
Eines Nachts hatte der Hodscha einen wunder- 463.
baren Traum, und am Morgen ging er sofort
zum Kadi. Auf dessen Frage, warum er ge-
kommen sei, antwortete er: ,,Ich habe heute
Nacht einen wunderbaren Traum gehabt."
„Ists möglich? ists möglich?" staunte der
Kadi; „was hast du denn geträumt?"
„Mir hat geträumt, daß du und ich unsere
Häuser getauscht haben, und ich habe dir hundert
Asper aufgezahlt. Da nun heute alles verkehrt
zu verstehn ist, so bleibt mir mein Haus und dir
das deine, und ich bitte dich, daß du mir die
hundert Asper gibst."
Einmal pflanzte der Hodscha Zwiebeln, und da 464.
bespuckte er jede Knolle, bevor er sie in die
Erde steckte. Als man ihn fragte, warum er das
mache, antwortete er: „Nun, ich begieße sie, und
das bekommen sie von mir mit; das übrige sollen
sie vom Herrgott verlangen."
143
465. T^^'* Hodscha ging einmal ins Dorf zu einem
JL^ Freunde und saß bei ihm von Mittag bis
Mitternacht; niemand kümmerte sich dort um
ihn, und nicht das geringste wurde ihm angeboten.
Da fing er zu gähnen an und setzte das so lange
fort, bis ihn sein Freund fragte: ,,Hodscha, woher
kommt das Gähnen?"
„Es sind da zwei Ursachen," antwortete Nasr-
eddin; „die eine ist der Hunger, die andere ist die
Schläfrigkeit; aber schläfrig bin ich nicht,"
466. Tl^^ Hodscha wurde gefragt: ,,Was wünschst
J«y du deiner Frau?"
„Wenn sie krank werden sollte, so gebe Gott,
daß ich statt ihrer erkrankte; aber wenn die Zeit
kommt, daß ich sterben soll, so gebe Gott, daß sie
statt meiner sterbe,"
467. "^TAsreddin hatte eine Tür inmitten des Feldes
1 1 gebaut, so daß er sie von seinem Hause sehn
konnte; den Schlüssel verwahrte er zu Hause.
Seine Frau fragte ihn, was das für ein Schlüssel
sei, und er sagte, was er gemacht hatte, und fuhr
fort: „Ich habe diese Tür gebaut, um die ehr-
lichen Leute von den unehrlichen unterscheiden
zu können; die guten werden von weitem herum-
gehn, die schlechten aber werden geradewegs auf
die Tür zugehn,"
Einige Tage später sah Nasreddin, daß neun
Leute feldein auf die Tür zuschritten. Er ging
sofort zu ihnen und fragte sie: „Wohin, Leute?"
„Wir haben Geschäfte," antworteten sie; „was
gehts dich übrigens an, daß du es wissen mußt?"
„Ihr seid Diebe und geht stehlen," antwortete
144
ihnen Nasrcddin. „Nehmt mich auf in euere
Gesellschaft; sonst werde ich euch als Diebe
angeben,"
Nun waren die Leute wirklich Diebe, und sie
waren sehr erstaunt, daß der Hodscha die Wahr-
heit erraten hatte; sie sagten zu ihm: ,,Es ist so;
wir sehn, du weißt, was die Leute denken und wo-
mit sie sich beschäftigen. Komm also mit uns,
wir wollen unser zehn sein."
Als sie ins nächste Dorf kamen, sahen sie eine
Hirtin mit ihrer Schafherde; sie schlichen sich
näher heran und Nasreddin sagte zu seinen Ge-
sellen: „Geht ihr ein bißchen in den Wald und ich
will zu diesem Mädchen gehn und ihr einige
hübsche Geschichten erzählen; und wenn ich ihr
mit dem Finger die Sonne zeige, so kommt rasch
hervor und treibt die Schafe weg,"
Gesagt, getan. Als Nasreddin sah, daß die
Diebe zehn Schafe weggetrieben hatten, sagte er
zu der Hirtin: „Gott befohlen, Kind; ich muß zu
meinen Gesellen eilen,"
Er holte sie erst in der Nähe seines Hauses
ein, und seine erste Frage war: „Wie werden wir
jetzt diese zehn Schafe verteilen?"
„Herr," sagten die Diebe, „du bist der älteste
von uns und der gescheiteste und der gerechteste;
und wie du sie verteilst, werden wir zufrieden
sein."
„Wenn es so ist," sagte Nasreddin, „so mag
Gott helfen. Wir sind unser zehn, und Schafe
sind auch zehn; ihr seid euer neun. Nehmt ihr
ein Schaf, so werdet ihr euer zehn sein; ich werde
die andern neun nehmen, und so werden wir
auch zehn sein,"
Nasreddin, II. 10 145
468.
Da sagte einer von den Dieben: ,,Du Kerl von
einem Hodscha, das ist nicht gerecht."
„Wenn es euch nicht recht ist," antwortete
Nasreddin, „so verklagt mich beim Kadi; ich
werde ihm den ganzen Hergang erzählen, und er
soll nach dem kaiserlichen Gesetze und dem gött-
lichen Rechte erkennen."
E]
Monat Ramasan in einem Dorfe den Vor-
beter; als der Ramasan zu Ende war, zahlten
ihn die Bauern gut und er kehrte nach Hause
zurück. Unterwegs begegnete er einem Räuber
zu Pferde und der sagte zu ihm: „Eh, Hodscha,
du hast viel Geld zusammengebracht. Teil es mit
mir; für dich ist es zu viel,"
Nasreddin begann ihn zu bitten, er möge ihn
ruhig ziehen lassen, aber es half ihm nichts.
Während nun der Räuber vom Pferde stieg,
bückte sich der Hodscha rasch, nahm einen Stein
und wickelte ihn in sein Tuch; dann sagte er:
„Wenn es denn nicht anders geht, da ist das
Geld. Aber du mußt wissen, daß mir darum so
leid ist, daß ich nicht imstande bin, dirs mit der
eigenen Hand zu geben; ich werde es auf die
Wiese dort werfen und werde weggehn, und du
gehst hin und nimmst es."
Der Räuber war einverstanden , und Nasr-
eddin warf den eingewickelten Stein weit von
sich. Voller Habgier lief der Räuber hin, ohne
auf Nasreddin zu achten; der aber stieg auf das
Pferd und ritt davon.
146
Einmal wurde Nasreddin von einem, dem er 469.
zweihundert Groschen schuldig war, geklagt,
weil er nichts zahlte. Als ihn der Kadi fragte,
ob er ihm das Geld schuldig sei und warum er ihn
nicht zahle, antwortete Nasreddin: „Es ist wahr,
ich bin ihm zweihundert Groschen schuldig; aber
es sind schon mehr als vier Jahre her, daß ich ihn
um drei Monate Frist gebeten habe, um das Geld
aufzubringen. Er hat mir die Frist nicht be-
willigt; wenn er mir aber keine Frist geben will,
wie soll ich das Geld zusammenbringen?"
NAsreddin stand einmal um Mitternacht auf, 470.
ging vors Haus und begann zu krähen. Die
Nachbarn, die das hörten, fragten ihn um den
Grund, und er antwortete ihnen: „Ich habe heute
viel Arbeit, und ich möchte gern, daß es früher
Tag wird."
DEr Hodscha wurde einmal gefragt, wie alt er 471i
sei, und er sagte: „Vierzig." Als man ihn
nach einigen Jahren wieder fragte, wie alt er sei,
antwortete er wieder: „Vierzig." Die Leute be-
gannen zu lachen und sagten zu ihm: „Hast du
uns nicht schon vor ein paar Jahren gesagt, du
seist vierzig? und jetzt sagst du wieder vierzig."
,, Begreift ihr denn nicht," antwortete der
Hodscha, ,,daß ein ehrlicher Mensch immer bei
dem bleiben muß, was er gesagt hat? Wenn ich
euch jetzt sage, daß ich einen Gott habe, wie kann
ich denn dann ein paar Jahre später sagen, daß
ich mehrere hätte?"
10* 147
472. Ij^In Bauer sagte eines Tages zu seinem Sohne,
XZtf er solle heiraten, „Gut," sagte der Sohn,
„die Gelegenheit ist sowieso günstig; in unserm
Dorfe ist ein Mädchen, ist eine Witwe und ist
eine geschiedene Frau. Jetzt mußt du mir raten,
welche ich nehmen soll."
,,Ich kann dir da nicht raten," antwortete ihm
der Vater; ,,aber in der Stadt habe ich einen
Freund, der wird dir raten,"
Der Bursche ging in die Stadt; als er zu dem
Freunde gekommen war, erzählte er ihm alles.
Der jedoch antwortete ihm: „Ich kann dir auch
nicht raten; aber hier in der Stadt lebt Nasreddin:
such ihn auf, er wird dir raten,"
Der Bursche suchte Nasreddin überall, ohne
daß ihm jemand hätte sagen können, wo er ihn
finden werde, bis er auf einmal eine Schar Kinder
traf, die Pferdchen spielten; er fragte eines von
den Kindern, wo Nasreddin sei, und dieses ant-
wortete: „Ich bin es," Da der Bursche sah, daß
ihm nichts andres übrig blieb, erzählte er dem
Knaben alles. Und dieser sagte zu ihm: „Wenn
du das Mädchen nimmst, so weißt es du; wenn
du die Witwe nimmst, so weiß es sie." Als aber
der Bursche die geschiedene Frau erwähnte, da
schlug ihn der Knabe mit der Peitsche über die
Beine und ging wieder Pferdchen spielen.
Ärgerlich kehrte der Bursche zu dem Freunde
seines Vaters zurück und sagte zu ihm: „Mein
Vater hat mich nicht zu dir geschickt, damit du
mich zu den Kindern schickst, sondern er hat
mich zu dir geschickt, damit du mir rätst." Und
er erzählte ihm, was ihm Nasreddin gesagt hatte.
„Nun, er hat dir gut geraten," sagte darauf
148
der Freund; „wenn du das Mädchen nimmst,
wirst du ihr befehlen, und wenn du die Witwe
nimmst, so wird sie dir befehlen. Und daß er
dich mit der Peitsche über die Beine geschlagen
hat, damit hat er sagen wollen: Vor einer Ge-
schiedenen lauf wie vor dem Teufel!"
DEr Hodscha wollte sich eines Tages rasieren 47Z.
lassen, kam aber an einen ungeschickten
Barbier, der ihn bei jedem Striche mit dem
Messer ein wenig verletzte. Nasreddin litt arge
Qualen: die Tränen rannen ihm übers Gesicht
und aus seinen Augen sprühten Funken. Unter-
dessen hörte man draußen einen Lärm, und Nasr-
eddin fragte den Barbier, was das für ein
Lärm sei.
Der Barbier schaute hinaus und sagte zu ihm:
„In der Nähe ist ein Schmied und der beschlägt
eben ein Pferd."
„Ach," antwortete Nasreddin, „ich dachte,
es wird einer rasiert,"
NAsreddin hatte auf dem Markte einige 414.
Sachen gekauft und nahm einen Träger, der
sie ihm nach Hause tragen sollte. Unterwegs
verlor er den Träger; er suchte ihn den ganzen
Tag, konnte ihn aber nicht finden.
Als er nun nach zehn Tagen mit zwei Freun-
den über die Straße ging, kam ihnen der Träger
entgegen. Kaum sah ihn Nasreddin, so lief er in
eine Nebenstraße; seine Freunde liefen ihm nach
und riefen ihm zu: „Warum läufst du? Hier
kommt doch der Träger, dem du neulich deine
149
Sachen übergeben hast; er muß ja vor dir laufen,
und nicht du vor ihm."
Nasreddin antwortete: „Ich laufe vor ihm
weg, weil er von mir den Lohn verlangen kann,
daß er meine Sachen zehn Tage lang herum-
getragen hat, und das würde mehr ausmachen,
als alles zusammen wert ist. Dann wäre ja die
Suppe teuerer als die Schüssel."
475. T^^^ Hodscha hatte einen bösen Nachbar, mit
J_y dem er Haus an Haus unter einunddem-
selben Dache wohnte. Da er mit ihm immer im
Streite lebte, gedachte er ihms einmal heimzu-
zahlen; er zündete sein Haus an, damit so auch
das des Nachbars verbrenne, und lief aus der
Stadt, damit nicht der Verdacht auf ihn falle.
Als dann beide Häuser brannten, sammelte
sich eine große Volksmenge an; aber anstatt das
Feuer zu löschen, schleppten sie aus beiden Häu-
sern fort, was jeder tragen konnte. Die Leute
sagten es Nasreddin, daß sein Haus brenne, er
jedoch antwortete kaltblütig: „Schade, daß ich
nicht zu Hause war; ich hätte auch etwas packen
können. Weil ich aber nun beim Stehlen nicht
dabei sein konnte, will ich mich jetzt wenigstens
etwas wärmen hingehn."
476. T^Inmal kam Nasreddin zu einem Freunde auf
JLtf dem Dorfe, um bei ihm zu übernachten, und
er war sehr hungrig. Der Freund war sehr arm,
und an Speisen war nichts vorhanden als ein ge-
sottener Kürbis , der gerade vom Feuer weg-
genommen worden war. Nasreddin sagte: „Gebt
her, was da ist; ich falle vor Hunger um."
150
Man legte den Kürbis auf einen Teller und
setzte ihm ihn vor; Nasreddin langte zu und
steckte eine Handvoll in den Mund; aber der
Kürbis vi^ar so heiß, daß er ihm Zunge und Mund
verbrannte, und Nasreddin mußte alles aus-
spucken. Nun fragte er: „Was ist das, um Gottes-
willen?" und sie antworteten ihm: ,,Das ist
Kürbis, Herr."
Am nächsten Morgen zog Nasreddin weiter.
Unterwegs sah er an einem Zaune etliche Kür-
bisse hängen, und fragte seinen Führer: „Was ist
das?" „Kürbis, Herr," antwortete der Führer.
Da hielt Nasreddin sein Pferd an, blies auf die
Kürbisse, was er nur konnte, und sagte: „Pfui,
Gott vernichte dich, du Unglückszeug!"
DEr Hodscha Nasreddin unterwies stets seine 411.
Schüler, wie sie sich gegen ältere Leute zu
benehmen hätten, und lehrte sie unter anderm,
daß sie, wenn einer niese, in die Hände klatschen
und „Zum Wohlsein" sagen sollten. Die Schüler
gehorchten ihm und taten immer so, wann er oder
ein anderer älterer nieste.
Eines Tages fiel nun Nasreddin unglücklicher-
weise in einen Brunnen und begann um Hilfe zu
schreien. Die Schüler kamen schnell hinzu-
gelaufen und ließen ein Seil hinab; er packte das
Seil und sie zogen ihn herauf. Schon hätten sie
nur noch einen Ruck zu tun gehabt, daß der
Hodscha seiner schlimmen Lage ledig gewesen
wäre, da nieste er, naß und erkältet, wie er war.
Sie ließen das Seil los, klatschten in die Hände
und riefen, wie aus einem Munde: „Zum Wohl-
sein!"
151
Und der arme Hodscha plumpste wieder in
den Brunnen hinunter,
478. "TVEr Hodscha wurde gefragt: „Wann wird das
J-/ Gebären und Sterben aufhören?"
Er antwortete; „Wann Paradies und Hölle
voll sein werden."
479. TM Schreiben war der Hodscha nie recht ge-
X schickt gewesen. Er las und schrieb zwar ein
wenig, aber was er wußte, hatte er nicht aus dem
Buche, sondern das machte seine natürliche Be-
gabung; und es war auch eine Zeit, wo er gar
nichts geschriebenes lesen konnte, weil er es erst
lernte. Gerade damals brachten ihm nun die
Bauern einen Bescheid des Kadis, damit er ihnen
vorlese, was drinnen stehe. Er nahm den Be-
scheid und betrachtete ihn lange; da er aber seine
Unwissenheit vor den Bauern nicht eingestehn
wollte, so sagte er: ,,Also seht einmal, Leute, was
euch der Kadi schreibt. Diese langen Buch-
staben sagen, daß ihr ihm Heu bringen sollt, und
diese runden sprechen von Eiern, Da ihr dem-
nach wißt, was der Kadi schreibt, so bringt ihm
Heu und einige Hundert Eier."
Die Bauern taten dies, und der Kadi nahm
alles und schwieg.
Wieder brachten die Bauern dem Hodscha
einen Bescheid des Kadis und baten ihn, ihn
ihnen vorzulesen. Er nahm die Schrift und sagte
zu ihnen, als er die langen und die runden Buch-
staben gesehn hatte: ,, Bringt dem Kadi Holz und
viel weiße Zwiebeln,"
Die Bauern brachten auch das, und der Kadi
152
war zufrieden. Er nahm alles und fragte sie:
„Wer hat euch denn den Bescheid vorgelesen?"
Und sie sagten, daß es der Hodscha Nasreddin
gewesen sei.
Der Kadi ließ den Hodscha rufen und fragte
ihn: „Verstehst du denn etwas von der Schrift?"
„Nein, ehrenwerter Kadi," antwortete der
Hodscha.
„O ja," sagte wieder der Kadi, „du verstehst
dich besser darauf als ich selber, da du so schön
lesen kannst."
Einmal hatte der Hodscha sein Haus aus- 480.
gebessert, und es blieb ihm vor dem Hause
ein Haufen Erde liegen. Als er nun von den
Nachbarn gefragt wurde, wohin er diese Erde
schaffen werde, antwortete er: ,, Nichts leichter
als das; ich werde eine Grube machen und sie
hineinwerfen."
„Und was wirst du denn mit der Erde aus
dieser Grube tun?"
„Ach, an eine so ferne Zukunft denke ich
überhaupt nicht."
Einmal ging Nasreddin nach Skutari. In der 481.
Nähe der Stadt sah er etliche Kinder, die
miteinander spielten. Er trat zu ihnen und sie
sammelten sich um ihn und fragten ihn: „Wohin,
Herr?"
„In die Stadt da," antwortete Nasreddin.
„Aber wißt ihr, Kinder, sagt mir, was ich auf dem
Markte kaufen soll, daß ich satt werde und dabei
mein Geld behalte?"
Die Kinder antworteten ihm: „Da mußt du,
153
Herr, ins Schlachthaus gehn, und dort kaufst du
Ochsengedärm: das, was drinnen ist, ißt du und
dann wäschst du die Därme gut aus und ver-
kaufst sie. So kannst du dich ordentlich satt
essen und bekommst noch Geld heraus."
Als der Hodscha hörte, was die Kinder
sagten, dachte er: Wahrhaftig, mir blüht in Sku-
tari kein Weizen; wenn schon die Kinder so sind,
wie werden erst die Erwachsenen sein! Es ist
besser, ich mache mich davon.
Und damit ging er.
482. l^ Inmal kam ein Türke zum Hodscha Nasreddin
Ca und bat ihn, ihm einen Brief zu schreiben; er
wolle ihm gerne zahlen, was man gewöhnlich für
einen Brief bezahle. Der Hodscha sagte: „Wem
willst du den Brief schreiben lassen und wohin?"
,, Meinem Sohne in Stambul," antwortete der
Türke.
Nasreddin fragte wieder: „Und welchen Preis
soll ich dir für den Brief machen? ich habe näm-
lich drei Preise: billig, teuer und noch teuerer."
„Du weißt, Hodscha, daß ich ein armer Mann
bin; ich kann nicht viel zahlen: mach mir also den
billigsten Preis, der überhaupt möglich ist."
„Also, Freund," antwortete Nasreddin, „der
billigste ist, wenn ich dir den Brief schreibe und
du ihn nach Stambul trägst und dann deinem
Sohne sagst, was du ihm geschrieben hast- Den
teuerem Brief, wenn ich den geschrieben habe
und wenn er trocken ist, den kann ich selber nicht
lesen. Am teuersten aber ist es, wenn ich den
Brief schreibe und ihn selbst nach Stambul trage
und ihn dort vorlese; denn meine Schrift kann
154
außer mir niemand lesen, nicht einmal die Stam-
buler Gelehrten alle miteinander samt dem
Scheich ul Islam."
DEr Hodscha war mit dem Kadi befreundet 483.
und ging ihn öfter besuchen, um mit ihm zu
plaudern. Eines Tages ritt er wieder ins Ge-
richtshaus; das Pferd band er vor dem Hause an
und er ging zum Kadi hinein.
Während er beim Kadi saß und mit ihm
sprach, wurde ein Mensch vorgeführt, und der
wurde überwiesen, daß er ein falsches Zeugnis
abgelegt hatte. Zu jener Zeit war für solche
Verbrecher als Strafe festgesetzt, daß sie ver-
kehrt auf einem Pferde sitzend durch die ganze
Stadt geführt wurden. Da nun gerade das Pferd
Nasreddins dawar, wurde diese Strafe auf seinem
Pferde vollzogen.
Ein paar Tage später wurde der Mensch
wieder wegen eines falschen Zeugnisses ergriffen
und mußte wieder zu Pferde durch die Stadt ge-
führt werden. Und da sie bei Gericht kein Pferd
zur Hand hatten, liefen sie zum Hodscha und ver-
langten sein Pferd.
Aber er anwortete ihnen: „Ich gebe mein
Pferd nicht her; sagt lieber dem Kerl, er soll
entweder dieses Handwerk aufgeben oder sich
selber ein Pferd kaufen, damit er darauf reiten
kann, wenn er etwas anstellt."
DEr Hodscha trug einmal Getreide in die 484.
Mühle, und seine Frau hatte ihm den Sack
mit dem Getreide zugebunden. Unterwegs ging
155
der Sack auf, und er mußte ihn bis zur Mühle
zehnmal neu zubinden.
Als er nach Hause zurückkam, machte er
seine Frau tüchtig herunter und sagte zu ihr:
„Wie hast du denn den Sack zugebunden? ich
habe vielleicht zehnmal stehn bleiben müssen, um
ihn zuzubinden."
^^' "pines Tages pflanzte der Hodscha Weinreben;
JCrf ein Spaßvogel, der vorüberging, grüßte ihn:
„Guten Morgen, Hodscha! Bist du schon müde?"
„Gott segne dich!" anwortete der Hodscha;
„ich bin noch nicht müde."
,,Was machst du denn da?"
„Weinreben pflanze ich; siehst du das nicht?"
,,Aber wann wirst du von ihnen Trauben be-
kommen?"
„Wenn Gott das Glück gibt, in drei Jahren."
,,Ja, warum pflanzst du sie denn dann jetzt,
warum nicht erst im dritten Jahre? Bist du denn
verrückt?" Mit diesen Worten ging der andere
weg und Nasreddin setzte sich nieder und begann
zu überlegen; Es ist wahr: er ist ein gescheiter
Mensch; er hat recht mit dem, was er sagt. Da-
mit warf er den Karst über die Schulter und
machte sich auf den Heimweg.
Als seine Frau sah, daß der Hodscha so rasch
wieder nach Hause kam, fragte sie ihn: „Was
gibts denn? warum kommst du so bald schon zu-
rück?"
Und er erzählte ihr, wie es war, und fuhr fort:
, (Segen über ihn, über diesen klugen Mann! ich
hätte mich meiner Seele nicht darauf besonnen,
daß es eine richtige Dummheit ist, heuer Wein-
156
Stöcke zu pflanzen und erst nach drei Jahren -
Trauben zu verkosten!"
DEr Hodscha war bei regnerischem Wetter 486.
über Land gewesen. Als er heimkam, zog
ihm seine Frau die Schuhe aus und hängte sie
zum Feuer, damit sie trocken würden; er aber
stand auf und sagte: „Bist du dumm! Warum
tust du die Schuhe zum Feuer, damit sie ver-
brennen? Trag sie lieber vors Haus in den
Mondschein; es ist ja draußen wie bei Tage,"
Die Frau gehorchte ihm und hängte die
Schuhe vors Haus, Als sie sie dann am Morgen
hereinholte, und als er bemerkte, daß sie von der
Winterkälte und dem Winde steif geworden
waren, sagte er: „Siehst du jetzt, um wie viel der
Mond besser trocknet als das Feuer? ich ver-
wundere mich auch gar nicht, daß er sie getrock-
net, ja sogar geradezu ausgedörrt hat!"
157
Griechische Überiieferungen
Eines Tages nahm der Hodscha Nasreddin 487.
seinen Esel beim Zaume und zog ihn so
hinter sich her. Einige Gassenjungen, die das
sahen, beschlossen, den Esel zu stehlen, ohne daß
der Hodscha etwas davon merkte, und einer von
ihnen sagte zu seinen Kameraden: ,,Ich will die
Sache durchführen; ihr müßt aber mit dem Esel
sofort, wann ihr ihn habt, auf den Markt gehn
und ihn verkaufen." Und so liefen sie dem Hod-
scha nach.
Nach einem kleinen Stück Weges nahm der
Knabe dem Esel den Zaum ab, legte sich ihn
selber um und lief so, mit dem Zaume um den
Kopf, hinter dem Hodscha her; unterdessen nah-
men die andern den Esel und brachten ihn auf
den Markt, um ihn zu verkaufen.
Nach einer Weile sah sich der Hodscha um,
und da sah er, daß er anstatt eines Esels einen
Menschen angehalftert führte. „Wer bist du?"
fragte er ihn. „Ich bin dein Esel," sagte der
Gassenjunge, „und bevor ich ein Esel geworden
bin, war ich ein Mensch; weil ich aber eines Tages
meinen Eltern Kummer bereitet habe, haben sie
mich verflucht und ich bin ein Esel geworden.
Zuerst hat man mich an einen Bäcker verkauft,
dann an einen Gärtner, und zum Schlüsse habt
Ihr mich gekauft. Eben jetzt, als Ihr mich hinter
Euch herzogt, haben mich meine Eltern auf der
Straße gesehn; sie hatten Mitleid mit mir und
baten Gott und, siehe da, auf einmal bin ich
wieder ein Mensch geworden!"
Verdutzt griff der Hodscha in seinen Bart und
sagte nach einer kurzen Überlegung: „Was du da
sagst, ist ja nicht unglaublich, wenn es auch nicht
Nasreddin, II. H if.i
gerade mich hätte treffen müssen. Geh also, mein
Kind, und betrübe deine Eltern künftighin nicht
mehr," Und damit entließ er ihn.
Da er aber ohne Esel nicht sein konnte, ging
er auf den Markt, um einen zu kaufen. Dort sah
er nun den seinigen, wie er von dem Ausrufer
zum Verkaufe herumgeführt wurde; er trat leise
an ihn heran und sagte ihm ins Ohr: ,,Du bist
wieder ein Esel geworden, hast also deine Eltern
wieder erzürnt. Vorwärts also, komm wieder in
meinen Stall; du bist nicht danach, daß du wieder
ein Mensch würdest," Und völlig überzeugt, daß
der Esel der seinige sei, nahm er ihn wieder
zurück.
488. T^^'' Hodscha wollte seinen Esel verkaufen; er
JLy führte ihn hinaus und übergab ihn dem Aus-
rufer. Der beschrieb, indem er ihn herumführte,
seine Vorzüge, daß er brav, jung, kräftig, schnell
usw. sei. Die Käufer, die das hörten, überboten
einander; da nun aber auch der Hodscha glaubte,
sein Esel habe diese Vorzüge tatsächlich, wollte
er nicht, daß er in fremde Hände komme, und
begann auch selber mitzubieten. Und so blieb
ihm schließlich der Esel; er nahm ihn also und
führte ihn wieder nach Hause und erzählte die
ganze Geschichte seiner Frau,
Die hatte an eben diesem Tage Lust nach
Schlagsahne gehabt und hatte, während ihr der
Milchhändler die Sahne zuwog, verstohlen und
ohne daß er es bemerkt hätte, ihre goldenen Arm-
bänder von den Händen gezogen und sie in die
Wagschale zu den Gewichten geworfen, um den
Milchhändler zu betrügen und mehr Sahne zu
162
erhalten. Das mußte sie dem Hodscha erzählen
und der sagte nun zu ihr: ,,Sehr gut, Frau; so
wollen wir denn fortan alle beide unser Haus-
wesen fördern: ich draußen und du daheim,"
DEr Hodscha ging einmal in ein Bad. Die 489.
Wärter gaben ihm ein altes Badetuch ^ und
ein beschmutztes baumwollenes Reibzeug " und
behandelten ihn nicht so, wie es sich gehört hätte.
Der Hodscha sagte nichts, hinterließ aber, als er
aus dem Bade wegging, auf dem Spiegel zehn
Asper, einen Betrag, den damals nur sehr reiche
Leute geben konnten, und darüber waren die
Wärter sehr erstaunt.
Nach einer Woche ging er wieder in dasselbe
Bad, und nun setzten die Wärter eine Ehre
darein, ihm alle Aufmerksamkeit und Hoch-
achtung zu erzeigen. Der Hodscha sagte wieder
nichts, hinterließ aber beim Weggehn nur einen
Asper auf dem Spiegel, Wieder wunderten sich
die Wärter, und sie sagten zu ihm: ,,Was ist
das?"
Er antwortete ihnen: ,, Dieser eine Asper ist
die Bezahlung für das Bad in der vergangenen
Woche; die zehn Asper, die ich euch in der ver-
gangenen Woche gegeben habe, sind die Be-
zahlung für das heutige."
DEr Hodscha kaufte einmal auf dem Markte 490.
Gemüse und warf es in seinen Sack; dann
bestieg er seinen Esel, um heimzukehren, und
1 Im Originale nfaitfiäXi.
11* 163
nahm den Sack auf seine Schultern, Unterwegs
begegnete ihm einer und der fragte ihn, warum
er den Sack nicht dem Esel auflege, sondern ihn
selber trage.
Er antwortete: ,, Damit das arme Tier nicht
gar zu müde wird."
491. I|^ Iner gab dem Hodscha ein Hemd, damit er es
Jutf auf dem Markte verkaufe. Das Hemd war
aber gestohlen, und das wußte der Hodscha, Auf
dem Markte wurde nun in der großen Menge dem
Hodscha das Hemd gestohlen.
Als er zurückkam fragte ihn der, der ihm das
Hemd gegeben hatte, um wie viel er es verkauft
habe, und der Hodscha antwortete: ,,Der Markt
war heute sehr flau, und darum habe ich es um
deinen Preis verkauft, um so viel nämlich, wie
du dafür gezahlt hast."
492. "P^^'^ Hodscha brachte seinen Esel auf den
JL/ Markt und übergab ihn dem Ausrufer. Es
kam ein Käufer, und der wollte die Zähne des
Esels betrachten, um sich über sein Alter zu
unterrichten; aber der Esel biß ihn. Es kam ein
anderer Käufer, und der hob ihm den Schwanz
auf; aber der Esel schlug aus. Nun sagte der
Ausrufer zum Hodscha: „Deinen Esel da kauft
niemand; denn wer von vorn an ihn herantritt,
den beißt er, und wer von hinten kommt, den
schlägt er,"
„Das ist es ja," antwortete der Hodscha; „ich
habe ihn auch nicht hergebracht, um ihn zu ver-
kaufen, sondern damit die Welt sieht, was ich die
Zeit her von ihm zu leiden gehabt habe."
164
Einmal zankte sich der Hodscha in der Nacht 493.
mit seiner Frau, und die gab ihm in ihrer
Wut einen Fußtritt, daß er die Treppe hinunter-
kollerte. Als es Tag geworden war, fragten die
Nachbarn, die diesen Lärm gehört hatten, den
Hodscha, was geschehn sei, und er antwortete,
daß er mit seiner Frau einen Streit gehabt habe.
„Sehr gut," antworteten sie, ,,aber was war
das für ein Lärm?"
„Bei dem Streite", sagte er, „ist meine Frau
sehr zornig geworden, und da hat sie meinen
Kaftan mit einem Fußtritte über die Treppe
hinabgestoßen."
Als sie ihm aber vorhielten, daß ein Kaftan,
wenn er hinuntergestoßen werde, nicht imstande
sei, einen solchen Lärm zu verursachen, sagte er:
„Ach, warum nötigt ihr mich so? begreift ihr
denn nicht, daß in dem Kaftan ich gesteckt
habe?"
Ein Freund ersuchte den Hodscha um ein 494.
wenig Geld und um etwas Frist. Der Hod-
scha antwortete: „Geld kann ich dir nicht geben,
aber Frist gebe ich dir, weil du mein Freund bist,
soviel du willst."
Eines Tages hatte der Hodscha seinen Esel 495.
verloren; als er ihn suchen lief, fragte er die
Leute, ob sie ihn gesehn hätten, sagte aber dabei
gleichzeitig: „Preis sei dem Herrn!"
Man fragte ihn, warum er Gott preise, und
er antwortete: „Ich preise den Herrn, weil ich
nicht oben gesessen habe; denn hätte ich oben
165
gesessen, so wären wir unfehlbar alle beide in
Verlust geraten."
496. I \E,T Hodscha hatte wieder einmal seinen Esel
J_-/ verloren; da ließ er den Ausrufer ver-
kündigen: „Wer denundden Esel findet, der mag
ihn als Finderlohn behalten samt Halfter und
Sattel."
497. 1^^ Iner sagte zum Hodscha: „Dort tragen sie
l2ä eine Gans,"
Der Hodscha antwortete: ,,Was geht das
mich an?"
„Sie tragen sie zu dir ins Haus."
„Was geht das dich an?"
498. t^ Ines Tages kaufte der Hodscha eine Leber;
JZtf als er sie nach Hause trug, begegnete ihm
ein Freund, und der fragte ihn, wie er sie zu-
bereiten werde. Der Hodscha antwortete, er
werde sie so zubereiten, wie man das allgemein
gewöhnlich tue. ,,Ach nein," sagte der Freund,
„es gibt eine andere Zubereitungsart, die werde
ich dich lehren, und wenn du die Leber auf diese
Weise zubereitest, so wirst du sehn, was das für
ein Wohlgeschmack werden wird,"
Darauf sagte der Hodscha: „Im Gedächtnis
kann ich das nicht behalten; schreib mir deine
Anweisimg auf einen Zettel, und ich schaue dann
auf das Geschriebene und koche danach."
Wie nun der Hodscha mit neugieriger Lüstern-
heit heimging, riß ihm ein Falke die Leber aus
der Hand und stieg damit in die Höhe. Ohne
irgendwie ärgerlich zu werden, zeigte ihm der
166
Hodscha das Rezept seines Freundes und rief
ihm zu: „Du bemühst dich umsonst, die Speise
bringst du ja doch nicht fertig; die Leber hast du
mir wohl genommen, den Zettel aber nicht."
DEr Hodscha Nasreddin hatte, wenn er einen 499.
Schüler wegschicken wollte, damit er den
Krug beim Brunnen fülle, die Gewohnheit, den
Schüler zuerst zu prügeln und ihm erst dann den
Krug einzuhändigen. Da fragte ihn einmal einer
seiner Freunde: ,, Warum prügelst du eigentlich
den Schüler, wann du ihm den Krug gibst?"
Nasreddin antwortete ihm: „Damit er acht-
gibt, daß er ihn nicht zerbricht; denn wann er
einmal zerbrochen ist, dann ist es unnütz, ihn zu
prügeln,"
IN der Zeit, wo der Hodscha Nasreddin sein 500.
Feld bearbeitete, ging er jeden Morgen hin,
zeigte es dem Himmel und sagte; ,,Herr, dies ist
das Feld deines Dieners; ich bitte dich, begieße
es ordentlich, damit es Frucht trage," Damit
fuhr er eine lange Zeit fort, bis eines Nachts ein
Platzregen fiel; und da sagte er: ,,Auf meinem
Felde werden jetzt Ähren wachsen, so groß
wie ich."
Nachdem er am Morgen in heller Freude auf-
gestanden war, ging er sein Feld besuchen; als
er aber hinkam, erkannte er nicht einmal den
Ort mehr. Sein Feld war nämlich an einem
Gießbache gelegen, und den hatten die von oben
kommenden Wassermassen so überschwemmt und
so anschwellen lassen, daß Nasreddin nicht mehr
wußte, wo sein Feld war. Als er sah, in was für
167
einem Zustande es war, erhob er Augen und
Hände zum Himmel und sagte: „Du bist nicht
daran schuld, Herr; schuld daran bin ich Dumm-
kopf, weil ich dir mein Feld gezeigt habe."
501. "pines Nachts beklettelte sich der Hodscha
IZä Nasreddin im Schlafe; als er dann am
Morgen beim Erwachen sah, in was für einer
Verfassung er war, sagte er zu seiner Frau, weil
er sich vor ihr schämte: „Ach Weib, heute Nacht
habe ich einen entsetzlichen Traum gehabt, so
daß ich noch immer zittere. Da waren drei
Minarete, eines auf dem andern, und in der
Spitze des dritten steckte eine Nadel, und auf
der Nadel war ein Tisch, und auf dem Tische saß
ich, und ich habe wohl geschrien, weil sich der
Tisch so bewegte, daß, wenn er gefallen wäre,
auch ich mit ihm gefallen wäre, und ich hätte
mich zum mindesten in tausend Stücke zer-
schlagen."
Seine Frau sagte: ,,Wenn ich einen solchen
Traum gehabt hätte, ich hätte mich sicher vor
Angst beklettelt."
Nun sagte Nasreddin: „Auch mir ist es so er-
gangen; aber behalte es bei dir und sag niemand
etwas."
502, |_|^In Bauer, der seinen Esel verloren hatte, bat
Cj den Hodscha Nasreddin, in der Moschee zu
verkündigen, daß ihn der Finder seinem Herrn
zurückgeben solle. Als das allgemeine Gebet
vorüber war, sagte Nasreddin: ,, Muselmanen, wer
von euch sein ganzes Leben lang keinen Kaffee
und keinen Schnaps getrunken hat, wer nie ge-
168
raucht hat, wer nie Karten, Brett oder Dame
gespielt hat, wer nie die Geselligkeit gesucht hat,
der trete vor, damit ich ihn sehe,"
Alle, die in der Moschee anwesend waren,
dachten, daß keiner dasei, wie ihn der Hodscha
beschrieben habe, und daß sich niemand unter-
stehn werde, vorzutreten; aber es trat doch einer
vor, und der sagte zum Hodscha: „Ich habe Zeit
meines Lebens weder Wein, noch Kaffee ge-
trunken, habe keinerlei Spiel gespielt und war
nie in einer Gesellschaft."
Da drehte sich der Hodscha um und rief:
„Wo ist denn der, der den Esel verloren hat?
Schau, da ist einer, den nimm; einen größern
Esel als den wirst du nie finden,"
Einmal kam ein Woiwode bei dem Dorfe des 593.
Hodschas Nasreddin vorbei; und die Ein-
wohner schickten Nasreddin als ihren Gesandten
zu ihm, damit er ihm die Huldigung aller Bauern
darbringe. Als der Woiwode Wuchs und Gestalt
Nasreddins sah, sagte er zu ihm: ,,Hat jsich denn
kein Mensch gefunden, den die Bauern hätten zu
mir schicken können, daß sie mir dich geschickt
haben?"
Unverzüglich antwortete Nasreddin: „Die
Menschen, Herr, schicken sie zu den Menschen;
mich haben sie zu dir geschickt,"
Einer von seinen Freunden fragte den Hod- 504.
scha Nasreddin: „Wie gehts dir mit deiner
Armut?"
„Sehr gut," antwortete der Hodscha.
169
Und der Freund fragte weiter: „Wie kann es
denn einem Armen gut gehn?"
Nasreddin antwortete: „Ich habe mich daran
gewöhnt, mein Freund; darum gehts mir gut."
505. "pinmal baute der Hodscha einen Backofen,
12ä Als den seine Nachbarn besichtigten, sagte
der eine, die Tür hätte nach Osten gehört, der
andere nach Westen, wieder einer nach Süden,
und kein einziger war mit dem Erzeugnis Nasr-
eddins einverstanden.
Geärgert darüber riß Nasreddin den Ofen
nieder und baute ihn nun auf einen Wagen, Die
Nachbarn kamen wieder zur Besichtigung und
begannen auch wieder zu tadeln, daß die Tür
nicht die richtige Lage habe; aber als der erste
sagte: ,,Die Tür sollte hier sein", antwortete
Nasreddin: „Wartet", und drehte den Wagen, bis
die Tür dort war, wo dieser Nachbar gesagt hatte.
Und als ein anderer sagte: ,,Die Tür müßte dort
sein", drehte er sofort wieder den Wagen, und
so tat er allen seinen Nachbarn Genüge,
Und er sagte: ,, Einen bessern Weg, so vielen
Leuten und mir selber den Willen zu tun, habe
ich nicht gefunden,"
506.
Tische ging, nahm er das Stück Mastix aus
dem Munde und klebte es auf die Nasenspitze.
Einer von seinen Freunden fragte ihn: „Warum
tust du das?"
^ Das Pistazienharz, das im Orient zur Zahnpflege
und zur Zahnreinigung dient,
170
Er antwortete: „Es ist ganz gut, wenn man
das, was einem gehört, vor Augen hat."
ETliche Leute fragten den Hodscha Nasreddin: 507.
„Hast du deine Schuld bezahlt?"
Er antwortete: „Bezahlt nicht, aber leichter
gemacht habe ich sie mir."
„Und wie", sagten sie, „hast du sie dir leichter
gemacht, ohne sie zu bezahlen?"
Nasreddin antwortete: „Ich habe sie ver-
jähren lassen."
DEr Hodscha Nasreddin war einigen Freunden 508.
Geld schuldig, und denen sagte er immer,
daß er sie am Sonntage bezahlen werde; auf
diese Weise drückte er sich um die Bezahlung.
Eines Tages kamen nun mehrere Gläubiger zu
ihm und fragten seine Frau, wie er sie bezahlen
wolle. Sie antwortete ihnen, der Hodscha habe
am Tage vorher genügend viel Distelsamen ge-
kauft, den werde er auf dem Felde aussäen, die
Disteln, die davon wüchsen, die würden sie auf
die Straße streuen, wo die Tiere mit den Baum-
wollelasten vorüberkämen, und aus dem Erlöse
für die Baumwolle, die an den Disteln hängen
bleiben werde, würden alle Gläubiger bezahlt
werden.
Über diese Antwort der Frau lachten alle
übermäßig, aber sie entgegnete darauf und sagte
zu ihnen: ,, Jetzt lacht ihr freilich, weil ihr die
Sicherheit habt, bezahlt zu werden,"
DRei Männer, die ein Säckchen mit Nüssen 509.
gefunden hatten, kamen zu Nasreddin und
baten ihn, die Nüsse nach Gottes Weise unter
171
sie zu teilen. Nasreddin öffnete den Sack und
gab dem einen ein paar Nüsse, dem andern
etliche mehr und dem dritten alles, was der Sack
noch enthielt.
Daraufhin sagten die drei zu ihm; „Du hast
nicht ordentlich geteilt, Hodscha,"
Aber der Hodscha antwortete ihnen: „So teilt
Gott, ihr Dummköpfe! dem einen gibt er viel,
dem andern gar nichts; hättet ihr mir gesagt, ich
solle sie unter euch nach Menschenweise ver-
teilen, so hätte ich die drei Teile gleich groß
gemacht."
510. TN der Absicht, bei seinem Nachbar etliche
X Zwiebeln zu stehlen, stieg Nasreddin auf das
Dach und versuchte, durch das Rauchloch in das
Haus des Nachbars hinabzusteigen. Nun hielt er
einen Schatten, den das Mondlicht machte, für
einen Balken und setzte unvorsichtigerweise den
Fuß darauf; so stürzte er vom Rauchloche
hinunter und fiel in den Herdwinkel des Nach-
bars, wobei er sich den Fuß garstig brach. Auf
diesen Lärm erwachte der Nachbar und er rief
seinem Weibe zu, sie solle rasch Licht machen,
damit er den Dieb greife.
Aber der Hodscha sagte zu ihm: „Beeile dich
nicht, Nachbar; nach dem Sturze, den ich getan
habe, wirst du mich nicht nur heute, sondern
auch morgen hier haben."
512. T^^^ Hodscha Nasreddin verkaufte die Gurken
1^ seines Gartens, und von dem dafür gelösten
Gelde kaufte er einen Esel. Als er den nun
einmal mit Holz beladen nach Hause trieb, glitt
172
der Esel in einem Flusse, über den sie zu setzen
hatten, aus, fiel nieder und ertrank. Ohne
darüber auch nur im geringsten zornig zu wer-
den, sagte der Hodscha: ,,Der aus dem Gurken-
gelde gekaufte Esel stirbt eben durchs Wasser."
DEr Hodscha Nasreddin fragte seinen Sohn, 512.
ob er schon in seinem Leben eine süße
Speise gegessen habe, und der Sohn antwortete
mit Nein. Nun fragte ihn der Hodscha von
neuem: ,,Was ist denn dann das, was du alle
Tage ißt?" Der Junge antwortete; ,, Trockenes
Brot." Und Nasreddin sagte zu ihm: „Und
glaubst du denn, daß es auf der Welt noch eine
süßere Speise gibt als das trockene Brot?"
DEr Hodscha Nasreddin saß einmal in einem 513.
Garten, und da betrachtete er, wie schwach
die Wurzeln der Kürbisse und Melonen seien im
Gegensatze zu der Größe der Kürbisse und
Melonen; und da er im Schatten eines Nuß-
baumes saß, fiel es ihm auf, daß umgekehrt der
Nußbaum so groß und die Nüsse so klein seien.
Und er sagte zu sich: „Eine merkwürdige Sache!
Gott hat sich doch bei seiner Schöpfung wenig
Mühe gemacht; sonst hätte er nicht die Kürbisse
und Melonen, die nach ihrer Größe an großen
Bäumen wachsen sollten, an kleinen Pflanzen ge-
schaffen, die Nüsse aber, die ganz klein sind,
umgekehrt an großen Bäumen."
Während er noch diesen Gedanken und
Zweifeln nachhing, fiel plötzlich durch einen
starken Windstoß eine Nuß mit Heftigkeit vom
Baume und traf ihn an der Stirn; das verursachte
173
ihm einen außerordentlichen Schmerz, und nun
sagte er: ,,Ach, Gott hat schon gewußt, was er
tat, und ich habe es schlecht bedacht; denn wäre
die Nuß, die heruntergefallen ist und mich ge-
troffen hat, ein Kürbis oder eine Melone gewesen,
dann weh mir! sie hätte mir wahrhaftig den Kopf
zertrümmert."
514. "pines Nachts ging der Hodscha Nasreddin aus,
AZj um in einem Laden zu stehlen, und nahm
eine Feile mit. Er feilte gerade an dem Schlosse
der Ladentür, als zufällig einer seiner Freunde
daherkam; und der fragte ihn; ,,Was machst
du da?"
Der Hodscha antwortete: ,,Ich spiele Geige."
Nun fragte ihn sein Freund: „Aber man hört
ja keinen Klang von deiner Geige?"
Nasreddin antwortete ihm: ,, Morgen wirst du
schon den Klang hören,"
Am Morgen hörte er dann, daß der Laden
von demunddem in dieser Nacht ausgeraubt
worden war,
515. TN dem Viertel, wo der Hodscha Nasreddin
X wohnte, war ein Backofen, und den besuchte
der Hodscha manchmal gegen Mittag und zog
den Wohlgeruch der verschiedenen Braten ein.
Eines Morgens brachte nun der Mulazim ^
eine Gans und übergab sie dem Garkoch, damit
sie zu Mittag fertig sei. Als sie gebraten war,
nahm sie der Garkoch aus dem Ofen und legte
sie zusammen mit den andern Speisen auf die
^ Etwa Polizeileutnant.
174
Bank; und er wartete auf den Mulazim, um sie
ihm zu übergeben. Um diese Stunde kam dort
Nasreddin vorbei, der damals der Kadi des
Dorfes war, und er blieb vor dem Backofen stehn,
um die Speisen zu bewundern; aber mehr als
alles andere schien die Gans seine Lust zu reizen,
und er fragte den Garkoch, wem sie gehöre.
,,Dem Mulazim, Effendi," antwortete der Gar-
koch.
„Schick sie sofort zu mir," befahl der Hodscha.
,,Aber was mach ich dann mit dem Mulazim?
Was gebe ich ihm, wann er kommt?"
,, Schick sie augenblicklich zu mir, sage ich
dir," sagte der Hodscha beharrlich und fuhr fort:
„Es ist besser für dich, du hast den Kadi zum
Freunde als den Mulazim. Schick sie und du
wirst es nicht bereuen."
,,Aber was sage^ ich dem Mulazim, wann er
kommt?"
,,Dem sagst du," antwortete der Hodscha,
„daß sie inwendig aus dem Ofen weggeflogen ist,
und kümmere dich weiter um nichts,"
Als der Garkoch die Beharrlichkeit des Kadis
sah, schickte er ihm die Gans ins Haus, weil er
ihn nicht verdrießlich machen wollte.
Nach fünf Minuten erschien der Mulazim und
verlangte seine Gans.
Mit der unschuldigsten Miene nahm der Gar-
koch die Schaufel und fuhr damit in den Ofen,
um scheinbar die Gans zu suchen; er drehte sie
hieher, er drehte sie dorthin, aber umsonst,
,, Merkwürdig," sagte er , immer herum-
stöbernd, „sie muß weggeflogen sein."
„Vorwärts, mach schnell," entgegnete der
175
Mulazim; „es ist meine Essenszeit und ich habe
einen teuflischen Hunger."
Aber die Gans kam nicht zum Vorschein,
Der Mulazim hatte unterdessen zu schreien
angefangen, der Garkoch stocherte fortwährend
weiter, wobei er immer wiederholte, die Gans
scheine davongeflogen zu sein, und vor der Bank
sammelte sich eine Menge Leute an. Schließ-
lich verlor der Mulazim die Geduld und er stürzte
sich auf den Garkoch; der riß die Schaufel aus
dem Ofen, um sich damit zu verteidigen, aber
dabei flog der Schaufelgriff einem Juden, der
dabeistand , ins Gesicht und schlug ihm ein
Auge aus.
Als der Garkoch sah, in welch schlimmer
Lage er war, sprang er über die Bank und lief,
um sich zu retten; aber ihm setzte nicht nur der
Mulazim nach, sondern auch der Jude und die
Freunde des Juden,
Auf dem Wege war eine Haustür offen und
dort lief er hinein, um sich zu verbergen. In dem
Hofe saß aber eine schwangere Frau, und als die
sah, wie er plötzlich hereinstürzte und was für
eine Menge ihn verfolgte, erschrak sie und tat
eine Fehlgeburt,
Der Garkoch versteckte sich in einen Winkel,
um iiicht gefangen zu werden; aber zu denen, die
ihn schon gejagt hatten, gesellten sich nun noch
die Verwandten der Frau, Das Haus hatte zum
Glücke auch eine Hintertür; durch die lief der
Garkoch hinaus, die ganze Menge hinter ihm, und
er rannte in eine Moschee, um sich zu retten, und
stieg auf das Minaret. Da sie ihm aber auch dort-
hin nachkamen, warf er einen Blick hinunter; und
176
weil er bedachte, daß sie, wenn er dort bliebe,
heraufkommen und ihn niedermachen würden,
stürzte er sich vom Minaret hinunter auf das
Pflaster, just auf einen jüdischen Geldwechsler,
der dort gebückt auf seiner Bank saß, und der
war auf der Stelle tot.
Nun erreichten ihn seine Verfolger, und sie
schleppten ihn vor den Kadi. Der hatte sich eben
zu Tische gesetzt, um die Gans zu verzehren.
Sie fingen alle miteinander zu schreien an,
was jeder von dem Garkoch erlitten hatte, ,, Still,
der Reihe nach," sagte streng der Hodscha, der
augenblicklich den Tisch verließ und in sein
Amtszimmer ging, wo das große heilige Buch war,
nach dem er Recht sprach; und er sagte zu dem
Mulazim; ,,Was willst du von dem Manne da?"
„Effendi, am Morgen habe ich ihm eine Gans
gebracht, damit er sie brate, und jetzt sagte er
mir, sie sei weggeflogen. Ich verlange, daß er
mir meine Gans wiedergibt,"
Der Hodscha öffnete sofort das Buch, wandte
einige Blätter um und las vor, daß alle hundert
Jahre einmal ein solches Wunder geschehe, und
es seien gerade hundert Jahre, seitdem das letzte
geschehn sei; und glückselig sei der zu preisen,
der dabei die Gans verloren habe, weil die ins
Paradies geflogen sei und ihn dort erwarte.
Freudestrahlend entfernte sich der Mulazim.
Als zweiter kam der Jude mit dem ausgeschlage-
nen Auge.
„Effendi, der Garkoch hat mir mit der Schau-
fel das Auge ausgeschlagen."
Der Hodscha blätterte wieder in dem Buche
und las, es sei natürlich recht und billig, daß sich
Nasreddin, II. 12 177
nun der Garkoch hinstelle, damit ihm der Jude
ein Auge ausschlage; weil aber nach dem Buche
ein Auge eines Osmanen so viel wert sei, wie
zwei eines Juden, müsse sich der Jude zuerst
hinstellen, damit ihm der Garkoch auch noch das
andere ausschlage, und dann dürfe er dem Gar-
koch eines ausschlagen. Der Hodscha hatte
seinen Spruch noch nicht beendigt, so war der
Jude schon unsichtbar geworden.
Als dritter kam der Gatte der Frau, die die
Fehlgeburt getan hatte. Über diesen Fall schrieb
das Buch, daß der Garkoch mit der Frau ein
andres Kind machen solle. Es ist begreiflich,
daß es auch der dritte Kläger vorzog, sich davon-
zumachen.
Zum Schlüsse kam der Bruder des erschlage-
nen Geldwechslers.
Wieder wandte der Hodscha die Blätter um,
und er fand, daß der Kläger den Garkoch auf
dieselbe Weise töten solle: der Garkoch müsse
sich nämlich unter das Minaret setzen, und er
solle sich von oben auf ihn fallen lassen und ihn
also töten.
Nachdem daher auch der letzte Reißaus ge-
nommen hatte, dankte der Garkoch dem Hod-
scha; und jetzt erinnerte er sich der Worte des
Hodschas, daß es für ihn besser sei, den Kadi als
den Mulazim zum Freunde zu haben.
178
Anmerkungen
literatur- und stoffgeschichtlichen Inhalts
12^
IL Arabische Überlieferungen
1. Aus dem Nawadir el chodscha nasr ed-din
effendi dschoha
339. Nawadir, S. 2 (Basset RTF, XVI, S. 458) ; Buadem,
Nr. 84; Trefäi, Nr. 124; Serbisch, S. 80 ff.; Kroatisch, S. 51.
Als älteste Version nennt Basset am angegebenen Orte
eine Erzählung al Masudis ^ in den Prairies d'or, Paris,
1861 ff., V (Basset schreibt VII), S, 390 ff. von einem
Araber der Wüste und von Haddschadsch, dem Feldherrn
Abdulmeliks (685 — 705) ; vgl. aber auch Bar-Hebraeus,
S. 151, Nr. 602.
340. Nawadir. S. 2 (RTF, XVI, S. 459).
341. Nawadir, S. 2 [RTF, XVI, S. 459); Buadem,
Nr. 85; Trefäi, Nr. 125; Serbisch, S. 81; Kroatisch, S. 48.
Fourberies, S. 17,
342. Nawadir, S. 2 (RTF, XVI, S. 460); Buadem,
Nr. 92; Trefäi, Nr. 126; Fourberies, Nr. 1; Serbisch, S, 84;
Kroatisch, S. 59 ff.
Fourberies, S. 17; Trefäi, S. 13,
Roda Roda, S. 154.
343. Nawadir, S. 2 (RTF, XVI, S, 460); Buadem,
Nr. 93 und 132; Serbisch, S. 84; Kroatisch, S. 40.
Die Schnurre kehrt im Nuzhat al udaba in zwei
Fassungen wieder, von denen eine auf Dschoha bezogen
ist (Basset in der RTF, XV, S. 673 und im Keleti Szemle,
I, S. 222).
Vgl. dazu folgende Stelle im Roger Bontemps en Belle
humeur, Cologne, 1670, S, 357:
Or un certain Seigneur du pays de Bretagne en avoit
un (bouffon) le plus plaisant qui se pouvoit rencontrer,
non seulement en ses actions, mais aussi en reparties: un
jour l'ayant envoye de Paris ä Lion pour aller resiouir
un sien Cousin qui estoit malade, passa par une ville oü
über Masudi vgl. Brockelmann , I, S. 143 ff. ; er ist 9S6 gestorben.
181
l'on faisoit garder les portes ä raison de la contagion,
Le Capitaine le voyant asses bien montre, se voulut in-
former qu'il estoit, et d'oü il venoit; c'est pourquoy il luy
demanda: Monsieur oü alles vous maintenant? Monsieur,
respondit le boufon, il le faut demander ä ma beste, c'est
eile qui me meine.
344. Nawadir, S. 2 (RTP, XVI, S.461]; Trefäi. Nr. 127;
Fourberies, Nr, 8,
345. Nawadir, S. 3; Trefdi, Nr. 128. Von Giufä: Gon-
zenbach, I, S. 51 ff.; Pitre, III, S. 366, Nr. 9 und 378;
Crane, S. 297. Von Dschahan: Ilg, II, S. 44, Nr. 93.
Gonzenbach, II, S. 228; Pitre, III, S. 376; Crane, S.380;
Fourberies, S. 18; Köhler-Bolte in der ZW, VI, S, 73;
Köhler, I, S. 99 und 341.
Merkwürdigerweise nirgends erwähnt finde ich die
Fassung des Kathd Sarit Sdgara, II, S. 77; weiter seien
genannt die letzte Erzählung des Sackful of News (Hazlitt,
II, S. 187; dazu Clouston, Noodles, S. 97 ff.), Merkens, III,
S. 142, Nr. 140, Böhm, Lettische Schwanke, S. 44 (dazu
S. 117) und Frison, Contes et legendes de Basse-Bretagne,
Nr. 66 in der RTP, XXII, S. 404 ff.
In vielen Überlieferungen klettert der oder die Dumme,
oft auch ein Mann mit seiner dummen Frau, auf einen
Baum; es kommen Diebe, die dort ihre Beute teilen wollen,
und die suchen, als schließlich die Tür von oben auf sie
herunterfällt, das Weite, indem sie alles zurücklassen. Zu
dieser Art Erzählungen gehören auch die meisten der an
den oben angeführten Stellen beigebrachten Varianten,
wozu noch kommen F. M. Luzel, Contes populaires de
Basse-Bretagne, Paris, 1887, III, S. 396 f f ., P. Sebillot,
Contes et legendes de la Haute-Bretagne, Nr, 96 in der
RTP, XXIV, S. 142 ff., Pitre, Novelle popolari toscane,
S. 186 ff. (von Giucca matto) und S. 193, R. Forster, Fiabe
popolari dalmate, Nr. 13 im Archivio, X, S. 313 ff,, Ilg, II,
S. 37 ff. und Merkens, I, S. 204 ff ., Nr. 247; vergl, auch
Archiv für slavische Philologie, XXII, S. 309. In dem
Märchen, wozu Cosquin, I, S, 241 ff, die in Rede stehen-
den Züge bespricht, ist das Mitnehmen der Tür anders
motiviert; ebenso bei J, Fleury, Litterature orale de la
Basse-N ormandie, S, 161 ff., bei Jacobs, English Fairy
182
Tales, S. 28 ff, (s. auch S, 231) und bei demselben, More
English Fairy Tales, S. 10 ff. (s. auch S. 220 ff.). Eine
Kuhhaut fällt auf die teilenden Diebe bei Luzel, III,
S. 414 ff. und 427 ff. und bei Carnoy, Litterature orale de
la Picardie, S. 192 ff, (s. Cosquin, II, S, 225 ff.); in den
Folk Tales from Tibet von W. F, O'Connor, S, 35 ff, genügt
es, daß der auf dem Baume sitzende einen Anteil an der
Beute verlangt, um die Diebe zur Flucht zu veranlassen.
Ähnliche Geschichten bringen Cosquin, II, S, 108 ff., 112 ff,
und 115, ferner Andrews, Contes ligures, S. 90 ff., Monnier,
S. 238 ff. und Ilg, II, S, 5 ff. Zu d e m M o t i v e v o n
der Verscheuchung der Diebe vgl. weiter die
Nrn, 428 und 446.
346, Nawadir, S, 3 [RTP, XVII, S, 36).
Die Geschichte stammt aus Bar-Hebraeus, dessen
615. Facetie (S. 154) lautet:
When another silly man was Cracking an almond the
kernel slipped away out bis hands, and he said, ,,Glory
be to Thee, 0 G6od, for even the kernel of the almond
trieth to escape cieath."
347. Nawadir, S. 4 {RTF, XVII, S. 92 ff.),
Fourberies, S, 18 ff.; Hartmann, S. 50,
Diese Fassung des weitverbreiteten Motives von der
Vertauschung eines Toten gegen einen
Hammel stimmt so ziemlich mit Fourberies, Nr, 21
überein. Seine anscheinend älteste Form steht in der
Sprichwörtersammlung Maidanis [Arabum proverbia, I,
S. 403) und ist in al Kaljubis Nawadir übergegangen; sie
lautet nach Bassets Übertragung in der RTP, XV, S, 41:
Man erzählt, daß Dschoha bei Tagesanbruch aus dem
Vorraum seines Hauses gekommen und über einen Leich-
nam gestolpert ist, der dort lag; er warf ihn in einen
Brunnen, Sein Vater zog den Toten, als er davon erfuhr,
heraus und begrub ihn; dann erwürgte er einen Hammel
und warf ihn in den Brunnen. Die Verwandten des Toten
begannen die Straßen Kufas zu durchstreifen und nach-
zuforschen, Dschoha sah sie und sagte zu ihnen: ,,Der
Leichnam ist in unserm Brunnen," Sie gingen hin und
ließen ihn hinabsteigen, damit er den Leichnam herauf-
183
bringe. Als er unten war, rief er: „Hatte der Tote
Hörner?" Alle lachten und gingen weg.
Zu der arabischen Variante aus Tunis, die als Nr. 383
wiedergegeben ist, und zu ihrem augenscheinlich ver-
dorbenen berberischen Gegenstücke, der Nr. 415, gibt es
zahlreiche Parallelen, darunter, wie Basset bemerkt, noch
eine Dschohageschichte bei Mornand, La vie arabe, Paris,
1856, S. 117, in die ebenso wie in die tunisische Erzählung
das noch zu besprechende Motiv des Wurstregens
verwoben ist, und eine von Abu Nuwas bei Pharaon,
S. 182 ff.; von einem Ungenannten erzählt Riviere in dem
Recueil de contes populaires de la Kabylie du Djurdjura,
Paris, 1882 ff.: La tete d'un cheik i.
Das Motiv ist wie so viele andere mit Dschoha ver-
knüpfte nach Sizilien übergegangen; man vergleiche die als
Nr. 430 mitgeteilte Giufäerzählung samt ihren Varianten.
Sicherlich auch dem Volksmunde nacherzählt ist die
21. Novelle Morlinis (meine Ausgabe S. 82 ff.), die bei
Straparola die 4. Novelle der 8. Nacht bildet.
Um den Leichnam eines jungen Mädchens, der mit
einer Ziege vertauscht wird, handelt es sich in zwei
Versionen, die Cosquin, H, S. 182 ff, zitiert, einer afghani-
schen bei Thorburn, Bannü or Our Afghan Frontier, Lon-
don, 1876, S, 207 ff, und einer indischen bei Minaef,
Indeiskija skasky, St, Petersburg, 1877, Nr, 15; hierher
gehören noch Swynnerton, S, 178 ff, und P. Sebillot,
Contes de la Haute-Bretagne. Nr, 45 in der RTF, XH,
S. 51 ff. Vgl, noch Clouston, Noodles. S, 152 ff„ Böhm,
Lettische Schwanke, S, 44 ff, und 117, Sebillot in der RTF,
Vn, S, 704 und Chauvin, VL S, 126,
In einem Märchen bei Cosquin, H, S. 317 ff, erzählt
ein Mann seiner Frau, um sich zu vergewissern, ob sie
ihn an den Galgen bringen würde, er habe seinen Gesellen
getötet und ihn im Walde verscharrt; die Frau plaudert,
und die Obrigkeit erfährt von der Sache, und als an dem
Platze im Walde nachgegraben wird, findet man den
Kadaver eines Schweines, Unter den vielen Varianten,
die Cosquin anführt, sind mehrere, wo der Mann mit dieser
Täuschung der Frau den Zweck verfolgt, die Richtigkeit
1 Der Verweis Bassets ifl der RTF, XVII, S. 93 auf Hammer, Rosenöl, II,
S. 308 ist irrtümlich,
184
der einen der ihm von seinem Vater erteilten drei Lehren
zu erproben; dazu vgl. Mussafia, Über eine altfranzösische
Handschrift der fi. Universitätsbibliothefi zu Pavia, Wien,
1870, S. 68 und Köhler, II, S. 402 ff. Dieser Zug, in dem
ich eine Reminiszenz an das Dschohamotiv Maidanis usw.
sehn möchte, findet sich auch in den zahllosen Be-
arbeitungen des Motivs von dem besten Freunde, dem
Hunde, und dem ärgsten Feinde, der Gattin, wovon hier
nur das 124. Kapitel der Gesta Romanorum (in Österleys
Ausgabe) und das 423. Stück von Paulis Schimpf und
Ernst genannt seien, and schließlich rudimentär auch in
den Geschichten von der Freundesprobe, wozu Chauvin,
IX, S, 15 ff. zu vergleichen ist.
348. Nawadir, S. 6 (RTF, XVII, S. 94 ff.); Mardrus,
S. %ff.; Fourberies, Nr. 4; Buadem, Nr. 100; Trefäi.
Nr. 132; Serbisch, S. 87; Kroatisch, S. 58.
Vgl. Hörn, S. 71, wo die Schnurre bei Zakani und in
dem Mesnewi von Dschelaleddin Rumi nachgewiesen wird;
nach Dschami erzählt Clouston, Flowers, S. 80, nach
dem Mesnewi (zit. Ausg. S. 364 ff.) Kuka, S. 97 ff.
349. Nawadir, S. 6 [RTF, XVII, S. 96); Buadem,
Nr. 101; Serbisch, S. 87; Kroatisch, S. 56.
Über den Prangerritt der Ehebrecherin
usw. vgl. man die 2. der pseudoplutarchischen Quaestiones
graecae (über die 'Oyoßnn; von Cumae), eine Stelle bei
Stobaeus über die Pisidier, zitiert bei Alexander ab
Alexandro, Geniales dies, Lugduni Batavorum, 1673, II,
S. 862, Österley, Baitdl Fachisi, Leipzig, 1873, S. 66 und
Liebrecht, Zur Volkskunde, Heilbronn, 1879, S, 386 ff .,
429 und 509.
350. Nawadir, S. 6 (RTF, XVII. S. 148).
Seine Nachweisungen in den Fourberies, S. 21 hat
Basset anläßlich der Übertragung dieser Erzählung er-
gänzt.
Vgl. auch mein Mönchslatein, S. 223 ff., Lee, The De-
cameron, S. 191 ff. und Ispirescu, S. 37 [Magazin, XCVI,
S. 580).
351. Nawadir, S. 7 [RTF. XVII, S, 480).
185
Fourberies, S. 22; Basset in der RTP, XVII, S, 480.
Siehe weiter Bolte, Die Singspiele der englischen
Komoedianten, Hamburg und Leipzig, 1893, S. 18, Eupho-
rion, XV, S, 12, Lee, The Decameron, S. 203 ff, und Chau-
vin, VIII, S. 39.
352. Nawadir, S. 8 [RTP, XVII, S, 149).
353. Nawadir, S. 8 [RTP, XVII, S. 149).^
Vgl. folgende persische Erzählung bei Kuka, S. 210:
A man who was given to jesting, and who would not
give up his habits even when he became old, was one day
adraonished by his neighbours and acquaintances, who
Said tho him: ,,You had better turn your toughts towards
prayers and repentance; now is not the time for you to
joke and jest. Devote your leisure hours to hearing the
Hadees read." He replied; ,,Rest assured, gentlemen,
I have not neglected the traditions. I have heard many,"
„Well, narrate to us one of them," said they. He rejoined:
„I have heard from Näfa'a, son of Yareed, that our Pro-
phet used to say that there are two qualifications which
every one ought to acquire if he wants to obtain happiness
both in this world and in the next,"
Kere our wag paused for a very long time.
,,Aye, but teil us what are those two qualifications?"
asked the men. „Oh, the narrator, my friend Näfa'a, had
forgotten one of them," replied the wag, ,,and I have for-
gotten the other!"
354. Nawadir, S. 9 [RTP. XVII, S. 152).
355. Nawadir, S. 9 [RTP, XVII, S. 151),
356. Nawadir, S. 9 [RTP, XVII, S, 153); siehe oben
Nr. 11.
357. Nawadir, S. 11 [RTP, XVII, S. 485).
358. Nawadjr, S. 12 [RTP, XVIH, S. 138),
Vgl. eine brzählung im Fakihat al hulafa von ibn
Arabschah bei Chauvin, II, S, 196, Nr, 22 (dazu S, 213,
186
Nr, IV) und Lidzbarski, Geschichten und Lieder, S. 158 ff,;
nicht ohne Bezug ist wohl auch Pauli, Nr, 140.
359, Nawadir, S. 12 [RTP. XVIII, S, 213),
360, Nawadir, S, 12 [RTF, XVIII, S. 213).
361, Nawadir, S, 12 (RTP, XVIII, S. 214).
Kuka, S, 164:
A desert Arab was present at the dinner table of one
of the Caliphs, The dish of „Faloodeh" pleased him so
much that he began to stuff himself with it, not caring to
taste any of the other viands, One of those who were
present said to him; „Don't eat too much of this Faloodeh,
or it will be the death of you," The Arab withdrew his
band from the dish, remained thoughtful for a while, and
then saying to the men present, „I bequeath to you the
care of my family," again feil to the dish with renewed
vigour,
362, Nawadir, S. 13 (RTP, XVIII, S. 216 ff,); Four-
beries, Nr, 15,
363, Nawadir, S, 16 (RTP, XVIII, S. 218 ff.).
Esel (Kalb etc.) an der Stelle des Ehe-
brechers: Cent nouvelles nouvelles, n, 61 mit ihren Ab-
leitungen Recueil, 1555, S. 221 ff,, n. 72 = Aventures, 1556,
S, 251 ff,, n, 75 (statt 74) und Malespini, Ducento novelle,
Venetia, 1609, II, Bl, 220 äff., n, 61; A, v. Keller, Er-
zählungen aus altdeutschen Handschriften, Stuttgart, 1855,
S. 306 ff.; Gastius, Convivales sermones, II, S. 99 ff . =
Melander, Jocoseria, I, S. 41 ff., Nr. 35 = deutsch, I,
S. 23 ff., Nr. 201; Domenichi, 1562, S. 53 ff. = 1581,
S. 64 ff.; Chauvin, VII, S. 171; Die Qukasaptati (Textus
simplicior), übers, v. R, Schmidt, Kiel, 1894, S. 47 und
dazu Benfey, Fantschatantra, Leipzig, 1859, I, S. 144.
Kombiniert mit andern Zügen findet sich das Motiv
in den Fabliaux Des iresces und De la dame qui fist enten-
1 Gastius nennt seine Quelle nur kurz Cam., Melander aber ausführ-
lich D. Joachimus Camerarius in Rhetoricis suis, d. s. die der Api&UO^.oyict
Tj&lXrj, Lipsiae, 1552 angehängten Exempla diversa exercitii rhetorici.
187
danf son mari qu'il sonjoit bei Montaiglon-Raynaud,
Recueil des Fabliaux, Paris, 1872 ff., IV, S. 67 ff. und V,
S. 132 ff. (dazu Bedier, Les Fabliaux, 2e ed., Paris, 1895,
S. 193 ff.), in Kellers Erzählungen, S. 310 ff.: Der pfaff
mit der snuer und S. 324 ff.: Ain spruch von ainer frawen,
die ain pf äffen bulett, und wie vil sy irnn man unglicks an-
legen, in einem Gedichte Herrants von Wildonie, Der ver-
kerte wirf in v. d. Hagens Gesammf abenteuern, II, S, 333 ff.
(dazu S. XLII ff.) und bei Lambel, Erzählungen und
Schwanke, Leipzig, 1872, S. 191 ff. und in dem Spruch-
gedichte Hans Sachsens Der power mit denj. zopff, I,
S, 480 ff. (dazu L. A. Stiefel in den Hans Sachs-For-
schungen, Nürnberg, 1894, S. 124 ff.).
364, Nawadir, S. 16 (RTF, XVIII, S. 219); Buadem,
Nr, 107; Serbisch, S. 90; Kroatisch, S. 59.
365, Nawadir, S. 17 (RTF, XVIII, S. 351); Fourberies,
Nr, 27; Buadem, Nr. 108; Serbisch, S, 90; Kroatisch,
S. 51 ff.
Fourberies, S, 28; Basset im Keleti Szemble, I, S. 223,
Nr. 27 (Nuzhat al udaba). Zu Hammers Übertragung der
betreffenden Geschichte des Nuzhat al udaba im Rosenöl,
II, S. 308 vgl, Bassets Bemerkung in der RTF.
366, Nawadir, S, 17 [RTF, XVIII, S, 347),
367, Nawadir, S, 17 [RTF, XVIII, S. 347); Buadem,
Nr, 109; Serbisch, S. 91.
368, Nawadir. S. 18 (RTF, XVIII, S. 348),
Dieselbe Geschichte steht schon bei Bar-Hebraeus,
S. 111, Nr, 49, wo ein Poet zu einem Geizhals sagt:
„Wouldst thou have me whilst I am eating one morsel
to stand up and bow the knee, and then take another?"
369, Nawadir, S, 18 [RTF, XVIII, S, 348 ff.).
370, Nawadir, S. 40 [RTF, XIX, S. 312); Serbisch,
S. 98.
Die Schnurre ist viel älter als Nasreddin; sie steht
schon bei Maidani (Freytag, II, S. 603), und, nicht unwitzig
188
i
erweitert, in dem Kitab al askija des 1200 verstorbenen
al Dschausi, wo sie nach Basset, RTF, XVII, S. 158 lautet:
In Kufa war eine Frau, deren Mann mittellos war;
und sie sagte zu ihm: ,,Mach dich doch auf und reise durch
die Länder; vielleicht hilft dir Gott, Er nahm den Weg
nach Syrien, und dort verdiente er dreihundert Dirhem;
dafür kaufte er sich eine Kamelstute, Die war aber hitzig
und bereitete ihm viel Verdruß. In seinem Ärger darüber
und über seine Frau, daß sie ihn weggeschickt hatte,
schwur er, entweder die Kamelstute an dem Tage, wo er
nach Kufa heimkommen werde, um einen Dirhem zu ver-
kaufen oder sich von seiner Frau zu scheiden. Dann
reute es ihn und er sagte alles seiner Frau. Sie nahm eine
Katze, setzte sie der Kamelstute auf den Hals und sagte
zu ihrem Manne: „Geh auf den Markt und rufe aus: ,Wer
will diese Katze um dreihundert Dirhem kaufen und diese
Kamelstute um einen? ich verkaufe sie aber nur mit-
einander,' " Das tat er. Ein Araber kam, betrachtete die
Kamelstute von allen Seiten und sagte: ,,Wie schön sie ist!
wie lebhaft! Wenn sie nur nicht die Katze auf dem Halse
hätte!"
Ähnlich ist eine Fassung im Bäharistan Dschamis,
S, 86 (Clouston, Flowers, S, 82), zu der Schlechta-Wssehrd,
S, 147 ff, bemerkt, daß die Anekdote im Oriente sehr be-
kannt ist, und daß an sie viele Sprichwörter erinnern wie:
„Wäre nicht die Verfluchte an seinem Halse!"
Als Predigtmärlein bearbeitet ist die Geschichte bei
Bromyard, Summa praedicantium, E, 8, 17 (in der Ausg,
Basel, Joh, de Amerbach, ca, 1479) :
Sicut patet de illo qui moriens, vxore executrice
facta, bouem pro anima sua legauit vt fertur, Vxor vero
bouem et gallum simul ad forum ducens, vtrumque simul
vendidit hac conuentione, quod emptor pro gallo marcam
anglicanam et pro boue obolum daret; quod cum factum
fuisset, obolum pro anima dedit mariti.
Auf einer ähnlichen Erzählung beruhen Pauli, Schimpf
und Ernst, Nr, 462 (die Nachweisungen Österleys, S, 526 ff.),
und Zincgref-Weidner, IV, S, 199 (Ochs und Hahn) i. In
1 Nur ein einseitiger Zusammenhang besteht mit der Nr. 22 der Hun-
dred Mery Talys (ed. by Oesterley, London 1866, S. 42 ff. und bei Hazlitt, Shake-
speare Jest-Books I, S. 40 ff,).
189
der 55. Novelle der Heptamerons sind es wieder, wohl
mit Anlehnung an eine etwa über Spanien herüber-
gekommene Tradition ein Pferd und eine Katze; ebenso
erzählt G. F. Giuliano, Dialogo d'un medico con un secre-
tario et un palafreniere di un principe romano del modo
et utilitä di rar quadragesima, Roma, 1651, S. 41, wäh-
rend die kurze Darstellung in Costos Fuggilozio, S. 38 ff.:
Astuzia d'una contadina in satisfare un legato del morto
marito von einem Ochsen und einer Katze, die 31. Er-
zählung bei M, Somma, Cento racconti, 3 a ed., Napoli,
1822, S. 79 ff. von einem Pferde und einem Hammel (kom-
biniert mit dem Stoffe der 71. Facetie Poggios, wozu man
Arlotto, I, S. 191 vergleiche) und P, Sebillot, Contes de la
Haute-Bretagne, Nr. 28: Le fermier ruse in der RTF, XI,
S. 509 von einer Kuh und einer Katze berichten,
371. Nawadir, S. 43 [RTF, XIX, S. 311 ff.),
372. Nawadir, S. 43 [RTF, XIX, S. 311).
In den Fourberies, S. 72 bemerkt Basset zu diesem
Schwanke: ,,Sans doute l'origine du dicton: Si la mon-
tagne ne va pas ä Mahomet, c'est Mahomet qui ira a la
montagne" und wiederholt dies in der RTF a. a. 0. Diese
Behauptung hat dann der Fortsetzer der Arbeit Büch-
manns in die letzten Auflagen der Geflügelten V/orte auf-
genommen. Hätte er in Wanders Sprichwörter-Lexikon
nachgesehn, so hätte er auf S. 958 des V. Bandes als
Quelle des Sprichworts: ,,Wenn der Berg nicht zum Pro-
pheten kommen will, so muß der Prophet wohl zum Berge
gehn" das Gedicht Hagedorns „Mahomet und der Hügel"
angegeben gefunden; aber auch dieses ist nicht die un-
mittelbare Quelle, weil es wohl sonst statt ,,Berg" ,, Hügel"
heißen müßte ^. Die Quelle scheint vielmehr die Moham-
med betitelte Erzählung in Hebels Schatzkästlein des
Rheinischen Hausfreundes (zit. Ausg. IV, S. 263 ff.) zu
sein, deren Anfang lautet:
Dem Mohammed wollten es anfänglich nicht alle von
seinen Landsleuten glauben, daß er ein Prophet sei, weil er
noch kein Wunder getan hatte wie Elias. Dazu sagte
1 Die SchluOverse lauten:
Will nicht zum Mahomet der träge Hügel kommen,
So geht jetzt Mahomet zum trägen Hügel hin.
190
Mohammed, ganz gleichgültig, wie einer, der eine Pfeife
Tabak raucht und etwas dazu redet, „das Wunder," sagte
er, „macht den Propheten noch nicht aus. Wenn ihrs aber
verlangt, so werden ich und jener Berg dort geschwind
beieinander sein," Nämlich, er deutete auf einen Berg,
der eine Stunde weit oder etwas entfernt war, und rief
ihm mit gebietender Stimme, daß der Berg sich soll von
seiner Stätte erheben und zu ihm kommen. Als aber
dieser keine Bewegung machen und keine Antwort geben
wollte, wiewohl keine Antwort ist auch eine, so ergriff
Mohammed sanftmütig seinen Stab und ging zum Berg,
womit er ein merkwürdiges und nachahmenswertes Bei-
spiel gab
Woher Hagedorn und Hebel geschöpft haben, kann ich
nun allerdings nicht sagen, sicher scheint hingegen zu sein,
daß die Dschohageschichte von dem Palmbaum (ebenso
auch wahrscheinlich die beiden deutschen Erzählungen)
auf einer Mohammedlegende fußt. Bayle zitiert in dem
Artikel Mahomet [Dictionaire historique ei critique, 3e ed,,
Rotterdam, 1720, S, 1852) eine Stelle aus der das erste Mal
1686 erschienenen Histoire du monde von Urb. Chevreau,
die folgendermaßen beginnt:
Quand les Corei'schites de la Mecque l'eurent prie
(sc, Mahomet) de faire une miracle pour faire connoitre
ce qu'il etoit, il divisa la Lune en deux pieces entre les-
quelles ils aperceurent une montagne, Ayant apele deux
arbres, ils se joignirent pour aller ä lui, et se separerent
en se retirant, par le commandement qu'il leur fit.
373. Nawadir, S, 43 [RTF, XIX, S. 312); Buadem,
Nr. 23; Serbisch, S, 59; Kroatisch, S, 36.
Die Geschichte steht schon bei Bar-Hebraeus, S, 149,
Nr, 587 („I wish to know how far my voice will reach.")
und ähnlich erzählt Kuka, S, 173.
Eine hübsche Parallele bieten die Contes du Sieur
Gaulard. S. 200 ff.:
Or il (le Sieur Gaulard) vid plusieurs personnages a
la Cour, mesmement de ceux de longue robbe, qui auoient
en leurs chambres de petites cloches, lesquelles ils son-
noient pour appeller leurs seruiteurs, quand ils en auoient
af faire; et s'estant apperceu qu'au son de cette cloche,
aussitost ils ne failloient de venir vers leurs maistres, il
191
luy prit fantaisie d'en auoir vne. Et si tost qu'il fut en
sa chambre, oü il luy tardoit ja qu'il n'estoit arriue pour
en faire l'experience, il se mit ä sonner certe cloche; mais
voyant que pas vn de ses seruiteurs n'approchoit, il se
persuada que ses gens ne pouuoient entendre le son. Et
pour l'experimenter il sonna sa cloche pres sa table, puis
estant couru ä sa porte (car nottez qu'il pensoit courir
aussi viste que le son de sa cloche) et n'entendant rien
pres d'icelle, il dit que ses gens auoient raison de ne pas
estre venus vers luy, et qu'il failloit bien que ceux qui
auoient des cloches, eussent quelque recepte pour faire
deualler le son en bas.
374. Nawadir, S. 43 [RTP, XIX, S. 313 ff.).
Der analoge Schwank des 36. Kapitels der Schild-
bürger (v, d. Hagen, Narrenbuch, S. 188 ff.; Das Laienbuch,
S. 135 ff.) steht schon bei Hans Sachs, IV, S. 73 ff., ferner
als 12. Erzählung von Freys Gartengesellschaft; vgl. dazu
die Noten Boltes, S, 220 und Archiv für slavische Philo-
logie, XXII, S. 309,
375. Nawadir, S. 43 [RTP, XIX, S. 252 ff.).
376. Nawadir, S. 46 [RTP, XIX, S. 251).
192
2. Aus der von Mardrus besorgten Ausgabe
von Tausend und einer Nacht
377. Mardrus, S. 93 ff.; s. oben Nr, 37,
378. Mardrus, S, 95 ff.; Nawadir, S. 8; Fourberies,
Nr. 3.
Bei Kuka steht (S, 214) eine persische Variante:
On one occasion Mulla Nasruddin was invited to a
dinner at a friend's house. A dish of boiled fowl was
placed before him. As the fowl was not thoroughly cooked,
he partook of gravy only, and said to his friend: „Please
have this fowl well cooked for to-morrow, when I shall
again be your guest." On the next day the same dish was
placed before him, and he found that again the fowl was
not well cooked. He, therefore, partook of the gravy, and
then placing the fowl in front of himself, began his pro-
strations and genuflexions as in prayers, „What are you
doing?" asked the host. The Mulla replied: „I am going
to ask a blessing on this flesh, for the flesh that is placed
twice over the fire and is not cooked, cannot be the flesh
of an ordinary fowl, but that of some prophet er saint
amongst them."
379. Mardrus, S. 96; Nawadir, S. 16; Fourberies, Nr. 14,
Hartmann, S. 57,
380. Mardrus, S. 114.
Nasreddin, II. 13 JQß
3. Volkserzählungen aus Tripolis und Tunis
381. Stumme, Tripolis, S. 178 ff.; vgl. oben Nr. 57.
382. Stumme, Tunis, I, S. 75 ff. und II, S. 126 ff.
Zu dem Motive von dem Zolle auf verschie-
dene Gebrechen vgl. Österleys Nachweisungen zu
der Nr. 157 der Gesta Romanorum, S. 738 und zu der
Nr. 285 von Paulis Schimpf und Ernst, S. 506, ferner Waas,
Die Quellen der Beispiele Boners, S. 56 ff. und Chauvin,
IX, S. 18 ff. Eine interessante Parallele bietet das Nuzhat
al udaba (Basset in der RTF, XV, S. 672 ff.), weil auch
hier der Zoll auch auf den Namen gesetzt ist:
Man erzählt, daß einer einen König um die Erlaubnis
gebeten hat, einen Dirhem von Jedem Buckligen, ebenso
einen Dirhem von jedem, der Suleiman heiße, und einen
Dirhem von jedem, der aus Mosul sei, einheben zu dürfen.
Der König legte diese Steuer auf, und der Mann nahm
den Bescheid und ging. Er sah einen Buckligen, der drei
Hühner hatte, jedes einen Dirhem wert; da streckte er die
Hand aus und nahm eines und sagte: ,,Auf Befehl des
Sultans." Der Bucklige begann zu schreien und um Hilfe
zu rufen. Einer, der ihn kannte, sagte zu ihm: „Gib acht,
Scheik Suleiman!" Da verlangte der, der den Bescheid
hatte, zwei Dirhem und streckte die Hand nach dem
zweiten Huhne aus. Der Bucklige schrie: „Ich beschwöre
dich, tu mir nicht unrecht; ich bin ein Fremder, aus
Mosul." „Jetzt sind es drei Dirhem," sagte der andere;
er streckte die Hand aus und nahm auch das dritte Huhn
und ging weg.
Diese Fassung, wo das Gebrechen, der Name und die
Heimat die Anlässe zu der Entrichtung eines Zolles geben,
ist ein Gegenstück zu dem 611, Stücke bei Pauli: dort
bittet ein armer Student vergebens um ein Almosen, weil
er aus Bremen ist, Nikolaus heißt und nur ein Auge hat.
Die Episode von den drei Dummen hat eine bis
in Einzelheiten übereinstimmende Parallele bei Radioff,
Proben der Volkslitteratur der türkischen Stämme Süd-
sibiriens, Petersburg, 1866 ff., VI, S. 257: In einer Stadt,
die sonst nur von Narren bewohnt wird, nimmt der einzige
nicht närrische eine Frau. Die geht nach drei Tagen die
Kuh melken, und bei dieser Beschäftigung läßt sie einen
194
Wind; sie bittet die Kuh, nichts davon zu sagen. Dann
kommt ihre Schwiegermutter ebenfalls bitten und bringt
der Kuh eine Schüssel Kleie, damit sie nichts sage.
Endlich kommt auch der Schwiegervater, bringt der Kuh
auch eine Schüssel Kleie und bittet sie wie die beiden
andern, so daß sie alle drei beisammen sitzen. Als der
junge Gatte nach Hause kommt, wird er zornig und geht
aus, um drei ebenso törichte Leute zu finden: findet er
sie, soll seine Familie verschont bleiben; findet er sie
nicht, will er seine Familie töten usw. usw.
In dieser Kombination, wo es sich allerdings meist um
die junge Frau oder Braut und ihre Eltern — nicht wie
bei Radioff und in unserm Schwanke um ihre Schwieger-
eltern — handelt, ist das Motiv außerordentlich verbreitet.
Clouston hat ihm in dem Book of Noodles, S. 191 ff. eine
längere Studie gewidmet, und reichliche Nachweise finden
sich bei Köhler, I, S. 81 ff., 217 ff. und 266; dazu kommen
noch Pitre, III, S. 137 ff., Crane, S. 279 ff. und 378, Jacobs,
English Fairy Tales, S. 9 ff. und 231 ff. und Aug. Dozon,
Trois contes bulgares, Nr. 3: Le cochon a la noce in der
RTF, III, S. 381.
Der Schluß unserer Geschichte bringt wieder den Zug
vom eingebildeten Toten, der uns schon oft
genug begegnet ist.
383, Stumme, Tunis. I, S. 78 ff . und II, S. 131 ff.;
Fourberies, Nr. 55 = unten Nr. 415; Pitre, IV, S. 444
(Giufä). Siehe weiter Nr. 347 und Nr. 430.
Das Motiv von dem Regen eßbarer Dinge,
der einer dummen Person vorgetäuscht wird, um ihrer
Erzählung die Glaubwürdigkeit zu nehmen, wird uns noch
unten bei Nr. 407 beschäftigen; abgesehn von derartigen
Kombinationen erscheint es noch mit Giufä verknüpft bei
Pitre, III, S. 378. Nachweisungen geben Köhler-Bolte in
der ZW. VI, S. 73, Clouston, Noodles. S. 154, Cosquin,
II, S. 182, Note, Köhler, I, S. 340 und 342 und Chauvin,
VI, S, 126; dazu wären noch zu nennen U. Jahn, Schwanke
und Schnurren, S. 48 ff., Swynnerton, S. 180 (s. oben die
Note zu Nr. 347), O'Connor, Folk Tales from Tibet. S. 3311,
Ilg, II, S. 38 ff., James Bruyn Andrews, Contes ligures.
S. 92 ff., eine brasilianische Erzählung, die Basset in der
RTF, X, S, 499 mitteilt, Hazelius, Ur de nordiska folkens
13* 195
lif, S. 101 ff., zitiert im Archivio, II, S, 477 ff. usw. usw.
Hierher gehört auch die bei Chauvin, VIII, S. 69 be-
sprochene Novelle des Syntipas, wozu eine im Archivio,
II, S. 479 aus dem Finnischen übersetzte Erzählung zu
vergleichen ist. Alle diese Mittel, um ein Ausplaudern
ungefährlich zu machen — an den zwei letztgenannten
Stellen handelt es sich allerdings um einen andern
Zweck — gemahnen an die List, die die ungetreue Frau
anwendet, um den wachsamen Vogel, Papagei oder Elster,
zu täuschen (vgl. darüber die Literaturnachweise bei
Chauvin, VIII, S. 35 ff.); als eine Art Bindeglied könnte
eine Erzählung bei Bütner, Von Claus Narren, S. 119 (aus
derselben Quelle bei Zincgref-Weidner V, S, 174) gelten,
wo der Vogel durch einen Narren ersetzt ist:
Ein Weib machte kundschafft mit eim andern Mann.
Der Narr sähe es; die Fraw forchte, der Narr mochte sie
verrathen, vnnd warff ein Säugfercklin auff jhn hinab in
den Hofe. Der Narr meinet, es regnet Schweinlein, da
ließ die fraw eins vmb das ander auff den Narren fallen,
Vber eine zeit fraget der Ehemann: Sage mir, Heine, wie
hat meine Fraw haußgehalten? Heine sprach: Sie lag bey
einem andern Mann. Der Ehemann sprach: Fraw, du
must sterben. Ach nein, sprach die Fraw, eilet nicht,
Herr, fraget den Narren besser. Also fraget der Mann:
Heine, v,'enn schlief f die Fraw bey einem andern? Heine
antwortet: ,,Nechst war es, da sähe ichs, vnd am selben
Tage regnet es viel junge Schweinlein. Der Herr sprach:
Hilff Gott, wie ist es ein ding, wenn mann einem Narren
glaubet, vnnd den Rechten grund nit erfehret.
384. Stumme, Tunis, I, S. 79 und II, S. 132 ff.
Hammer, Rosenöl, II, S. 305 ff. nach dem Nuzhat at
udaba, und dazu Basset im Keleti Szemle I, S, 222, Nr. 8;
s. weiter Chauvin, VIII, S. 49 ff.
385. Stumme, Tunis, I, S. 79 ff. und II, S. 133 ff.; vgL
oben Nr. 63.
386. Stumme, Tunis, I, S. 80 und II, S. 135.
S. die Anmerkung zu Nr. 277,
387. Stumme, Tunis, I, S. 81 und II, S, 136.
196
Hartmann, S. 59,
Heller in fremdes Geld geworfen: Hart-
mann in der ZW, VI, S. 268; Pauli, Nr. 566; Montanus,
S. 25 und 562; Chauvin, VH, S. 153.
388. Stumme, Tunis, I, S. 81 und H, S. 136 ff,
389. Stumme, Tunis, I, S. 81 und H, S. 137 ff.
390. Stumme, Tunis, I, S. 82 und H, S. 139 ff,
391. Stumme, Tunis, I, S, 82 ff, und H, S. 140.
Die letzten vier Stücke, zu denen eigentlich auch
schon Nr, 387 gehört, sind Teile eines U n i b o s -
märchens, übertragen auf Dschuha; dasselbe gilt von
den Nummern 46 bis 50 der Fourberies, die deshalb weg-
geblieben sind, und von der Dschochigeschichte bei Lidz-
barski, Geschichten und Lieder, S. 249 ff. Teilweise rudi-
mentär begegnen uns einzelne Unibosmotive auch bei
T. J, Bezemer, Volksdichtung aus Indonesien, Haag, 1904,
S. 196 ff,: Streiche des Djonaha, des Batakschen Eulen-
spiegels; wie Basset in der RTF, XX, S. 3 wohl ricktiger-
weise annimmt, ist dieser Djonaha (sprich: Dschonaha)
niemand anders als der arabische Dschoha, der dem Namen
nach auch mit dem syrischen Dschochi identisch ist. Die
türkische Überlieferung scheint das Unibosmärchen nicht
zu kennen, und so dürfte auch die auf Nasreddin über-
tragene serbische Variante aus Bosnien, die in der
Anthropophyteia, HI, S, 366 ff, steht, auf europäische Ein-
flüsse zurückzuführen sein.
Eine ausführliche Studie der in diesen Erzählungen
zusammengefaßten Motivenreihen gibt Zenatti in der Ein-
leitung zu seiner Ausgabe der Storia di Campriano conia-
dino, Bologna, 1884 und reichliche Literaturnachweise
bringen Lidzbarski, S. 249 und Köhler-Bolte in der ZW,
VI, S, 167; vgl, noch Köhler, I, S, 230 ff„ III, S, 13 ff. u. ö.,
Rittershaus, S. 436 ff., Böhm, Lettische Schwanke, Nr. 19,
30 und 49 und S. 113, 118 und 121 ff. und Busch, Ut öler
Welt, S, 28 ff.
Interessant ist das letzte der oben genannten Stücke
in den Fourberies: Dscheha legt sich in ein Grab; als seine
Gegner bei ihrer Ankunft hören, daß er tot sei, wollen
197
sie ihm durch ein Loch im Grabe einen argen Schimpf
antun, aber er brandmarkt sie auf ihre Hinterbacken,
Durch diese Brandmale beweist er dann, daß sie seine
Leibeigenen sind, und sie müssen sein Lebelang für ihn
arbeiten. Diese Erzählung, die mit dem Schlüsse der Ge-
schichte des zweiten Strolchs bei Henning, Tausend und
eine Nacht, XXHI, S. 219 ff. (Chauvin, VH, S. 151 ff.)
übereinstimmt, hat mit Ausnahme des zuletzt genannten
Zuges, daß nämlich aus der Brandmarkung die
Leibeigenschaft abgeleitet wird, wozu man
Boltes Nachweise bei Armeno-Wetzel, Die Reise der Söhne
Giaffers, Tübingen, 1895, S. 215 vergleiche, eine inter-
essante Parallele in einer litauischen Überlieferung bei
Veckenstedt, Sztukoris, S. 28 ff. In zwei andern litauischen
Märchen (Schleicher, S. 44 ff. und 86) verstümmelt der
vermeintliche Tote seine Widersacher, als sie ihn ver-
unreinigen wollen, mit einem Messer und einer Schere;
eine sehr große Ähnlichkeit hat damit eine Erzählung bei
Socin und Stumme, Der arabische Dialekt der Houwara
des Wad Sus in Marokko, Leipzig, 1894, S. 34 und 98,
wo der Tote einem seiner Nachsteller, der riechen will,
ob er schon stinke, mit einer Schere die Nase abschneidet.
Vgl. dazu Köhler, L S, 324. Zu dem sich tot
stellenden Schuldner usw. vgl. Hartmann, S. 56,
Bolte bei Wickram, S. 368 und unten die Noten zu Nr, 429.
198
III. Berberische Überlieferungen
392. Stumme, Tamazratt, S, 39 und 70, Nr. 24; Stumme,
Tunis, I, S. 80 und II, S. 134 (hier wird der Esel, so wie
in vielen Unibosmärchen von drei Leuten gemeinsam ge-
kauft) ; Fourberies, Nr. 46 (ebenso und wirklich ein Teil
eines Unibosmärchens) ; ebendort, Nr. 36 (an die Stelle des
Esels treten hintereinander zwei Rinder) ; Anthropophyfeia,
V, S. 328 und 329 f{. (aus Bosnien und von Nasreddin;
wegen des Anfanges dieser Erzählung s. oben die Anmer-
kung zu Nr. 277).
Eine besonders ihres Schlusses wegen merkwürdige
Variante bringt die serbische Ausgabe, S. 113 ff.:
Eines Tages wollte der Hodscha Nasreddin einen Esel
kaufen gehn. Als er auf den Markt kam, traf er dort
einen Kerl, der aus seinem Esel möglichst viel Geld
herausschlagen wollte. Nasreddin fragte ihn, was der Esel
kosten solle, und der Mann nannte einen hohen Preis,
fügte aber hinzu, daß sein Esel nicht so sei wie die andern,
sondern jeden Tag Geld scheiße, einmal lauter Taler, am
andern Tage lauter Dukaten; und um Nasreddin davon zu
überzeugen, hob er dem Esel den Schwanz, nahm einen
Dukaten heraus und steckte ihn in den Gürtel.
Als das Nasreddin sah, brannte er nur darauf, den
Esel zu kaufen, und zahlte schließlich eine große Summe
für ihn. Beim Abschiede sagte ihm noch der Kerl, wie er
ihn zu füttern habe, und dann gingen sie auseinander.
Voller Freude ging Nasreddin mit dem Esel heim und
fütterte ihn tüchtig, ohne sich an die Vorschrift zu halten.
Am nächsten Morgen eilte er in den Stall, einen Sack
in der Hand, den er mit den Dukaten füllen wollte. Aber
er fand die Stalltür von innen verrammelt, und konnte
nicht eintreten. ,, Schau ihn an," sagte er bei sich, „da
hat er die ganze Nacht geschissen, und der Stall ist jetzt
so voll Gold, daß ich die Tür nicht öffnen kann." Nach
diesem Selbstgespräche guckte er durch einen Spalt hinein,
und nun sah er etwas wie Silber glänzen; er war davon
nicht gerade entzückt und sagte sich: „Schau dir nur
diesen Dreckkerl an! Dukaten hat er nicht scheißen
wollen, sondern nur Taler." Er ging um eine Axt und
schlug die Tür ein.
Als er dann in den Stall trat, bekam er etwas zu
199
sehn. Der viele Hafer hatte den Esel aufgetrieben und
der Esel hatte alle viere von sich gestreckt; und was
Nasreddin für Taler gehalten hatte, waren die Hufeisen
des verreckten Esels.
Nun wurde ihm noch weher ums Herz; er warf den
Sack weg und begann zu jammern. Daraufhin kam ein
Nachbar gelaufen, und der fragte ihn, was ihm fehle.
„Was mir fehlt? na, sieh dir die Geschichte an; ich habe
ein schönes Stück Geld verloren." Und er erzählte dem
Nachbar, wie er betrogen worden sei.
Der Nachbar beriet ihn, was er tun solle: ,, Hacke dem
Esel den Kopf ab, nimm eine oder zwei Oka Seide und
wickle sie auf den Kopf; dann nimm ihn auf den Markt
und biete ihn zum Verkaufe aus. Wenn dich einer fragt,
was du zu verkaufen hast, so sagst du: , Einen Esels-
kopf.' "
Nasreddin folgte diesem Rate und ging mit dem Esels-
kopfe auf den Markt. Es kam einer und fragte ihn, was
er zu verkaufen habe, und Nasreddin sagte: ,, Einen Esels-
kopf." Der Kunde lachte und sagte: „Aber Hodscha, du
bist doch dumm! das soll ein Eselskopf sein? das ist ja
Seide." ,,Und ich sage dir, du kaufst nur einen Esels-
kopf." Doch der Kunde lachte, weil er meinte, das sei
nichts als eine von des Hodschas gewöhnlichen Dumm-
heiten. Sie handelten den Preis für die Oka Seide aus
und wogen den Klumpen ab, und der Kunde bezahlte das
ganze Gewicht für Seide. Dann verabschiedeten sie sich,
und jeder ging seines Weges.
Als der Käufer den Klumpen abwickelte, fand er, daß
die Seide nur oberflächlich war und daß das andere wirk-
lich ein Eselskopf war; sofort lief er zum Richter und ver-
klagte Nasreddin, daß ihn der betrogen habe. Der Richter
ließ den Hodscha rufen, und der sagte, als er vor Gericht
erschienen war: „Erhabener Kadi, frage ihn, was ich ihm
gesagt habe, daß ich zu verkaufen habe, und du wirst
sehn, ob ich ihn betrogen habe." Der Kadi befragte den
Kläger und der erzählte genau den Sachverhalt. Erstaunt
fragte ihn nun der Kadi: ,,Ja, warum klagst du denn, wo
du doch gewußt hast, was du kaufst?" und damit ließ er
ihn hinauswerfen.
Auf diese Weise hatte der Hodscha Nasreddin den
erlittenen Schaden wieder eingebracht..
200
Der Schluß dieser Erzählung steht als selbständiger
Schwank in der griechischen Ausgabe Nr. 145 und bei
Pann, S. 331 ff.
Fourberies, S. 74 ff.
Goldmistende Tiere (ohne Rücksicht auf die
Unibosmärchen): Grimm, KHM, III, S, 65 ff.; Benfey,
Pantschatantra, I, S. 378 ff.; Kathä Sarit Sägara, II, S. 8;
Clouston, Populär Tales and Fictions, I, S. 123 ff,; Forke,
Die indischen Märchen und ihre Bedeutung für die ver-
gleichende Märchenforschung, Berlin, 1911, S. 52.
393, G. A. Krause, Proben der Sprache von Chat in
der Sahara in den Mittheilungen der Riebeclt' sehen Niger-
Expedition, Leipzig, 1884, II, S, 31 ff, = Basset, Contes
populaires d'Afrique, S. 12 ff.
Basset, Zenatia, S. 134; Basset, Nouveaux contes ber-
beres, Paris, 1897, S. 349.
Ähnlich wie hier Schahas Frau den Wasserschlauch
hergibt, verkauft bei Pitre, Novelle popolari toscane,
S, 187 Giucca Quattrini für Töpfe. Über dieses Motiv,
das Verschleudern wertvoller Dinge durch
einen Dummkopf, vgl. Köhler, I, S. 66, 71, 342 und
391; zu den an diesen Stellen und im Archiv für slavische
Philologie, XXI, S, 285 gegebenen Nachweisen kommen
noch E. Sklarek, Ungarische Volftsmärchen, Leipzig, 1901,
S, 251 ff, und 298, M. Preindlsberger-Mrazovic, Bosnische
Vollismärchen, Innsbruck, 1905, S. 95 ff, und Chauvin, VI,
S, 31 ff.
Zu der Wiedergewinnung vgl, Chauvin, V, S. 64, Note,
394, Fourberies, Nr, 2; Nawadir, S, 6; vgl. oben
Nr, 160.
Hartmann, S. 53 ff.
Ungefähr dasselbe erzählen das Radikal al afrah von
asch Schirwani {Basset in der RTP, XIV, S, 290) und
Roda Roda, S, 75,
395, Fourberies, Nr, 5; Nawadir, S, 13,
Fourberies, S, 26,
Die an dieser Stelle zitierte älteste Version der Ge-
schichte aus Abdirabbihis Kitab al ikd al farid hat Basset
in der RTP, XV, S, 282 übersetzt; ebendort zitiert Basset
201
noch eine Parallele aus dem Mustatraf von al Abschihi;
vgl. weiter Dschami, Bäharistan, S. 73 ff., Kuka, S. 205,
Nr. 133 und Galland, S. 33.
396. Fourberies, Nr. 7; Buadem, Nr. 98; Trefdi, Nr, 131;
Serbisch, S. 86; Kroatisch, S. 52,
397. Fourberies, Nr. 9; Nawadir, S. 12.
Fourberies, S. 25; Basset in der RTF, XVIII, S. 138
(eine ähnliche Erzählung steht schon in dem Kitab al ikd
al farid von Abdirabbihi).
398. Fourberies, Nr. 10; Nawadir, S. 11; Buadem,
Nr. 104; Serbisch, S. 88 ff.; Kroatisch, S. 58 ff .
Fourberies, S. 25; Basset in der RTF, XVII, S. 606.
399. Fourberies, Nr. 12.
Köhler, I, S. 500; Hartmann, S. 57.
In einer Erzählung des im siebenten Jahrhundert
n. Chr. verfaßten Midrasch Echa rabbathi verteilt ein
Mann aus Jerusalem als Gast fünf Hühner auf folgende
Weise: der Hausherr und sein Weib erhalten ein Huhn,
die zwei Söhne eines, die zwei Töchter eines und er selber
zwei, so daß überall die Zahl drei resultiert. A. Wünsche,
der diese Erzählung in der Z. /. vgl. Littg., N. F., IV,
S. 40 ff. mitteilt (andere Parallelen bei Armeno-Wetzel,
Die Reise der Söhne Giaffers, hg. v. Fischer u. Bolte,
Tübingen, 1895, S. 207), bringt ebendort, S. 43 f f . eine
völlig entsprechende Variante aus Johannes Juniors Scala
coeli, Ulm, 1480, Bl. 37b bei:
Cum in prandio quinque haberet perdices, voluit, ut
secundum scientiam divinam eas divideret, Tunc clericus:
In divinitate trinitas est principium, et ideo vobis et do-
minae do unam et sie estis tres, duabus filiabus unam et
sie sunt tres, duobus filiis unam et sie estis tres; mihi soli
duas et sie sumus tres.
Vereinfacht ist dieses Beispiel in der türkischen Volks-
erzählung Vom Räuber und vom Richter, die wie Prelog
bemerkt, der Steindruckausgabe von Nasreddins Schwän-
ken als Saum für jede Seite beigeschrieben wurde (vgl.
Chauvin, V, S. 187). Dort heißt es (Camerloher, S. 69 ff.):
202
Der Richter hieß ihn auch die drei Hennen aus-
teilen. Der Räuber schaute sich um, sah, daß die Kinder
und die Diener weggegangen waren, gab eine Henne der
Richterin und die zwei andern sich selbst.
Richter: „Was ist dies für eine Verteilung?"
Räuber: ,,Die Henne ist eins, und ihr beide dazu
macht drei; ich bin eins, und die zwei Hennen dazu
macht drei."
Man sieht, daß die Schnurre Dschehas nur eine nicht
unwitzige Steigerung dieser Geschichte darstellt. Vgl,
auch unten Nr. 467.
400. Fourberies, Nr, 19; Pharaon, S, 185 ff.; Pann,
S. 353 ff.
Fourberies, S. 74.
401. Fourberies, Nr, 22; Nawadir, S. 10,
Fourberies, S. 24 und 79.
Hammer, Rosenöl, H, S. 274 ff.; Gladwin, H, S, 25,
Nr, 66; Clouston, Flowers, S. 95 ff.; Kuka, S. 83 ff,; Basset
in der RTF, XIII, S. 617 (aus dem Mustatraf von al Ab-
schihi). Vgl, auch Wesselski, Mönchslatein, Nr, 20 und
die Noten auf S, 206,
402. Fourberies, Nr. 23; Buadem, Nr. 99; Nawadir,
S. 5; Serbisch, S. 86.
Fourberies, S. 19 ff.
Aristoteles und die Königin; Wesselski,
Mönchslatein, S. 244 ff.; dort wären noch anzuziehen ge-
wesen Holte, Die Singspiele der englischen Komoedianten,
S. 21, Gaudefroy-Demonbynes in der RTF, XI, S. 530, Basset
ebendort, XV, S, 109 ff. und A, Borgeld, Aristoteles en
Phyllis. Groningen, 1902,
403. Fourberies, Nr, 24; Nawadir, S, 44.
Fourberies, S, 73.
Vgl. Arlotto, I, S, 193 ff., wo noch auf Boltes An-
merkung zu Schumanns Nachtbüchlein, Nr, 42, S, 409 und
hinter Freys Gartengesellschaft, S. 284, auf Bolte in der
ZW, XIII, S, 422 und auf Cosquin, II, S, 209 zu verweisen
gewesen wäre,
404. Fourberies, Nr, 33,
203
405. Fourberies, Nr, 35; vgl. auch dort Nr. 36.
Fourberies, S. 74.
Der Betrug mit dem Ziegenfelle, auf das der Sohn als
angeblicher Käufer mitbietet, kehrt wieder
zu Beginn der 6. Erzählung bei Socin und Stumme, Der
arabische Dialekt der Houwara, S. 35 und 98 (=i Basset,
Contes populaires d'Afrique, S. 121), die uns noch unten
bei Nr. 407 begegnen wird; vgl. auch Henning, Tausend
und eine Nacht, XIX, S. 13 ff. und Chauvin, VIII, S. 107.
406. Fourberies, Nr. 37.
Vgl. die 66. Facetie Poggios: Dictum Perusini ad
uxorem und die 93. der Cent nouvelles nouvelles. Aus-
führliche Nachweisungen gibt Bolte zu Frey, Nr. 21,
S. 223 ff.; dazu kommen noch Domenichi, Facetie, 1562,
S. 25 ff. und 282 (= Ausgabe von 1581, S. 30 und 349) und
Sagredo, L'Arcadia in Brenta, S. 386 ff.
Anders Serbisch, S. 128:
Der Hodscha Nasreddin hatte seiner Frau neue Pan-
toffel gekauft, aber mit Papiersohlen. Als das die Frau
sah, begann sie mit dem Hodscha zu zanken, aber er sagte
zu ihr: ,,Du nichtsnutziges Ding, kümmere dich um deine
Arbeit; wollte Gott, du könntest mit dem Fuß nicht mehr
auftreten: dann könntest du sie hundert Jahre tragen."
407. Fourberies, Nr. 38; siehe Nr. 426 und 427, ferner
die Dschahangeschichte bei Stumme, Malta, S. 50 ff.
(^ Stumme, Studien, S. 37), den Schluß des 91. Stückes:
Dschahans Abenteuer bei Ilg, II, S. 43 ff. und Pitre, No-
velle popolari toscane, S. 184 ff. (von Giucca), Vgl, auch
oben Nr. 277 und die Noten dazu.
Fourberies, S, 75; Basset in der RTF, XI, S, 498 ff .
Über den Verkauf an einen Vogel, einen
Baum, eine Statue usw, handeln Köhler, I, S, 51,
65, 98 und 99 ff,, Basset im Loqmän herbere, S. 77 ff,,
Köhler-Bolte in der ZW, VI, S, 73, Clouston, Noodles,
S. 143 ff., Cosquin, II, S. 179 ff. und Chauvin, VI, S. 125 ff.
Ohne Rücksicht, ob schon zitiert oder nicht, gebe ich hier
alle Versionen, die ich einsehn konnte, indem ich auch auf
das oben bei Nr, 383 angezogene Motiv von dem Regen
eßbarer Dinge Rücksicht nehme: .
204
Stumme, Elf Stücke im Silha-Dialekt von Täzerwalt,
Nr, 7 in der Zeitschr. d. Deutschen Morgenl. Ges., XLVIII,
S. 403 ff. (an eine Eule; Regen von Bohnen und Erbsen);
Stumme, Der arabische Dialekt der Houwara, S. 35 und
98 f f . (= Basset, Contes populaires d'Afrique, S. 121 ff,):
(Eule; gewöhnlicher Regen, Scheint verderbt zu sein);
Riviere, Recueil de contes populaires de la Kabylie du
Djurdjura, S. 179 ff, (Kuckuck, Kuchenregen); Ilg, II,
S. 51 ff. (Holzbildsäule; Weinbeerenregen); Giamb. Basile,
La Cunto de li Cunti, j. I, t. 4 (1. Ausg. 1634), Napoli,
1891, I, S, 63 ff, = Der Pentamerone, übertragen von
F. Liebrecht, Breslau, 1846, I, S. 61 ff, (Bildsäule; Regen
von Rosinen und Feigen) ; R, Forster, Fiabe popolari dal-
mate, Nr. 13 im Archivio, X, S. 313 ff. (Mehl an Bäume;
ohne Schatz) und4 314 (Statue); Schott, Walachische
Märchen, Stuttgart, 1845, zitiert bei Mackenzie, The Mar-
vellous Adventures and Rare Conceits of Master Tyll
Owlglass, New Ed., London, 1890, S. 313 (Baum) ; Haltrich,
S. 232 ff, (Eiche) ; Krauss, Sagen und Märchen der Süd-
slaven, I, S, 249 ff, (Buche); Sklarek, S, 204 ff, (Weiden-
baum) ; Böhm, Lettische Schwanke, S, 42 ff, (Kiefern) ; Blade,
Contes populaires de la Gascogne, III, S, 127 ff, (Statue);
Sebillot, Contes de la Haute-Bretagne in der RTP, XI,
S, 504 ff, und 505 (Heiliger) ; derselbe, Contes et legendes
de la Haute-Bretagne in der RTP, XXIV, S, 140 ff, (Heiliger;
kein Schatz gefunden) ; J, Frison, Contes et legendes de la
Basse-Bretagne in der RTP, XXII, S, 404 ff , (Heiliger);
Sebillot, Litterature orale de la Auvergne, S, 81 (Heiliger;
kein Schatz gefunden) ; Carnoy, Litterature orale de la
Picardie, S, 190 und 196 (Christusbild) ; Cosquin, II,
S, 177 ff, (Ohne Schatz finden; Jean Bete nimmt dem
Heiligen einfach die Leinwand wieder ab),
408, Fourberies, Nr, 40,
409, Fourberies, Nr, 41,
410, Fourberies, Nr, 42,
411, Fourberies, Nr, 43,
412, Fourberies, Nr, 52 und
205
413, Fourberies, Nr. 53.
Diese Erzählung hat eine merkwürdige Übereinstim-
mung mit dem 7. der KHM der Brüder Grimm: Der gute
Handel und mit dem 52. Stücke der Krausschen Sagen und
Märchen der Südslaven; in diesen beiden Märchen macht
ein Bauer eine Königstochter durch die Erzählung von
dem Fleischverkaufe an Hunde (s. oben die
Anmerkung zu Nr. 277, wo auch auf Jahn, Schwanke und
Schnurren, S. 103 ff. zu verweisen gewesen wäre) lachen
und soll sie deshalb zur Gattin erhalten.
Königstochter lachen machen: Grimm,
KHM, III, S. 115; Benfey, Pantschatantra, 1, S. 518; Köhler,
I, S. 93 ff. und 348; Bolte bei Montanus, S. 569; Archiv für
slavische Philologie, XXI, S. 295, XXII, S. 301 und 307. Vgl,
weiter Monnier, S, 325 ff , und 329; Slftarek, S, 206 ff , und
295; Wlislocki, Märchen und Sagen der transsilvanischen
Zigeuner, Berlin, 1886, S. 119 ff,; Haltrich, S, 175 ff,; Wenzig,
Westslawischer Märchenschatz, Leipzig, 1857, S, 312 ff,;
Blade, Contes populaires de la Gascogne, III, S, 23 ff,;
Jacobs, English Fairy Tales, S, 154 und 249 (Motiv miß-
verstanden] ; Reinisch, Die Nuba-Sprache, 1, S. 224 ff. Eine
diesen Zug behandelnde Abhandlung von J, Polivka in
der Pohadkoslovne studie, Prag, 1904 ist mir unbekannt
geblieben,
414, Fourberies, Nr. 54 und
415. Fourberies, Nr. 55.
S. die Nrn. 347, 383 und 430.
416. Fourberies, Nr. 56.
Für diese Erzählung gilt das, was Benfey, Pantscha-
tantra, I, S. 360 von ihrer Parallele, der äsopischen Fabel
Von dem Bauern und der Schlange (Halm, Nr. 96) sagt,
nämlich daß sie wie ein Fragment aussieht und nur den
Eindruck von gehörtem und nicht völlig verstandenem,
darum unzusammenhängendem macht; vor allem fehlt
jeder Grund, daß Dscheha den Schakal in sein Haus auf-
nimmt. Vgl, Österleys Anmerkungen zu Gesta Roma-
norum, Nr. 141 und zu Kirchhof, Wendunmuth, VII, Nr. 91,
die Anmerkungen Kurzens zu Waldis, I, Nr, 26, Chauvin,
II, S, 94 und Nopcsa, Aus Sala und Klementi, Sarajevo,
1910, S, 63 ff,
206
Schakal (Fuchs) hat zehn (hundert etc.) Listen:
Benfey, I, S, 316; Köhler, I, S. 408, 534 und 560; Chauvin,
III, S. 54.
417, Fourberies, Nr, 59,
Zu der Probe der Scharfsichtigkeit vgl, Busch, Ut öler
Welt, S. 12 ff.
418. Fourberies, Nr, 60,
207
IV. Maltesische Überlieferungen
419, Bonelli. S. 459; Buadem, Nr, 30; Serbisch, S, 61 ff.
420, Bonelli, S, 459.
421, Stumme, Studien, S. 49 f f . = Stumme, Malta,
S, 79 ff.; Stumme, Studien, S. 61 ff. = Stumme, Malta,
S. 91 ff.; Bonelli, S. 459 ff.; Ilg, II, S. 41 ff., Nr. 91.
Reichliche Varianten geben Cosquin, II, S. 202 ff. und
363 ff. und Chauvin in der ZW, XV, S. 462; dazu vgl.
noch Luzel, Contes populaires de Basse-Bretagne, III,
S. 400 ff., P. Sebillot, Contes de la Haute-Bretagne, Nr, 22
in der RTF, XI, S. 453 ff.; Wlislocki, Märchen und Sagen
der transsilvanischen Zigeuner, S, 73 ff.; Ilg, II, Nr, 98,
S. 50 ff.; Holte in der ZYY, XVII, S. 339.
422, Ilg, II, Nr, 94,
423, Ilg, II, Nr. 95.
Der Schwank erinnert an das Salzsäen im 14. Kapitel
des Laienbuchs (Stuttgart, 1839, S. 61 ff.; v. d. Hagen,
S. 83 ff.), wo es überdies heißt: „Demnach auch kund und
offenbar, daß andere Sachen wachsen, als Kälber, so man
Käse setzet, und Hühner, wenn man Eier in Boden
stecket . . ."; vgl, dazu Böhm, Lettische Schwanke, S. 119,
Ähnlich ist das Anbauen von Kuhschwänzen, um Kühe zu
erhalten; s, Keller, Die Schwaben, S. 137 ff. und Bronner,
Schelmen-Büchlein, S. 107 ff. Klaus Narr, der Pfennige
aussät, um Geld zu ernten (S. 85), will auch Schafe und
Geflügel anbauen (S. 203 ff.) :
Clauß strawte Schaaflorbern auß vnd meinet, es
würden Schaaf dauon außgehen; da sprach einer: Lieber
Clauß, es werden keine Schaaf auß diesem Samen, Clauß
sprach: Werdens nit Schaaf e, so werdens Lämmer, die
dienen auch in der Küchen an die Bratspiesse,
Also satzte er auch Kötlein von Hünern vnd Gänsen
vnd versähe sich, es würden Hüner vnd Gänse drauß
wachsen; da spräche einer zu jm: Es ist vmb sonst, Clauß,
was du thust; wenn du aber Eyer einscharretest, so würden
junge Hüner drauß, Clauß antvvortet; Was taug vnd kan
Nasreddin, II. 14 209
ein ding vnversuchet? Ich wils hiemit versuchen, wil es
denn nicht gerahten, so wil ich Eyer eynscharren.
Vgl. auch die 11. und die 12. der von Decourdemanche
hinter den Plaisanteries de Nasr-Eddin Hodja, S. 123 ff.
mitgeteilten Karakuschgeschichten.
424. Ilg, II, Nr. 96.
Eine maltesische Parallele steht bei Ilg, II, S, 39; vgl.
weiter Grimm, III, S. 101.
425. Ilg, II, Nr. 97.
Der Schwank ist mir außer bei Costo, // Fuggilozio,
S. 91 und bei Sagredo, L'Arcadia in Brenta, S. 165 ff. auch
schon in einer altern italiänischen Facetien- oder Novellen-
sammlung begegnet; leider ist mir nicht erinnerlich, in
welcher. Auf einer italiänischen Quelle beruht auch das
dasselbe erzählende 35. Stück von Wickrams Rollwagen-
büchlein; vgl. Boltes Noten dazu S. 370 ff.
210
V. Sizilianische Überlieferungen
426. Pitre, III, S. 353 ff.; Crane, S. 291 ff.; Gonzen-
bach, I, S. 249 ff. (der Anfang ist identisch mit der
Nr. 427) ; vgl. oben die Nr. 277 und 407.
Pitre, III, S. 371; Crane, S. 379; Gonzenbach, II,
S. 228.
Der Befehl, nur an Leute zu verkaufen,
die wenig reden begegnet nicht nur in der Fassung
bei Pitre, sondern auch bei Basile, Cosquin und Frison
an den zu Nr, 407 genannten Stellen.
427. Pitre, III, S. 354 ff.; Crane, S. 292; Gonzenbach,
I, S. 249 ff.
Crane, S. 379; Cosquin, II, S. 180 ff.
Bei Pitre, Novelle popolari toscane, S. 188 deckt
Giucca mit der schon gefärbten Leinwand einen Dorn-
busch zu, der ihm vor Kälte zu zittern scheint.
428. Pitre, III, S. 355 ff.; Crane, S. 293.
Crane, S. 293 ff. und 380.
Bei Pitre, III, S, 372 (Monnier, S. 59) steht eine
Variante, wo sich Giufä über die Fliegen nur deshalb
beklagt, weil sie ihn belästigen; der Ausgang ist ebenso
wie in der in Rede stehenden Erzählung. Diese Variante,
die mit einer Juvadigeschichte bei Mango, S. 54 überein-
stimmt, ist eine Parallele zu unserer Nr. 280. Vgl. dazu
noch die Nachweisungen Pitres im Archivio, V, S. 140.
Von den in unsere Erzählung verwobenen Motiven er-
innert der Fleischverkauf an die Fliegen an
den oben bei Nr. 277 und 412 besprochenen Fleisch-
verkauf an die Hunde, während wir der Ver-
scheuchung von Dieben durch ein harm-
loses Selbstgespräch (zu der hier besprochenen
Fassung vgl. noch die Giufägeschichte bei Gonzenbach, I,
S. 260 ff.) unten bei Nr. 446 begegnen werden.
429. Pitre, III, S. 356 ff.; Gonzenbach, I, S. 255 fL;
Crane, S. 298 ff.; Monnier, S. 12 ff.
Köhler-Bolte in der ZW, VI, S. 74.
Meist bis in die Einzelheiten übereinstimmende
Varianten geben Lidzbarski, Geschichten und Lieder, II,
S. 175 ff., Ilg, II, S. 20 ff., M. Preindlsberger-Mrazovic,
1^* 211
Bosnische Volksmärchen, S. 47 ff., Finamore im Archivio,
V, S. 219 ff, und P. Sebillot in der RTP, XI, S. 391 ff.; vgl,
auch Archiv für slavische Philologie, XXII, S. 305 (klein-
russisch),
430, Pitre, III, S. 360 ff.; Crane, S. 294 ff.; Gonzen-
bach, I, S. 252 ff.; Pitre, IV, S. 291.
Pitre, III, 373 ff. und IV, 444 ff.; Crane, S. 295 ff. und
S. 380; Köhler-Bolte in der ZW, VI, S. 74.
Vgl, die Nrn. 347, 383 und 415.
431, Pitre, III, S. 361 ff.; Crane, S. 296; Gonzenbach,
I, S, 253, Vgl, die als Nr, 445 mitgeteilte Juvadigeschichte.
In einer Erzählung bei Stumme, Malta, S, 55 ff.
(Studien, S. 40) wirft Dschahan das kleine Mädchen, das
er waschen soll, in einen Kessel siedenden Wassers.
Köhler-Bolte in der ZW, VI, S, 74; weitere Nach-
weise gibt Holte bei Frey, S, 223,
432, Pitre, III, S, 365 ff. Siehe oben Nr, 55,
433, Pitre, III, S. 366 ff.; Crane, S, 296 ff,; Gonzen-
bach, I, S, 252; eine ähnliche Geschichte von Juvadi bei
Mango, S, 47 ff.; Juvadi et la jocca.
Bei Pitre, Novelle popolari toscane, S, 180 ff, und 195
setzt sich Giucca erst auf die Eier, nachdem er sich mit
Honig bestrichen und in Federn gewälzt hat,
Pitre, III, S, 376; Crane, S, 380; Gonzenbach, II,
S, 228; Köhler-Bolte in der ZW, VI, S. 74.
Vgl, weiter meine Anmerkungen zu Bebel, I, Nr. 26 und
III, Nr, 148 und zu Morlinis 49, Novelle, Lidzbarski, Ge-
schichten und Lieder, S, 128 ff. (Bolte in der Z. /. vgl.
Littg., XIII, S. 233), Böhm, Lettische Schwanke, S. 118 zu
Nr, 33 und endlich Busch, Ut öler Welt, S. 35 ff., Nr. 16,
434, Pitre, III, S, 369 ff.
Abu Nuwas ist der Held dieser Geschichte bei Veiten,
Märchen und Erzählungen der Suaheli, S. 25 ff., bei Bütt-
ner, Anthologie aus der Suahelilitteratur, I, S, 90 ff. und
II, S. 90 ff, und bei Reinisch, Die Afar-Sprache, I,
S, 15 ff, (in die letztgenannte Erzählung ist der gewöhn-
liche Schluß der Unibosmärchen verwoben) ; von Bahlul
wird sie berichtet bei Meißner, Neuarabische Geschichten
aus dem Iraq, Nr. 44, S. 76 und 77 ff.; siehe ebendort, S, V.
212
VT. Kalabrische Überlieferungen
435, F, Romano, Calabresismi, Teramo, 1891, S, 109,
abgedruckt im Archivio, XI, S. 112,
Das Motiv von der verkehrten Ansprache
oder Begrüßung (siehe oben die Anmerkung zu
Nr, 169], das hier nur am Schlüsse leichthin angedeutet
ist, ist vollkommen durchgeführt in der Giufäerzählung
bei Pitre, III, S, 362 ff,; vollständig fehlt es hingegen bei
den sonst als Parallelen zu bezeichnenden Erzählungen von
Juvadi bei Mango, S, 48 und von Dschahan bei Bonelli,
S, 458 und Stumme, Malta, S. 52 [Studien, S, 38),
Vgl. weiter Ilg, II, S, 48; Die Taten des Buassu.
436, Mango, S. 48 ff,
437, Mango, S, 49 ff.
Vgl, Henning, Tausend und eine Nacht , XXIII,
S, 213 ff, (Chauvin, VII, S, 150 ff ,) ; Gonzenbach, II,
S, 138 ff,; Pitre, III, S. 223 ff , und 236 ff,; Cosquin, II,
S, 338 ff,; Köhler-Bolte in der ZW, VI, S, 171; Wesselski
bei Morlini, S, 320 ff,; Clouston, Populär Tales and Fic-
tions, II, S, 36 ff, und 473 ff.
An Märchen, die dem unsrigen nahe stehn, seien noch
genannt: Amalfi, Novelluzze raccolte in Tegiano (Prov.
di Salerno), Nr, 1: Lo cunto re lu puorcu im Archivio,
XIX, S, 497 ff.; G, Crocioni, Novelle popolari in dialetto
di Canistro (Aquila), Nr, 4: La vaccarella im Archivio,
XX, S, 190 ff,; Pitre, Novelle popolari toscane, S, 277 ff.,
Nr, 59; // porco e il castrato; P, Sebillot, Contes de
pretres et de moines, recueillis en Haute-Bretagne, Nr, 1;
Les moines et le bonhomme im Archivio, XIII, S, 274 ff,;
Radioff, III, S, 336 ff.: Eshigäldi; vgl, auch Jacob, Tür-
kische Volkslitteratur, Berlin, 1901, S. 7 ff. und Archiv für
slavische Philologie, XXVI, S, 465,
Zu dem einleitenden Zuge, der Herauslockung
des Tieres, vgl, Wesselski, Mönchslatein, S, 209 zu
Nr, 29, wo noch auf Bromyard, S, 8, 9, Kdtha Sarit Sägara,
II, S, 68 ff, und 636 und Lecoy de la Marche, L'esprit de
nos a'ieux, S, 196 ff, zu verweisen gewesen wäre, und
Hertel, Tantrakhydyika, Leipzig und Berlin, 1909, I,
S. 137.
213
Zu der Verkleidung als Arzt vgl. noch Tallemant des
Reaux, Les Historiettes, 3e ed. par P. Paris et De Mon-
merque, Paris, 1865, VI, S. 220, Nr. 472: Vengeance
raffinee.
438. Mango, S. 51 ff.
Der Eingang, nämlich die Tötung des Morgensängers,
kehrt wieder in der bei Pitre, III, S. 375 ff. als Variante
zu der oben als Nr. 430 gebrachten Giufägeschichte mit-
geteilten Erzählung.
Der Rest ist eine Bearbeitung des Motivs von der
mehrfachen Ausnutzung eines Leichnams,
worüber man — ohne Rücksicht auf die in den Unibos-
märchen oft vorkommende Nutznießung aus der Leiche der
Mutter — V. d. Hagen, Gesammtabenteuer, III, S. LH ff.,
Cosquin, II, S. 333 ff., Bedier, S. 469, Köhler, I, S. 65,
W. C. Hazlitt, Tales and Legends of National Origin or
widely current in England from early iimes, London, 1892,
S. 480 ff.: The Monk of Leicester who was four iimes
slaine and once hanged, Rittershaus, S. 396 ff, und 399 ff.,
Böhm, Lettische Schwanke, S. 119 ff. vergleiche; verwandt
damit ist auch Stumme, Malta, S. 61 ff. (= Studien,
S. 44 ff.).
439. Mango, S. 52 ff.
Wie man sieht, ist diese Geschichte nichts als eine
Variante des 3. Märchens des 1. Tages bei Basile; ausführ-
liche Nachweisungen geben Köhler-Bolte in der ZW, VI,
S. 174 ff. und Köhler, I, S. 405 und 588. Vgl. auch Archiv
für slavische Philologie, XXVI, S. 463,
Zu der Heilung durch Lachen vgl. oben die
Anmerkung zu Nr. 167 und meine Nachweise in Bebeis
Schwänken, II, S. 110 ff.; ferner Studien z. vgl. Lüg., VII,
S. 236; J. Meder, Quadragesimale de filio prodigo, 1494,
sermo 20, zitiert bei Cruel, Geschichte der deutschen Pre-
digt im Mittelalter, 1879, S, 568 ff.; Celtes, Fünf Bücher
Epigramme, hg. v, Hartfelder, Berlin, 1881, S. 57; Passano,
/ novellieri italiani in prosa, 2a ed., Torino, 1878, II,
S. 104.
440. Mango, S. 53.
441. Mango, S. 53 ff.
214
442. Mango, S. 54.
443. Mango, S. 54.
Vgl. Merkens, I, S. 168 ff., Nr. 196 und Krauss,
Zigeunerhumor, S. 34 ff.; ich glaube aber die Schnurre
auch schon als Predigtmärlein gelesen zu haben.
444. Mango, S. 55,
Das Verschmieren der Wandritzen mit
Teig erinnert an das Bestreichen der Erde mit
Butter: Grimm, KHM, Nr. 59; Haltrich, S. 245, Nr. 67;
Rittershaus, S. 357; E. H. Carnoy, Litterature orale de la
Picardie, S. 189 ff.; Böhm, Lettische Schwanke, S. 118 zu
Nr. 31; Archiv für slawische Philologie, XXII, S. 309; Rei-
nisch. Die Saho-Sprache, I, S. 242; derselbe. Die Bedauye-
Sprache, Wien, 1893, I, S. 58 ff . Getränkt wird die
durstige Erde bei L. Morin, Contes Troyens, Nr. 8 in der
RTP, XI, 460 ff., und ihre Risse werden mit Geld verstopft
bei P. Sebillot, Litterature orale de la Haute-Bretagne,
S. 98. Siehe auch oben die Anmerkung zu Nr, 427.
445. Mango, S. 55.
Die Unkenntnis vom Wesen des Kinds -
Schädels als Ursache der Tötung des Kindes begegnet
konform wie hier bei Haltrich, S. 243 (. , , da merkte Hans,
daß dem Kinde der Scheitel zuckte, das waren aber die
Weichen, die bei der Aufregung des Kindes erzitterten.
Hans aber dachte, das sei eine bösartige Blase, nahm eine
große Nadel, stach sie durch, und das Kind zuckte nur
einigemal und war tot , , .) und bei G, Amalfi, / chiochiari
nel mandamento di Tegiano im Archivio, VII, S, 132 ff,;
eine augenscheinlich verdorbene Version erzählt Alice
Ferme, Contes recueillis en Tunis, Nr, 1: La bonne femme
in der RTP, VIII, S. 28 ff.
446. Mango, S. 55 ff.; ebenso von Giufä: Pitre, III,
Nr. 367 ff.
In derselben Weise, nur daß es sich um das einem zer-
brochenen Kruge entströmende Wasser handelt, geschieht
die Verscheuchung der Diebe im 57. Märchen
bei Gonzenbach, II, S. 3 ff.
215
Auf die durch den Schwank Bebeis II, Nr. 112 und
durch die 6. Novelle der 13. Nacht bei Straparola charak-
terisierten Erzählungsreihen, die ja auch hieher gehören,
näher einzugehn, würde wohl zu weit führen.
447, Mango, S. 56. Vgl, oben Nr. 49.
216
VII. Kroatische Überlieferungen
448. Kroatisch, S. 91 ff.; Nouri, S. 94 ff,
449. Kroatisch, S. 95.
450. Kroatisch, S. 101; eine Variante, wo Nasreddin
nicht der Gefoppte, sondern der Foppende ist, bieten
Tewfik, Nr. 40, Trefdi, Nr. 138, Griechisch, Nr, 18, Ser-
bisch, S. 26 und Kroatisch, S. 16. Vgl. weiter Buadem,
Nr, 38, Serbisch, S. 63 und Kroatisch, S. 38 ff.
Hörn zitiert im Keleti szemle, I, S, 69 eine Version
aus der Herzerfreuenden Schrift von Zakani, und Basset
hat in der RTP, XV, S, 461 eine damit ziemlich überein-
stimmende aus dem Nuzhat al udaba übersetzt. Zeitlich
in der Mitte liegt die Nr. 1 der von Papanti herausgegebenen
Facezie e motti dei secoli XV e XVI (Bologna, 1874), die
etwa zwischen 1490 und 1500 niedergeschrieben worden
ist 1. Danach hat der spanische Gesandte bei Inno-
cenz VIII, im Jahre 1486, als der König von Frankreich
die Florentiner durch Drohungen dem König Ferrante II,
abspenstig zu machen versuchte, einem Sekretär Lorenzos
de'Medici und einem Beamten der Signoria von Florenz
folgende Geschichte erzählt:
Che in Hispagna a casa sua era stato uno povero, che
andava mendicando con un bordone, a capo del quäle era
un ferro acuto et lungho; e quando chiedeva la limosina
ad alcuno, gli voltava la punta di decto bordone, come
se gli volessi dare con epso, dicendo: Tale, dammi qualche
cosa per l'amore di Dio, se no , , , , Di che seguiva, che
molti, cognoscendolo matto et importuno, vedendosi völta
la punta, et interpretando quello se no; io ti darö con
questo bordone; per non havere a chonbatter con lui, gli
davano la limosina, Segui un giorno, che, faccendo il
decto povero questo acto a un cavaliere, huomo giovane
et animoso; trovandosi la spada allato, come costumano
in quel paese ciascun portarla; sdegnandosi questo cava-
liere, messo mano alla spada, et voltätosi al povero con
epsa; Che se no, o non se no? II povero incontinenti
1 Vgl. meine Ausführungen darüber bei Arlotto, II, S, 323 ff.
217
rispose; Se non, me n'andrö con Dio sanza danari. Et cosi
per la piü corta si parti.
Es gibt aber noch eine viel ältere abendländische Be-
arbeitung, und die steht in dem 3. Buche der Carmina des
von Karl dem Großen 794 zum Bischof von Orleans er-
nannten und von Ludwig dem Frommen vier Jahre lang
(817 — 821) in Angers gefangen gehaltenen Italiäners oder
Südfranzosen Theodulphus; sie folge hier nach dem Ab-
drucke bei Migne, CV, S. 330:
Saepe dat ingenium quod vis conferre negabat,
Compos et arte est qui viribus impos erat.
Ereptum furto castrensi in turbine quidam
Accipe qua miles arte recepit equum,
Orbus equo fit praeco, cietque ad compita voce,
Quisquis habet nostrum reddere certet equum.
Sin alias, tanta faciam ratione coactus,
Quod noster Roma fecit in urbe pater.
Res movet haec omnes, et equum für sivit abire,
Dum sua vel populi damna pavenda timet.
Hunc herus ut reperit, gaudet, potiturque reperto,
Gratanturque illi quis metus ante fuit.
Inde rogant quid equo fuerat facturus adempto,
Vel quid in urbe suus egerit ante pater,
Sellae, ait, adjunctis coUo revehendo lupatis
Sarcinulisque aliis, ibat onustus inops.
Nil quod pungat habens, calcaria calce reportans,
Olim eques, inde redit ad sua tecta pedes.
Hunc imitatus ego fecissem talia tristis,
Ne foret iste mihi, crede, repertus equus.
Einen der Fassung bei Memel, S, 20, Nr. 27 nahe-
stehenden englischen Schwank druckt Ashton, S. 200 aus
England's Jests Refind and Improv'd, 3rd Ed., London,
1693 ab:
A Scholar meeting a Countreyman upon the Road rid
up very briskly to him; but the Countreyman, out of
respect to him was turning off his Horse to give him the
Road, when the Scholar, laying his Hand upon his Sword,
said: „Tis well you gave me the Way, or I'd . , . ." „What
wou'd you have done?" said the Countreyman, holding up
his Club at him. ,,Given it to you, Sir," says he, pulling
off his Had, to him.
218
Vgl. weiter Lehmann, Exilium melancholiae, D, 57,
S. 96, Amalfi, XII facezie e motti raccolti in Piano di
Sorrente, Nr, 1: Fateme 'a caretä, ca se no! im Archivio,
XXI, S, 335 {{. und Krauss, Zigeunerhumor , S. 143 ff.,
169 ff. und 186.
Diese Drohung Entweder.... oder....! erinnert
an die im drohenden Tone gerichtete Frage: Ist das
Ernst oder Spaß?, z. B. in Archie Armstrong' s Ban-
quet of Jests, S. 216:
Two Gentlemen meeting, the one jostied the other
from the Wall, and had almost made him to measure his
length in the channell: who by much adoe recovering him-
selfe came up close to him, and asked him whether he
were in jest, or in earnest? He told him plainely, that
what hee did was in earnest. And I am glad, replies the
other, that you told me so: for I protest, I love no such
jesting: by which words he put off the quarell.
Nicht identisch mit dieser Version ist die bei Ashton,
S. 335 aus A choice Banquet of Witty Jests, Rare Fan-
cies, and Pleasant Novels .... Being an Addition to
Archee's Jests, London, 1660 abgedruckte, die Wort für
Wort mit Nr. 44 der Conceits, Clinches, Flashes, and
Whimzies, London, 1639, bei Hazlitt, III, S. 16 überein-
stimmt; vgl. weiter Merkens, H, S. 89, Nr, 108 und III,
S. 16, Nr. 20 und Joe Millers Jests, S. 63, Nr. 367, Hierher
gehört auch die 42, Erzählung der Hundred Mery Talys,
ed, by Österley, S, 73 ff. (bei Hazlitt, I, S. 65 ff. hat sie die
Nr, 41),
451. Kroatisch, S, 101.
452, Kroatisch, S. 101 ff.
Ähnlich erzählt Melander, Jocoseria, I, Nr, 115,
S, 93 ff. (deutsche Ausgabe I, Nr. 78, S, 67) wahrscheinlich
nach Bullinger, Contra Cochlaeum:
Alium quendam (nugonem) non puduit omni assevera-
tione affirmare, se fuisse in regione quadam, ubi apes
ovibus magnitudine nihil quicquam cederent. Hoc quam
mendacissime ab illo dici, cum vel surdus audiret, quidam
ex auditoribus ita illi respondit: Oportet igitur istic qui-
dam alvearia perquam capacia esse. Tum nugo, Non
capaciora nostratibus, inquit, Respondit alter iste: Non
219
sunt arapliora nostratibus? Deus bone, quid ego audio!
Ecquomodo igitur ingentes istae apes tuae alveria nostra-
tibus haud majora intrare possunt? Cui nugo in men-
dacio suo veluti mus in pice haerens, totusque pudefactus,
respondit: Hujus equidem rei curam ipsis relinquo. Da
laß ich sie vor sorgen.
Reichliche Nachweise zu dieser Lügenschnurre gibt
Müller-Fraureuth in den Deutschen Lügendichtungen bis
auf Münchhausen, Halle, 1881, S. 58 ff., 72, 127 und 137,
Eine nicht unwitzige Variante in den Additamenta von
Hermotimus (hinter Nicodemi Frischlini Balingensis
Facetiae selectiores in der Ausgabe Amstaelodami, 1660)
ist ihm aber entgangen; dort wird S, 304 ff. De Apihus
Indicis folgendes erzählt:
Ein aus Indien nach Zeeland heimgekehrter schneidet
auf, die Bienen seien in Indien so groß wie in Zeeland die
Elstern, ,,Und die Bienenstöcke?" ,, Nicht größer als die
unserigen," ,,Und die Löcher darin?" ,, Nicht größer als
bei uns." „Wie können sie dann aus und ein?" „Quae
ingredi non possunt, illas oportet foras manere,"
453. Kroatisch, S, 102.
454. Kroatisch, S. 102 ff.
Müller - Fraureuth , der zu dem Schwanke über-
flüssigerweise auch KHM, Nr, 146 heranzieht, gibt S. 53,
125 und 78 eine stattliche Reihe Varianten; die älteste
Fassung ist ihm freilich entgangen. Sie steht in den
Facette et motti arguti von L. Domenichi, Fiorenza, 1548,
El, Bjb, und zwar in dem Teile, der auf dem 1479 ver-
faßten bei libretto des Padre Stradino beruht^; mit dem-
selben Wortlaute ist sie übergegangen in die Facecies, et
motz subtilz, Lyon, 1559, Bl, 9 b (Lyon, 1597, S. 29) und in
die spätem Ausgaben der Domenichischen Facetien (1562,
S, 59, 1581, S. 71 usw.). Wortwörtlich identisch steht sie
auch nach einem alten Manuskripte in der Nr. 2 der Zeit-
schrift II Cherico del Piovano Arlatto (1878), S. 60 fL
Eine sehr hübsche und sehr frühe Variante, die ich
nur aus Dreux du Radier, Recreations historiques, A la
1 Vgl. Wesselski, Arlotto, U, S. 30S ff.
220
Haye, 1768, I, S, % ff, kenne, steht in den VolaniiUae von
Hilarius Cortesius (Courtois), Parisiis, 1533:
Interrogabat quispiam Rex Galliae
In Neustria quidnam referretur novi?
Tunc Neuster inquit ludibundus, et joco
(Ne conveniri se putabat a suo
Principe) : Diebus hisce succrevit ibi olus
Sublimitatis tarn arduae, ut sub eo queat
Exercitus Regis quiescere facile,
Solis sine offensa. Inde, equitans rex longius,
Habet Brittonem obvium; rogat et eum obvium,
Ecquid novi Armorica Brittannia disserat?
Cui Brito: Struunt circumferentia nova
Lebetem: ibi cum plurimus sit artifex
Qui verbere intonet, tarnen non liberum est
Ut verberantes, malleis tonantibus,
Intelligant alios aliquatenus; scio,
Quid viderim. Tum Rex joco ait: Id scilicet
Curatur ut Normanniae coquant olus.
Die Nachweisungen Müller-Fraureuths seien weiter
durch folgende ergänzt: Doni, La Zucca (1. Ausg. 1552),
Venetia, 1592, Bl. 209a; Luis de Pinedo, Libro de chistes
bei Paz y Melia, Sales espanolas, I, S. 298 ff,; C. A. M.
v. W., Zeitvertreiber, S. 159; Harsdörfer, Ars apophtegma-
tica, S. 210, Nr. 954; W. Hickes, Oxford Jests Refined and
Enlarged, London, 1684 bei Ashton, S, 347; Krauss,
Zigeuner humor, S. 159: Ein großes Krauthäuptel; „Fulano,
Zutano, Mengano y Perengano", Cuentos y chascarrillos
andaluces, Madrid, 1896, S, 84 ff.: La col y la caldera.
Nicht uninteressant ist auch eine Version aus Annam bei
A. Landes, Contes et legendes annamites, Saigon, 1886,
S. 319:
Deux menteurs faisaient assaut de mensonges. „J'ai
vu, disait Tun, un tambour que l'on entendait de cinquante
lieues." — „Et moi, disait l'autre, un büffle dont la tete
etait en France et la queue en Annam." — „Comment cela
se pourrait-il? dit le premier." — ,,Sans un büffle pareil,
repondit son camarade, on n'eut pas trouve une peau pour
ton tambour?"
455. Kroatisch, S, 103 ff,
221
VIII. Serbische Überlieferungen
456. Serbisch, S. 44 ff.
Eine hübsche Parallele bieten die Contes du Sieur
Gaulard, S. 196 ff.:
Vne autrefois, estant arriue ä Grey, son coche se vint
ä rompre en deux ou trois endroits, Dequoy extremement
fasche, parce qu'il deuoit aller en quelque Heu en dili-
gence: enfin il s'aduisa d'escrire ä Monsieur de Lampas,
son cousin, qui demeuroit ä deux Heues de lä, et le prioit
bien fort de l'accomoder de son coche pour deux ou trois
iours. Cela fait, il cachette sa lettre, et estoit prest ä
l'enuoyer par son laquais, quand son cocher luy vint dire
que son coche estoit fort bien r'habille, et qu'il n'en falloit
ja emprunter, Alors le sieur Gaulard deschira cette
lettre, et se fist apporter de nouueau vne plume et de
l'encre, et escriuit ä son cousin vne autre lettre, par
laquelle il le remercioit bien fort de l'amitie qu'il luy
vouloit faire, de luy enuoyer son coche, qu'il n'en estoit
plus de besoin, et que le sien estoit raccomode: et
despescha son laquais qui porta cette derniere lettre au
sieur de Lampas, qui le vint trouuer le lendemain expres
a dix Heues de lä, pour scjauoir ce qu'il vouloit dire. Lors
il lui dit, Mon cousin, i'estois en peine, pource que ie vous
auois escrit, qu'il vous pleust m'accomoder de vostre
coche, et sqachant la bonne affection que vous me portez,
ie me suis bien doute, que des que i'aurois escrit, vous me
l'enuoiriez. Et par ainsi ie vous ay escrit la derniere fois,
afin que vous ne m'enuoyssiez pas vostre coche, puis que le
mien estoit refait.
Anders ist folgende persische Geschichte (Kuka,
S. 157):
An inhabitant of Baghdad went to Kazwin. As his
stay at the latter place was prolonged beyond what he had
originally intended it to be, he wrote a letter to his family,
mentioning everything about himself and his affairs; but,
as he could not find any messenger, he determined to
take the letter himself to Baghdad. Accordingly he took
up the letter, and arrived with it at his house, but stayed
outside the door. The members of his family were glad to
see him, and asked him, to enter the house; but this he
would not do, saying, ,,my object in Coming here was
223
merely to bring this letter"; and with these words he left
again, leaving the letter with them,
457. Serbisch, S. 45 ff.; Roda Roda, S. 124,
G. Bouchet, Les Serees, V, S. 69:
Ce maistre qui estoit de nos Serees, nous conta qu'vn
iour il demanda ä vn sien mestayer, comme il se portoit
depuis deux ou trois iours que sa femme estoit morte,
lequel luy respondit, quand ie reuins de l'enterrement de
ma femme, m'essuyant les yeux, et trauaillant ä plorer,
chacun me disoit, compere, ne te soucie, ie s(;ay bien ton
faict, ie te donneray bien vne autre femme. Helas! me
disoit-il, on ne me disoit point ainsi, quand i'eu perdu
l'vne de mes vasches.
458. Serbisch, S. 48. Ähnlich Buadem, Nr. 62; Ser-
bisch, S. 72 ff.; Kroatisch, S. 44.
Eine ähnliche Schnurre aus dem Nuzhat al udaba hat
Basset in der RTP, XV, S. 363 mitgeteilt:
Einige Räuber hielten auf der Heerstraße mehrere
Kaufleute an, bemächtigten sich ihrer und verteilten sie
durchs Los. Die einen fanden bei ihren Gefangenen Stoffe
und seidene Mäntel, andere Geld und andere Dinge; einer
aber schlug seinen Kaufmann jämmerlich mit den Worten:
„Warum sind deine Waren nicht so wie die deiner Ge-
sellen?" Der Kaufmann antwortete: „Verzeih, Herr, ich
wußte nicht, daß der Markt so gut besucht sein werde;
habe Geduld bis zum nächsten Mal." Der Räuber lachte
und ließ ihn laufen.
459. Serbisch, S. 97.
460. Serbisch, S. 97 f f .
461. Serbisch, S. 98.
462. Serbisch, S. 109.
Eine seltsame Parallele und wohl zugleich die schließ-
liche Quelle des serbischen Schwankes bietet eine Ge-
schichte bei Bar-Hebraeus, S. 25, Nr. 98, deren Held der
weise Günstling des persischen Königs Khosrev Anoschar-
wan (531—579) ist:
224
Bazarjamhir's wife asked him a certain question and
he replied, „I know not the answer," Thereupon she said
unto him, „Dost thou take such large wages from the
king (for thy wisdom] and yet not know the answer to
my question?" And he replied, „I receive my wages for
what I know, and it is not payment for what I know not,
If I were to receive wages for that which I know not all
the king's treasures would be insufficient to reward me,
for the things which I know not are exceedingly many,"
Ebenso, nur daß es nicht die eigene Frau ist, steht die
Geschichte, die bei Masudi fehlt, bei Galland, S. 53 ff.;
auf einen andern übertragen ist sie bei Roda Roda, S. 63.
463. Serbisch, S. 117.
464. Serbisch, S. 128; Griechisch, Nr. 147; Pann,
S, 338.
465. Serbisch, S. 131.
466. Serbisch, S. 132.
467. Serbisch, S. 135 ff.
Zu dem Anfange des Schwankes (Nasreddins Tür)
ist auf Pann, S. 342 und oben auf unsere Nr, 329 zu ver-
weisen; zu dem Reste, der eine Parallele bei Roda Roda,
S. 252 hat, vgl. die Anmerkungen zu Nr. 399,
468. Serbisch, S. 144 ff.
469. Serbisch, S. 147.
470. Serbisch, S. 148.
471. Serbisch, S. 151 ff.
472. Serbisch, S. 152 ff .
473. Serbisch, S. 158.
Vgl. dazu die Nr. 92 bei Luscinius, Joci ac sales, ab-
gedruckt bei Gastius, Convivales sermones, I, S. 288 ff, und
in der Ausgabe Francofurti, 1602 der Mensa philosophica,
S. 399 ff., Nr. 74:
Nasreddin, II. 15 ^2*^
Pauper quidam in tonstrinam veniens, ob Dei amorem
orauit vt tonderetur, quod nihil sibi esset pecuniarum, quo
operam tonsoris conduceret. Cum tonsor arrepta hebete
nouacula, tanta inclementia miserum radit, vt ad singulos
tractus lachrymae ex oculis vbertim manarint, interea
eanis in culina acerbe verberatus, magno eiulatu in offi-
cinam tonsoris prosiliit. Quo conspecto, pauper ceu
parem sortis iniquitatem in animali miseratus, exclamauit:
0 canis, quid adversi accidit tibi? num et tu rasus es ob
Dei amorem?
Der Schwank, der aus Gastius in Domenichis Facetie,
1562, S, 229 (1581, S. 282 ff.), in die Cicalata in lode della
Frittura von Lorenzo Panciatichi (Biscioni im Kommentar
zu Lorenzo Lippis Malmantile racquistato, Venezia, 1748,
S. 47), in die Cuentos von Juan de Arguijo (Paz y Melia,
Sales espanolas, II, S. 137 ff.), in die Certayne Conceyts
and Jeasts, Nr. 16 (Hazlitt, III, S. 8 ff.), in Zincgref-
Weidners Apophtegmata, III, S. 256 usw. übergegangen ist,
ist auch die Quelle der 82. Erzählung in Hebels Schatz-
kästlein des Rheinischen Hausfreundes in der zitierten
Ausgabe III, S. 204.
Nahe steht aber unserer Geschichte auch folgender
Schwank Von Claus Narren, S. 162:
Als jhm Clauß wolte lassen seinen Bart abnemmen,
nam der Balbierer einen stumpffen Harsach ^ vnd räuffte
den guten Menschen vbel. Clauß duldets vnd schweig
stille. In dieser weile aber, da Clausen der Balbierer be-
schickte, ließ der Wirth im Hause ein gemestet Schwein
stechen vnd abschlachten, das schreye sehr, da schrey
Clauß auch: Hülff Gott, der Schlächter wird stumpf f
haben, weil das Schwein so schreyet; denn mein Balbierer
hatt auch nit scharff, noch machte er mir nit so wehe,
daß ich geschrien oder gezuckt hette,
474. Serbisch, S. 158 ff.
Der Schwank steht schon im Nuzhat al udaba, woraus
ihn Basset im Keleti szemle, I, S. 221 übertragen hat,
ferner bei Kuka, S. 182, Nr. 85.
475, Serbisch, S. 159 ff-
1 WoU für Scharsach; s. Grimm. VIII, S. 2220 ff.
226 .
476. Serbisch, S. 166.
Tabourot, Contes du Sieur Gaulard, S. 209:
Allans par pays, son homme voulant gagner le beau
chemin, trauersa vn chemin seme de pois. A raison
dequoy, le sieur Gaulard se mit ä crier ä gorge desployee
contre son homme, et luy disoit: Comment belistre, veux-tu
brusler les iambes de mes cheuaux? ne S9ais-tu pas bien
que mangcant des poix, il y a six sepmaines, ils estoient
si chauds qu'ils me bruslerent toute la bouche? Et bien
n'auoit-il pas raison?
477. Serbisch, S. 169 ff.; Griechisch, Nr. 109; Wala-
wani, S, 153 ff.; G. F. Abbott, Macedonian Folklore, Cam-
bridge, 1903, S. 114 ff. (von ,,Nasreddin Khodja, the famous
fourteenth Century wit and sage of Persia"; mit einem
Exkurs über das Niesen); Murad, Nr. 7; Pann, S. 329.
Die Geschichte ist identisch mit der bei Henning, Tau-
send und eine Nacht, XXIII, S, 73 ff, erzählten, wozu man
Chauvin, VI, S, 137 vergleiche.
478. Serbisch, S. 173.
479. Serbisch, S. 176 ff.
Vgl. die Nrn. 332 und 482.
480. Serbisch, S. 177 ff.
Die Schnurre steht, geringfügig abweichend, schon in
Castigliones Cortegiano, 1. II, c. 51 (meine Ausgabe I,
S. 184 und Nachweisungen I, S. 302) und in den Contes du
Sieur Gaulard, S. 190 ff.
481. Serbisch, S. 179 ff.; Anthropophyteia, IV, S.374lf.
Der Schwank steht schon in der bereits zitierten tür-
kischen Fabelsammlung, die Decourdemanche unter dem
Titel Fahles turques, Paris, 1882 aus einem von 1758
datierten Manuskripte ins Französische übersetzt hat und
deren Abfassung er, allerdings ohne zwingenden Grund,
in die ersten Jahre des 16, Jahrhunderts verlegt; die
19, Fabel, L'avare, lautet dort, S. 39, folgendermaßen:
C'est vraiment chose etonnante, disait un avarc
insigne ä son ami en tirant un aspre de sa poche, de voir
que, quand j'achete de la nourriture, mes cheres especes
reviennent dans ma bourse!
15* 227
— Cela t'est bien facile, fait l'autre: tu vas ä la bou-
cherie, tu y fais emplette dun apre de tripes et tu les
empörtes chez toi; alors tu les nettoies avec soin, puis tu
en revends pour un aspre. C'est ainsi que ton argent
revient dans ta bourse.
L'avarice attire de pareilles repliques.
Der Schluß des vorliegenden Schwankes (nicht auch
des aus der Anthropophyteia angezogenen) erinnert an die
50. Novelle Morlinis, wo Gonnella, nachdem er außerhalb
Neapels von zwei Frauenzimmern abgefertigt worden ist,
auf den Besuch Neapels verzichtet, da er sich sagt: Si
Parthenopeis mulierculis tanta inest argutia, quid de
maribus cogitandum?
482. Serbisch, S. 183 ff.; Roda Roda, S. 107.
Vgl. die Nrn. 332 und 479. Hierher gehört auch die
189. Erzählung von Buadem: Buadem assoziiert sich mit
einem, um eine Schreibstube zu halten. Als sie nun am
ersten Abende die Einnahme zählen, ergibt sich, daß
Buadems Gesellschafter, obwohl sie jeder gleich viel
Schriftstücke verfaßt haben, das doppelte eingenommen
hat. Sein Geschreibsel kann nämlich niemand lesen, und
so bringen es die Kunden zurück, damit er es ihnen lesej
dafür läßt er sich nun ebenso viel entrichten wie fürs
Schreiben. Leider kann das Buadem nicht auch durch-
führen, weil er das, was er geschrieben hat, selber nicht
lesen kann.
483. Serbisch, S. 188.
Siehe oben Nr. 349.
484. Serbisch, S. 190.
Krauss, Zigeunerhumor, S. 34 ff.: Es kommt auf die
Seele der Zigeunerin.
485. Serbisch. S. 190 ff.
Roda Roda, S, 117.
486. Serbisch, S. 192.
228
IX. Griechische Überlieferungen
437. Griechisch, Nr. 1; Tewfik, Nr, 3; Trefäi, Nr. 164
(statt 165); Serbisch, S. 12 ff.; Kroatisch, S, 3; Murad,
Nr. 9.
Köhler, I, S. 507 ff.
Zu den dort gegebenen Nachweisungen kommen noch
Clouston, Populär Tales and Fictions, I, S. 458 ff.,
Clouston, Noodles, S. 81 ff., Joe Millers Jests, S. 18 ff.,
Nr. 103, Merkens, I, S. 208 ff., Nr. 250, dazu S. 275, und
III, S. 222 ff., Nr. 214, dazu S. 257, Yakoub Artin Pacha,
Contes populaires de la vallee du Nil, S. 51 ff. (siehe oben
die Anmerkung zu Nr. 63), die 31. Karakuschgeschichte
bei Decourdemanche, Plaisanteries, S. 140 ff. und Chauvin,
VII, S. 136 ff.
488. Griechisch, Nr. 3; Tewfik, Nr. 55; Trefdi, Nr. 162
(statt 163); Serbisch, S. 21 ff.; Kroatisch, S. 24. Siehe
oben Nr. 309.
Clouston, Noodles, S. 70 ff.
489. Griechisch, Nr. 4; Tewfik, Nr. 36; Trefdi, Nr. 155
(statt 156); Serbisch, S. 15; Kroatisch, S. 13 ff.
490. Griechisch, Nr. 5; Tewfik, Nr. 69; Trefdi, Nr. 159
(statt 158); Serbisch, S. 19 ff.; Kroatisch, S. 29.
An Parallelen seien genannt: Poggio, Fac. 56: De illo
qui aratrum super fiumerum portavit; Facecies, et motz
subtilz, Lyon, 1559, Bl. 59a; Costo, // Fuggilozio, S. 107 ff.;
Mery Tales of tfie Mad Men of Gotliam, Nr. 2 (Hazlitt, III,
S. 6; Clouston, Noodles, S. 19 und 68); Contes du Sieur
Gaulard, S. 198 = Zincgref -Weidner, V, S. 119 und Exi-
lium melancholiae, L, Nr. 6, S. 283; unabhängig davon
ebendort M, Nr. 36, S. 311; Hermotimus, Additamenta,
S. 294: De Agricola parcente Asino; Merkens, II, S. 17,
Nr. 21 und III, S. 27, Nr. 36; Jahn, Scfiwänke und
Schnurren, S, 67. Vgl. weiter Sebillot, Litterature orale
de la Hauie-Bretagne, S. 387 und Ispirescu, S. 97 [Maga-
zin. XCVI, S. 613).
In einem aus den letzten Jahren des zwölften Jahr-
hunderts stammenden Spottgedichte auf die Leute von
229
Norfolk, in der Descriptio Ncrfolcensium, lauten die Verse
122 ff. (bei Wright, Early Mysteries and other Latin
Poems, London, 1884, S. 95) folgendermaßen:
Ad forum ambulant (Norfokienses) diebus singulis,
Saccum de lolio portant in humeris,
Jumentis ne noceant: bene fatuis,
Ut praelocutus sum, aequantur bestiis.
491. Griechisch, Nr. 7; Tewfik, Nr. 70; Nouri, S. 37;
Trefdi. Nr. 160 (statt 161); Serbisch, S, 20; Kroatisch,
S. 29.
Um einen gestohlenen Esel, der verkauft werden soll,
handelt es sich bei Bar-Hebraeus, S. 167, Nr. 664. Eine
Variante aus al Abschihis Mustatral hat Basset in der
RTF, XVI, S. 171 übertragen.
492. Griechisch, Nr. 9; Tewfik, Nr. 4; Serbisch, S. 24;
Kroatisch, S. 4.
493. Griechisch, Nr. 10; Tewfik, Nr. 64; Nouri, S. 174;
Treiai, Nr. 139; Kroatisch, S. 26.
494. Griechisch, Nr. 24; Tewfik, Nr. 41; Trefdi, Nr. 140;
Serbisch, S. 25; Kroatisch, S. 16.
Trefdi, S. 19.
Eine Parallele und wohl die Quelle in Abdirabbihis
Kitab al ikd al farid hat Basset in der RTP, XVII, S. 150
übersetzt.
495. Griechisch, Nr. 31; Tewfik, Nr. 9; Nouri, S. 64;
Trefdi, Nr. 142; Serbisch, S. 34; Kroatisch, S. 7 und 93 ff.
Trefdi, S. 16.
Bar-Hebraeus, S, 145, Nr. 566: When another fool was
told, „Thy ass is stolen," he said, „Blessed be God that
I was not upon him."
Ebenso sagt Karakusch in der oben zu Nr. 487
zitierten Geschichte zu der Frau, die ihm klagt, daß der
Esel gestohlen worden sei: ,,Tu es une foUe. Louanges ä
Dieu que l'äne n'ait pas ete vole pendant que ton mari le
chevauchait. Dieu ä ecarte le mal de l'homme."
Vgl. oben Nr. 79.
230
496, Griechisch, Nr. 33. Anders Tewfik, Nr. 11; Tre-
löi, Nr. 144; Serbisch, S. 35; Kroatisch, S. 6.
Ebenso verspricht bei Maidani, I, S. 392 der schon
oben zu Nr. 43 erwähnte Habannaka sein verlorenes Kamel
dem Finder, und dies, weil er nicht um die Freude des
Findens kommen will; von einem ungenannten erzählt das-
selbe ein persischer Schwank bei Kuka, S. 205, Nr. 135.
497, Griechisch, Nr. 34; Tewfik, Nr. 25; Trefdi,
Nr. 152; Serbisch, S. 28; Kroatisch, S. 9 ff.
Eine hübsche persische Variante lautet (Kuka, S. 220) :
„I hear your neighbour has some festivity at his house
to-morrow," said a friend to Mulla Nasruddin.
,,It may be so, but I do not see how that concerns me,"
„But he is going to invite you also."
„And, pray, how does that concern you?"
Der Perser Kuka verweist in einer Fußnote auf die
bekannte Anekdote von Friedrich dem Großen und dem
den Angeber machenden Offizier.
498, Griechisch, Nr. 76; Tewfik, Nr. 5; Trefdi. Nr. 148;
Serbisch, S. 13 ff.; Kroatisch, S. 5.
In der 6. der von Alfred Harou in der RTF, IV mit-
geteilten Faceties des comperes de Dinant (S, 484 ff.)
stiehlt ein Hund ein Stück Fleisch; es nützt ihm aber
nichts, weil er das Rezept, wie es zubereitet wird,
nicht hat; ebenso erzählt eine Schnurre bei Zincgref-
Weidner, V, S. 119 ff.
499, Griechisch, Nr. 113; Serbisch, S. 112 ff; Pann,
S. 330.
Die Zwecklosigkeit der Strafe nach dem
V e r g e h n bildet den Gegenstand einer Anekdote von
dem schon erwähnten Triboulet, die hier nach Dreux du
Radier, I, S. 6 mitgeteilt sei:
On dit que ce meme Triboulet ayant ete menace par
un grand Seigneur, de pcrir sous le bäton, pour avoir parle
de lui avec trop de hardiesse, alla s'en plaindre ä Fran-
<;ois, qui lui dit de ne rien craindre: Que si quelqu'un
etoit assez hardi pour le tuer, il le feroit pendre un quart
d'heure apres. Ah! Sire, dit Triboulet, s'il plaisoit ä votre
Majeste de le faire pendre un quart d'heure avant,
231
Ebenso steht die Schnurre bei P. L. Jacob, Curiosites,
S. 115, Canel, Recherches historiquss, S. 110, Gazeau,
S. 77, Floegel, S. 344, Nick, I, S. 415 und Doran, S. 252;
von einem ungenannten erzählen sie Sagredo, S. 68 und
Casalicchio, c. I, d, 8, a. 5, zit. Ausg. S. 146,
Vgl. schließlich auch die 54. Facetie Poggios: De
quodam qui Redolphum sagittcndo vulneravit und Leh-
mann, Florilegium politicum, S. 273.
500. Griechisch, Nr. 114; Walawani, S. 154 ff. (in Ak-
schehir lokalisiert); Pann, S. 337.
Anders und mit einem entfernten Anklänge an das
Motiv von Nr. 160 und 394 erzählt die serbische Ausgabe
S. 148 ff.:
Eines Tages ging der Hodscha Nasreddin vom Hause
weg, und seine Frau fragte ihn: ,, Wohin?"
Nasreddin antwortete: „Ich will ein bißchen im Wein-
garten und auf dem Acker nachsehn."
„Geh nur," sagte sie, „so Gott will."
„Ob Gott will oder nicht," sagte er, ,,ich gehe."
Als er dann den Weingarten verließ, um nach Hause
zu gehn, war der Himmel ganz umwölkt. Nach kurzer
Zeit begann es zu regnen und zu hageln, und alles wurde
zerschlagen, was ihm gehörte, Weingarten und Acker, Als
Nasreddin sah, was geschehn war, sagte er: ,,Du bist nicht
schuld, o Gott, sondern ich; warum bin ich denn gegangen,
um dir zu zeigen, was mein ist?"
501. Griechisch, Nr. 115; Serbisch, S. 184 ff.
Eine slawonische Variante (nicht von Nasreddin)
steht in der Anthropophyteia, V, S. 293 ff.
502. Griechisch, Nr. 116; Serbisch, S. 138 ff.; Pann,
S, 336.
Vgl. Anthropophyteia, I, S. 181 ff.
503. Griechisch, Nr. 117; Pann, S. 332 ff.
Zabata, Diporto de' viandanti, S. 40:
Andö vn villano alla cittä per sollecitare vna lite, et
eßendo diuerse volte comparso dinanzi al Giudice con suo
poco profitto, fu domandato dal detto Giudice, perche era
venuto lui a sollecitare detta lite, et che doueuano man-
232
dare persone di piü intendimento, et di miglior presenza,
alquale esso rispose, Signore, nel luogo, dou'io sono ci
son molti, hanno quelle parti che dite, lequali veramente
non sono in me, et poteuano mandare: ma hanno fatto
giudicio, che se bene io vaglio poco, ch'io sia a bastanza
sufficiente douendo trattare con vn par vostro.
Juan de Arguijo, Cuentos in den Sales espanolas, II,
S. 209 ff.; Harsdörfer, Ars apophtegmatica, S. 222, Nr. 998.
504. Griechisch, Nr. 118.
Bei Pann, S, 330 antwortet Nasreddin einem Freunde,
der ihn fragt, wie es ihm bei seiner Armut gehe: ,,Du
brauchst dich nicht zu wundern; ich lebe mit meiner Armut
so vergnügt wie der Wurm im Kren, und wenn ich kein
Geld habe, so merke ich das gar nicht."
505. Griechisch, Nr. 124; Walawani, S. 158 ff. (in Ak-
schehir); Serbisch, S. 183 ff. und 127 ff.; Pann, S. 335 ff .
506. Griechisch, Nr. 142; Serbisch, S. 133; Pann, S. 330-
507. Griechisch, Nr. 143.
508. Griechisch, Nr. 144; Buadem, Nr. 63; Serbisch,
S. 73; Kroatisch, S. 44 ff.; Roda Roda, S. 123.
509. Griechisch, Nr. 146; Pann, S. 337 ff. Anders Ser-
bisch, S. 129 ff.
Vgl. folgenden Schwank aus der Mensa philosophica
(1. Ausg. 1475), zit. Ausg. S. 229 ff., auf dem das letzte
Stück des II. Buches der Bebelischen Facetien beruht:
Quidam histrio infirmus, hortante sacerdote vt con-
deret testamentum, ait libenter: Ego nihil habeo nisi duos
equos, quos do baronibus et militibus terrae. Et cum
sacerdos inquireret, quare non daret pauperibus, respon-
dit: Vos praedicatis nobis quod debeamus esse imitatores
Dei. Deus autem bona dedit illis, et non pauperibus, et
ideo sequor illum, et facio similiter.
Roda Roda, S. 201.
510. Griechisch, Nr. 148; Pann, S. 339.
Roda Roda, S. 205.
233
511. Griechisch, Nr. 149; Serbisch, S. 128 ff.; Pann,
S. 345.
512. Griechisch, Nr. 150; Pann, S. 330.
513. Griechisch, Nr. 152; Serbisch, S. 120 ff.
Köhler, I, S. 508.
S, auch die Anmerkung zu Nr, 71.
514. Griechisch, Nr. 160; Serbisch, S. 108.
Vgl, Domenichi, Facetie, 1562, S, 157 und Sagredo,
L'Arcadia in Brenta, S. 127 ff.
515. Griechisch, Nr. 167.
Dieser Schwank stimmt fast vollständig überein mit
dem von Yakoub Artin Pacha, S. 231 ff. und nach diesem
von Mardrus, XII, S, 241 erzählten, nur daß dort die Ver-
wundung des Juden samt dem entsprechenden Urteile
fehlt; s, Chauvin, VII, S, 172 ff. Die Literatur dazu hat
Chauvin, VIII, S, 203 fJugements insenses) zusammen-
gestellt; man vgl, aber auch die bei Köhler, I, S, 578 und
II, S, 578 ff. beigebrachten Ergänzungen zu den betreffen-
den von Chauvin zitierten Aufsätzen.
234
Anhang
Der Umstand, daß die Sammlung Tewfiks in der
Reclamschen Universal-Bibliothek erschienen ist, hat es
mit sich gebracht, daß die darin enthaltenen Stücke in
dieser Ausgabe der Schwanke Nasreddins ausgeschlossen
bleiben mußten. Immerhin ergeben sich zu den einzelnen
Geschichten nicht uninteressante Parallelen,
So wird bei Tewfik, Nr, 37 (Serbisch, S. 44; Kroatisch, 516.
S, 15; Trefäi, Nr, 156 statt 157) dem Hodscha, der ein
Reis pflanzt, vorgehalten, daß er, wann der Baum Früchte
tragen werde, selbst eine Speise der Würmer sein werde;
Nasreddin antwortet, daß er für die Nachkommen pflanze,
so wie die, die vor ihm dagewesen seien, für ihn gepflanzt
hätten. Dazu vgl, die bei Basset, Contes populaires her-
beres, S, 216 ff,, Lidzbarski, S, 154 und Chauvin, II, S. 208
angegebene Literatur, ferner Wünsche, Wajikra rabba,
S. 168 ff.
Zu Tewfik, Nr, 42 (Serbisch, S, 30; Kroatisch, S, 16; 517.
Trefdi, Nr, 157 statt 158: es ist unmöglich einen Brief an
einen Freund in Bagdad zu schreiben) ist auf Phüogelos,
Nr, 137 zu verweisen:
SiSbivtM uayiiQip ktyft Tis ' &dy($a6y fjoi ^uä^aiQuv tfas
SuvQvrje- «5 di ((ptj ■ ovx i^ut fjd^aiqaf J'tüf ixtl (pSd^ovany.
Ähnlich ist auch Phüogelos, Nr, 99.
Buadem, Nr. 14 (Serbisch, S. 56; Kroatisch, S. 33) hat 5/8.
ein merkwürdiges Gegenstück in den Nugae venales, s, 1.,
1720, S. 289 ff.
Audierat procul arma, bona de gentc Batavus,
Gestit in hostiles fervidus ire globos,
At lateri patrium mater dum subligat ensem,
Haec, inquit, referas, nate fac arma domum.
Vix propior steterat pugnae, vestigia pressit
(Mille micant enses, vulnera mille ferunt),
Numquid, ait, ludi est? oculis non parcitur ipsis;
Certe oculis ludus non placet ille meis.
Forte tarnen jacuit truncum sine nomine corpus;
Irruit: Hispanum nam cutis esse docet.
235
Saevit atrox, et qua caedendo, qua laniando,
Absecuit miles strenuus ense femur.
Facturusque fidem, magni argumenta duelli,
Et femur, et ferrum sanguinolenta gerit.
Inde memor moniti, nam pugna cruenta peracta est,
Arma celer properat salva referre domum.
Hoc, ait, Hispanum mulctavi verbere mater,
Maternosque femur projicit ante pedes.
Horret anus, sed enim potius caput ense tulisses,
Nate, refert, olim hie forte redibit eques.
Non faciet certo, o Mater; sed poscis iniquum;
Unde Caput vellem tollere? non habuit.
519. Die 15. Erzählung von Buadem (Serbisch, S, 56;
Kroatisch, S. 33) scheint auf der folgenden in Abschihis
Mustatraf (Basset in der RTP, XIII, S. 552 ff.) zu be-
ruhen:
Ein Bettler blieb vor einer Haustür stehn und sagte
zu den Leuten: „Gott segne euch! gebt mir ein Stück
Brot!" „Das können wir nicht." „Also ein wenig Korn
oder Bohnen oder Hirse." „Wir können es nicht." ,,Dann
ein paar Tropfen Öl oder Milch." ,, Haben wir auch nicht."
„Also einen Schluck Wasser." „Bei uns gibts kein
Wasser." „Warum bleibt ihr dann da? geht doch auch
betteln; ihr habt mehr Recht dazu als ich."
Eine persische Parallele bei Kuka, S. 161, Nr. 2S.
520. Dasselbe wie bei Buadem, Nr, 20 (Serbisch, S. 58;
Kroatisch, S. 34: Der betrunkene, vor dem sich alles dreht,
wartet bis sein Haus kommt) erzählt Tewfik auch im
5. Monate von Ein Jahr in Konstantinopel (deutsch von
Th. Menzel, Berlin, 1909 = Bd. 10 der Türkischen Biblio-
thek, S. 124); die Geschichte steht aber schon bei Kuka,
S. 189, Nr. 103.
521. Mit Buadem, Nr, 22 (Serbisch, S. 59), wo der in einen
Brunnen gefallene um einen Strick laufen will, um sich
herauszuziehen) hat viel Ähnlichkeit die 52. Facetie im
Philogelos:
£}(olaaitx6; tl; Xäxxov neacüy, avvex'^S ißoa äyaxakdjy
icevKÖ ßoti&ovs ' (ü; ä'ovSfls vntjxovt, Xiyti tiqos iccvioy ' fXü)()6i
fi^i, eay /u^ dyfl&aty näytas /Uttaiiyujaw, Iva ovtüj yovy not
vnaxovacoat xal x?.i/uaxa xoftiatoaiy-
236
Bei Buadem scheint aber der Text doppelt verdorben
zu sein (eine Ungereimtheit ist schon stillschweigend
korrigiert worden) ; die Geschichte soll wohl ähnlich lauten
wie folgende persische bei Kuka, S. 212:
A Kazwini's ^ son feil into a well. The Kazwini went
to the well and said to the son: „Don't go away tili i
return with a rope and take you out!"
Zu der Nr. 25 (Serbisch, S. 59 ff.; Kroatisch, S. 36), 522.
wo Buadem einen Topf, der angeblich Gift, in Wirklich-
keit aber Honig enthält, ausißt, vgl. meine Nachv.eise zu
iMorlinis 49. Novelle, S. 99 ff. und davon hauptsächlich
Boltes Angaben bei Frey, S. 214, ferner Clouston, Noodles,
S. 122.
Die No. 27 (Serbisch, S. 60 ff.; Kroatisch, S. 37) er- 523.
zählt: Als Buadem vom Sultan entweder mit einem Gold-
stücke oder mit einem Esel oder mit einigen Schafen oder
mit einem Weingarten beschenkt werden soll, antwortet er,
er wolle das Goldstück einstecken, auf den Esel steigen,
die Schafe vor sich her treiben, in den Weingarten gehn
und dort für den Sultan beten. Dazu vgl. man eine Er-
zählung von Abu Dulama, die bei Lidzbarski, S, 162, in
asch Schirwanis Nafhat al jaman (Ph. Wolff, Das Buch
des Weisen, 2. Aufl., Stuttgart, 1839, II, S. 252 ff.) und bei
Kuka, S. 181, Nr. 81 steht.
In Nr. 32 (Serbisch, S, 62; Kroatisch, S. 38) rät 524.
Buadem seiner Frau, die in der Nacht von einem Insekte
in den Fuß gebissen worden ist, künftighin in den Schuhen
zu schlafen; ähnlich erzählt Philogelos, Nr. 15:
£)(oXaaTixos xad-' vnvovs rjXoy TitnairiXEVui rfofaf , xov nöda
TKQisdtjaey. haigo^ dt aviov nvd^öfjivos t^v aiiiav xal yvovg,
ötxaiu);, tcprj, /uiogol xakovuf&n. &id iC y«p avvTioöriios xoe-
Auf Hierokles beruht wohl Lehmann, Exilium melan-
choliae, T, Nr. 55, S. 244 und schließlich auch Merkens,
I, S. 180 ff., Nr. 210.
' Kaswin (südlich vom kaspischen .Meere) ist eines der vielen Schiida
des Orients.
237
525. In Nr. 40 (Serbisch, S. 64; Kroatisch, S. 39; Nawadir,
S. 43) antwortet Buadem, der behauptet hat, er kenne das
Verborgene, dem ungläubigen Richter, der ihn gefragt hat,
was er in diesem Augenblicke denke: ,,Du hältst mich für
einen Betrüger." Ausführlicher erzählt Abdirabbihi im
Kitab al ikd al farid (Basset in der RTP, XIX, S. 311):
Man führte einen Menschen, der sich für einen Pro-
pheten ausgab, vor al Mamun i, und der Chalif sagte:
,,Hast du ein Zeichen?" „Ja; ich weiß, was du denkst."
,,Und was denke ich?" „Daß ich ein Lügner bin." ,,Du
hast recht," sagte Mamun und ließ ihn ins Gefängnis
werfen.
Nach einigen Tagen ließ er ihn holen und sagte zu
ihm: ,,Hast du eine Offenbarung?" ,,Nein." „Warum
nicht?" ,,Ins Gefängnis kommen die Engel nicht." Der
Chalif begann zu lachen und ließ ihn frei.
Ebenso steht die Geschichte auch in Abschihis
Mustatraf (Basset in der RTP, XIII, S. 232); eine der
unsern entsprechende Version hat Roda Roda, S. 73. Eine
sehr hübsche persische Variante bringt Kuka, S. 174:
A person claimed to be a prophet. He was asked by
some persons to give some sign of prophetship. He said,
„Let every one of you think upon something, and I shall
be able to teil you your thoughts," They said, ,,we have
each thought of something. Now teil us our thoughts."
He replied, ,,Well, all of you are thinking that I am o fool,
and that I am telling you a falsehood," They acknow-
ledged that for once he was right in his conjecture.
Ähnlich kehrt Frage und Antwort in dem größten
Teile der Erzählungen von den drei Fragen wieder,
deren bekanntestes Beispiel Bürgers Kaiser und Abt ist;
vgl. dazu die oben zu Nr. 70 angegebene Literatur,
526. Buadem, Nr. 50 (Serbisch, S. 67; Kroatisch, S. 40 und
41), wo der Einfaltspinsel, nachdem er gesehn hat, wie
die Früchte von einem Maulbeerbaume geschüttelt wurden,
auch Vögel von einem Baume schütteln will, beruht wohl
wieder in letzter Instanz auf einer Facetie des Philogelos,
auf der 19., die folgendermaßen lautet:
» 813—833.
238
SxoXaaiixos ISiav noXXovs argov&ov; int Siydgov iarwia^,
dnXwaas top xöXnof iaiti t6 Sev6qov, öJj- vno&t^öftivo^ zovs
<fIQOV&OV^.
Dasselbe erzählt Der edle Fincken-Ritter, S. 57,
Nr. 308.
Die Nr. 72 bei Buadem (Serbisch, S. 76; Kroatisch, 527.
S. 48) wird in Gladwins Persian Moonshee, II, S. 15,
Nr. 31 folgendermaßen erzählt:
One day a King and his son went a hunting. The
weather being hot, they put their für cloaks on the back
of a jester. The King smiled and said to the buffoon,
„you have an ass's load upon you." He answered, ,,yes;
or rather the burdens of two asses."
In der folgenden Geschichte, Nr, 73 (Serbisch, S. 76; 528.
Kroatisch, S. 48) sagt Buadem seiner Mutter, es sei ein
Bettler unten, der um Brot bitte; sie antwortet, er solle
sagen, sie sei nicht zu Hause. Darauf entgegnet Buadem:
„Er will nicht dich, er will Brot." Dasselbe erzählt
Gladwin, II, S. 20, Nr. 53; die Quelle dürfte Dschamis
Bäharistan (zit. Ausg. S. 83) sein, woraus auch Galland
(S. 43 ff.) schöpft,
Buadem, Nr. 75 (Serbisch, S, 77; Kroatisch, S. 48) hat 529.
im wesentlichen denselben Inhalt wie die folgende Schnurre
des Nuzhat al udaba (Basset in der RTP, XV, S. 355):
Man erzählt, daß ein unwissender, dummer Arzt einem
Kranken einen tötlichen Trank gegeben hat, so daß der
Kranke daran gestorben ist. Nach zwei Tagen ging er
wieder nach ihm sehn und fand, daß er tot war und daß
man ihn begraben hatte. Der Vater des Toten trat dem
Arzte entgegen, und der sagte: „Was für eine Kraft war
in dem Tranke! wäre dein Sohn am Leben geblieben, so
hätte er ein ganzes Jahr keine Arznei gebraucht!"
Die Nr. 91 (Serbisch, S. 83; Kroatisch, S. 57), in der 530.
Buadem einem Freunde rät, er solle das Haus, wo seine
vier Frauen gestorben sind, nur einem Freunde verkaufen,
erinnert an die bekannte Anekdote aus Cicero, De oratore,
II, 69, 278, zu der meine Ausgabe von Castigliones Hof-
mann, I, S, 323 zu vergleichen ist.
239
531. Zu der Nr. 103 (Serbisch, S. 88; Kroatisch, S. 58),
des Inhalts, daß man sich, wenn Käse da ist, an einen den
Käse lobenden Spruch halten soll, wenn aber keiner da
ist, an einen ihn verwerfenden, vgl. Hammer, Rosenöl, II,
S. 72, Nr, 40; von Nasreddin wird die Geschichte erzählt
bei Roda Roda, S. 121, und bei Kuka, S. 214 ff. steht sie,
ohne daß der Sprecher der Sentenzen genannt würde,
mitten unter den Erzählungen, deren Held Nasreddin ist.
532. In Nr. 106 (Serbisch, S. 89; Kroatisch, S. 59) wird
erzählt: Buadem, der auf ,,Salz und Brot" eingeladen
worden ist, findet, daß sein Gastgeber nicht vielleicht aus
Bescheidenheit so gesprochen hat: es gibt tatsächlich
nichts andres; als nun der Gastgeber einem zudringlichen
Bettler droht, er werde ihm den Schädel einschlagen, rät
Buadem diesem, sich zu packen, weil der Mann nie lüge.
Diese Geschichte steht schon bei Abdirabbihi (Basset in
der RTP, XVIII, S. 217) und bei Kuka, S. 172, Nr. 53.
533. Auf dem Bäharistan (S, 83 der genannten Ausg.;
Galland, S, 44) beruht wieder die Nr, 119 (Serbisch, S. 94;
Kroatisch, S. 61; etwas anders Nawadir, S, 41): Buadems
Frau (im Nawadir Dschohas Sohn) ist schwer erkrankt,
und Buadem läßt die Leichenwäscherin holen; als man
ihm vorhält, daß doch die Kranke noch nicht tot sei,
meint er, das tue nichts: wenn die Waschung beendigt sei,
werde es auch mit ihr zu Ende sein, und so habe man
wenigstens Zeit erspart. Vgl. auch eine Erzählung des
Nuzhat al udaba (Basset, Keleti szemle, I, S. 223, Nr. 25),
wo Dschoha, der um einen Arzt für seinen Vater ge-
schickt worden ist, gleich den Leichenwäscher mitbringt,
weil usw. usw.
534. Ebenso geht auf das Bäharistan (S, 75 ff.; Galland,
S. 36) die Nr. 120 (Kroatisch, S. 61) zurück: Buadem
kommt zu einem Lehrer, dem er etwas aufzubewahren
gegeben hat, und bittet, ihm das auszufolgen; er wird er-
sucht, bis zum Ende des Unterrichts zu warten. Da nun
der Lehrer beim Unterrichte fortwährend mit dem Barte
wackelt, sagt ihm Buadem, er solle nur um das Depot
gehn; das Bartwackeln werde inzwischen er für ihn be-
240
sorgend In der Fassung des Nawadir (S. 41) ist der
Lehrer durch einen Kadi ersetzt.
Eine ziemliche Verbreitung hat die 121. Geschichte 535.
von Buadem (Serbisch, S. 94; Kroatisch, S. 61; Nouri
S, 117; Nawadir, S. 41): Auf die Frage, wie viel Dumme
es in seiner Heimat gebe, antvi^ortet Buadem, das wisse er
nicht, die Gescheiten aber könne er sofort herzählen.
Schon Bar-Hebraeus erzählt sie mit der Lokalisierung in
Emesa oder Homs, einem der vielen Schiida des Orients
(Budge, S. 158, Nr. 630; ins Deutsche übersetzt von
L. Morales in der Zeitschr. d. D. Morgenl. Ges., XL, S. 419).
Bahlul ist ihr Held im Bäharistan (S, 74; Galland, S. 34) j
ebenso steht sie bei Cardonne, II, S. 119 (deutsche Ausg,
S. 242) und Herbelot, I, S. 524; nach Herbelot erzählen
Flögel, S. 172, Nick, I, S. 141 und Doran, S. 68. VgL
weiter Chauvin, VII, S, 126".
Von den 29 Stücken, die Murad Efendi in Reime
gebracht hat, ist uns die Mehrzahl schon bei den nach
andern Fassungen gebrachten Schwänken begegnet; hier
mögen noch die Inhaltsangaben der Gedichte, zu denen
ich Parallelen nachweisen kann, samt diesen folgen,
Murad, Nr. 2: Nasreddin, der sich mit einem Nachbar, $36.
einem Geizhalse, nach einem Zwiste versöhnt hat, über-
nimmt die Beistellung des Friedensmahles, und auf dieses
bereitete sich der Geizige durch ein längeres Fasten vor.
Als er sich dann dazu einfindet, muß er Nasreddin erst zu
den Einkäufen auf den Markt begleiten. Nasreddin
fragt zuerst um gutes Weißbrot; da der Händler sein Brot,
um es anzupreisen, mit Butter vergleicht, meint Nasreddin,
1 Zur Erklärung dieser Schnurre fährt Galland fort: Les Mahometans
ont cette coutume dans tout le Levant de branler la tete en devant et en
arriere lors qu'ils lisent; et comme les enfans qui lisoient sous ce Maitre
d'Ecole branloient la tele, le Maitre d'EcoIe branloit aussi sa sienne, quoi
qu'il eut pu s'en abstenir, mais c'etoit sa coutume. Les Juifs branlent aussi
la tete dans leur Synagogues en priant Dieu, mais d'une epaule ä l'autre,
et non pas en devant et en arriere comme les Mahometans. Les uns et
les autres pretendent que cette agitation les rend plus attentifs ä leurs
Prieres.
2 Die Quellen Herbelots bespricht Meißner in den Neuarabischen
Geschichten aus dem Iraq, S. v ; über Bahlul überhaupt s. die bei Chauvin,
VII, S. 127 angegebene Literatur und Pr>m-Socin, Tür 'Abdin, II, S. 387.
Nasreddin, II. Iß 9/-I
es sei besser, sich gleich an die Butter zu halten. Die
Butter wird nun als süß wie Öl gepriesen, und Nasreddin
verzichtet auf sie zugunsten des Öls. Da weiter der
Händler von seinem Öle sagt, es sei klar wie Wasser, sieht
Nasreddin von jedem Einkaufe ab und bewirtet seinen
Gast mit Wasser.
Dieselbe Geschichte, aber von einem Geizigen aus
Basra und einem aus Kufa, bringt Hammer aus dem, wie
er sagt , ursprünglich persischen , aber schon unter
Murad II. ins Türkische übertragenen ,,Dschamiol Hikajat
ve Lamiol-rivajat" im Rosenöl, II, S. 261 iL; ebenso steht
sie bei A. Certeux, Kehir-Chahä in der RTF, III, S. 496b ff.
Die anscheinend älteste Version, wo in der obigen Reihe
Brot und Butter fehlen, steht bei Bar-Hebraeus (Budge,
S. 113 ff., Nr. 439; Morales in der Zeitschr. d. D. Morgenl.
Ges.. XL, S. 416 ff.).
537, Die Nr, 8 bei Murad erzählt: Als der Hodscha mit
dem Aga auf die Jagd reiten muß, nimmt er sich drei
Datteln mit; sooft er aber eine in den Mund steckt, richtet
der Aga eine Frage an ihn, so daß ihm, weil er die Dattel
samt dem Kerne nicht verschlucken kann, nichts übrig
bleibt, als sie auszuspucken. Am Abende will der Aga mit
einer Zofe seiner Gattin scherzen; aber nun rächt sich
Nasreddin an ihm und stört ihn dreimal hintereinander
just im entscheidenden Momente, indem er an die Tür
pocht und immer eine seiner bei der Jagd gegebenen Ant-
worten richtig stellt.
Von Harun al Raschid und seinem Sklaven Ibad er-
zählt dasselbe Hammer im Rosenöl, II, S. 232 ff, nach dem
,,Mehedschon-nufus"; an die Stelle Ibads tritt Abu Nuwas
bei Meißner, Neuarabische Geschichten aus dem Iraq,
S. 72 und 73, Nr. 40. Vgl. auch Basset in der RTF, XXII,
S. 215 ff.
S3S. In der 10. Erzählung Murads, die bei Buadem, Nr. 61
(Serbisch, S. 72; Kroatisch, S. 44) der Schlüpfrigkeit,
damit aber auch des Witzes entkleidet ist, schleichen sich
Strolche in den Stall Nasreddins; er und seine Frau hören
ihr Gespräch, wonach sie beabsichtigen, die Kuh zu
stehlen, den Hausherrn umzubringen und an der Frau ihre
242
Lust zu büßen. Begreiflicherweise ist Nasreddin sehr ent-
rüstet, als seine Frau zuzuwarten rät.
Dieses Exempel weiblicher Begehrlichkeit steht bei
Hammer Rosenöl, II, S. 293 nach dem „Nozhatol-ebsar",
das wohl mit dem von Basset in den Contes populaires
herberes, S 201 zu seiner dasselbe erzählenden 50. Ge-
schichte (Le vieillard, la femme et les voleurs) als
l'arallele zitierten Kitab nozhat el absar identisch ist.
Bei Murad, Nr. 19 zeigt sich Nasreddin von dem Vor- 539
trage eines stumpfsinnigen Dichters sehr gerührt; als ihn
dieser voll Stolz fragt was denn auf ihn einen besondern
hmdruck gemacht habe, erhält er zur Antwort, daß sich
iNasreddm beim Anblicke seines wackelnden Bartes i weh-
mütig eines alten Ziegenbockes im Vaterhause erinnert
Dieser Schwank ist wohl zusammenzustellen mit dem
•''°^- ^.^ /^^ c™^^ ^^' Eselsstimme, den ich
im Monchslatem, S. 8 mitgeteilt habe; in einer an unsere
Version gemahnenden Form (Bart, nicht Stimme, ist das
mTT pr p^ vv'"!^^ '^^^* er im Nuzhat al udaba
[Basset RTP, XV S. 353), bei Gladwin, II, S. 15, Nr 33
(dazu Clouston F/ou;ers, S. 71 ff.), bei Swynnerton, S. 157
und m einer bulgarischen Erzählung aus Altserbien in der
Anthropophyteia, II, S. 387 ff.
Zu meinen Nachweisungen im Mönchslatein, S 197 ff
sind noch nachzutragen: A. Lecoy de la Marche, L'esprit
sLillnf'r"'.^' ^5"" ^'■' ^^ ^"^'^^ ^- d« Vitry) lindXu
Sebi lot Contes de pretres et de moines, recueillis en
Haute-Bretagne, Nr. 12 im Archivio, XIII, S. 567.
^ch\?hZ ^^' ^"^^^""g i^^'-^ds bringt die bekannte Ge- 540
schichte vom Traumbrod, wozu man Chauvin, IX,
ö. 28 vergleiche, und zwar in einer Fassung, die der des
. j °' ^L^'^°^° (Hammer, Rosenöl, II, S. 303 ff • Basset
'° ^n ^\^\ ?7' ?.• '^S^^-^' ^ber auch dJirlkesnewi
von Dschelaleddin Rumi außerordentlich nahe stehtf nTch
l^lf 'Tl^^I'' wie in der von Clouston in den Populär
^°^'' °"^ ^'^''°"*' ". S. 89 aus der Historia Jeschuae
^ S, die Fußnote 1 auf S. 241.
2 Eine Variante habe ich im Euphorion. XV, S. 10 ff. behandelt.
16*
243
Nczareni illustrata a Joh. Jac, Huldrico, Leyden,
1705, d. i. Huldreichs Ausgabe der Tholedoth Jesu mit-
geteilten Version um eine Gans handelt es sich in der ser-
bischen Ausgabe, S. 155 ff. (Nasreddin foppt zwei Der-
wische),
541. Die kroatische Ausgabe enthält zwei außerordent-
lich verbreitete Erzählungsstoffe; der eine (S. 91 ff.;
Nouri, S. 57 ff.) stellt die unter dem Namen Asinus
V u 1 g i bekannte Geschichte dar, zu der man die bei
Chauvin, II, S. 148, III, S. 70 und 145 und VIII, S- 140
angegebene Literatur, ferner Waas, Die Quellen der Bei-
spiele Boners, S. 48, Köhler, II, S. 571, Meißner, Neu-
arabische Geschichten aus dem Iraq, S. 54 und 55, Nr. 30
und S. III vergleiche. Zwei Versionen sind bis jetzt un-
beachtet geblieben: die eine steht im Antonius dialogus
von Jo. Jov. Pontanus {Opera, Basilae, 1538, II, S. 163) ;
die andere, die die Fabel damals schon als Altweiber-
märchen charakterisiert, findet sich in einem Briefe
Petrarcas (Epistolae de rebus familiaribus et variae, ed,
Fracasetti, Florenz, 1859 ff., II, S. 404):
Unam tibi e fabellis referam vulgo notis, et quibus
anus ante fccum hibernas noctes fallere solitae. Senex
cum adolescente filio agebat iter. Erat his unus parvus
asellus arabobus, quo vicissim laborem viae levabant. Hoc
dum genitor veheretur, sequente pedibus suis nato, irri-
dere obvii. En, aiebant, ut moribundus inutilisque seni-
culus dum sibi obsequitur, formosum perdit adolescentem.
Desiluit senex, et invitum natum in suum locum sustulit,
Murmurare praetereuntium turba; en ut segnis et praevali-
dus adolescens, dum propriae blanditur ignaviae, decre-
pitum patrem mactat. Pudore ille victus, patrem coegit
ascendere. Ita uno quadrupede simul vecti murmur occur-
rentium indignatioque crebrescere, quod una brevis duabus
magnis bellius premeretur. Quid te moror? His moti
pariter ambo descendunt, et vacuo asello pedibus incedunt
propriis. Enimvero tunc illusio acrior risusque protervior,
duos asinos uni ut parcant, sibi non parcere. Hie genitor:
cernis, inquit, fili, ut nil quod probetur ab omnibus fieri
potest; repetamus pristinum morem nostrum; hi suum
loquendi carpendique omnia morem servent. Nil amplius
dicam, nee necesse est: rudis fabella, sed efficax,
244
Weiter hat eine Geschichte in der kroatischen Aus- 542.
gäbe, S. 95 ff. (Nouri, S. 41 ff.) folgenden Inhalt: Der
Hodscha erzählt seiner schwatzhaften Frau, er habe ein Ei
gelegt, Sie erzählt das unter dem Siegel der Verschwiegen-
heit ihrer Nachbarin Ajscha, diese wieder ihrer Freundin
Fatima; binnen kurzem verbreitet sich die Sache in stets
gesteigerter Form in der ganzen Stadt und endlich erfährt
sie auch der Sultan, dem schon von 699 Eiern berichtet
wird. Auch er tut so wie die andern und fragt Nasreddin,
ob es wahr sei, daß er 700 Eier gelegt habe.
Dies ist die Fabel La Fontaines Les femmes et le
secret; vgl. Boltes Nachweisungen bei Montanus, S. 592 ff.
und Chauvin, VIII, S. 168 und 197.
Unter den serbischen Überlieferungen in den 543.
Anihropophyteia ist eine (I, S. 465 ff.), die ebenso wie eine
Erzählung im Nawadir (S. 16) den Stoff des Dit de perdriz
(Montaiglon-Raynaud, I, S. 188 ff.) behandelt; die ser-
bische Variante tut dies in einer Form, die sehr an die
der Tausend und einen Nacht (Chauvin, VI, S, 179 ff.) er-
innert. Man vergleiche Legrand, Fabliaux ou contes,
Paris, 1829, IV, S. 38 ff.; Bedier, S. 466; v. d. Hagen, Ge-
sammtabenteuer, II, S. XV ff.; Pauli, S. 514, Nr. 364;
H, Sachs, II, S. 169 und III, S. 149; A. L. Stiefel in den
Hans Sachs-Forschungen, S. 158 ff.; Benfey, I, S. 146;
Österley in der Zeitschr. f. vgl. Littgesch., I, S. 54; K. Rein-
hardstoettner ebendort, VII, S. 474; Cosquin, II, S. 348 fL;
Fourberies, S. 27 ff. Zu den an diesen Stellen genannten
Nachweisungen kommen noch: Der edle Fincken-Ritter,
S. 61, Nr. 353; Blade, Contes populaires de la Gascogne,
III, S. 289 ff,; Sebillot, Litterature orale de la Haute-
Bretagne, S, 137 ff,; Stumme, Tunis, I, S. 73 und II, S, 122.
Die Erzählung in der Anihropophyteia, II, S. 412 ff, 544.
ist äußerst obszön: Nasreddin rächt sich an einem Gläu-
biger, einem reichen Türken, der seine Tochter verführen
will, indem er, als seine Tochter verkleidet, zuerst die
drei Töchter und dann die Frau des Türken beschläft und
schließlich noch ihn selber schändet. Der hier nur zum
Schluß vorkommende Zug, daß die dankbaren Mädchen
und ebenso ihre Mutter auf ihren Kuchenanteil zugunsten
der falschen Zuleika verzichten, ist besser verarbeitet in
245
Sercambis Novelle De Malvagio famulo (ed, Renier,
S. 335 ff.), zu der die 191. Facetie Poggios: Facetia cuius-
dam qui subagitabat omnes de domo samt den von Noel,
II, S. 183 ff. beigebrachten Parallelen zu vergleichen ist,
545. In Anton Panns rumänischer Gedichtesammlung
Nazdravaniile lui Nastratin Hogea wird S, 331 erzählt,
wie der Hodscha ob seiner Lustigkeit von einem Freunde
gefragt wird, ob er denn seine Schulden bezahlt habe. Er
antwortet verneinend; aber die Sorge überlasse er den
Gläubigern.
Das ist eine Variante der oft bearbeiteten 204. Facetie
Poggios: Exploratio ad hominem tristem ob pecuniam
debitam (dazu Noel, II, S. 193 ff.).
546. Pann, S, 338 (Griechisch, Nr. 151): Als der Hodscha
Nasreddin Knoblauch gegessen hat, weigert sich seine
Frau, mit ihm zu schlafen, weil sie den Geruch nicht ver-
trägt. Der Hodscha fragt einen Freund, wie er es an-
stellen müsse, um geruchlosen Knoblauch zu bekommen,
und erhält den Rat, ihn (der Schale) entkleidet zu
pflanzen. Der Knoblauch riecht aber wieder, und nun
meint der Freund, der Hodscha müsse eben auch sich
selber entkleiden. Der Erfolg bleibt wieder aus, und der
Hodscha sagt zum Knoblauch; Dich habe ich ausgezogen,
mich habe ich ausgezogen, aber dein Gestank ist ge-
blieben.
547. Sehr hübsch ist folgende Geschichte bei Pann, S, 340:
Als der Hodscha einmal sein Hemd flickt, bildet der Zwirn
zufällig einen Knoten, und er merkt, daß die Näharbeit
dadurch leichter von statten geht. Voll Stolz erzählt er
allen Leuten, was für eine Erfindung er gemacht hat, erntet
aber nur Spott.
Vgl. Eulenspiegel, Hist. 50 (Neudruck, Halle, 1884,
S, 78 ff.; Dr. Thomas Murners Ulenspiegel, hg, v, Lappen-
berg, Leipzig, 1854, S, 73 ff . und 257) und Aug, Wilh,
Schlegels Poetische Werke, Heidelberg, 1811, II, S. 278 fL:
Parabel vom Eulenspiegel und den Schneidern.
548. Pann, S, 342 ff.: Im Kaffeehause bitten den Hodscha
seine Freunde, eine Lüge zu sagen; er entgegnet aber mit
246
trauriger Miene, sie hätten freilich leicht lustig sein, ihm
sei aber sein Vater gestorben, und er habe kein Geld zum
Begräbnis. Darauf gibt ihm jeder Geld und er geht mit
einem hübschen Sümmchen fort. Bald darauf kommt der
totgesagte Vater ins Kaffeehaus; auf die Vorwürfe seiner
Freunde entgegnet Nasreddin, sie hätten ihn ja lügen
heißen.
Pann, S. 344 ff.: Ein Kaufmann gibt dem Hodscha irr- 549.
tümlich Seife statt Käse, Als der Hodscha den vermeint-
lichen Käse ißt, stellt er fest, daß er anders als sonst
schmecke; seine Frau, die ihm zusieht, sagt ihm, daß er
eben Seife esse. Aber Nasreddin ißt ruhig weiter: der
Kaufmann sei ein Ehrenmann, und was er bezahlt habe,
werde er auch essen.
Ebenso essen im 24, Stücke der Märchen der Schluh
von Tazerwalt von Stumme, Leipzig, 1895 die Bewohner
des Wad Draa Seife für Honig (Hartmann in der ZW, VI,
S. 269),
Ein guter Schwank ist auch folgender (Pann, S, 346) : 550.
Der Hodscha geht mit seiner Ziege auf den Markt, um
dort ihre Milch zu verkaufen. Es kommt ein Kunde, und
der Hodscha melkt die Ziege; da aber dem Kunden die
Milch zu teuer ist, schüttet er sie der Ziege zurück in den
Mund, damit sie wieder in die Euter fließe.
Vgl, dazu Kathä Sarit Sdgara, II, S, 61: Story of the
king ivho replaced the flesh mit Tawneys Noten,
Diese Ziege wird später (Pann, S. 346) von Wölfen 551.
gefressen; der Hodscha macht sich aber nichts daraus
und sagt: Wo Gewinn ist, kann auch einmal ein Ver-
lust sein.
Altbekannte Motive behandelt die folgende Erzäh- 552.
lung (Pann, S, 347 ff.); Der Hodscha sieht einmal, wie in
einem Hofe ein Diener einem reich geschmückten Esel die
Fliegen abwehrt, während der Eigentümer des Esels ver-
gnügt zusieht; er geht hin, umarmt und küßt den Esel und
247
sagt: „Schade, daß er nicht reden kann." Auf die er-
staunte Frage des Eigentümers antwortet er: „Freilich
kann ich ihn reden lehren, noch dazu in vier fremden
Sprachen." Daraufhin bekommt er den Esel mit nach
Hause und dazu ein schönes Stück Geld, damit er das ver-
wöhnte Tier ordentlich pflege; in einem Jahre soll der
Unterricht beendet sein. Nasreddins Frau ist mit dem
Geschäfte nicht zufrieden, aber er tröstet sie, daß in dem
Jahre entv/eder der Besitzer oder der Esel oder er selber
sterben könne, und das Geld habe er ja schon. Am
nächsten Tage beginnt er mit dem Unterrichte, indem er
dem Esel mit Stockschlägen beibringt, auf einen Wink
mit der Hand den Kopf zu heben oder zu senken. Als
das Jahr um ist, bringt Nasreddin den Esel zu seinem
Herrn, der eine Menge Gäste eingeladen hat. Auf die
Frage Nasreddins, ob er wie die andern Esel brällen wolle,
hebt der Esel den Kopf zum Zeichen der Verneinung, und
so beantwortet er noch eine Reihe ähnlicher Fragen, Den
Einwand des Besitzers, daß der Esel noch immer nicht
spreche, beantwortet Nasreddin dahin, daß der Esel noch
ein kleines Kind sei, das schon alles verstehe, aber zu
reden erst noch lernen werde. Der Herr des Esels gibt
mit Freuden wieder Geld her, aber nun ändert Nasreddin
sein Verfahren; er gibt dem Esel, dem er das Essen ab-
gewöhnen will, täglich weniger Futter, bis er endlich ver-
endet. Als er dann dem Eigentümer des Esels dessen Tod
meldet, veranstaltet ihm der voll Trauer ein schönes Be-
gräbnis.
In den Hauptzügen deckt sich diese Geschichte mit
La Fontaines Fabel Le charlatan, zu der man Robert,
Fables inedites des Xlle, Xllle et XlVe siecles, Paris,
1825, H, S. 54 ff. vergleiche. Um einen Bären handelt es
sich bei Lodovico Carbone, Facezie, ed. Abd-el-Kader Salza,
Livorno, 1900, S. 58 ff., Nr. 83, um einen Affen in der
88, Novelle von Des Periers (zit. Ausg. S. 300 ff.): D'un
singe qu'avoit un abhe, qu'un Italien entreprint de faire
parier und um einen Elephanten in folgenden Fassungen:
Guicciardini, Detii et fatti, Venetia, 1581, S. 21: Cosa
opportune, et utile, godere il beneficio del'tempo; Ls
tombeau de la melancholie (1. Ausg. 1625), Paris, 1639,
S, 214 ff.: Gentille inuention d'vn Gentilhomme Frangois
pour sauver sa vie; Democritus ridens, S, 42; Roger Bon-
248
temps en Belle humeur, S. 369: Ben tour d'Anthoine Mar-
tinus; Das kurtzweilige Leben von Clement Marodt
(1. deutsche Ausg. 1660), Gedruckt im Jahre 1663, S. 29 ff.;
(Henry Daudiguier) Histoire des amours de Lysandre et
de Calisto (1, Ausg. Leyden, 1650], Amsterdam, 1670,
S. 433. Die Geschichte ist noch heute lebendig, wie
Roseggers Bearbeitung zeigt.
Älter scheint die Erzählung von dem Esel zu sein,
der lesen lernen soll: Stricker, Der Pfaffe Amis,
V. 181 ff. (Lambel, Erzählungen und Schwanke, Leipzig,
1872, S. 25 ff., 13 und 16); Poggio, fac. 250: Facetum homi-
nis dictum asinum erudire promittentis (Noel, II,
S, 257 ff.); Brant, Esopi appologi, Basileae, 1501, Bl. Bja;
Eulenspiegel, Hist. 29 (Neudruck, S. 44 ff.; Lappenberg,
S. 40 ff. und 246) ; Camerarius, Fabellae Aesopicae, Tu-
bingae, Ex. off, Morhardi, 1538, Bl. 86a; Rex et subditus;
H. Sachs, IV, S. 308; Fr. Delicado, La Lozana Andaluza,
Paris, 1888, II, S. 277 ff.; Seb. Mey, Fabulario, Valencia,
1613, fäb. 47 (Menendez y Pelayo, Origenes, II, S. CX ff.) ;
Tales and Quicke Answeres, Nr. 99: Of hym that vnder-
toke to teachs an asse to rede (Hazlitt, I, S. 115); Pryra-
Socin, Tür 'Abdin, II, S. 291 ff. (hier handelt es sich um
ein Kamel), Lesen und schreiben soll der Esel lernen
bei Abstemius, Hecatomythium secundum, fab. 33: De
grammatico docente asinum (Aesopi Phrygis et aliorum
Fabulae, Venetiis, 1539, Bl. 61b) und Waldis, Esovus, IV,
Nr, 97 (hg, V, Kurz, II, S. 270 fL und Anm. S. 184), Vgl,
weiter Leveque, Les mythes et les legendes de l Inde et
de la Perse, Paris, 1880, S, 560 ff,, ZW, VII, S. 95 ff. und
Archivio, XXI, S. 358,
Zu dem Tröste, daß in der gestellten Frist der eine
oder der andere sterben kann, vgl, Chauvin, VIII,
S. 117 ff.
Der Zug, daß einem Esel oder Pferde das
Essen abgewöhnt werden soll, kehrt auch heute
noch oft in Schwänken wieder; er findet sich aber schon im
Philogelos, wo die 9, Facetie lautet:
£^oi.aaTiX(i; d-iXtav zov ovov avrov äc6<i£ai /Ltij TQCüyny, ov
naqißakif uvto) loorpag. aTioO-ttfönof öi lov ovov dno kiuov,
tkeye * [Xtyä'Aa s^rjuiüi&tjv • oVf yitQ ifxctO^t fx>} TQwyeiy, xöts
OTie&avf.
>49
553. Interessant ist ein griechisches „Märchen" in den
schon zitierten 52 UaQuuvf^ta; es ist das 23. (S. 54 ff.):
'fl yvvaixa tov Naargadty XorC«, dessen wesentlicher Inhalt
in einer breitern Fassung in den NfoMrjfixa 'Aydkfxia,
II, Athen, 1874, S. 103 ff. als 33. der Jrjucü^tj nctQniivditt
Nd^ov wiederkehrt: Die Frau Nasreddins ist in den Arzt
des Dorfes verliebt. Da er auf ihre Blicke und sonstigen
stummen Liebeswerbungen nicht achtet, schickt sie ihm
endlich durch ihre Magd eine Torte, worein sie einen
Zettel gesteckt hat. Der Hodscha begegnet der Magd,
nimmt ihr die Torte ab, ißt diese mit einem Freunde auf,
liest den Zettel, übergibt der Magd einen andern, des In-
halts, daß er in der Dunkelheit kommen werde, und be-
fiehlt ihr, der Frau zu sagen, sie habe ihren Auftrag aus-
gerichtet und der Arzt sende ihr diese Antwort. Ganz
glückselig richtet die Frau alles her zum Empfange des
Geliebten, Inzwischen geht der Hodscha zu dem Arzte
und läßt sich von ihm ein stark wirkendes Abführmittel
geben; in der Dunkelheit geht er dann in sein Haus.
Seine Frau, die ihn erwartet hat, hält ihn, weil beide
gleich dick sind, für den Arzt, und sie begeben sich sofort
ins Bett, Nun beginnt auch schon das Abführmittel zu
wirken: der angebliche Arzt besudelt nicht nur Bett und
Zimmer, sondern auch die liebeshungrige Frau und macht
sich endlich unter ihren Verwünschungen davon. Nach
einigen Tagen kommt der Hodscha zurück, und sein erstes
ist, daß er den Arzt zum Essen einlädt. Seinem der Magd
erteilten Auftrage gemäß, fehlt auf dem Tische bald ein
Löffel, bald eine Gabel, bald ein Glas, so daß er mehrmals
Gelegenheit hat, das Zimmer zu verlassen und die Zornes-
ausbrüche seiner Frau gegen den Arzt zu belauschen, dem
sie schließlich einen Löffel Reis ins Gesicht wirft. Der
Arzt entfernt sich, indem er dem Hodscha sein Bedauern
ausspricht, daß sein Weib nicht recht bei Sinnen sei, Sie
ist aber von ihrer Leidenschaft geheilt und liebt fortan
ihren Hodscha so wie früher den Arzt,
Mit geringfügigen Abweichungen wird diese Ge-
schichte in einer Novelle Bandellos erzählt, nämlich der
35, des I, Teiles: Naovo modo di castigar la moglie ritro-
vato da un Gentiluomo veneziano; die Novelle Bandellos
ist die Quelle der 1. Histoire in den Amans trompez,
Amsterdam, 1696, S, 3 ff,: De Camille, et du Docteur du
250
Cil, die wieder nach Tittraanns Einleitung zum II. Bande
der Simplicianischen Schriften Grimmeishausens, Leipzig,
1877, S. XIX ff. die Quelle der Erzählung im 5. bis 8. Ka-
pitel des II. Teiles des Vogelnests, S, 174 ff. ist.
Die griechische Ausgabe der Schwanke Nasreddins 554.
schließt mit einer Geschichte, in der Nasreddin gar nicht
vorkommt; denselben Inhalt hat aber Buadem, Nr. 161 und
überdies hat sie Renato La Valle 1910 im Giornale d'Italia,
dessen Vertreter er in Konstantinopel ist, von Nasreddin
mitgeteilt: Einmal erschien Nasreddin vor dem Sultan und
klagte ihm sein Leid; „Ich habe nicht zu leben," sagte
er, „könnte aber mein Leben sehr gut fristen, wenn du
mir durch ein Handschreiben die Erlaubnis gäbest, von
jedem Muselman, der vor seiner Frau Furcht hat, fünf
Para einzuheben." Da die Zahl der Muselmanen, die ihre
Weiber fürchten, sehr groß ist, wird der Hodscha bald ein
reicher Mann. Da sagt der Sultan zu ihm: „Da du durch
meine Gnade reich geworden bist, hoffe ich, daß du dich
mir durch ein Geschenk erkenntlich zeigen wirst."
„Sicherlich, Großherr; ich habe dir auch schon eine
wunderschöne Sklavin aus Cypern mitgebracht." „Sprich *
doch leiser," sagte der Sultan, indem er sich scheu um-
blickte; „im Nebenzimmer ist meine Frau." Sofort nahm
der Hodscha den Erlaß aus der Tasche und sagte: „Fünf
Para her, Großherr!"
Vgl. Krauss, Zigeuner humor, S. 208 ff.: Wer sich da
vor seinem Weibe fürchtet.
Zum Schlüsse folge eine Dschohageschichte, die 555.
Reinisch in der N uhasprache, im Idiome von Fadidscha,
aufgezeichnet, deren Übertragung ins Deutsche er aber aus
naheliegenden Gründen unterlassen hat [Nuba-Sprache, I,
S, 236 ff.):
Dschauha quondam gregem prae se agebat ac dum
vadid magna voce clamavit: „Gregem meum totum is, sive
vir erit sive femina, accipiet, qui me edocuerit, quo modo
coitus instituatur,"
Quam conditionem captiosam audivit homo quidara,
qui in loco superiore occupatus erat opere in agro, Oculis
251
igitur modo in meridiem, modo in septentrionem conversis
non conspexit uUum testem molestum.
Tum is homo secum: ,,Age, inquit, id quod vull edocebo
istum ac gregem eius accipiam." Itaque Dschauham is
acclamavit verbis: „Heus tu, huc venu nam te edocebo."
Venit Dschauha et rusticus braccis detractis se obtulit
illi apto ad eam rem usus corporis statu. Qui mox penem
intulit in anum rustici semenque emisit.
lam cum penem eduxisset Dschauha quaesivit ex
rustico, quid esset album illud, quod de natura ipsius
destillaret. Rusticus; „Inde, inquit, nascuntur pueri."
Tum Dschauha rusticum manibus apprehendit et
clamavit: „Redde mihi liberos meos!" Is autem cum, ne
clamore Dschauhae res proderetur, metueret, miti ac clara
voce dixit: „Ego vero nullo pacto postuio gregem tuum;
quam ob rem tacitus quaeso abeas."
Unde profectus cum grege Dschauha cum ad villam
venisset, ante aedium ianuam mulierem vidit cum puella
sedentem. Cum igitur ibi eadem quae ante clamando
pronuntiasset, mulier ad puellam haec locuta est: ,,Cum
non sint nobis armenta, hunc quae vult edocendo faciam,
ut gregem eius accipiam,"
Advocatus Dschauha, postquam mulier vestibus depo-
sitis accubuit, eam subagitavit. Coitu perfecto ex muliere
quaesivit, quid esset album illud, quod de natura ipsius
destillaret.
Respondit muHer: „Necdum id tu cognovisti?" „Mi-
nime," ait Dschauha. Et mulier: „Inde, inquit, nascuntur
pueri."
Tum Dschauha mulierem manibus apprehendit ac
minis usus petiit ab ea, ut sibi liberos redderet. Perterrita
mulier: ,,Iam abeas, inquit, cum grege," Itaque profectus
est Dschauha.
Cum autem sol ad occasum vergeret, rusticus domum
venit ex agro ac cum matre, uxore filiaque consedit ad
cenandum.
Sedentibus iis, vir cum grave interdiu fecisset opus
podice, crepitum emisit.
Tum is: „Quid, inquit, id est?" Et uxor: ,,Id podex
tuus fecit."
Quae cum dixisset mox ipsa crepuit. Ex qua cum
quaesivisset vir, cur creparet, respondit: „Praeteriit villam
252
nostram homo quidam cum aliquot boum capitibus et
clamavit: ,Qui me coitum facere didicerit, sive vir erit
sive femina, gregem meum mercedem accipiet,' Ut rem
familiärem tuam augerem, me ab illo subagitari passa sum,
qua re defatigata crepitum emisi."
Tum vir: „Ergone, inquit, iste huc etiam venit? ut ego
quoque creparem, is effecit."
Quae cum locuti essent, rem integram reliquerunt.
253
ibn Abdirabbihi, Kitab al ikd al farid I, 206 254 258; II, Index.
201 202 230 238 240
al Abschihi, Mustatraf I, 255 257 273 279; II, 202 203 230
236 238.
Abstemius, Hecatomythia II, 249.
Agricola, Sprichwörter I, 239.
Alexander ab Alexandro, Dies geniales II, 185,
Amans (Les) trompez II, 250.
Andrews, Contes ligures II, 183 195.
Anthropophyteia I, 207 216 217 224 228 237 273 278 279;
II, 232 243.
ibn Arabschah, Fakihat al hulafa I, 217 255; II, 186.
-/ Archie Armstrong's Banquet of Jests I, 231 237 249 250;
II, 219.
Arguijo (Juan de), Cuentos II, 226 233.
Arienti, Porretane I, 220 239 254.
Arlottos Schwanke 1, 205 207 227 240 246 256 259 260 275
278; II, 203.
Armeno-Wetzel, Die Reise der Söhne Giaffers II, 198,
Artin Pascha (Yakoub), Contes populaires de la vallee du
Nil I 224; II, 229 234.
Asbjörnsen, Fairy Tales from the Far North I, 274,
Aesop I, 218 259; II, 206.
Augier et Sandeau, Le gendre de M. Poirier l, 208,
Aurbacher, Volksbüchlein I, 211 220 232 272,
Aventures (Les joyeuses), 1556 I, 223 233 271; II, 187,
Auentures (Les joyeuses), 1577 I, 233 271,
Baitäl Pachisi II, 185.
Bandello, Novelle I, 222 242; II, 250.
Banquet (A choice) of Witty Jests II, 219.
Baraton, Poesies I, 225 280,
/ Bar-Hebraeus, The Laughable Stories I, 212 219 231 243
260 267 276 282; II, 181 183 188 191 224 230 241 242.
V Basile (Giamb.), La cunto de li cunti II, 205 211 214,
Basset, Contes d'Afrique I, 216 233 236; II, 204 205,
— Contes berberes I, 280; II, 201 243.
— Löqman berbere I, 226 273; II, 204.
— Zenatia I, 239 263; II, 201,
Bebel, Schwanke I, 210 231 240 252 275 280; II, 212 214
216 233,
Behrnauer, Die vierzig Veziere 1, 250 279,
255
Beroalde de Verville, Le Moyen de parvenir I, 277.
Bezemer, Volksdichtung aus Indonesien II, 197.
Bharataka Dvätrim^ikä I, 217.
Birlinger, Volksthümliches aus Schwaben I, 268.
Blade, Contes populaires de la Gascogne I, 208 217 236
241 252 269; II, 205 245.
Boccaccio, Decameron I, 216 229; II, 186.
Böhm, Lettische Schwanke I, 249 252 268 274 276; II, 182
184 197 205 209 212 214.
Boner, Der Edelstein I, 220 237; II, 194 244.
Bouchet, Les Serees I, 277; II, 224.
Brant (Sebastian), Esopi appologi I, 257 268; II, 249.
Bromyard, Summa praedicantium II, 189 213.
Bronner, Bayerisches Schelmen-Büchlein I, 207 220 242
246 249 273; II, 209.
Bullinger, Contra Cochlaeum II, 219.
Busch, Ut öler Welt I, 252 276 280; II, 197 207 212.
Bütner (Wolf gang). Von Claus Narren I, 213 223 238 241;
II, 196 209 226.
Büttner, Suaheli- Litteratur I, 213 225; II, 212.
Camerarius (Joachim), Arithmologia II, 187.
— Fahulae I, 259; II, 249.
Campbell, Populär Tales of the West-Highlands I, 208 261
268 269 272 274.
C. A. M. V. W., Zeitvertreiber I, 221 222; II, 221.
Carbone (Lodovico), Facezie I, 225 250; II, 248.
Cardonne, Melanges de litteratur e Orientale I, 256 259;
II, 241.
Carnoy, Litter ature orale de la Picardie I, 252 272; II,
183 205.
Casalicchio, L'utile col dolce I, 225 250 262; II, 232.
Castiglione, // cortegiano I, 225; II, 227 239.
Catull I, 211.
Celles, Epigramme II, 214.
Cent nouvelles nouvelles I, 271; II, 187 204,
Cervantes, Don Quixote I, 268.
Chappuis, Les facetieuses Journees I, 247.
Chevreau, Histoire du monde II, 191.
Cicero, De oratore I, 225; II, 239.
Cieco da Ferrara, Mambriano I, 265.
Conceites (The Pleasant) of Old Hobson 1, 225 234.
256
Conceits, Clinches, Flashes, and Whimzies II, 219,
Conceyts (Certayne) and Jests I, 231; II, 226,
Cortesius, Volantillae II, 221.
Cosquin, Contes populaires de Lorraine I, 272; II, 182 183
184 195 203 204 205 209 211 213 214 245.
Costo, // Fuggilozio I, 228 235 278; II, 190 210 229.
Cowell, The Jätaka I, 272.
Crane, Italian Populär Tales I, 265; II, 195 211.
Cukasaptati II, 187,
Dähnhardt, Natursagen I, 265,
Daudiguier (Henry), Lysandre et Calisto II, 249,
Delicado, La Lozana andaluza II, 249,
Delight and Pastime I, 215,
Dcmocritus ridens I, 213 215 266 280.
Descriptio Norfolcensium II, 230.
Des Periers, Nouvelles recreations, l, 223 233 235; II, 248.
Domenichi, Facetie I, 215 221 231 232 250 266; II, 187 204
220 226 234.
Doni, / Marmi I, 231.
— Rime del Burchiello I, 233.
— La Zucca II, 221.
Dschami, Bäharistan I, 259 282; II, 189 202 239 240 241,
al Dschausi, Kitab al askija II, 189.
Dschelaleddin Rumi, Mesnewi I, 248 272; II, 185 243,
Dunbar (William) I, 256,
Echa rabbathi II, 202,
England' s Jests I, 229; II, 218,
Eyering, Proverbiorum copia I, 220 237 247 250 280.
Fables turques I, 267; II, 227.
Fabliaux (Deutsche) s. Hagen, Keller (Ad. v.) und Lambel,
Fabliaux (Französische) s, Legrand und Montaiglon-Ray-
naud.
Facecies, et motz subtilz II, 220 229.
Facetie (Les piacevoli et ridiculose) di M. Poncino della
Torre I, 220,
Facetie, motti, buffonerie et burle del Piovano Arlotto I,
247,
Facezie e motti dei secoli XV e XVI II, 217.
al Farazdak I, 215.
Nasr eddin, IL 17 0^1
Farce des deux savetiers I, 220,
Fincken-Ritter (Der edle) I, 244; II, 239 245.
Firenzuola, La Trinuzia I, 275.
Fleury, Litter ature orale de la Basse-Normandie I, 210;
II, 182.
Frey, Gartengesellschaft I, 244 249 252 257 275; II, 192
204 212 237.
Galland, Les paroles remarquahles des Orientaux I, 207
232 247 258 259 261 262 263 282; II, 202 225 239 240
241.
Garibay, Cuentos I, 229 247,
Garzoni, La piazza universale I, 247.
— La sinagoga de gl'ignoranti I, 265,
Gastius, Convivales sermones I, 231; II, 187 225,
Georgeakis et Pineau, Le Folk-lore de Leshos I, 221 251
269,
Gerlach, Eutrapeliae I, 247,
German Rogue I, 271,
Gesta Romanorum I, 264; II, 185 194 206,
Giuliano, Dialogo d'un medico con un secretario et un
palafreniere II, 190,
Gladwin, The Persian Moonshee I, 222 243 254 258 259;
II, 203 239 243,
Gonzenbach, Sicilianische Märchen II, 213 215,
Gotham (The Mad Men ofj s, Tales.
Grillenuertreiber I, 217,
Grimm, Kinder- und Hausmärchen I, 222 264 272; II, 201
206 210 215 220.
Grimmeishausen, Vogelnest II, 251,
Guicciardini, Detti et fatti 1, 225; II, 248,
Guru Paramdrtan I, 217 225 268,
Hagedorn II, 190.
Hagen, Gesammtabenteuer II, 188 214 245,
Haltrich, Deutsche Volksmärchen aus Siebenbürgen I, 217
270; II, 205 206 215,
Hammer, Rosenöl I, 248 261; II, 196 203 240 242 243.
Harrington (John) I, 257,
Harsdörfer, Ars apophtegmatica I, 222 229 231 247 250.
280' II 221 233
Hehel,' Schatzkästlein I, 215; II, -190 226.
258
Heine, Reisebilder I, 208.
Herbelot, Orientalische Bibliothek I, 245; U, 241.
Hermotimus, Additamenta U, 220 229,
Herrant v, Wildonie H, 188,
ibn Hidschdscha, Thamarat al aurak I, 247,
Hierokles s. Philogelos.
Hundred Mery Talys I, 239; H, 189 219.
Ilg, Maltesische Märchen I, 221 262 276 278; H, 183 205
209 210 213.
Ispirescu, Snöve I, 205 207 234 241 268 276; H, 185 229,
Jacke of Dovers Quesi of Inquirie I, 248 249 266,
Jacob, Türkische Volkslitteratur II, 213.
Jacobs, Celtic Fairy Tales I, 269,
— English Fairy Tales I, 241 252 268 272 274; H, 182 183
195 206.
Jacques de Vitry, Exempla I, 245; H, 243,
Jahn, Schwanke und Schnurren I, 269; II, 195 206 229,
Jätaka s. Cowell.
Jests of Scogin I, 221 225 237,
Joe Millers Jests I, 231 248; II, 219 229,
Johannes Junior, Scala coeli II, 202.
Juvenal I, 211,
al Kaljubi, Nawadir II, 183.
» Kathd Sarit Sägara s. Somadeva.
Keller (Ad. v.), Erzählungen aus altdeutschen Hand-
schriften I, 265; II, 188.
Keller (Albr.), Die Schwaben I, 208 220 226 249 269; II,
209.
Kirchhof, Wendunmuth I, 218 225 233; II, 206.
Knoop, Volkssagen I, 269.
Knowles, Folk-Tales of Kashmir I, 252 268.
Kopisch I, 268,
Krauss, Sagen und Märchen der Südslaven I, 222 226 276
280; II, 205 206.
— Zigeunerhumor I, 207 210 222 253 254 268; II, 215 219
221 228 251-
Kuka, The Wit and Humour of the Perstans I, 207 209 211
212 219 227 231 243 245 248 255 260 276 277 282; II,
185 186 187 202 203 223 226 231 236 237 238 240.
17* 259
La Fontaine II, 245 248.
Laienbuch I, 235 269; II, 192 209.
Lambel, Erzählungen und Schwanke II, 188.
Lamii, Latifeh nameh 1, 256,
Landes, Contes annamites I, 226 265; II, 221.
Leben (Das kurtzweiligej von Clement Marott I, 268; II,
249.
Leger, Recueil de contes populaires slaves I, 252,
Legrand, Fabliaux II, 245.
Lehmann, Exilium melancholiae I, 229 231 238 247 250 262
268 277; II, 219 229 237.
— Florilegium politicum I, 208 237,
Lidzbarski, Geschichten aus neu-aramäischen Handschrif-
ten I, 242 255 265; II, 187 197 211 212 235 237,
Lindener, Katzipori I, 268.
Lucas, Didlogos I, 225.
Lundorf, Wißbadisch Wisenbrünlein I, 277.
Luscinius, Joci ac sales II, 225.
Luzel, Contes populaires de Basse-Bretagne II, 182 183
209.
Mackenzie, Tyll Owlglass I, 240.
Abu Madjan, Madschmu az zarf I, 264 277.
al Maidani, Madschma al amthal I, 214; II, 183 188 231,
Marguerite de Navarre, L'Heptameron I, 278; II, 190.
Marianus (Christophorus), Convivium evangelicum I, 277,
al Masudi, Les Prairies d'or, II, 181 245.
Meder, Quadragesimale II, 214.
Meier, Deutsche Sagen aus Schwaben I, 241.
Meißner, Neuarabische Erzählungen aus dem Iraq I, 227;
II 212 219 241 242 244.
Melander, Jocoseria I, 222* 247 269; II, 187 219.
Memel, Anmuthige lustige Gesellschaft I, 221 222; II, 218.
Menage, Origini della lingua italiana I, 218 228.
Mendoza, Lazarillo de Tormes I, 262.
Mensa philosophica I, 274; II, 233.
Merkens, Was sich das Volft erzählt I, 210 217 226 229
241 249 250 252 268 269 274; II, 182 215 229 237.
Meschreb, der weise Narr I, 230.
Mey, Fäbulario I, 247 249.
Minaef, Indeisltija sliasliy II, 184.
260
Monnier, Les contes populaires en Italie I, 207 280; II,
183 206.
Monosini, Flores italicae linguae I, 219.
Montaiglon-Raynaud, Fabliaux II, 188 245.
Montanus, Schwankbücher I, 229 249 252 254 260 265 268
272; II, 197 206 245.
Morlini, Novellen I, 240 250 263 271 272; II, 184 212 213
228 237.
Motylinski, Dialogue en dialecte de Djerba I, 236.
MüUenhoff, Märchen und Lieder I, 241 268.
Musculus, Enarrationes I, 269,
Narren, Gaukler und V o 1 k s li e b li n g e ;
Arlotto s, Arlottos Schwanke.
Armstrong s. Archie Armstrong's Banquet of Jests.
^ Bahlul II, 212 241.
Barlacchia s, Facetie, motti, buffonerie.
Abu Dulama II, 237.
Eulenspiegel II, 246 249; s. auch Mackenzie.
Gonnella II, 228.
Habannaka I, 214; II, 231.
Hobson s. Conceites (The Pleasanf).
Karakusch I, 230; II, 210 229 230.
Klaus Narr s. Bütner.
Abu Nuwas I, 211; II, 184 242.
Poncino della Torre s. Facetie (Le piacevoli).
Scogin s. Jests of Scogin.
Sztukoris s. Veckenstedt, Sztukoris.
Triboulet I, 223; II, 231.
Nicolas de Troyes, Le grand parangon des nouvelles nou-
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Nieri, Racconti popolari lucchesi I, 257.
Nopcsa, Aus Sola und Klementi II, 206,
Novella dell Grasso legnajuolo I, 275.
Novelle antiche I, 227 229.
Nugae doctae Gaudentii Jocosi I, 269.
Nugae venales II, 235.
Nuzhat al udaba 1, 230 234 257 282; II, 181 188 194 196
217 224 226 239 240 243.
O'Connor, Folk Tales from Tibet I, 225; II, 183 195,
Ortoli, Les contes populaires de l'ile de Corse I, 241,
261
Ouville, L'EIite des Contes I, 228 277,
Oxford Jests I, 225; II, 221,
Panciatichi, Cicalate II, 226.
Pantagrueliques (Les) I, 225.
Pantschatantra (Benfey) II, 187 201 206 207 245.
— (Dubois) I, 263.
Parangon (Le) des Nouvelles honnestes I, 229,
PasquU's Jests I, 275.
Pauli (Job.), Schimpf und Ernst I, 223 232 239 244 264
275; II, 185 189 194 197 245.
Pauli (Seb.), Modi di dire I, 228 265.
Petrarca, Epistolae II, 244,
Petrus Alphonsi, Disciplina clericalis I, 206.
Pharaon, Spahis, Turcos et Coumiers I, 222.
Philagrius s. Pfiilogelos.
Pfiilogelos I, 206 208 210 213 219 222 225 230 263 274 277;
II, 235 236 237 239 249.
Pinedo (Luis de), Lihro de cliistes I, 205; II, 221.
Pitre, Fiabe, novelle e racconti popolari siciliani I, 217
250 265; II, 195 213.
— Novelle popolari toscane I, 212 218 226 272; II, 182 201
211 212 213.
Plutarch, De exilio I, 219.
— Questiones graecae II, 185.
Poggio, Facetiae I, 234 244 257 265 267 278; II, 190 204
229 232 246 249.
Pontanus (Jo, Jov.), Antonius dialogus II, 244.
Predigt mär lein I, 222 231 250 280; II, 185 203 213
243. S. auch Bromyard, Jacques de Vitry, Johannes
Junior, Mensa pfiilosopfiica und Meder,
Preindlsberger-Mrazovic, BosniscJie Volksmärchen II, 201
211,
Prym und Socin, Tur 'Abdin I, 210 217 268; II, 241 249.
Pulci, Morgante I, 239,
Radioff, Volfislitteratur der türkischen Stämme Süd-
sibiriens II, 194 213.
Recreations frangoises I, 278.
Recueil des plaisantes et facetieuses nouvelles I, 223 233
271; II, 187,
262
Reinisch, Die 'Afar-Sprache I, 278; II, 212,
— Die Bedauye-Sprache II, 215.
— Die Nuba-Sprache I, 223, 235; II, 206,
— Die Saho-Sprache II, 215.
Rittershaus, Die neuisländischen Volksmärchen I, 226 240
252 263 272 274 276; II, 197 214.
Riviere, Contes populaires de la Kabylie du Djurdjura II,
184 205.
Roda Roda, Der Pascha lacht I, 213 225 232 258 260 261
263 268 272 280; II, 181 201 225 228 233 237.
Roger Bontemps en Belle Humeur II, 181 248.
Rückert I, 211 269.
Saadi I, 258.
v' Sacchetti, Novelle I, 259 277,
Sachau, Fellichi-Dialekt von Mosul I, 255.
Sachs (Hans) I, 223 229 232 256 257 259 265 268; II, 188
192 245.
Sackful of News I, 207 242; II, 182.
Sagredo, L'Arcadia in Brenta I, 220 225 228 247 254 266
280; II, 204 210 232 234,
Santa Cruz (Melchor de), Floresta espanola I, 229,
Sauve, Le Folk-lore des Hautes-Vosges I, 220.
V Schiefner, Tibetan Tales I, 242,
Schildbürger s. Laienbuch.
asch Schirwani, Nathat al jaman I, 211 243 260; II, 201
237.
Schlegel (August Wilhelm) II, 246.
Schleicher, Litauische Märchen I, 217; II, 198.
Schott, Walachische Märchen II, 205.
Schumann, Nachtbüchlein I, 244 265 268 269 276; II, 203,
Schupp I, 222 231,
Sebillot, Litteratture orale d'Auvergne I, 252; II, 205.
— Litteratture orale de la Haute-Bretagne I, 252 272 276;
II, 215 229 245,
Sercambi, Novelle I, 214; II, 246.
Siao li Siao I, 206,
Sklarek, Ungarische Volksmärchen II, 201 205 206,
Socin und Stumme, Der arabische Dialekt der Houwara
II, 198 204 205,
V Somadeva, Kathd Sarit Sdgara I, 242; II, 182 201 213 247.
Somma, Cento racconti II, 190.
263
Stobaeus II, 185.
Storia di Campriano contadino II, 197.
Straparola, Piacevoli notti I, 264 265 271; II, 184 216.
Stricker, Der Pfaff Amis II, 249.
Stumme, Maltesische Märchen II, 214.
— Tunisische Märchen II, 245,
Swynnerton, Romantic Tales from the Panjäb I, 217 224
231 262 265 268 270 272 277; II, 184 195 243.
Syntipas II, 196.
Tabourot, Contes facecieux du Sieur Gaulard I, 208 219
272 277; II, 191 223 227 229.
Tale of Beryn I, 245.
Tales and Quicke Answeres 1,225 231234 250 268; 11,249.
Tales (Mery) of the Mad Men of Gotham I, 244 268 272;
II, 229.
Tallemant des Reaux II, 214.
, Tanträkhyäyika I, 249; II, 213.
y Tausend und eine Nacht I, 238 244 271 282; II, 198 204
213.
Tewfik, Ein Jahr in Konstantinopel II, 236.
Theodulphus, Carmina II, 218,
Tholedoth Jesu II, 244.
Thorburn, Bannü II, 184.
Timoneda, Patranuelo I, 220.
— Sobremesa I, 225 279.
Titius, Loci controversi I, 218,
Tombeau (Le) de la melancolie II, 248.
Tripitaka 1, 242 272.
Veckenstedt, Sztukoris I, 224; II, 198.
— Zamaiten I, 241.
Veiten, Märchen der Suaheli I, 211; II, 212.
Vinson, Le Folklore du Pays Basque I, 217.
Volkserzählungen:
Afghanische s, Thorburn.
Ägyptische s. Artin.
Albanische s. Nopcsa.
Algerische s. Basset, Contes herberes (auch von Ber-
bern in Marokko usw.), derselbe, Zenatia, Pharaon
und Riviere.
Annamitische s, Landes.
264
Volkserzählungen:
Brasilianische II, 195.
Corsicanische s. Ortoli,
Dalmatinische II, 182 205.
Deutsche I, 217 242 246 268; s. auch Birlinger, Bronner,
Busch, Grimm, Jahn, Albr. Keller, Knoop, Meier,
Merkens und MüUenhoff.
Englische s. Jacobs.
Finnische II, 196.
Französische I, 217 224 237 241 242 252 268 272 274
275; II, 182 184 190 195 203 205 209 211 212 213
215 231 243; s. auch Blade, Carnoy, Cosquin, Fleury,
Luzel, Sauve, Sebillot und Vinson.
Griechische II, 251; s. auch Georgeakis,
Indische s. Garu Paramärtan, Knowles, Minaef und
Swynnerton,
Indonesische s. Bezemer.
aus dem Irak s. Meißner.
Isländische s. Rittershaus,
Italiänische I, 207 220 237 241 250 262 264 274; II, 180
212 213 215 219; s. auch Andrews, Crane, Gonzen-
bach, Monnier, Nieri, Seb. Pauli, Pitre und Storia.
Japanische I, 252.
Jüdische I, 222 241.
Keltische s. Campbell und Jacobs,
aus dem östlichen Kleinasien s. Lidzbarski, Prym-Socin
und Sachau.
Lettische s. Böhm.
Litauische s. Schleicher und Veckenstedt.
Maltesische s. Ilg und Stumme.
Marokkanische II, 205 247; s. auch Socin-Stumme.
Nubische s. Reinisch, Nuba und Bedauye.
aus Ostafrika s. Reinisch, 'Afar und Saho.
Rumänische s. Ispirescu und Schott.
Russische I, 205.
Sibirische s, Radioff.
Siebenbürgische s. Haltrich.
Skandinavische II, 195; s. auch Asbjörnsen.
Spanische II, 221,
Suaheli s. Büttner und Veiten.
Südslavische II, 195; s. auch Anthropophyteia, Krauss
und Preindlsberger-Mrazovic.
265
Volkserzählungen:
Tibetanische s. O'Connor und Schiefner.
aus Timbuctu I, 216,
Tunisische I, 277; II, 215; s, auch Motylinski und
Stumme.
Türkische II, 202; s, auch Jacob,
Ungarische s, Sklarek.
Westslavische s. Leger,
der Zigeuner s, Krauss und Wlislocki,
Wajikra rabba I, 227; II, 235,
Waldis, Esopus I, 239 269; II, 206 249.
Wickram, Rollwagenbüchlein I, 207 232 235 249 275 278;
II, 198 210.
Wlislocki, Märchen der transsilvanischen Zigeuner II, 206
209.
Zabata, Diporto de' viandanti I, 212 220 225; II, 232.
Zakani, Die herzerfreuende Schrift I, 207 210 214 235 244
248; II, 185 217.
az Zamachschari, Rabi al abrar I, 235.
Zimmerische Chronilt I, 248 269.
Zincgref-Weidner, Teutsche Apophtegmata I, 208 229 238
241 262; II, 189 196 226 229 231,
266
I
/
PN
6231
N27H63
1911
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